Das enigmatische Spiel der #Wissenschaft 4 #intelligenz #ki

von Kusanowsky

zurück / Fortsetzung:  Der springende Punkt im Verhältnis von Denkbarem und Machbarem ist die Frage, auf welcher Seite dieser Gegenüberstellung ein mehr oder weniger an Komplexität möglich ist. Begonnen hatte die Forschung mit der Annahme, dass der Bereich des Denkbaren immer größer sei als der Bereich des Machbaren, woraus sich die Vorgabe abgeleitet hatte, dass nur Machbares verlässlicherweise darüber Auskunft gibt, womit man in der Wissenschaft zu rechnen hätte. Die Vermutung bestand immer darin, dass die hypothetische Rede einfacher ist als davon unterscheidbares Handeln, nämlich Werk-Handeln (Basteln, Werkeln) im Unterschied zum Rede-Handeln; entsprechend wurde die Priorität auf das Machbare gesetzt: als empirisch wird das bezeichnet, was machbar ist und zwar deshalb, weil dies als unwahrscheinlicher, als schwieriger betrachtet wurde.

Für den Fall der KI-Forschung, insbesondere für den Fall hoffnungsgestüzter Antriebe zur Forsetzung der Forschung, scheint mir inzwischen aber umgekehrte Fall vorzuliegen, dass sich nämlich durch die Komplexität der Forschung und durch den Fortschritt ihrer Ergebnisse längst herausgestellt hat, dass der Möglichkeitsraum, der sich aus dem Machbaren ergibt, größer eingeschätzt wird als derjenige, der sich aus dem Denkbaren ableiten könnte. Das kommt einerseits daher, dass der Bereich des Denkbaren so weit ausgedehnt wurde, dass besonders interessante, waghalsige oder skurrile Visionen kaum noch ins Gewicht fallen, andererseits aber deshalb, da die Rede vom vollzogenen Fortschritt die Möglickeit nahelegt, dass vieles von dem was ehedem in Science-Fiction ersonnen wurde, tatsächlich machbar geworden ist, woraus sich ganz kinderleicht folgen lässt, dass vieles andere genauso gut machbar sein müsste.
Müsste daraus nicht eigentlich folgen, dass sich nun das Machbare dem Denkbaren unterzuordnen hätte? Weil der Bereich des Denkbaren derjenige geworden ist, der weniger Möglichkeiten zulässsig macht und darum schwieriger und unwahrscheinlicher geworden ist. Aber warum wird nun das Denkbare nicht dem Machbaren untergeordnet?

Vordergründig könnte das damit zusammen hängen, dass dies mit der Systemreferenz „Technik“ nicht zu vereinbaren ist. Aller Technikgebrauch verlangt immer kapitalintensive Investitionen, die eine nachhaltige Betreuung erfordern. Die entsprechenden Anlagen, Einrichtungen, Werkstätten und Laboratorien lassen es nicht zu, ihren Gebrauchswert geringer zu schätzen, wenn die Anzahl möglicher Erfindungen rasant anwächst.

Vielleicht liegt aber auch eher die Vermutung nahe, dass der Bereich des Denkbaren, anders als ich zuvor behauptet hatte, tatsächlich immer schon der Schwierigere gewesen ist. Die hypothetische Rede ist tatsächlich sehr viel anstrengender als das Werk-Handeln und aus diesem Grunde wird in der KI-Forschung eine Erwägung epistemologischer Konsequenzen vermieden. Ähnliches gilt vielleicht auch für die Hirnforschung. Durch Rede (was vielleicht auch für das Schreiben gilt) kann das Scheitern von Argumenten angeblich leichter verschleiert werden, aber gerade weil das so ist, ist das hypothetische Reden deshalb schwerer, wenn die Selektion brauchbarer und testbare Hypothesen unter die Bedingungen von sozial gestreuter Entropie gerät.
Viel einfacher scheint es in der Wissenschaft daher zu sein, die epistemologischen Konsequenzen zu vermeiden, weil epistemologische Einwände, da sie niemals ohne Selbstreferenz auskommen, das Werk-Handeln erschweren.

Fortsetzung folgt.

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