Mein Hund und sein Postbote #trollcon2013
von Kusanowsky
Nächster Vortrag auf der Trollcon 2013
In diesem Vortrag möchte ich eine kurze Einführung in die Trollforschung geben.
Mein Hund und sein Postbote können sich gegenseitig nicht aus dem Weg gehen, sie haben keine Chance, ihre Begegnung zu vermeiden. Es gibt auch keine Möglichkeit, einen Konflikt zu führen, weil ihn keiner gewinnen kann. Also müssen die beiden schauen, wie sie zurecht kommen. So entstand eine symbiotische Beziehung zwischen meinem Hund und seinem Postboten.
Anhand dieses Beispiels möchte ich zeigen, die man diese Trollerei verstehen lernen kann.
Mein letzter Beitrag zu diesem Thema war ein Vortrag bei der #rp13. Dieser Beitrag ist als Fortsetzung gedacht.
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zurückliegende Vorträge
Ist Öffentlichkeit selbstverständlich? Datenspuren 2013
Schedule index
Day 1 – 2013-10-26 (PDF)
Day 2 – 2013-10-27 (PDF)
http://frab.trollcon.de/en/2013/public/schedule
Am Wochenende findet im Mannheimer Hackerspace „Raum Zeit Labor“ die TrollCon statt. Zwei 1. Tage widmet sich die Konferenz dem Phänomen der Internet-Trolle. Das sind jene Online-Gestalten, die sämtliche Diskussionen im Netz durch Obszönitäten, Beleidigungen oder rassistische Kommentare zum Eskalieren bringen. Die Versachlichung des Themas und die Analyse, was sich hinter dem Phänomen „Trolle“ verbirgt, ist ein erster Schritt, um besser mit den Meistern der Killerphrasen umgehen zu können. Ein Beitrag von Sarah Kriesche.
http://oe1.orf.at/programm/352542
Mein Hund und sein Postbote.
Klicke, um auf mein-hund-und-sein-postbote.pdf zuzugreifen
Manuskript meines Vortrag auf der Trollcon
(Der Videomitschnitt wird wohl noch etwas dauern.)
Dass auch durch Negationen Verknüpfungen entstehen und sogar intendiert sind, ist gut denkbar. Trotzdem würde ich nachfragen, ob du dir die Typologie der Trolle nicht gerade auf den liebenswürdigen Typ verkürzt, der deine soziologische Kernthese stützt, also z.B. auf die Typen des „Kasper“ oder des „Flitzers“. Mir fehlt da die Beschäftigung mit der Phänomenologie, die sich im übrigen nicht nur online zeigt, sondern die ja auch offline eine reiche Tradition hat. Kloppo hat sich vorgestern „geschämt“, wie da in Schalke Fußballtrolle kommuniziert haben.
Stefanowitsch hat auch mit ganz anderen Leuten zu tun als irgendwelchen Scherzkeksen, eher mit dem Typus des „Hassers“, dem Typus des „Bornierten“, dem Typus des „Spielzeug-kaputt-Machers“. Da sind diverse Motivlagen im Spiel (sic!), die nicht nur auf versagtem gesellschaftlichen Anschluss beruhen und damit unter Umständen sogar gar nichts zu tun haben.
Es wäre dann noch das Paradox zu klären, wieso Trolle einerseits zu schüchtern (?) sind, die leicht zugänglichen Angebote zur Vergesellschaftung anzunehmen, andererseits aber „unschüchtern“ genug, um die freien Vergesellschaftsprozesse auf höchst blamable Art zu stören. Da gibt es einen Punkt, der mit Hund und Postbote zu tun hat: Die beiden können sich in dem Moment tolerieren, da sie sich kennengelernt haben: Die Idenditäten sind geklärt. Ein wesentliches Bestimmungsmoment des Netztrolls ist ja, seine Identität nicht aufzudecken … er ziert sich zu sagen, wer er ist. Das kann aus 3 Gründen geschehen: (1) Er „spielt“ ja nur Theater, das heißt ist ansonsten ein anderer und möchte seine „offizielle“ Identität vor der Blamage schützen (Identitätswechsel-Trollerei), oder (2) er „schämt“ sich seiner Identität, weil er sozial in einer Ausgrenzungssituation lebt und sich gegenüber den „Autoritäten“, die bei Stafanowitsch, Kusanowsky etc. hoch gestochen daherquatschen, sich seiner Randständigkeit erst bewusst wird (Frustrations-Trollerei) oder (3) er möchte sich vor Gegenwehr schützen (Hinterhalt-Trollerei).
Dass man es immer mit quasi Surrogaten für entbehrte Verküpfungen zu tun hat, also mit kommunikativen Ersatzhandlungen, glaube ich auch. Dafür spricht auch, dass es sich offenbar bei der zu erforschenden Trollerei um die letzte große Männerdomäne handelt. Insofern würde ich dir auch völlig Recht geben, dass die Auflösung nur in Richtung mehr Sozialität zu finden ist, nicht in Richtung von Gegenaggression, Verweigerung des Gesprächs und Ent-Vergemeinschaftung. Vermutlich werden Hasser sprachlos, wenn man sie mit spielerischer Liebe umarmt: „Na komm, bell noch mal richtig laut … ja, jaaaa, das machst du aber brav, schön laut wuff machen, ja, bist doch ein Guter, bist doch ein lieber Hund, so ein schönes Fell …“
Nun, ich versuche zu zeigen, dass es auf die Trolle und ihre Motive gar nicht ankommt. Das Rätselraten geht ins Leere. Es kommt auf einen Beobachter dieser Trolle und ihres Treibens an und auf die Frage: was will er denn, wenn er nicht mittrollen will oder kann? Mein Versuch lautet: er will sich der Kontrolle der Trolle unterwerfen, um das Spiel unter seine eigenen Bedingungen stellen zu können und zu probieren, zu testen ob das geht und wohin das führt. Es ist ein Spiel, das die Trolle gar nicht mitspielen müssen um trotzdem dabei zu sein.
parasoziale Interaktion, Trollen.
Trollen ist nicht Störkommunikation. Trollen ist Interaktion zwischen Abwesenden und Unbekannten unter der Voraussetzung, dass die Beteiligten die Bedingungen nicht ändern wollen, durch die die Interaktion zwischen Unbekannten möglich wird. Das heißt: wenn für einanander Unbekannte sich gegenseitig nicht daran hindern gleiche Chancen zur Fortsetzung ihrer Kommunikationsversuche zu ergreifen. (vollständige Beziehungssymmetrie)
Die parasoziale Interaktion besteht darin, dass die Zuordnung von Information und Mitteilung nicht gelingt. Parasoziale Interaktion ist in diesem Sinne keine Kommunikation. Trollen wäre entsprechend nicht Störung von Stimmung, sondern Provokation von Ordnung durch Störung von Abläufen.
Interessant ist nun der Fall, wenn Ausnahmemöglichkeit der parasozialen Interaktion zum Normalfall wird.
Trolle sind Ordnungshüter, keine Stimmungsstörer.