Sensation! Twittern verstößt gegen die Kommunikation
von Kusanowsky
Eine schöne Verwirrungsfalle, wie sie durch eine systemtheoretische Scholastik entsteht, findet sich in dem Facebook-Kommentar, auf den in diesem Tweet verlinkt wird. In dem Facebook-Statement heißt es:
In den meisten Fällen scheint mir dass das, was da auf Twitter passiert, wenig mit Kommunikation im Luhmannschen Sinne zu tun hat. Was für eine Erlebens- & Handlungskoordination kann man schon erwarten, wenn man dazu pro Mitteilung gerade mal 140 Zeichen zu Verfügung hat? Vermutlich keine sehr präzise. Ein Hashtag reicht nicht aus, um genügend Informationen über den Kontext zu geben, in dem ein Tweet einen Sinn machen könnte. So kann man auf Twitter zwar das freie Spiel der Formen beobachten und wie sie sich zu neuen Informationen verbinden und wieder zerfallen. Twitter ist so was wie eine kommunikative Ursuppe, die chaotisch vor sich hin prozessiert.
Via Twitter wird mitgeteilt, dass man via Twitter eigentlich nichts mitteilen kann, das den Ansprüchen der „Schola“ genüge tut. Die Schola verlangt, dass die Kommunikation so funktionieren sollte, dass die Schola an die Kommunikation anschließen kann. Und wenn dies der Schola nicht gelingt, sie sich folglich auf diese Weise nicht plausibel machen kann, so kann die scholastische Kommunikation nicht fortgesetzt werden, auch dann nicht, wenn diese Mitteilung via Twitter wiederum verbreitet und zur Kenntnis gebracht werden kann. Es wird die Kommunikation durch Thematisierung der Ablehnung der Kommunikation fortgesetzt.
Was soll das eigentlich?
Ich tippe in diesem Fall auf einen anspruchsvollen Versuch, Trollkommunikation beobachtbar zu machen, was ja sehr schwierig ist, da in einer ablaufenden Kommunikation keine Außenseite, keine andere Seite operativ erreichbar ist, von der aus die Unterscheidung Kommunikation/Nicht-Kommunikation anschlussfähig wäre. Keine Kommunikation kann nicht passieren. Insofern ist Kommunkation, gerade weil sie nichts anderes vermag als Anschlussfähigkeit herzustellen, nicht mit der Unterscheidung von Kommunikation/Nicht-Kommunikation beobachtbar, weil ja auch diese Unterscheidung schlechterdings nur wieder anschlussfähig ist. Dies führt nun aber nicht dazu, dass eine Theorie, die sich solchermaßen selbstbeobachtbar macht, an Attraktivität verliert, im Gegenteil: sie muss hoch komplex und voraussetzungsreich gestaltet werden, um der beständigen und unhintergehbaren Selbstparadoxierung zu entkommen. Aber dadurch wird sie für sich selbst schwer beobachtbar.
Interessant ist nun aber, dass diese Luhmannsche Theorie nicht unter beliebigen Bedingungen zustande kommen kann, sondern nur unter solchen Bedingungen, die in der Ermessung ihrer Anschlussmöglichkeiten bereits enthalten sind. Eine dieser Bedingungen ist, dass die Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis der Kommunikation keine Relevanz hat, weil ja auch die Theorie nur durch Kommunikation sozial wirksam werden kann. So ist die Theorie der Kommunikation durch Kommunikation ihre eigene Praxis und hat außerhalb dieser Tatsache keine Relevanz, weil nämlich außerhalb entweder immer nur Kommunikation festzustellen ist, und dann gilt für diese Kommunikation dasselbe wie für die Kommunikation der Theorie, also die Ununterscheidbarkeit von Theorie und Praxis, oder es ist keine Kommunikation festzustellen, dann auch keine Ununterscheidbarkeit.
Entsprechend hätte die Theorie eigentlich gar kein scholastisches Problem, weil sie alle Kommunikationen auch als Kommunikation über Kommunkation auffassen kann, egal in welcher „ontischen Sphäre“ sie operieren. Ob akademisch oder nicht, ob intelligent oder nicht, ob komplex oder nicht ist dabei völlig gleichgültig, denn in allen Fällen handelt es bei Kommunkationen um soziale Operationen, die für eine universale Theorie jederzeit unterscheidbar sein können, weil die Theorie selbst in keiner ontischen Sphäre, d. h. nur durch Kommunikation verhandelt werden kann.
Hier aber zeigt sich ein trotziges Beharren auf Schulmeinung, Schulwahrheit, oder wenn nicht das, dann ein Beharren auf Anforderungen übergeordneter Ansprüche und den darin eingeklammerten Differenzen der Beobachtung, die aber, aufgrund ihres performativen Selbstwiderspruchs, ihre eigene Gültigkeits- und Überzeugungsfähigkeit einbüßt.
Denn rein sachlich sind alle in dem Facebook-Statement mitgeteilten Gründe für die Ablehnung auf der Basis der eigenen Argumente völlig blödsinnig:
- „Was für eine Erlebens- & Handlungskoordination kann man schon erwarten …“ Man könnte Nichterwartbarkeit erwarten. Aber man muss nicht.
- „Twitter bleibt für mich nur eine Art Versuchslabor für Ideosynkrasie.“ (Noch niemand hätte je etwas anderes überzeugend behaupten wollen.)
- „Mit Kommunikation hat das wenig zu tun.“ (Zunächst kümmert sich die Twitter-Kommunikation nicht um die Ideosynkrasie der Scholastik. Warum sollte sie das tun?)
- „Für akademische Kommunikation kann Twitter daher nur ein Verbreitungsmedium für weiterführende Links sein.“ (Twitter ist auf keine besondere Art der Kommunikation festgelegt, siehe dazu: „Jeder kann zum Thema seinen Senf abgeben und dann ist auch wieder gut.“ – Genau.
Und am letzten Absatz kann man feststellen, dass all das tatsächlich, wenn auch paradox, mit Überzeugungsfähigkeit versehen wird:
Nachahmung, Ansteckungseffekte und Verbreitung hat nichts mit Kommunikation zu tun, weil dafür keine Unterscheidung von Mitteilung und Information nötig ist. Soziologisch wird Twitter daher nur unter dem Aspekt interessant, wie trotz dieses prä-kommunikativen mithin prä-sozialen Charakters trotzdem der Eindruck einer gelungenen Kommunikation entstehen kann.
Twittern ist parasoziale Interaktion. Was wäre, wenn dieser Ausnahmefall von kommunikativer Interaktion durch Twitter zum Normalfall wird? Den Scholastiker erkennt man daran, dass er seine Schulbücher hinein guckt und mitteilt, dass parasoziale Interaktion nur ein Ausnahmefall ist und kein Normalfall. Aber will er damit auch sagen, dass das so bleiben muss, weil die Welt, die der Scholastiker versteht, so aussieht wie seine Unterscheidungsvorschriften glaubhaft machen wollen? Wenn ja, dann ist alles in Ordnung. Der Scholastiker betreibt nur eine Re-Ontologisierung. Wenn aber nicht, und der Scholastiker setzt diese parasoziale Interaktion fort, dann ist er ein geeigneter Benutzer und Beobachter, ein intelligenter Troll, der mit solchen Dummheiten helfen kann das Problem, um das es geht, in Erfahrung zu bringen.
Was wäre denn, wenn diese parasoziale Interaktion nicht etwa eine falsche Erfindung der Kommunikation wäre?
Die Überlegung könnte sein, dass durch diese parasoziale Interaktion, also durch die Umkehrung des Verhältnisses von Normalität und Rarität, das Problem der Unbeobachtbarkeit der Kommunikation gelöst werden könnte.
“I know that astrology isn’t a science”, said Gail. “Of course it isn’t. It’s just an arbitrary set of rules like chess or tennis or, what’s that strange thing you British play?”
“Er, cricket? Self-loathing?”
“Parliamentary democracy. The rules just kind of got there. They don’t make any kind of sense except in the terms of themselves. But when you start to exercise those rules, all sorts of processes start to happen and you find out all sorts of stuff about people.”
Douglas Adams (Mostly harmless 1992:18)
Schöner Kommmentar. Heißt ja, dass alles, was durch soziale Systeme heraus gefunden wird, wenn das auch sehr imposant, fortschrittlich, hilfreich, oder auch weniger angenehm und sogar hässlich sein mag, notwendigerweise nichts mit der Quelle der Herkunft zu tun hat. Da nun aber die Verhältnisse in der Welt nicht eindeutig festgelegt sind, können sie sich ändern. Und es kann sein, dass eine Theorie wie die Luhmannsche Theorie, wie es auch die Marxsche ehedem war, ein Indikator für einen Wechsel des Paradigmas ist und damit selbst Ergebnis eines gesellschaftlichen Paradigmenwechsels und weniger nur eine neue Tapete auf einer sonst schon lange bekannten akdemischen Wand.
Wird das aber übersehen, so macht das jede Art von Scholastik immer auch ein wenig gefährlich, wie man dies am Beispiel der Marxschen Theorie beobachten konnte. Aber, wie gesagt, die Zeiten ändern die Verhältnisse und dann auch die Bedingungen, unter denen, wenn eine Scholastik trotzdem noch möglich ist, sie bemerkt und noch gefährlich werden könnte. Dieser Facebook-Kommentar ist jedenfalls sehr hübsch und zeigt eine eigene Form erratischer Diabolik.
Die andere Möglichkeit ist der Wiedereintritt der Unterscheidung auf der Außenseite des Systems. Bei diesem Fall kommt es zu einem double bind. Das System verwechselt sich selbst mit seiner Umwelt. Dann kann es nicht seinen eigenen blinden Fleck beobachten und somit auch nicht Lernen. Demzufolge kommt es auch nicht zur Differenzierung bzw. Selbständerung der Systemstruktur. Es kommt lediglich zur Steigerung der Eigenkomplexität durch Vermehrung der Systemelemente, ohne dass eine interne Differenzierung und Integration gelingt. Stattdessen entwickelt sich ein regressiver Beobachtungsstil, der auf dem eigenen blinden Fleck beharrt. Zur Kompensation der dabei auftretenden Probleme versucht das System seine Umwelt zu verändern, damit es selbst stabil bleiben kann. Da jedoch in der Umwelt des Systems auch nur beobachtende, sich selbst ändernde Systeme vorkommen, können die Veränderungsbemühungen sich nur darauf beziehen, die Systeme in der Umwelt dahin gehend zu verändern, dass sie sich nicht mehr ändern. Das System versucht also seine Umwelt zum Erstarren zu bringen. Diese Bemühungen sind allerdings selbst nur ein Hinweis auf die eigene innere Erstarrung dieses Systems.
http://beobachter-der-moderne.blogspot.de/
@dorotyna Das zeigt, dass es sich um einen recht intelligenten Versuch der Trollkommunikaton handelt. Der Beobachter erklärt sich selbst und sein Verhalten.
@Kusanowsky
Zunächst einmal möchte ich bezweifeln, ob es „die“ Systemtheorie überhaupt gibt, was Scholastiken plausibler macht als Scholastik.
Dirk Rathje schlägt zur Problembeobachtung den Begriff Systemorientierung vor.
Des weiteren könnte es sein, dass die relativ neue „Oralität“ der Netzwerke des Internet über die erhöhte (Wieder)beobachtbarkeit der sozialen Bedingtheit der Episteme – im Gegensatz zu den durch Schrift und Buchdruck ermöglichten medialen Formen – schon die nächste soziale Epistemologie erkennbar werden lässt, deren Dynamik der Netzwerke die System/Umwelt Unterscheidung als zentrales Paradigma im Sinne eines Einpassens weiterer Unterscheidungen als zu wenig anpassungsfähig zeigen könnte.
So treibt z.B. das Netzwerk als neue Ordnungsform das „Recht“ in die “ Endlosschleife eines unaufhörlichen Aufschubs, einer unendlichen Suche nach sich selbst in den konnexionistischen (rekursiven, relationalen) Mustern seiner eigenen Praxis“ Thomas Vesting , Die Medien des Rechts: Sprache, 2011, 35
Recht ist immer weniger Konditionalprogramm, mehr Form als Inhalt, (Re)produktion der Gewissheiten in der Nähe zu den “ Zwängen“ der eigenen Praxis.
Rechtsgeltung verweist eher auf die praktische Kultur der Evolution der Medien und hat den “ „cathedral-mode“ weitgehend zugunsten eines „bazaar-style“ (E.S.Raymond) verabschiedet.
Die kürzlich hier behandelte Selbstorganisation durch Kommunikation unter Abwesenden ergänzt die längere Zeit vorherrschende Trollfixierung der Beobachtung durch neue Aspekte und zeigt m.E. in eine ähnliche „Richtung“
„Des weiteren könnte es sein, dass die relativ neue “Oralität” der Netzwerke des Internet über die erhöhte (Wieder)beobachtbarkeit der sozialen Bedingtheit der Episteme – im Gegensatz zu den durch Schrift und Buchdruck ermöglichten medialen Formen – schon die nächste soziale Epistemologie erkennbar werden lässt“
Diesen Punkt würde gern einmal etwas vertiefen, weil ich darüber auch nachdenke, aber damit nicht so gut zurecht komme. Zunächst würde ich in dem Zitat den Begriff der „Oralität“ durch Performativität ersetzen und dann fragen wollen, welche Art der sozialen Epistemologie dir auf- und einfällt. Das würde mich sehr interessieren.
Lieber @gorgonobserver
das vortreffliche an deinem Facebook-Text ist die beinahe vollständige Verwirrung jeder Beobachtungssicherheit. Man kann eigentlich gar nicht mehr erkennen, was das noch soll.
Twitter hat niemand gerufen, ist kein Angebot, das einer Nachfrage entspricht, ist zwecklos und überflüssig, Twitter, und das gilt insbesondere für ganze Web 2.0, ist eine Lösung für noch zu findende Probleme. Aber das ist nicht so einfach. Aus diesem Grunde kann man das ganze ablehnen und sich auf den Standpunkt stellen, dass erst einmal irgendetwas passendes und brauchbares geschehen müsste, damit die unantastbaren akademischen Gewohnheiten auch im Web 2.0 eine Heimat finden. Oder man ändert seinen Standpunkt und sagt, gerade weil neue Probleme schwer zu finden sind, geht man die Sache an und hält akademische Gewohnheiten nicht für unantastbar. Das Verhältnis von Erstarrung und Veränderung ergibt sich nicht aus Meinung, Gesinnung, Wahrheit oder Überzeugungen, ergibt sich nicht aus Schulmeinungen, sondern durch Forschung und Lernen, deren wichtigstes Merkmal das Scheitern ist. Wer scheitert, bzw. wer sich nicht vor dem Scheitern fürchtet, kann lernen und forschen. Dein Statement ist in dieser Hinsicht ist aufgrund des performativen Selbstwiderspruchs wunderbar geeignet, wenigst das Problem in seinen Anfangsgründen zu erkennen. Kann es sein, dass gerade die Zerstörung jeder Beobachtungsicherheit und damit auch die Erschwerung von Anschlussfähigkeit, ein geeignetes Problem ist, für das Twitter eine Lösung liefert?
Das Web 2.0 ist für nichts Bestimmtes geeignet und damit auch für Unbestimmtes nicht ungeeignet. Natürlich kann man sich auf den Standpunkt stellen und behaupten, dass man einfach mit dem so weiter macht, wie man es schon immer gemacht hat: Bücher lesen, exzerpieren, Zettel notieren, sammeln und verknpüfen, nachdenken, aufschreiben, diskutieren, Texte und Bücher verbreiten und dann wieder von vorn.
So kann man das machen und man kann darauf bestehen, dass es nur so und nicht anders gehen kann. Aber diese Erstarrung hat keine Notwendigkeit, wie auch der Versuch der Veränderung keine Notwendigkeit hat.
Insofern ist der Versuch der Verwirrung von Beobachtungs- und Anschlusssicherheit ein ziemlich guter Versuch, etwas anderes beobachtbar zu machen.
Ich weiß gar nicht, was die Aufregung soll. Zunächst einmal weiß ich nicht, wie Du darauf kommst, dass Twitter gegen Kommunikation verstößt. Wie kann denn irgendwas gegen Kommunikation verstoßen? Alles was ich mache ist, dass ich von einem bestimmten theoretischen Standpunkt aus eine These aufstelle und diese mit einigen wenigen eher impressionistischen Beobachtungen unterfüttere, die unter Umständen auch jeder andere machen kann, wenn er sich darauf einlässt. Oder eben nicht, so wie Du. Du kannst das ganze natürlich völlig anders sehen. Aber immerhin hab ich wenigsten eine sinnvolle Aussage anzubieten, im Gegensatz zu Statements wie:
„Twitter hat niemand gerufen, ist kein Angebot, das einer Nachfrage entspricht, ist zwecklos und überflüssig, Twitter, und das gilt insbesondere für ganze Web 2.0, ist eine Lösung für noch zu findende Probleme.“
Klar kann man das so sehen. Sehr wortreich umschrieben, dass Du eigentlich nicht weißt, was Twitter soll. Aber ohne Probleme gibt es auch keine Lösungen. Wenn Twitter kein Problem löst, dann gibt es eigentlich auch kein Problem. Und dann kann Twitter auch keine Lösung sein, oder?
Hier würde ich einwenden, dass Twitter natürlich ein Problem löst. Wenn man sich Luhmanns These anschließen möchte, dass die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien der Funktionssysteme so gut wie nicht wirksam sind, dann kann es nur um das allgemeine Problem gehen, dass jedes soziale System löst, nämlich die Koordination von Erlebens- und Handlungsmöglichkeiten durch Kommunikation, weil psychische Systeme aufgrund ihrer operativen Geschlossenheit eben nicht allein dazu in der Lage sind. Twitter wäre dann nur eine weitere technische Möglichkeit dies unter Abwesenden zu leisten. Meine These lautet nun, dass dies mit Twitter zwar möglich ist. Aufgrund der Rahmenbedingung, 140 Zeichen pro Tweet, ist dies nur in sehr begrenztem Umfang möglich. Die Phänomene, für die Twitter bekannt ist, wie die Shitstorms, sind keine Kommunikation, sofern man denn mit Luhmann oder Ruesch/Bateson Kommunikation einen ganz bestimmten Sinn zuordnet. Entweder, weil es bei diesen Tweet-Kaskaden nicht zu einer Unterscheidung von Mitteilung und Information kommt, oder weil es kein Bewusstsein über die wechselseitige Beobachtbarkeit gibt bzw. auch nicht nötig ist, weil man nur auf die Informationen reagiert ohne dass dafür in irgendeiner Weise der Mitteilende relevant wird. Wobei ich nicht so weit gehen würde zu behaupten, dass mit Twitter überhaupt keine Kommunikation zustande kommt. Aber ein überwiegender Teil dessen, was auf Twitter passiert, hat vermutlich nichts mit Kommunikation tun.
„Aber ein überwiegender Teil dessen, was auf Twitter passiert, hat vermutlich nichts mit Kommunikation tun.“
Na und! Das ist doch völlig egal. Das ist ein scholastisches Problem, aber nicht das Problem der Twitter-Kommunikation, oder das Problem der Web 2.0 – Kommunikation im ganzen. Die Kommunikation liest nicht erst deine Lehrbücher um ablaufen zu können. Sie kann auch dann ablaufen, wenn dir deine Lehrbücher nicht weiter helfen. Daraus solltest du den Schluss ziehen, dich entweder nur mit deinen Lehrbüchern zu befassen, oder, wenn auch mit der Twitter-Kommunikation, dann ohne, dass all dies mit deinen Lehrbüchern vereinbar ist. Aber was machst du? Du setzt die Kommunikation fort mit dem Argument, dass das vermutlich nichts mit dem Kommunikationsbegriff zu tun hat, der dir vertraut ist.
Aus deinem Verhalten ziehe ich den Schluss, dass du auf dem Wege der Ablehnung versuchst, dich mit dem dir unbekannten Medium vertraut zu machen.
Und das beeindruckt mich.
Ich sag ja nicht, dass gar keine Kommunikation auf Twitter stattfindet. Also von welchem Selbstwiderspruch sprichtst Du?
Es ist für die Kommunikation völlig egal, dass darüber kommuniziert wird, ob auf einem Ameisenhaufen, in einem Sonnensystem oder in einem Computer oder zwischen ihnen Kommunikation stattfindet oder nicht. Das gleiche gilt auch die Wahrnehmungseindrücke, die sich aus einer Bildschirmansicht ergeben. Ob das Kommunikation ist, was man auf dem Bildschirm wahrnimmt? Wo ist da der Unterschied zu einem Aquarium, wenn man zusätzlich das Argument ernst nimmt, dass bald auch Kühlschränke, Tiere oder Verstorbene twittern? Das ist übrigens kein Witz!
Der Selbstwiderspruch besteht in der Fortsetzung der Kommunikation durch Mitteilung von Ablehnung gegen das, was du wahrnehmenderweise als Nicht-Kommunikation bezeichnen willst. Das kann ja stimmen, aber was willst du denn noch? Nicht-Kommunikation kann man nicht beobachten.
Ich vermute, aber darin mag ich mich gründlich irren, du willst dich mit deinen Lehrbüchern befassen und möchtest Lektüre diskutieren. Das kann man machen, das kann man auch mit Twitter machen, aber speziell dafür ist das nicht erfunden worden. Twitter ist unspezifisch und verweist auf neue, in mancher, aber noch nicht in jeder Hinsicht unbekannte Probleme, die damit gelöst werden können. Das ist das, worum es geht.
Ich kann dir, wenn du willst, auch meine Überlegungen darüber mitteilen, welche Probleme sich zeigen könnten. Aber: in deinen Lehrbüchern steht darüber nichts geschrieben.
Interessiert es dich trotzdem? Und wenn du ja sagst, kann ich dir das glauben?
https://twitter.com/kusanowsky/status/348750737024618496
Bei facebook hat der Beobachter der Moderne kommentiert:
Kusanowsky ist der Meinung ich würde mich in einen Selbstwiderspruch verwickeln, weil ich versuche Nicht-Kommunikation zu beobachten. Ich weiß nicht genau, wie er darauf kommt, dass man Nicht-Kommunikation nicht beobachten kann. Nicht-Kommunikationen wären ja zunächst mal jegliche Umwelten von sozialen Systemen – menschliche und nicht-menschliche. Kommunikation bzw. soziale Systeme reproduzieren sich über das Prozessieren der Differenz von System und Umwelt. Das können sie zwar nur mit den systemeigenen Mitteln, nichts desto trotz wird durch diese Mittel die Aufmerksamkeit auf die Umwelt sozialer Systeme gelenkt. Genauso wie man seine Aufmerksamkeit auf Steine richten kann, die ebenfalls keine Kommunikation sind, kann man seine Aufmerksamkeit auf Phänomene richten, die aus einer bestimmten theoretischen Sichtweise keine Kommunikation sind.
Das stimmt ja alles. Steine sind keine Kommunikation, aber Steine entstehen für die Kommunikation nicht von selbst. Steine sind wie alles andere auch Beobachtungskonstrukte, die von der Kommunikation erzeugt werden um sie zu betrachten, um darüber sprechen zu können, um sie zu erforschen oder zu bearbeiten. Wir haben es nicht mit einem dualistischen Unterschied zwischen Steinen und dem Beobachtungskonstrukt „Steine“ zu tun, sondern allenfalls mit einem Beobachtungskonstrukt, das einen solchen Dualismus zur Realität erhebt und plausibel machen kann, dass Steine genauso real sind wie ihre Beobachtbarkeit. Aber dieser Unterschied – nicht möglich ohne Bewusstsein und auch nicht ohne Steine – muss mindenstens durch die Kommunikation hergestellt und ausreichend komplex für die Kommunikation differenzierbar hergestellt werden. So richtet sich jede Aufmerksamkeit eines Systems auf sozial entwickelte Komplexität, in welcher auch ein Dualismus von Signifikat und Signifikant vorkommt.
Insofern sind auch Steine, Beweise für ihre Existenz genauso wie Beweise für die Leugnung ihrer Existenz, nur sozial vermittelte Irritationsmöglichkeiten, die außerhalb dieser sozialen Irritialbilität keine Realität haben.
Ich vermute Kusanowskys Argument beruht auf dem Mißverständnis, dass aus der operativen Geschlossenheit sozialer Systeme folgen müsste, dass sich Kommunikation auch nur selbst beobachtet, mithin sich nur mit sich selbst beschäftigt. Das bedeutet Selbstreferentialität gerade nicht. Selbstreferenz bezeichnet nur die Operationen, aber nicht das worauf die Aufmerksamkeit gerichtet wird – die Fremdreferenz bzw. die Umwelt. Kommunikation löst aber ein menschliches Problem und kann sich deswegen nicht nur mit sich selbst beschäftigen, sondern benötigt auch Informationen über ihre Umwelt, egal ob Menschen, Tiere, Bäume, Steine etc. Wie diese Informationen gewonnen werden, kann man von Fall zu Fall sicherlich kritisieren. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass soziale und psychische Systeme ihre Umwelt beobachten, obwohl das nur über den Umweg der eigenen Selbstreferenz geschehen kann. Insofern weiß ich nicht, inwiefern ein Selbstwiderspruch vorliegen soll.
Selbstreferenz bezeichnet die Verwechsel- und Vertauschbarkeit des Unterschieds von Operation und Beobachtung. Denn durch diesen Unterschied verschwindet jede Möglicheit reiner Selbstreferenz. Das heißt, dass auch Fremdreferenz nur die andere Seite einer selbstferenziellen Beobachtung ist. Es gibt auch hier keinen voraussetzungslosen, keinen paradoxiefreien und unabhängigen Beobachtungstandpunkt, der einen Dualismus zwischen Selbst- und Fremdreferenz zur Voraussetzung hätte. Es gibt stattdessen nur die selbstrefrenzielle Vertauschung von Beobachtung und Operation, um basale Selbstreferenz zu entfalten.
Im Übrigen ein spaßiger Anwendungsfall eines Kampfes um die Deutungshoheit der Selbstreferenz von Kommunikation. Während ich nur ein Beobachtungsangebot mache, dass man annehmen oder ablehnen kann, verwechselt Kusanowsky seine Vorstellung von der Umwelt mit der Umwelt – also Kommunikation. Wie sonst kann er so überzeugt und leidenschaftlich behaupten, dass ich falsch liege, obwohl er es ja selbst eigentlich auch nicht wissen dürfte? Oder hat er einfach nur ein kleines Problem mit Kontingenz – also Beobachtungen, die von seinen abweichen? Schönes Praxisbeispiel für das, was ich mit den letzten zwei Blog-Texten zu beschreiben versucht habe.
Es wird nicht gekämpft, vielmehr findet nur ein fortgesetztes Scheitern statt, Kommunikation beobachtbar zu machen.
Kommunikationsysteme haben keine andere Seite außerhalb ihrer selbsterzeugten Beobachtung von Unterschieden ihrer Umwelt. Die Unterscheidung von innen und außen lässt nur auf der Innenseite eine Außenseite zu und damit auch eine doublebind-Verstrickung. Aber außerhalb der Außenseite auf der Innenseite der Innenseite ist keine Außenseite möglich, denn wie könnte andernfalls eine Kommunikationsoperation ein andere oder eine nächste Kommunikation zur Anschlussfindung identifizieren?
Da dies aber immer geht, wenn es geht, gibt es keine Unterscheidung, mit der Kommunikation beobachtbar wäre. Das gilt auch für Nichtkommunikation, die selbst wieder nur ein Bezeichnungsphänomen innerhalb ablaufender Kommunikation ist.
Der Selbstwiderspruch besteht einfach nur der irreflexiven Behauptung, dass die Beobachtung von Nichtkommunikation für die Kommunikation von Bedeutung wäre.
„Nicht-Kommunikation kann man nicht beobachten“
Aber man kann beobachten, dass man sie nicht beobachten kann.
“Nicht-Kommunikation kann man nicht beobachten”
„Aber man kann beobachten, dass man sie nicht beobachten kann.“
Wie kann man von etwas, was man nicht beobachten kann, trotzdem beobachten, dass man es nicht beobachten kann?
Beobachtet man Nicht-Kommunikation etwa nicht, wenn man beobachtet, dass man sie nicht beobachten kann?
Wenn Beobachtung Unterscheidung und Bezeichnugn meint hiesse „Man kann Nicht-Kommunikation nicht beobachten:
Nicht-Kommunikation ist keine Unterscheidung/Bezeichnung.
Sieh Dir das mal an:
http://books.google.de/books?id=Xw4bF_akiT8C&lpg=PA46&ots=HKu9Kj_geM&dq=%22Wenn%20Schrift%20Kommunikation%20werden%20soll%20%22&hl=de&pg=PA43#v=onepage&q=%22Wenn%20Schrift%20Kommunikation%20werden%20soll%20%22&f=false
Der Begriff der Interaktion in den Erziehungswissenchaften suggeriert (vermutlich), dass diese rein und als einzelne vorkommt. Entweder man verhandelt oder man stellt sich selbst dar – das wäre eine falsche Vorstellung. Dagegen muss man davon ausgehen, dass z.B. das Verhandeln in gewisser Weise etwas über die Person des Verhandlungspartners verrät; also stellt sich der Verhandelnde auch selbst dar. Insbesondere gilt das für komplexe Sachverhalte wie Lehren, Erziehungssituationen gestalten usw. Trotzdem bleibt die Frage nach den Erscheinungsformen der Interaktion relevant, wenn man danach fragt, welche Folgen das Handeln des Erziehenden für den Erzogenen hat.
Zum Begriff der parasozialen Interaktion: In den 1950er Jahren wurde das Konzept der sozialen Interaktion auf die Mediensituation übertragen. Diesem Versuch lag die Überlegung zugrunde, dass audiovisuelle Medien durch wirklichkeitsgetreue Abbildung von Medienakteuren dem Rezipienten die Illusion eines face-to-face-Kontaktes vermitteln. Grundannahme war dabei, dass sich sowohl der Medienakteur als auch der Rezipient ähnlich wie in einer face-to-face-Situation verhalten: Die Medienperson bietet dem Rezipienten durch direkte Ansprache und ein auf ihn gerichtetes Verhalten die Illusion des persönlichen Kontaktes. Der Rezipient kann auf dieses Kommunikationsangebot eingehen, indem er sich von der rein beobachtenden Position löst und aktiv auf das Angebot der Medienperson reagiert. Da auch die Medienperson ihr Auftreten der (erwarteten) Reaktion des Zuschauers anpasst, wird der Rezipient umso aktiver am medialen Geschehen teilnehmen, je stärker er diese anpassende Veränderung des Verhaltens der Medienperson wahrnimmt.
Es handelt sich hier gewiss um Fragestellungen, die in der Philosophie besser aufgehoben sind als in der Informatik. Interessant ist dabei jedoch, dass ähnlich wie früher in der Physik, nun die Computerwissenschaftler sich gezwungen fühlen ihre eigene Philosophie zu entwickeln. Wohl weil die bestehende Philosophie auf ihre Fragestellungen weder Antworten noch Methoden anzubieten hat.
https://twitter.com/kusanowsky/status/375350822827474944
Noch mal ein Nachtrag zum Thema: „parasoziale Interaktion“: Wie viele Teilnehmer hat ein Selbstgespräch?
Die spontane Antwort würde lauten: einen. Aber stimmt das? Weil ja fraglich ist, ob etwas, das sich nicht in einem sozialen Zusammenhang ereignet für die Kommunikation beobachtbar und damit relevant ist. Das Alleinsein auf dem Klo ist keine soziale Situation. Die Situation ist kommunikativ nicht erreichbar, weil in sozialer Hinsicht unbekannt ist, was sich nirgendwo ereignet. Natürlich kann man sagen, irgendeiner sitzt immer allein irgendwo allein auf dem Klo, aber nicht an dem Ort, an dem sich anschlussfähig ein Gespräch darüber ereignet, denn würde dort einer auf dem Klo sitzen, dann sitzt er nicht allein. Einsamkeit ist keine soziale Dimenension, ist ein Thema gewiss, Einsamkeit kann aber keine eigene soziale Realität beobachtbar machen.
Deshalb sind Selbstgespräche keine Kommunikation, weil keiner da ist, der den Unterschied zwischen Selbst und Nichtselbst mitversteht. Entsprechend hat ein Selbstgespräch keinen Teilnehmer.
Was wäre aber, jemand würde ein Selbstgespräch mitlauschen, ohne, dass der Belauschte davon etwas mitbekommt? Diese Situation bezeichnet eine parasoziale Kommunikationssituation, weil sie ein unterschiedliches Informiertsein über die Situation beobachtbar macht. Alter weiß von ego, aber ego weiß nicht von alter, dass Kommuniktion möglich ist und nicht faktisch abläuft. Warum ist sie nur möglich, nicht faktisch ablaufend? Weil auch der Lauscher möglicherweise einsam ist und wenn nicht, so kann er die Kommunikation nur mit anderen, aber auf keinen Fall mit dem Belauschten fortsetzen. Was wäre aber, wenn auch der Lauscher sich einsam glaubt, aber von einem anderen belauscht wird, der für ihn ebenfalls unerreichbar, weil unbekannt ist? Dann wiederholt sich nur die Situation der parasozialen Interaktionssituation.
Und was wäre ferner, wenn diese Wiederholung sich rekursiv mehrmals wiederholt? Niemals käme es zur Kommunikation. Da man aber von dieser Möglichkeit wissen kann, ohne sie realisieren zu können, könnte jeder Beteiligten allein auf diese Möglickeit hin reagieren. Gewiss wäre das nur als Reaktion auf eine Paranoia möglich, aber was wäre, wnn so etwas nicht allein durch Angst und Misstrauen bestimmt wird?
Findet Kommunikation statt, wenn jeder, der ein Selbstgespräch führt, glauben kann, ohne es immer überprüfen zu können, dass kein Selbstgespräch stattfindet?
Das ist natürlich nur eine zugespitze und etwas übertriebene Beispielsituation. Was wäre aber, wenn durch das mobile Internet solche parasozialen Interaktionen normal werden? Ein weiteres Beispiel: zwei Personen, die sich gegenseitig nicht kennen, sitzen im Zug nebeneinander, verhalten sich rücksichtsvoll und höflich aufgrund ihrer gegenseitig wahrgenommenen Anwesenheit, aber kommunzieren als Abwesende miteinander per Twitter und beschimpfen sich aufs Übelste und wissen nicht, dass der jeweils andere direkt anwesend ist.
Sicher, eine solche Situation ist sehr unwahrscheinlich, aber wie viele solcher unwahrscheinlichen Situationen können entstehen, wenn Kommunikation zwischen Anwesenden immer zugleich auch kommunikation zwischen Abwesenden sein kann, sobald durch durch mobile Geräte so etwas jederzeit und überall passieren kann?
Deshalb noch mal meine Frage: wie viele Teilnehmer hat dann ein Selbstgespräch? Könnte man nicht vermuten, dass es unendlich viele sind?
Ich weiß es nicht.
Hartmann, T. Klimmt, C. & Vorderer, P. (2001). Avatare: Parasoziale Beziehungen zu virtuellen Akteuren. Medien- & Kommunikationswissenschaft, 49, 350-368
Hartmann, T. (2008). Parasoziale Interaktionen und Beziehungen mit Sportstars. In: H. Schramm (Hrsg.). Die Rezeption des Sports in den Medien. S.100-120. Köln, Halem
Effinger, A. (2001). Fernsehen und parasoziale Beziehungen. Neuere Untersuchungen zum Verhältnis von Zuschauern und TV-Personen. Diplomarbeit, Fachhochschule Stuttgart
Die Reflexivität ist aber ebenfalls keine Sache der Definition. Müsste eine Definition von Kommunikation Voraussetzung für das Ablaufen von Kommunikation sein, dann handelt man sich ein scholastisches Beobachtungsproblem ein. Weil in dem Fall nämlich nur das Beobachtungsschema einer Schola die einzig relevante Unterscheidungsmöglichkeit liefern würde. Gemäß der systemtheoretisch Schola ist Kommunikation aber immer auch nicht nur hinsichtlich ihrer „Washeit“ anders möglich, sondern auch hinsichtlich ihrer „Dassheit“. Entsprechend ist die Luhmannsche Scholastik (im Unterschied zu einer Theorie der Gesellschaft) nur eine und nicht die einzige und nicht die einzige entscheidende Beobachtungsmöglichkeit sozialer Realität.
Während Luhmann die Realität der Gesellschaft versuchte zu erklären (und nicht die Soziologie der Gesellschaft) versucht die Schola die Gesellschaft einer Luhmannschen Soziologie zu erklären. Die Schola macht also nur weiter mit dem, was ohnehin immer schon von schola-Bildungen betrieben wird. Sie vertauscht Theorie und Gegenstand (hier: den System-Umwelt-Zusammenhang). Denn verhält sich der Gegenstand nicht so wie dies die Schola beansprucht und erwartet, rechnet sie die Irritationen auf die Umwelt zu, obgleich selbige niemals über sicht selbst irritiert ist – gemäß der Selbstauskunft der Schola
Das entsprechende Vertauschungsverfahren nenne ich: Scholastik.
Das heißt: Kommunikaktion kommt zwar ohne Reflexivität nicht aus und auch nicht ohne die Kommunikation über Kommunikation, aber eine Definition ist nicht Voraussertzung von Kommunikation, sondern selbst ihr Ergebnis. Und sobald sich eine Struktur bildet, die einen Kommunikationsbegriff beobachtbar macht, wird diese Struktur durch Kommunikation schon wieder geändert.
Es kommt also nicht auf die Definition an, sondern auf die Kommunikation über eine Definition. Und diese ist weder durch die Notwendigkeit einer Definition determiniert noch durch eine notwendige Definition, sondern allein dadurch, dass sie sich ihrer Beobachtbarkeit entzieht, sobald sie Beobachtungen (hier die Beobachtung einer Definition) zulässig macht.
Das heißt für diesen Fall: die Kommunikation sucht sich dann ein neues Prüfungskriterium um ihr Ablaufen noch zu reflektieren (um sich nicht in der Ausweglosigkeit der Scholstik zu verlieren.) Sie macht in der Folge etwas problematisch, sie entnaivisiert etwas, das vorher nur marginal und naiv behandelt wurde. Ich tippe auf: parasoziale Interaktion. Nur, wenn die Kommunikation sich auch auf die Möglichkeit einlässt, dass ihr Fortgang immer sofort und unvorhersehbar blockiert werden könnte, könnte sich ein Kriterium für die Reflexion ihrer Funktionsweise finden. Aber wenn sie sich auf scholastische Strukturen dauerhaft einlassen wollte, wird sie entweder trivial oder verhärtet sich zur Ideologie.