Etwas über Ideologie und Theorie 3 @herr_monk
von Kusanowsky
zurück / Fortsetzung: Alle Ideologie und ihre Kritik, sowohl ihre Ablehnung als auch ihre Akzeptanz, sowohl ihre Verurteilung als auch gesteigerte Erwartungen an ihre Legitimität, unterlagen im Evolutionsprozess der modernen Gesellschaft den Bedingungen der Rechtfertigung von Exkludierung. Es ging, kurz gesagt, darum, innerhalb unauflösbarer und unvermeidbarer Verhältnisse der Konkurrenz, Rechtfertigung für Meinungen, Entscheidungen und Handlungen zu formulieren. Die Konkurrenz bildete dabei den blinden Fleck, das heißt, sie wurde zugleich als Instanz für Rechtfertigung verwendet wie sie aber auch innerhalb dieser Konkurrenzverhältnisse abgelehnt wurde. Auch die Ablehnung der Konkurrenz um die Beanspruchung knapper Ressourcen unterlag selbstähnlichen Strukturen der Rechtfertigung von Konkurrenz. Und daran wird sich innerhalb stabiler Organisationen auch nicht viel ändern, sofern und solange Organisationen als Machtapparate zuverlässig den Zugriff auf Ressourcen gestatten und entsprechend Exkludierung vornehmen müssen.
Aber das schließt eben nicht mehr aus, dass alle Ressourcen durch Machtapparate der bekannten Art verfügbar gemacht werden müssen. Das geht, wenn die Verfügung ganz anderer Ressourcen durch andere Strukturen voraussetzungsreich entwickelt wird.
Mein Argument lautet, dass solche Strukturentwicklungsprozesse durch die Digitalisierung angestoßen werden, Prozesse, die gleichwohl in ihrer Bedeutsamkeit, in ihrer Durchsetzungsfähigkeit, in ihrer Attraktivität und in ihrer Möglichkeit, strenge Formen auszubilden, noch nicht sehr gut beurteilbar sind.
Aus diesem Grund kann man zurecht – und ganz leicht – eine Beobachtung dieser Prozesse ablehnen, aber aus dem selben Grunde kann man sich darauf einlassen. Beides ist gar nicht rechtfertgungsbedürftig, da nicht erkennbar ist, welcher spezifische Ressourcenzugriff dadurch entsteht und wodurch entsprechend Legitimierungsbedarf zustande käme. Wo aber dennoch Rechtfertigungen formuliert, vorgetragen und verbreitet werden, Rechtfertigungen, die angesichts der Unüberschaubarkeit der Verhältnisse, genauso unterbleiben könnten, offenbart sich nur, dass sich eine Struktur trivialisiert, nämlich die Erwartung auf Rechtfertigung, welche ob ihres funktional komplett entwickelten Status Quo kaum noch Begrenzungen zulässt. Man erkennt da, wo Rechtfertigung ohne Notwendigkeit vorgetragen werden, die aber der Selbstauskunft nach Notwendigkeit behaupten, ein Manöver der Lernunwilligkeit zur Fortsetzung, zur Beharrung auf Normailtäten, Selbstverständlichkeiten, Gewohnheiten, Regeln und Erwartungen, die aufgrund der Umgehung knapper Ressourcen aber eigentlich nur mit dazu beitragen, eine Strukturalternative zu erschaffen. Sich mit anschließenden Rechtfertigungen dieser Beobachtung entgegen zu stellen, heißt hier: ideologische Beharrung zu betreiben, auf Lernunwilligkeit zu bestehen, welche, wenn zwar auch ein Hindernis, aber ein unvermeidbares Hindernis sind, um Strukturalternativen, die die Inkommunikabilitäten funktionaler Differenzierung aufdecken könnten, zu befördern.
Ideologie wäre in dem Zusammenhang der Verzicht auf eine Theorie zur Beobachtung unbekannter Möglichkeiten, als ein kostengünstiges, weil ungehindertes Recht, Meinung zu äußern, welches solche Indifferenz zulässig macht. Ideologie wäre in dem Fall: trivial-transzendentaltheoretische Rechtfertigung für Subjektivität – Ideologie deshalb, weil solchen Rechtfertigungen der Widerstand verloren geht, durch den transzendentaltheoretische Begründungen Überzeugtheiten herstellen können.
bisher:
„Die Spannung steigt, wohin?“
(War ja gespannt auf Teil 3.)
„Sie weiß es noch nicht, die Spannung…“
Denn:
„Alle Ideologie und ihre Kritik, sowohl ihre Ablehnung als auch ihre Akzeptanz, sowohl ihre Verurteilung als auch gesteigerte Erwartungen an ihre Legitimität, unterlagen im Evolutionsprozess der modernen Gesellschaft den Bedingungen der Rechtfertigung von Exkludierung.“ – ?
1. „Evolutionsprozess der modernen Gesellschaft“ ‚? Den gibt es doch leider (noch ) nicht, da der erst noch bevorsteht, die „Evolution der modernen Gesellschaft“
2. Wenn es den Prozess noch nicht gibt, kann auch BISHER diesem noch nichts „unterlegen gewesen sein“
3. Sollte schlicht nur der BISHERIGE Evolutionsprozess von Gesellschaft gemeint sein, erhebt sich weiter die Frage, wie Gesellschaft als rein soziale Erscheinung evolutionieren könnte, was bisher nicht als beaobachtet und nicht beschrieben, weil nicht möglich, gilt
4. Sollte die Evolution des biologischen Phänomens Mensch als Menschheit gemeint sein, erhebt sich die Frage, wie sich „Alle Ideologie und ihre Kritik, sowohl ihre Ablehnung als auch ihre Akzeptanz, sowohl ihre Verurteilung als auch gesteigerte Erwartungen an ihre Legitimität,“ als nur sozial determinierbare Phänomene, einer nur biologisch realisierbaren „Vererberbung“ und dabei erfolgenden „evolutionären Veränderung“ zuführen ließe, was gegenwärtig nicht möglich ist.
5. Der Versuch, „Evolution“ auf rein sozial determinierbare Vorgänge zur Anwendung zu bringen, widerspricht rundum den für evolutionäre Vorgänge erforderlichen Voraussetzungen, dazu darf u.a. gern der alte Darwin bemüht werden.
6. Konkurrenz, Rechtfertigung für Meinungen, Entscheidungen und Handlungen sind damit keine evolutionär kategoriesierbaren Phänomene und können damit kein „blinder Fleck“ im beschrieben gedachten Sinne sein. Solange dies alles nicht ausgeräumt oder in anderem plausiblen Kontext darstellbar sind, ist die Bewertung des Textes / Themas obsolet und als lustige Trollerei interessant.
„Strukturentwicklungsprozesse durch die Digitalisierung“ bedürfen damit wohl einer völlig anderen Betrachtungsanlage, die auch im gemeinten Sinne sich als beobachtbar zeigen und sind daher in der Tat „nicht beurteilbar“.
So daß dies wohl zutrifft:
„Ideologie wäre in dem Fall: trivial-transzendentaltheoretische Rechtfertigung für Subjektivität – Ideologie deshalb, weil solchen Rechtfertigungen der Widerstand verloren geht, durch den transzendentaltheoretische Begründungen Überzeugtheiten herstellen können.“,
besser:
„Der Widerstand, durch den transzendentaltheoretische Begründungen Überzeugtheiten herstellen könnten, sich auf diesen Wegen der Begründungen nicht einstellen kann.“
Ideologie ist Fundament des Subjekts und so von Erkenntnis. Kann deshalb nicht so leicht in die Ecke geworfen worden. Es gibt unter allen Umstände ein notwendiges falsches Bewusstsein.
@Victor Onrust 22. Juni 2014 um 22:36
Wieso eigentlich IST „Ideologie Fundament des Subjekts“?
Kannst du das belegen?
Möglich allerdings ist, daß dort, wo Ideologie überhaupt vorhanden bzw. anwesend ist, sie sehr wohl zum „Fundament eines (!) Subjektes“ werden bzw. geworden sein kann, und lediglich ERST DAMIT und nur möglicherweise und keinesfalls „unter allen Umständen“ ein „falsches Bewußtsein“ – es sei denn, du kannst diese Kontexte und Kausalitäten nachvollziehbar darstellen, oder verstehst unter „Ideologie“ etwas, was noch nicht bekannt ist, und nicht
“ Ideologie als wertfreier Begriff, die allen politischen Bewegungen, Interessengruppen, Parteien, aber auch Konzepten immanente Summe der jeweiligen Zielvorstellungen (siehe politische Ideologie)“ (n.WP).
Oder kann es auch sein, daß du von wissenschaftlichem Vorgehen (Ideologie als wertfreie (!) Gesamtheit subjektiver Betrachtungsergebnisse) nicht so viel hältst und / bzw. es dich stört, daß Ideologie „von außen“ betrachtet grundsätzlich bei jedem Menschen (jedoch eben nicht von dort aus, und oft auch nicht mal vom Betroffenen selber wahrgenommen, erkennbar) letztlich „vorhanden“ ist, wo auch immer …?
Unter Ideologie soll stets die (meist aber nur angestrebte und nicht erreichte) Heterogenität der Summe aller Wahrnehmungen und deren Bewertungen im subjektiven Bereich zu verstanden werden, was leicht, in oberflächlicher Handhabung, dazu führen kann, Ideologie fälschlicherweise einfach mit „subjektiv“ gleichzusetzen, das eine für das andere zu halten oder zu behandeln, was in der Regel so kommt, wenn das Subjekt mit „seiner“ Ideologie einschließlich und anhand dieser abwertend klassifiziert werden soll.
Das wäre dann das lediglich im Versuch eines bashings anzusiedelnde laienhafte Ideologie-Verständnis.
Meinst du es evtl. eher so?
Das wäre dann vorgestern gewesen.
@lusru Sorry to answer in EN, but two sentences in German is about the limit if it has to look like German.
In short, Ideology can best be translated with worldview. It can be a rather limited one, for subjects who only live for their soccer-club for instance, but most people do have a more general one. The main function is to formulate a „goal in life“. In the liberal ideology this goal is rather limited to the satisfaction of the personal needs, in more classical ones it is more about the future. Ideology also gives rules for the moral behavior of the subject in order to attain the set goal. At the same time ideology serves as an explanation of the world, and especially the position the subject has in the world. Ideology is primarily transmitted with upbringing and education at the same time forming the subject that believes. Later on one can be thrown of this belief and adopt another one, which if it is really different from the original one has consequences for the personality.
One of the bigger mistakes of Luhmann was that he took „religion“ as functional system and not ideology. It operates on belief/nonbelief. Even the most rationalist or scientifically backed ideologies take an act of belief. Religions are a subset of the total set of ideologies. Further reading: Althusser, Foucault, Gramsci.
@ Victor Onrust 23. Juni 2014 um 18:36
hi, Victor, why in En?
My En is not enough to understand You well.
So I try to get a help for correct translate.
But something bevor:
„Ideology can best be translated with worldview.“ No, that is not right.
We know so much ideologys, that worldview is olnly one (the political) variant of tem.
We know not political ideologys (worldviews) only, i think, more to you after getting fine translate.
Think only for a marketing-ideology of the saler and so on …
Ideology is bigger then (one) worldview.
… see you later
@Lusru I can perfeclty read DE so you don’t have to bother writing in EN yourself. Of course I am not referring to a specific ideology when speaking about ideology and as said the limited worldview of the sportsfan or of the marketing man is not a proper general worldview. Religions, as well as socialism or liberalism are though.