Datenschutz und Überwachung – ein Schweigeprotokoll

von Kusanowsky

„Ritter von der traurigen Gestalt“ – diesen Beinamen gab sich Don Quijotte auf Anregung seines Begleiters und Knappen Sancho Panza, nachdem der edle Ritter den Kampf gegen Windmühlen heroisch ausgefochten hatte. Eine entsprechende Bemerkung des Dieners ist gleichsam der zugleich traurige wie hoffnungsvolle Versuch, Inkommunikables auszusprechen. Wie kann er seinen Herrn auf die Illusionen aufmerksam machen, in die er unentwirrbar verstrickt ist? Er kann es umso weniger, da er sich ihm als Diener anbietet und gehorcht. Denn mindestens das hält noch einem Realitätstest stand. Dass das Spiel von Herrschaft und Knechtschaft im Augenblick seiner Aufführung schon eine Parodie dieses Spiels ist, mag der Knecht zwar glauben wollen, aber kommunizierbar ist es nicht. Ein Spiel ist ein Spiel, weil und solange es gespielt wird. Und wenn einer, der mitspielt, schon darüber informiert sein mag, dass es sich um eine ausweglose Illusion handelt, so ist es ihm nicht möglich, darüber anschlussfähig zu sprechen, weil er als Beobachter dieser Illusion in die Illusion verstrickt ist.
So bleibt dem Sancho Panza die Bemerkung nur als ein Zeichen seines Scheiterns und des Schweigenmüssens. Wollte er seinen Herrn damit verhöhnen? Vielleicht. Umso schlimmer für den Knecht, dass sein Herr auch noch den Realitätsgehalt dieser Bemerkung in seine Illusion einwickelt und sie damit verstärkt. Der Diener kann nur seufzen und schweigen oder sich einen anderen Dienst suchen.

Datenschutz und Überwachung. Das sind zwei Windmühlen, die mit einander im Kampf liegen und sich durch diesen Kampf gegenseitig zu „Rittern von der traurigen Gestalt“ ernennen. Das Traurige daran ist, dass ein Antagonismus zwischen Datenschutz und Überwachung immer wieder zwei Optionen behauptet, obgleich beide keine dauerhafte Chance haben. Auf welcher Seite bestehen denn bessere Chancen, gegen die andere Seite zu triumphieren? Der Konflikt ist auf beiden Seiten von Angst und Misstrauen geprägt.  Wenn  Überwachung und Datenschutz das wären, worum es der Selbstauskunft nach ginge, dann geht es immer nur um Angst. Und es hilft es dann auch nicht weiter, auf Hoffnung zu setzen, weil damit nur die andere Seite dieser Angst angesprochen ist.

Was sollte ein Sancho Panza in dieser Hinsicht zu sagen haben, wenn weder Angst noch Hoffnung einen Ausweg zeigen könnten?

Es sei denn, die Ausweglosigkeit wäre ein Grund dafür, einen anderen Anfang zu finden, der sie zur Voraussetzung macht.

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