#KI-Forschung und #Psychoanalyse #Intelligenz

von Kusanowsky

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Die Berichterstattung über die Fortschritte der KI-Forschung scheint sich gegenwärtig immer aufdringlicher über den Horziont dämonischer Überwältigungen des Menschseins zu erheben, weil nun in Aussicht kommt, dass bald irgendwelche intelligenten Kräfte entfesselt werden könnten, die den Menschen, wenn nicht das Fürchten lehren, so doch wenigstens eine weitere Lektion in Sachen narzisstischer Kränkungen bereiten. Die Warnung lautet: Oh Mensch gibt Acht, die Automaten und Maschinen könnten intelligenter sein als ihre Erfinder!

Dass aber Intelligenz notwendigerweise weder etwas mit Macht, Wissen oder Kreativität zu tun hat, kann bald auch in Erfahrung gebracht werden. Wer verschiedene Menschen einem Intelligenztest unterzieht, kommt zu verschiedenen Messergebnissen, die nichts darüber aussagen, welche Menschen mächtiger sind, gelehrter oder kreativer. Und da man, wenn man so messen kann, auch anders messen kann und zu anderen Ergebnissen kommt, die es auch nicht zulässig machen, die Zurechnung von Intelligenz auf Macht, Wissen oder Kreativität mit Notwendigkeit vorzunehmen, scheinen solche Bangheiten wohl eher ein Grund zum besinnlichen Seufzen zu sein.

Glaubt irgendjemand, der glauben will, dass Menschen, die über andere Menschen Macht ausübten, dies vermögten, weil sie intelligenter sind? Niemand glaubt das. Aber dass dies mit Maschinen anders sein könnte, scheint leichter glaubhaft, obgleich das genauso abwegig ist. Allein schon die schwierigen Bemühungen um die bessere Förderung von hochbegabten Menschen zeigen, wie stark die soziale Determinierung wirkt. Es liegt nicht im Vermögen intelligenter Menschen der sozialen Determinierung nach Maßgabe eigener Kompetenzzurechnung auszuweichen. Wer aber behaupten will, dass diese soziale Determinierung nur der Beweis für die Herrschaft der Dummheit ist, müsste erklären können, wie denn Unterlegenheit der Intelligenz erklärbar wäre, wenn sie doch eigentlich aufgrund ihrer besseren Leistungsfähigkeit überlegen sein müsste? Und die Hoffnung, dass sich dies durch eine Automaten- und Maschinenintelligenz ändern würde, ist so naiv wie die Hoffnung auf Allmächtig- und Unsterblichkeit. Aber auch hier gilt: wenn auch naiv, so doch sehr wirksam.

Stattdessen scheint mir eher der Gedanke nahezuliegen, dass die Forschungsfortschritte in Sachen der Künstlichen Intelligenz das soziale Selbstbeeindruckungsprogramm transzendentaler Subjektivität nach einer ähnlichen magischen Verdrehung umprogrammieren werden wie dies dies ehedem mit der Psychonalyse gelang, indem sich nämlich zeigen wird, dass auch eine Rehabilitierung der Dummheit noch zur Selbstbeeindruckung geeignet ist.

https://twitter.com/friiyo/status/345826353809072130

Wie sich mit dem Aufkommen der Psychoanalyse herum gesprochen hatte, indem sie das, was seit Menschengedanken offensichtlich war, nun auch wissenschaftlich ergründete, zeigte sich bald, dass nur noch kompetent, aufgeklärt und rational sprechen konnte, wer an seinen eigenen Fähigkeiten in dieser Hinsicht nicht mehr so recht glauben wollte.

Auf ähnliche Weise dürfte sich bald auch eine Rehabilitierung der Dummheit verbreiten, die vielleicht dann unter Berücksichtigung ihrer animalischen Bedingungen genau so gut zum Erkenntnisfortschritt beitragen kann wie die Ergebnisse der KI-Forschung. Es wird nicht lange dauern und man gewinnt an Souveränität zurück, wenn man sich auf seine Dummheit etwas einbilden kann, was umso interessanter wird, da sich die Klage und das Stöhnen über die Dummheit der anderen einer sehr großen Beliebtheit erfreut.

Der KI-Forschung gebührt daher ein großes Lob und alle Hoffnungen auf weitere Fortschritte sind darum sehr berechtigt. Sie wird zeigen, was dieses Sebstbeindruckungsprogramm seiner sozialen Herkunft nach ist: ein Weg, der in seinem Ausgangspunkt jeden Aberglauben zurück wies und im Laufe seiner gesellschaftlichen Beschreitung sich selbst als reinen Aberglauben entlarvt.

Das ist gut.

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