Was wäre, wenn Neues entsteht? 1 #internet #ökonomie #wissen

von Kusanowsky

Wir haben [das Internet noch] nicht erfunden, wir haben es nur geliehen. Zu Bedingungen anderer. Das Internet muss erst noch erfunden werden. (Herkunft)

Die Unterscheidung von Angebot und Nachfrage gilt in der Ökonomie deshalb als sakrosankt, weil die Ökonomie auf der Basis ihrer Erfahrungen nicht begründen kann, warum Menschen auf Märkten zu Zwecken des Tauschens zu einander finden, wenn keiner die Möglichkeit hat, andere dazu zu zwingen sich am Tauschvorgang zu beteiligen. Weder der Anbieter noch der Nachfrager kann die notwendigen Bedingungen herstellen, durch die der Tausch zustande kommt. Wenn der Tausch aber trotzdem zustande kommt, dann bleibt für die Ökonomie nur die Möglichkeit übrig, dass der Tauschvorgang auf Freiwilligkeit beruhen müsse, das heißt, dass er auch jederzeit ausbleiben könnte.
Das klassische Konzept, durch das die Ökonomie bis heute traumatisiert ist, hat die Konsequenz, dass die Handelnden als Instanzen der Zuschreibung selbstverantworteter Folgen dieses Geschehen erscheinen, weil die Ökonomie auf der Basis der Unterscheidung von Angebot und Nachfrage die notwendige Bedingung für das Marktgeschehen nicht ermitteln kann. Sie erscheinen als selbstverantwortlich, obgleich sie nichts Entscheidendes dazu beitragen können, dass ein Markt entsteht. Zwar hat sich der Ökonomie mit jeder Gelehrtengeneration eine Wissenserweiterung des Voraussetzungsreichtums für das Zustandekommen eines Marktes entwickelt, aber alle Differenzierung hat die Unterscheidung von Angebot und Nachfrage in ihrer Anwendbarkeit niemals außer Kraft gesetzt, sondern hat nur ihre Reliablität aufgrund enormer Kapazitäten der Differenzierbarkeit, aufgrund ihrer hohen Wahrscheinlichkeit auf Anschlussfähigkeit immer nur erhärtet.

Dass die für eine Ökonomie nicht ermittelbaren kontingenten Bedingungen des Zustandekommen eines Marktes in der Unverfügbarkeit gesellschaftlicher Komplexität und daraus abgeleiteten Notwendigkeiten besteht, die der sozialen Emergenz unterliegen, kann sie mit ihren Erhebungen, Berechnungen, Modellen und Analysen nicht bestätigen, um so weniger, da das soziale System der ökonomischen Wissensproduktion selbst keine Notwendigkeit hat. Es vermag, die Bedingungen der Beobachtbarkeit seiner eigenen sozialen Notwendigkeit jederzeit kontingent zu setzen. Das bedeutet, dass die Ökonomie ihren blinden Fleck jederzeit als unereichbar akzeptieren kann, weil ohnehin keine Notwendigkeit besteht, etwas anderes zu versuchen. Die Unterscheidung von Angebot und Nachfrage kann in der Ökonomie deshalb nicht ersetzt werden, weil keine andere Unterscheidung eine solchen Komplexitätsgrad und verlässsliche Anschlusserwartungen mitbringen könnte. Wo soll neue Erfahrung herkommen, erst recht, wenn der gewonnene Voraussetzungsreichtum des Wissens selbst eine Akzeptanzbedingung geworden ist? Wie soll neue neue Erfahrung  entstehen, wenn die Bedingungen ihrer Beurteilbarkeit bis an die Grenze ihrer Unmöglichkeit entwickelt sind, wenn gleichsam ausgeschlosssen ist, dass aufgrund einer Selbstimmunisierung eine andere Unterscheidung überhaupt eingeführt oder ausprobiert werden könnte.
So gerät das System der ökonomischen Wissensproduktion in die Gefangenschaft des eigenen Erfolgs. Wo sich Strukturen solchermaßen erhärten, können sie nicht mehr erklärt, sondern können aufgrund ihres Erfolgs nur gerechtfertigt werden, was um so leichter fällt je schwieriger es wird zu zeigen, dass die Unterscheidung von Angebot und Nachfrage gar kein so unumstößlicher Ausgangspunkt ist.

Und weil das so ist, weil also die wissenschaftliche Ökonomie nicht so leicht belehrbar ist, muss sich die Notwendigkeit zum Lernen aus unverfügbaren sozialen Strukturen der Gesellschaft selbst ergeben. Bislang hat die Ökonmie nur gelernt, den Voraussetzungsreichtum ihrer Ausgangsunterscheidung zu entwickeln, weshalb für die ökonomische Wissenschaft als „Wirtschaft“ nur etwas in Frage kommt, dass man mit der Unterscheidung von Angebot und Nachfrage beschreiben kann. Alles andere gibt es zwar auch, mag auch wichtig sein, ist aber in ökonomischer Hinsicht nicht vordringlich. Alles andere ist irrelevant oder besteht aus Nebenbedingungen im Voraussetzungsreichtum des Marktgeschehens.

Fortsetzung folgt

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