Genialität und Trivialität

von Kusanowsky

Stephan Porombka (Hg): Über 140 Zeichen. € 2,99. Lieferzeit: Sofort lieferbar
Twitter ist nicht gleich Twitter. Glaubt man den Darstellungen in den Zeitungen und im Fernsehen, dann machen bei Twitter alle irgendwie das Gleiche. Stimmt aber nicht!
In diesem eBook öffnen Autoren ihre Twitterwerkstatt. In Essays zeigen sie, wie sie an einzelnen Tweets arbeiten. Sie verraten, welche Idee von Kreativität dahinter steckt, wenn sie für ihre Timeline auf dem Bildschirm des Computers oder Smartphones schreiben.
‘Über 140 Zeichen’ präsentiert kleine Best-Practice-Studien. Statt mit allgemeinen Regeln abgespeist zu werden, kann man den Twitter-Autoren beim Machen über die Schulter zu schauen, um dann selbst zu überlegen, wie man die eigene Twitter-Werkstatt aufbauen oder weiterentwickeln will. (Herkunft)

Die Anzeige dieses e-Books kann einen gleichermaßen sprachlos und hoffnungsfroh machen. Was soll man dazu noch sagen? Die Trivialsierung des Geniekultes ist inzwischen soweit ausgedehnt worden, dass auch noch die dümmst möglichen Mitteilungsversuche in die Anführungszeichen genialen Schaffens gesetzt werden können, was nur geht, weil aufgrund kostenkünstiger Produktion und Verbreitung auch dieser Markt noch getestet werden kann. Dem Hochfrequenzhandel der Börsen, der es nicht mehr zulässt, über Unterschiede zu sprechen, weil die Geschwindigkeit des Marktes über jede Versprachlichungsmöglichkeit hinaus geht, folgt hier die Schwachsinnsvermarktung genialer Schaffenskraft, die einen ähnlichen Effekt nach sich zieht. Die Aura des Genies muss sich auch noch auf den Versuch einlassen, diesen Minimalmarkt auszuwerten, damit die Kommunikation über diese Produkte friedlich beendet werden kann.
Hoffnungsfroh kann das machen, weil es immer schwerer wird, dem trivialen Genie noch weitere Nischen nach bekannter Verfahrensweise zu öffnen, was andersherum bedeutet, dass die Formen genialer Schaffenskraft nunmehr alle noch möglichen Lücken gestopft haben werden. Das schöpferische Genie ist erst dann voll entfaltet, sobald es überall an die Grenzen seiner weiteren Differenzierung stößt. Erst dann können die Formen dieser Strukturen als triviale, weil anders nicht mehr verwendbare Formen zur Neubildung anderer, noch unbekannter Formen genutzt werden. Der Weg dahin ist, dass über die Erzeugnisse des Schwachsinns genialer Schaffenskraft kein Wort mehr gesagt werden kann, weil jedes Wort ganz einfach und jederzeit gesagt werden kann.

Und erst dann hat die liebe Seele Ruh.

Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. http://www.bibleserver.com/text/LUT/Lukas12