Wenn der Hund weint: Die Mensch-Hund-Puppe, erratisch-paranoische Impressionen X
von Kusanowsky
Soweit man das vom Bildschirm aus erkennen kann, beugen sich die Menschen von hinten über den Rücken der Hunde und haben sich selbst und den Hund mit einem Pullover überzogen. Die die Menschen können also gar nichts sehen. Sie müssen mit dem Gesicht auf dem Rücken der Hunde liegen.
Das hat zur Folge, dass die Koordination zwischen der Mimik der Hunde und der Gestik der Menschen nur zufällig einen Zusammenhang ergibt, der aber beim Anschauen des Kamerabildes durch die Unterstellung eines sinnhaften des Geschehens diesen unglaublich komischen Eindruck erzeugt.
Das Gesamtarrangement zeigt, dass es hier um eine „Mensch-Hund-Puppe“ handelt, die nicht von einem Puppenspieler gesteuert wird, sondern nur durch das Arrangement den Eindruck einer geskripteten Spielszene erzeugt. Natürlich müssen die Hunde einigermaßen abgerichtet, bzw. dressiert sein, um dieses Spiel mitzumachen. Das gilt aber auch für die beteiligten Menschen. Der Ablauf der Erzählung dieses Sketches wird allein durch die Kamera gesteuert, bzw. durch die Beobachtung der Kameraufnahme.
Das Verblüffende dieser chimärischen Gestalten scheint mir zu sein, wie leicht der Hundekopf den Menschenkopf ersetzen kann, ohne dass sich im Ausdruck Entscheidendes ändert. Der Unterschied im Verhalten zu dreijährigen Kindern oder Betrunkenen wirkt hier, als ob er minimal sei. Man müsste HUnden nur einen menschlichen Unterbau geben, dann wäre die Ähnlichkeit evident – wie schon bei Affen die Ähnlichkeit im Herumblicken verblüffen kann. So dass sich die Frage stellt: Wie hundeähnlich ist der Mensch in Situationen des unwillkürlichen Verhaltens?
Gab es nicht neulich eine Gruppierung, die Quasi-Menschenrechte auch für Hunde forderte?
Die Austauschbarkeit des Kopfes wird auch oft in Games und Science Fiction praktiziert ( http://blogs.amctv.com/movie-blog/features/avatar-555.jpg ) – der Body ist „human“, der Kopf kann jederzeit zu allerhand tierähnliche Phantasmagorien verformt werden. Interessanterweise ist die Antike eher den umgekehrten gegangen: Sie hatte gerne Menschenköpfe auf Tierwesen verpflanzt (Sphinx, Zentaurus, Meermädchen, Engel etc. ), was ich als viel unheimlicher und abgründiger empfinde, weil es an ein ewiges Verfluchtsein durch eine höhere Macht erinnert.
Aus meiner Sicht handelt es sich hier um ein komplexeres Nachahmungsphänomen. Die gestellte Szene ist deshalb „lustig“, weil sie den Eindruck erweckt, die Tiere würden menschliches Verhalten imitieren. Tatsächlich sind Menschen die wesentlich besseren Nachahmer. Da sie sich dafür jedoch ein wenig schämen und Eigenschaften wie Kreativität und Unverwechselbarkeit deutlich höher einschätzen, projizieren Sie ein solches Verhalten gern auf andere Wesen, zum Beispiel bevorzugt auf Affen – wie es der Begriff „nachäffen“ nahelegt oder das englische Sprichwort „Monkey see, monkey do“ (Wikipedia: „The saying refers to the learning of a process without an understanding of why it works“ – Demnach ist das Komische eng verknüpft mit dem Spott für die „Hirnlosigkeit stupiden Nachmachens“). Mit Hunden funktioniert diese Projektion ebenfalls, da sie uns aufgrund jahrtausendelanger Gewöhnung als dem Menschen „ähnlich“ erscheinen.
🙂
Das gleiche Problem, das „komisch“ wirkt, ergibt sich auch, wenn zwei humane „Komponenten“ ein Menschliches Wesen zu mimen versuchen!
„Secret Agents“ im wahrsten Sinne… 😉
Ich glaube, das ist im Wesentlichen das Fehlen einer zentralen Steuerung, das — wenn es mindestens einem Beobachter bewußt ist oder wird — als seltsam oder lustig erlebt werden kann…
http://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/TotemPoleTrench
Der Witz dabei ist auch so ein Spiegelneuronen-Syndrom, vielleicht…
Das Gehirn projiziert womöglich den beobachteten Kontrollverlust auf das (modellhaft miterlebte) Empfinden des Beobachter-Systems.
Allerdings sollte wohl mindestens eine Komponente in diesem Schauspiel auf die Situation insgesamt hinreichend zielbewußt steuernd Einfluß nehmen können, so daß der Eindruck von „Entität“/ von kohärentem Verhalten einem Beobachter glaubhaft vermittelt werden kann.
Ohne Mensch wird das schwierig…
http://laughingsquid.com/cat-beards-a-photo-meme-where-people-place-a-cat-in-front-of-their-face-to-make-a-furry-beard/
Klappt aber auch…
»Alles lenkt (eigentlich: steuert) der Blitz.« (meinte Heraklit)
Der wundersame „Zufall“… 😉