Netzgemeinde und Selbstorganisation @friiyo @mspro
von Kusanowsky
https://twitter.com/mspro/statuses/377008428788776960
mspro hat einen Artikel zum Thema Netzgemeinde geschrieben, den ich abweichend und ergänzend kommentieren möchte.
Eigentlich hat mspro einen guten Anfangspunkt gefunden, der mit dem Thema „Netzgemeinde“ mehr zu tun hat, als diese mit sich selbst, weil ja fraglich ist, ob die Netzgemeinde ein Selbst hat, auf das sie sich beziehen könnte und durch das sie sortieren könnte, welche Elemente zu ihr gehören und welche nicht. Sollte sie aber eine Selbstreferenz operationalisierbar machen, dann könnte sie sich als System erstens nur durch eine stabil haltbare und erneuer- und revidierbare Fremdreferenz und zweitens nur durch eine Leitdifferenz bilden, durch die die Codierung der Kommunikation gelingt. All das ist nirgends zu finden. Außerdem müsste sie irgendeine Funktion spezifizierbar machen können, die mehr leistet, als nur ab und zu selbstreferenzielle Themendiskussion zu ermöglichen.
Daraus folgt, dass die Netzgemeinde nur ein Thema ist, zu dem verschiedene Beitrage unterschiedlicher Codierungen und Differenzen verbreitet werden, die sich nicht koppeln können und die durch keine Unterscheidung eine Grenze ziehen, um sich von einer Umwelt abzusetzen. Die Internetkommunikationen schließen sich nicht zu einem System zusammen, weil es keine Umwelt gibt, von der sie sich unterscheiden können. Sie sind nur als umweltinterne Umweltkomplexitäten für alle anderen Systeme relevant.
Trotzdem erscheint – berücksichtigt man den Tweet von mspro oben – die Netzgmeinde in dieser Hinsicht zu ersten Mal ein Thema zu werden, das mehr leisten kann, als nur irgendwelche Gegenstandsdefintionen zu liefern, die ja bekanntermaßen immer mangelhaft sind und immer auch anders formuliert werden können. Der Tweet verweist auf operative Möglichkeiten. Der Tweet verweist auf das, was geschieht, wenn das Thema Netzgemeinde seine Unhaltbarkeit als Gegenstandsproblem durch fortlaufende Kommunikation beweist. Es gibt für internetkommunikationen nichts, was ihnen widerstehen könnte. Sie haben keinen Gegenstand.
Insofern ist die Beobachtung passend. Sie macht auf selbstreferenzielle Themendiskussion aufmerksam und zeigt, warum die Diskussion auch schnell wieder zusammen brechen kann, nämlich weil keine Systembildung geschieht. Denn ein funktionierendes System würde leisten, dass die Kommunikationen auch dann weiter gehen, wenn sie ihre Unhaltbarkeit erwiesen haben. In Fall des Themas Netzgemeinde hat man es eigentlich nur mit einem selbstreflexiven Organisationsproblem der Kommunikation zu tun, nämlich: mangelnde Empirie in Angelegenheiten einer unwahrscheinlichen, aber ab und zu immer wieder möglichen Selbstorganisation.
Die Netzgemeinde ist deshalb nur das Thema einer Selbstorganisation ohne System. Dies könnte zwei völlig gegensätzliche Einschätzungen erklären. Eine Einschätzung lautet, dass es eine Netzgemeinde gibt und die andere, dass es sie nicht gibt. Beide Möglickeiten haben keine ausreichende Empirie, keine durch ein System steuerbare Fremdreferenz. Es lassen sich keine operationalisierbaren Methoden der Empiriekonstruktion festellen. Insofern ist die Netzgemeinde eine erfahrungsgehemmte paranoische Differenz. Sie ist irgendetwas, das irgendas ist und das sich durch Selbstorgansation als irgendetwas bemerkbar macht, nämlich als funktionierende Einheit, die keine ist, Und nach dem das festgestellt wurde, gehen die Kommunikation zu anderen Themen weiter.
Man könnte das auch so formulieren: die Netzgemeinde ist das paranoische Problem einer noch theoriearmen Netzwerkkommunikation.
Variablen ermöglichen es, etwas Bestimmtes als etwas Unbestimmtes zu behandeln und sie gegebenenfalls durch andere Variablen zu ersetzen, die dieses Verhältnis entweder genauso oder umkehrt besetzen. Das verhindert Borniertheiten, erzeugt aber bei steigender Differenziertheit Entropie. Der Begriff „Netzgemeinde“ ist dagegen etwas ziemlich Unbestimmtes, das als etwas Unbestimmbares behandelt wird und nicht einmal durch einen anderen Quatsch ersetzt werden kann.
Da ist die Ersetzung dieses Wortes durch einen Anglizismus vielleicht noch die bessere Variante: „Community“ – man hat noch nicht heraus gefunden, dass das Gespräch zu diesem Thema auch nicht weiter hilft, also kann man es noch mal versuchen.
Die Klage über Borniertheiten sind das Problem derjenigen, die die Bornheiten der anderen brauchen um ihren eigenen zu entkommen. Das hilft meistens auch nicht, tröstet aber sehr.
So viel Sinn auf einem (Gemeinde)Haufen!
Ja, es ist nur Haufen gemeint, unde das ehrlich ohne Häme und Hintertür im Sinne dieses Wortes, wie NETZHAUFEN.
Sollte man nun fragen, was ist ein Haufen – im Gegensatz zu einer Gemeinde?
Wohl ja.
Eigentlich hier Kommentarende, aber schauen wir mal.
@Kusanowsky:
“ Insofern ist die Netzgemeinde eine erfahrungsgehemmte paranoische Differenz. Sie ist irgendetwas, das irgendas ist und das sich durch Selbstorgansation als irgendetwas bemerkbar macht, nämlich als funktionierende Einheit, die keine ist, Und nach dem das festgestellt wurde, gehen die Kommunikation zu anderen Themen weiter.“
Man könnte das auch so formulieren: die Netzgemeinde ist das paranoische Problem einer noch theoriearmen Netzwerkkommunikation.“
Was in reinem Deutsch und mit geringerem Aufwand bei eingeschränkter Verwirbelungsfähigkeit formuöiert und sogar ohne Netz und doppelten Boden (!) auch so gesagt werden könnte:
Was ist eine Gemeinde?
Und ist das Internet / dessen User eine?
Nein.
Der Begriff ist hier so unzutreffend, wie es der Begriff Streichquartet dafür wäre:
Wikipedia meint, Gemeinde sei „eine kleinste räumlich-administrative, also politisch-geographische Verwaltungseinheit “ (zur Selbstorganisation?).
Womit sich jede weitere Erörterung wohl von allein erledigt, denn hier ist weder DAS noch EIN Ganzes zu finden, auf das irgendeines dieser Kriterien zutrifft, und statt „Kleinstes“ meint „Netzgemeinde wohl eher die Gesamtheit und damit das völlige Gegenteil der unfreiwillig ähnlich kommunikativ „verstrickten“ User.
Bis auf – doch eine Gemeinsamkeit:
Gemeinde bezeichnet Wikipedia auch als KOMMUNE, wie es aussieht, hat das ebenfalls etwas mit Kommunizieren zu tun, nur ob das uns schon befugt, von einer „Community“ bzw. (Kommunikations)Netz“Gemeinde“ zu reden?
Wo ist hier irgendeine „Selbstorganisation“?
Ich ergreife daher die Chance meiner eigenen Borniertheit zu entrinnen, indem ich dieser Feststellung ausschlußlos zustimme:
„Der Begriff “Netzgemeinde” ist dagegen etwas ziemlich Unbestimmtes, das als etwas Unbestimmbares behandelt wird und nicht einmal durch einen anderen Quatsch ersetzt werden kann.“
Es sei denn, wir einigen uns auf den so betrachtet passenderen Netz Haufen.
Damit könnte das als „Aufschrei“ sogar auch paßfähig im Sinne des Eingangs-Mottos des Michael Seemann (@mspro) September 09, 2013 anerkannt werden:
„netzgemeinde“, ist das, was getrollt aufschreit, wenn man es „netzgemeinde“ nennt.
Um allerdings nicht „gemein“ im Sinne von simpel und / oder hinterhältig zu sein, sollte das mit „Netzgemeinde“ Gemeinte eingemeindet werden in etwas noch zu Meinendes, das wir wohl weiter und nicht nur als Gemeinde (?) zu suchen haben:
NetzgeMEINschaf(f)t,
auch und schon wegen der noch zu findenden Selbstorganisation…