Lerne Überraschungsbereitschaft! #neuland #kommunikation zwischen #unbekannten

von Kusanowsky

Ein Fair-Play-Ehrenkodex wie im Sport ist hier (online) eigentlich längst überfällig. Ich plädiere für eine Welt, in der sich niemand unbegründete Kritik einfach so gefallen lassen muss und dafür gar am Ende noch Ärger von seinen Vorgesetzten einsteckt. Und ich würde mir eine Gesellschaft wünschen, in der Kritik korrekt, elegant oder gar humorvoll, auf keinen Fall aber verletzend geäußert wird. Das erfordert neue Denkmuster, die es wert wären, erlernt zu werden. (Herkunft: Warum wir Kritik neu lernen müssen)

Ein neues Denkmuster sei also erforderlich, schreibt Jürgen Vielmeier bei netzwertig.com.
Eine genauso alte wie naive Einsicht lautet, dass neue Denkmuster helfen könnten, wenn man mit den alten Denkmustern nicht mehr zurecht kommt. Und daran soll sich nichts ändern. Für etwas Neues sollte man sich immer aufgeschlossen zeigen, aber nur unter der Voraussetzung, dass man mit den alten Gewohnheiten weiter machen kann wie bisher.
Noch niemals hat irgend jemand heraus gefunden, wem es zu letzt gelungen ist, auf neue Weise so zu denken, dass sich alte Denkweisen für alle anderen geändert haben, aber egal. Wenn sonst nichts hilft, kann man immer noch ein „Wünsch-dir-was“ mitteilen. Das hilft zwar auch nicht, aber wer kann das schon mit Gewissheit sagen? Im Zweifel also für das Weitermachen mit der alt bekannten Denkweise, dass neue Denkweisen weiter helfen.

Und weil das so ist, können neue Denkweisen fast gar nicht vermittelt werden, denn die Voraussetzung dafür wäre ja, Neues auf neue Weise zu denken. Jedoch kann man Neues nur dann denken, wenn es schon neu gedacht wurde. Damit wäre der Zirkel geschlossen: niemand kann etwas Neues auf neue Weise denken, wenn es nicht zuvor schon auf neue Weise gedacht wurde. Und es kommt erschwerend hinzu: wer von denen, die sich fasziniert einer Bildschirmfesselung aussetzen, kann noch bemerken, dass irgendwer denkt? Alle anderen sind gleichzeitig abwesend. Ganz sachlich betrachtet: selbst wenn das Denken bemerkt würde, so kann man doch feststellen, dass nicht nur das Wünschen nicht weiter hilft, auch das Denken reicht nicht wirklich aus. Es kommt hinzu, dass die Beteiligung von nichtdenkenden Teilnehmern der Kommunikation immer bedeutender wird.

(Das kann man auch empirisch überprüfen: Denke 3 Minuten über diesen Gedanken nach zu beobachte anschließend, was sich in den Gedanken anderer geändert hat.)

Eine Möglichkeit wäre nun, sich für geschlossene Denkbewegungen zu öffnen, und die andere, dass Neues auf Unbekanntes verweist, womit zugleich die Möglichkeit aufgeschlossen wird, auf Unbekanntes mit unbekannten Denkmustern zu reagieren, was jedoch ziemlich abwegig erscheint, denn: wen könnte das überzeugen? Unbekanntes ist nicht überzeugungsfähig, weil auch hier wieder der logische Zirkel gilt: wovon sollte man sich überzeugen lassen, wenn das worum es geht, unbekannt bleibt, sich als etwas Unbekanntes bekannt macht?

Tatsächlich scheint das aber eine sehr brauchbare Möglichkeit zu sein. Wenn Neues auf Unbekanntes verweist, dann müsste es denkbar sein, dass die Kommunikation eben Unbekanntes bemerkbar, bzw. Unbekanntes bekannt macht. Eine Voraussetzung dafür wäre, dass Unbekannte mit Unbekannten Kontakt aufnehmen und sich auf Unbekanntes einlassen, um zu testen, was sich anschließend aus den Verwicklungen ergeben könnte.
Das erste geschieht gegenwärtig weltweit massenweise, das zweite nur mit enorm vielen und unhaltbaren Vorbehalten. Unhaltbar sind diese Vorbehalte deshalb, weil man sich im Enttäuschungsfall aufgrund der eigenen Bildschirmfesselung jede Möglichkeit nimmt, auf Kritik mit Sanktion zu reagieren. Bildschirmfesselung zieht Sanktionsverzicht nach sich.
Fast alles (von Ausnahmen abgesehen) was unter der Bedingung der Bildschirmfesselung kommunizierbar wird, bleibt folgenlos, weil weder Entscheidungen noch Sanktionen mit Durchgriffsgewalt versehen werden können, oder wenn doch, dann nur mit enormen Aufwand. Man denke etwa daran wie schwer es ist, Verwicklungen, die durch online-Kommunikation entstehen, vor einem Gericht zu verhandeln; oder man betrachte den Aufwand, welcher geleistet werden muss, um mit online-Attacken Schaden anzurichten. Das geht, ist aber nicht ganz einfach.

Daraus folgt: man könnte die Vorbehalte gegen unbekannte Folgewirkungen fallen lassen und die eigene Denkweise auf eine Überraschungsfähigkeit einrichten. Eine neues Denkmuster wäre, Überraschungsbereitschaft zu lernen.

Jedoch ist das nicht ganz einfach, weil man auch noch lernen müsste, mit Paradoxien zu operieren. Und vor allem müsste man lernen, auf die Kommunikation von Überzeugung zu verzichten. Denn Paradoxien vernichten die Überzeugungsfähigkeit von Argumenten.
Ein neues Denkmuster könnte sein: Ergib dich den neuen und unbekannten Möglichkeiten, weil es vielleicht gerade unbekannte, überraschende Ergebnisse sind, die weiter helfen könnten.

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