Vortrag: Wie kannst du wissen wer ich bin? Was deine Daten über mich verraten #datenspuren14
von Kusanowsky
Bei den Datenspuren 2014 in Dresden werde ich einen Vortrag zu folgendem Thema halten:
Wie kannst du wissen wer ich bin? Was deine Daten über mich verraten
Das, was Daten über Personen aussagen, ist keineswegs selbstverständlich. Die Aussagefähigkeit von Daten ist abhängig von sozialen Strukturen, die eine Zuordnung ermöglichen. In einem Vortrag möchte ich erklären, wie diese Strukturen zustande kommen und wie sie sich ändern können.
Was verraten deine Daten über mich? Diese Frage wirkt zunächst seltsam, weil man meinen könnte, dass deine Daten nur etwas über dich aussagen. So ist das aber nicht. Die Frage verweist darauf, dass das, was die Beteiligten über einander wissen, nicht notwendig etwas ist, das sie von einander wissen. Ich schlage einen Vortrag vor, indem ich diesen Zusammenhang genauer erläutern möchte. Denn dieser Punkt ist sehr wichtig, wenn man über wirksame Datenschutzvorkehrungen nachdenkt. Denn: wenn nicht klar ist, was zu schützende und was nicht zu schützende Daten sind, dann ist auch nicht so einfach Klarheit über die Aussagefähigkeit von Daten zu bekommen. Ich möchte erläutern, wie diese Aussagefähigkeit zustande kommt und wie die Aussagefähigkeit von Daten fraglich werden könnte.
https://twitter.com/kusanowsky/status/462665714152001536
Steckbrief, Schweiz 1799, Transkription:
“Hans Rudolf Weber, Streckschneider genannt, von Menziken, im Distrikt Kulm, Kantons Aargau, bey 67 Jahren alt, ist von besezter (gedrungener) Statur, ohngefähr 5 Schuh 6 Zoll Bernmaaß hoch, hat ein grobes und blaßes Angesicht, graue, hart am Kopfe abgeschnittene Haare, auch graue Augenbrauen, graue Augen, eine dike eingedrückte Nase und einen großen Mund. Er trägt alte, mit Lappen besezte zwilchene Pantalons, einen alten zwilchenen Kittel, ein altes rothes Leiblin und über dasselbe ein Camisol von halbbaumwollenem Tuche, alte, zerrißene wollene Strümpfe und sehr schlechte Schuhe mit Schnallen von verschiedener Façon.”
Der Steckbrief ist ein Datensatz, der einen anderen Datensatz beschreibt, nämlich die Kleidung des Gesuchten.
Die Beschreibung der Kleidung war in vorinustrieller Zeit wichtiger als die Beschreibung des Gesichts. Die Beschreibung des Gesichts war deshalb so schwer, weil die visuelle Wahrnehmung von Gesichtern für die Menschen der früheren Zeit keinem Training durch Bilddokumente (Fotos oder Bilder) unterlag. Nur Künstler, Maler hatten die Möglichkeit, ihre visuelle Wahrnehmung von Menschengesichtern zu trainieren. Für alle anderen war das nicht so einfach, weil gedruckte Bilder von Menschengesichtern nicht für alle überall verfügbar waren.
Die Beschreibung der Kleidung war deshalb so wichtig, weil der Gesuchte nicht so leicht die Möglichkeit hatte, seine Kleidung zu wechseln (vorindustrielle Produktion)
True ! Danke.