Die #Meinungsfreiheit ist die message, Nachtrag #journalismus
von Kusanowsky
Journalismus muss sich öffnen. Wir können nicht länger nur senden, sondern müssen auch empfangen. Absolut richtig. Nur, wenn ich mir anschaue, was rüberkommt, dann muss ich mich fragen, wieviel ich davon manchmal ertragen kann.
Mit diesem Kommentar leitet der ZDF-Journalist Martin Giesler eine Übersicht über eine Auswahl von Facebook-Kommentaren ein, die anlässlich seiner Veröffentlichung eines Bildes von Claudia Roth abgegeben wurden. Bei dem Bild handelt es sich, so jedenfalls die Erzählung, um die Abbildung der Verletzungen, die sich die Politikerin bei einer Demonstration in der Türkei zugezogen hat. Über diese Facebook-Kommentare selbst muss nicht viel gesagt werden, und möglicherweise auch nichts über den Eingangskommentar. Möglicherweise aber doch, weil ohnehin schon etwas dazu gesagt wurde:
Man könnte den Eingangskommentar einmal dekonstruierend auf seine verwendeten Unterscheidungen analysieren:
1. „Journalismus muss …“ – Vom Müssen ist hier die Rede, nicht vom Dürfen oder Wollen. Heißt das auch, dass Nichtdürfen oder Nichtwollen die andere Seite der Unterscheidung ist? Eigentlich will oder darf der Journalismus nicht, aber er muss?
2. “ … sich öffnen“ – weil ohnedies der Journalismus sich irgendwie abschließen, verschließen, abscheiden, abtrennen oder versperren würde gegenüber der Welt, über die er berichtet? Seit wann fällt dem Journalismus auf, dass es sich so verhält?
3. „Wir können nicht länger .. “ Sie können also nicht länger, aber wollten oder müssten sie denn, wenn sie könnten?
4. “ … nur senden, sondern müssen auch empfangen“ – schon wieder wird etwas gemusst! Ich habe den Verdacht, dass hier der Aufdringlichkeit eines Lernprozesses nach gegeben wird, der sich nur durch eine Art Zwang oder Gewalt bemerkbar macht; ein Lernprozess, der ohne Zwang oder Gewalt gern vermieden werden wollte. Denn: warum Lernen, wenn man nicht muss, weil man nicht will?
5. „Nur, wenn ich mir anschaue, was rüberkommt …“ tja, wenn. Aber was wäre, wenn nicht?
6. “ … dann muss ich mich fragen“ Er muss schon wieder!
7. “ … wieviel ich davon manchmal ertragen kann“ Wer will das denn wissen?
Siehe dazu bei Interesse den Beitrag: Die Meinungsfreiheit ist die Message, nicht die Meinung.
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Journalismus muß nicht empfangen, Journalismus muß etwas zu sagen haben.
Was muss der Journalismus denn sagen? Alternativ: was darf oder sollte er verschweigen?
Bei 120sekunden finde ich die Kommentarfunktion nicht (mag am deaktivierten JS liegen), bei erbloggtes ist das Layout scheißunübersichtlich und eh alles voll. Da ich Deinen Text sowieso am besten fand, gratuliere ich hier und stell die rhetorische, verwunderte Frage, warum ein heute-Journalist erst gestern zu solch glorreichen Erkenntnissen kam; und eigentlich waren es ja nicht einmal viele.
Zitat „Journalismus trägt zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Er wird deshalb oft als vierte Gewalt im Staat bezeichnet (vgl. Fabris 1981). Die Aufgabe des Journalismus wurde in der Geschichte immer wieder neu interpretiert. Der Journalismus ist permanent in Bewegung, sein stetiger Wandel schafft jeder Journalistengeneration neue Probleme und neue Herausforderungen.“
Martin Löffelholz: Theorien des Journalismus. Universität Trier. 13. April 2006. Abgerufen am 25. Januar 2010.
Und ja, ich hab’s aus der Wikipedia geklaut.