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von Kusanowsky
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Weitere Informationen darüber findet man beim Institut für grafische Wissensorganisation

Ich glaube in Bezug auf das Stichwort „Text“ stimmt das, aber nicht für „Wikipedia“, es sei denn, dass Zeichenfolgen von Links auch berücksichtigt wurden. Tatsächlich habe ich inhaltlich relativ viel zu „Wikiepdia“ geschrieben, aber sehr viel häufiger Links eingebaut, die diese Zeichenfolge aufweisen. Spielen Zeichenfolgen von Links im Text auch eine Rolle? Ist das gemeint mit „Formatierungsartefakte“? Wenn ja, dann sind relativ mehr wikipedia-links als Wikipedia-themen enthalten. Und in dem Fall könnte das Stichwort „Wikipedia“ relativ unbedeutend sein.
Tatsächlich aber habe ich bestimmt 20 oder mehr Artikel zum Thema Wikipedia verfasst.
Was wäre, wenn in naher Zukunft das Sammeln und Auswerten von Daten den Hauptteil aller gesellschaftlichen Produktion ausmachen wird, also nicht nur, wie gegenwärtig, das Geschäft von wenigen bleibt, sondern differenziert und arbeitsteilig betrieben wird? Wenn also, ähnlich wie bei der Industrialsierung, beinahe alle Menschen daran beteiligt sind, Daten zu erzeugen, zu sammeln, zu sortieren, zu manipulieren und auszuwerten? Daten würden dann für die Datensammlung, für die Sortierung und Auswertung erzeugt und nicht etwa, wie unsere Alpträumer meinen, um etwas über Menschen heraus zu finden.
Denn BigData bezieht sich auf alle möglichen Daten, nicht nur Daten, die über Konsumgewohnheiten Auskunft geben, sondern im Grunde auf alles, was digital verfügbar ist, egal was.
Gegenwärtig meinen wir immer noch, ich sei ein Urheber, ein Hersteller von Irgendetwas, das über mich Auskunft gäbe. Aber so etwas kann man nur glauben, solange man die soziale Bedingtheit all dessen ignoriert, das für die Kommunikation relevant wird. Das heißt, dass Menschen sich nicht einfach aussuchen können, was relevant ist, was über einen selbst Auskunft gibt und was nicht.
Gerade diese BigData-Geschichte zeigt das doch. Sie überzieht die Gesellschaft dämonisch, also ist nicht durch Planung oder Steuerung herbeigerufen, sie entspricht keinem Verhältnis von Angebot und Nachfrage, ist nicht aufgrund einer debilen Nützlichkeitskalkulation entstanden. Denn welche Nutzen hat es für den Facebook-Nutzer, all seine Daten dort preis zu geben? Keinen.
BigData kann vielleicht auch die eine oder andere Lösung herbeizaubern, was man ja für die Industrialisierung auch sagen kann. Aber das ganze wird eben auch Probleme herbeizaubern. Und niemand kann mit Gewissheit sagen, dass diese dann entstehenden Probleme nur zum Nachteil der Menschen sein müssen.
BigData löst das Problem des Datenschutzes durch seine Abschaffung.
„Womöglich wird der „Methodenfreak“ (Süddeutsche Zeitung) Franco Moretti in diesem „einmal“ der Rückschau als eine Leitfigur der Geisteswissenschaften im Zeitalter ihrer digitalen Re-Evozierbarkeit gelten. Lothar Müller widmet dem Vorzeige-Digital-Humanist aus Stanford bereits heute im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch einen satten Sechsspalter (Lothar Müller: Ein Methodenfreak. In: Süddeutsche Zeitung, 26.06.2013, S. 14) mit einer eindrucksvollen Porträtaufnahme aus der Kamera der mit ihren Aufnahmen der deutschen…“
„Was Moretti macht, wenn er Textmassen quantitativ und statistisch auswertet, entspricht prinzipiell den digitalökonomischen Datenanalysen, die man, wie wir mittlerweile wissen, auch zur geheimdienstlichen Terrorabwehr verwenden kann. Sein Konzept – er nennt es Quantitativen Formalismus – dient gleichfalls zur Strukturerschließung des Dokumentierten, also des Empirischen, wobei sich systematisch Abweichungen isolieren lassen, die man dann bei Bedarf qualitativ durchleuchten kann. Damit gewinnt man fraglos eine solidere Basis für die Auseinandersetzung mit Texten in ihrer Gesamtheit (so sie in ihrer Gesamtheit digitalisiert und Teil des Korpus sind). Man erfährt bei der richtigen Analyse viel über die syntaktischen, mitunter auch konzeptionellen Relationen zwischen Textprodukten bzw. Äußerungen. Man kann Querverbindungen und Referenzen isolieren und nachverfolgen. Bisweilen deckt man auch Plagiarismus auf und Doppelschöpfungen. Es lassen sich Aussagen über die Produktions- und Rezeptionsbedingungen von Texten treffen (zum Beispiel über das Mapping mit Ausleihstatistiken öffentlicher Bibliotheken). Aus vielen Perspektiven können wir zu den Gegenständen der Literaturwissenschaft so exakt wie noch nie in der Wissenschaftsgeschichte Aussagen treffen, Schlüsse und Querverbindungen ziehen und Einsichten vorbereiten. Wir sind in der Lage, aus einer Art Vogelperspektive ein riesiges Feld der Literatur zu betrachten und zugleich zu übersehen.“
Bigdata-Verkäufer verkaufen Illusionen, keine Daten. Daten kann man nicht verkaufen, bzw. man kann sie durch Verkauf nicht transferieren, sondern nur kopieren. Und jede Kopie, bzw. jede Kopie einer Datensammlung, lässt sich auch immer anders analysieren, auswerten und entsprechend lässt sich jedes Ergebnis immer auch anders verkaufen. Bigdata-Verkäufer sind darum eigentlich nur Parasiten, die sich gegen die Nachfrage indifferent verhalten, indem sie jede Nachfrage bedienen, egal ob der erhoffte Nutzen dabei heraus springt oder nicht.
Die Illusion, die verkauft wird, lautet: Information zum Zweck der Kontrolle, bzw. Information zum Zweck der Vorhersage und Steuerung zu verbreiten. Aber das geschieht nicht, weil nicht nur eine Stelle in einem Entscheidungsfindungsprozess informiert ist, sondern jede andere auch. Die Illusion von Vorhersage, Steuerung und Kontrolle wird aber gebraucht, um die Naivität dieser Anliegen in Erfahrung zu bringen. Über die Einsicht in die Naivität wird dann die Welt als seltsam in Erfahrung gebracht und dies wiederum auf der Basis der Überprüfung von Daten.
Auch Bigdata wird dafür sorgen, dass die Welt immer seltsammer, immer fremder wird.
Insofern ist Bigdata ein wahrer Segen, nicht, weil die Versprechungen stimmen, sondern weil auf dem Wege der Akzeptanz das Scheitern dieser Versprechungen irreversibel in Erfahrung gebracht wird. Wenn dies aber geschieht, dann kann man damit rechnen, dass sich die Bedingungen und ihre Verhältnisse längst geändert haben.
Bigdata ist ein Geschäft der Weltverrätselung. Und ich halte dafür, dass dies der beste Datenschutz ist, den man sich vorstellen kann.