Traum eines Soziologen #soziologie #bildungspolitik

von Kusanowsky

Ein Soziologe hatten in der letzten Nacht folgenden Traum. Er träumte, dass er ein Bäcker wäre, der in einem Geschäft Backwaren verkaufte. Herein kam ein ihm unbekannter Kunde, der eine kleine Backware für einen geringen Preis kaufte. Nachdem der Verkauf geregelt war, richtete der Kunde das Gespräch an den Bäcker mit der Aussage, dass die Fleischwaren des Metzgers von nebenan nicht von bester Qualität seien.
Der Bäcker bemerkte zwar, dass ihn diese Beschwerde nicht viel anging, aber aus dienstleisterischer Freundlichkeit konnte er es nicht unterlassen, der Beschwerde des Kunden Gehör zu schenken. Da der Kunde dies bemerkte, erläuterte er nun ins Lange und Breite seine Gründe für sein Urteil. Diese Fleischwaren wären teils zu fett, teils zu stark, teils zu schwach gewürzt, sie machten im ganzen nicht immer den Eindruck bester Qualität, was im Fall von Fleischwaren ein ernstzunehmender Punkt sei, den man nicht einfach ignorieren könnte. Außerdem machte es den Anschein als ob ein seltsamer Geruch durch die Verkaufsräume des Metzgers ginge, der Zweifel daran aufkommen liesse, dass möglicherweise auch sonst irgendwas mit dem gesamten Fleischwarensortiment nicht stimmen könnte.
Der Bäcker also hörte sich diese ausführliche und detailreich beschriebene, erläuterte und mit beinahe expertenhaftem Spezialwissen vorgetragene Beschwerde mit wachsender Ungeduld an, da er bemerkte, dass inzwischen andere Kunden den Laden betreten hatten und möglicherweise mehr kaufen wollten als nur eine Kleinigkeit. Jedenfalls zeugte diese ständig anwachsende Schlange von einem anstehenden Umsatzzuwachs. Als schließlich ein Gedränge entstand und die Schlange sich draußen vor der Tür zu verlängern begann, ergriff der Bäcker beherzt das Wort und erwiderte dem Kunden, trotz seiner Ungeduld, die er längst schon auf den Gesichtern seiner anstehenden Kunden wieder erkannt hatte, so freundlich wie er konnte, es sei doch viel besser diese Beschwerde dem Metzger selbst vorzutragen, denn es liege ja wohl im Aufgabenbereich seines Gewerbes in dieser Hinsicht für die Vermeidung von Beschwerden zu sorgen, was für das Wohlergehen seines Geschäftes bestimmt nicht die schlechteste aller Maßnahmen sei.
Der Kunde gab dem Einwand statt, aber er wandte ein, dass dies nicht ginge. Der Bäcker fragte warum das so sei. Darauf antwortete der Kunde, dass vor dem Geschäft des Metzgers eine Riesenschlage stünde, in der er sich zunächst hinten anstellen müsste und bestimmt eine Stunde oder mehr warten müsse bis er an der Reihe sei. Und das sei der Grund dafür, weshalb dieser Versuch zum Scheitern verurteilt sei, schließlich müsste er, der Kunde,  noch viele andere Dinge erledigen, die aufzuzählen und im Detail zu beschreiben nunmehr sein eifrigstes Anliegen war.

Was der Kunde nun nicht wusste war, dass dieser Soziologe, der eben dies träumte, zugleich auch träumte, dass er uch der bezeichnete Metzger von nebenan gewesen sein könnte, dem von einem Kunden, der gleichzeitig eine Fleischware gekauft hatte, ebenfalls eine Beschwerde vortragen wurde, die sich aber gegen die Qualität der Backwaren des Bäckers von nebenan richtete und welche ein ähnliches Gespräch mit ähnlichen Konsequenzen nach sich zog.

Als nun der Soziologe aus diesen Traum erwachte, bedachte und erkannte er die Weisheit dieses Traums und entschloß sich dazu, seine Schlussfolgerungen als Lehre den Soziologiestudenten zu verkünden. Als er aber den Hörsaal betrat sah er, dass der Saal gerammelt voll war und sich eine Schlange gebildet hatte, die bis auf den Flur, die Treppe und das Außengelände reichte. Der Grund dafür war eine Beschwerde, die gerade vorgetragen wurde und welche sich gegen die Fragwürdigkeiten einer Bildungspolitik richtete, die von besonderer Bedeutung zu sein schien.

Advertisements