Generisches Femininum – etwas über Sprachvernunft
von Kusanowsky
https://twitter.com/kusanowsky/status/342346972453298176
Sprache ist nicht vernünftig. Müsste an Sprachgebrauch die Bedingung gestellt werden, Ansprüche an Vernunft zu befriedigen, hätte das den grandiosen Vorteil, dass niemand mehr falsch sprechen kann, weil in dem Fall niemand mehr sprechen könnte. Denn was sollte man noch sagen, wenn Sprache vernünftig gestaltet sein müsste? Außerdem kommt hinzu, dass die verstehbare Welt nicht nur eine Welt der Sprache ist, welche schlechterdings nicht vernünftig gestaltet sein kann, die Welt ist auch eine in sinnhafterweise nichtsprachlich verstehbare Welt, die genauso wenig die Bedingung der Vernunft erfüllen kann, um darüber reden zu können.
Freilich ist Vernunft möglich, aber nur ausnahmsweise und kommt schon gar nicht dadurch zustande, dass Sprache vernünftig verwendet wird.
Vernunft ist Ausnahme, nicht Regel und sie kann auch nicht normal sein um den Alltag zu bewältigen, gilt auch für den Alltag von Feministen. Vernunft kommt im Laufe von 24 Stunden eigentlich gar nicht vor, sondern nur, wenn man einen langen Zeitraum berücksichtigt. Und dann gilt die Regel, dass im Durchschnitt vielleicht ein vernünftiges Ereignis pro Tag beobachtbar wird. Vielleicht auch zwei. Mag sein. Aber nicht häufiger.
Vernunft ist interessant und relevant, solange sie selten vorkommt. Normal ist dagegen ein ordnungsfähiges Durcheinander, das meistens gar keine Macht entfalten kann. Das allermeiste was geschrieben und gesprochen wird ist folgenloser Sinnmüll.
Nun sind Fragen der Gleichberechtigung bis heute keine ernstzunehmenden Fortschritte erzielt worden. Der Grund dafür ist, dass der Unterschied von Gleichheit und Ungleicheit nicht verschwindet, solange er zuverlässig wiederholt wird. Ein weiterer Grund dafür ist auch, dass Gleichheitsdifferenzen gerne mit ganz anderen Differenzen wie Gerechtigkeitsdifferenzen und Differenzen der Rechtfertigung von Macht verwechselt werden, so dass Fortschritte gar nicht erzielt werden können. Denn wer sollte feststellen, dass Gleichberechtigung hergestellt ist, wenn der Unterschied verschwindet?
Da solche und ähnliche Argumente keine Rolle spielen, zeigt sich nun, nach Jahrzehnten des vergeblichen Bemühens, ein Problem durch beständige Wiederherstellung aus der Welt zu schaffen, dass die Bemühungen um Sprachvernunft vielleicht eine Lösung liefern könnten. Denn die Vorschrift ein generisches femininum zu benutzen, macht ja die Welt nicht vernünftiger, sondern erwirkt nur dringlicher den Tatverdacht der Aussichtslosigkeit solchen Bemühens. Aus diesem Grunde darf man diese Bemühung gar nicht geringschätzen, sondern sollte sie vorbehaltlos akzeptieren: das generisches femininum ist Sprachschwachsinn wie jeder andere, aber jetzt gibt es die Chance, den Sprachschwachsinn als sozialen Rechtsanspruch zu kommunizieren.
Die Akzeptanz dieser Sprachvorschrift läss eine neue Regelfindung zu: wenn diese Art der Sprachvernunft zulässig ist, dann auch jede andere. Warum soll man nicht auch in anderen Fällen ein Recht auch Sprachschwachsinn anführen dürfen? Es gibt ja so viel worüber unvernünftig geredet wird. Warum also nicht in Zukunft unvernünftig über all diese alltägliche Unvernunft reden? Oder auch: warum nicht wirklich und verbindlich schwachsinnig über Schwachsinn reden?
Irgendwo in diesem Möglichkeitsbereich könnte eine Lösung liegen.
@kusanowsky : Mit dem Bekenntnis meiner Zustimmung zum Gesagten wollte ich es nicht einfach bewenden lassen, obwohl ich keine Ahnung habe, an welcher Stelle vernünftig – Quatsch: kontextgestützt sinnvoller und sinnerhaltender Weise anzuschliessen wäre.
Ich sehe mich konfrontiert mit meiner seit Monaten exekutierten persönlichen Masche, anstelle des von den harten Feministinnen mit dem Hochziehen ihrer schönen Augenbrauen quittierten „man“ auch nicht mehr nur „frau“ zu schreiben, sondern „mensch“. Dieser Selbstbefehl hat sich in mir derartig befestigt, dass in dem Moment, wenn der erste Finger auf der Taste „m“ landet, um „man“ zu schreiben, ich automatisch bereits „mensch“ schreibe. Gewonnen ist damit selbstverständlich gar nichts. Denn erstens ist das Ganze ja so blödsinnig wie zuvor, und zweitens hat von den durch mein Schreibverhalten angepeilten „Weibern“ noch nie eine zufriedenstellend reagiert.
Weil ich finde, dass die Unileute in Leipzig genauso spinnen, wie ich mit meinem „mensch“ seit Monaten gesponnen habe, werde ich nun ab sofort wieder unbekümmert „man“ schreiben und – ab und zu – ein ironsches „frau“ einschiessen lassen.
Abschliessend möchte ich mit eigenen Worten betonen und bekräftigen, was ja eine alte und bekannte Weisheit und Erkenntnis ist ist: Sprache ist ein Werkzeug, das sich bewährt hat. Es ist nie und niemals starr, sondern immer zielgerecht und zielstrebig in Bewegung, um sich den angepeilten Erfordernissen gerecht werdend anzupassen. Sprach ist nicht und war niemals logisch oder vernünftig, Sprache ist nichts weiter als ökonomisch. Wenn sie funktioniert, dann funktioniert sie eben: BASTA !
Lieber Rudi,
der Limerick ist nicht gut gelungen. Versuche doch mal ihn so umzuschreiben, dass dieser Sprachschwachsinn normal und dieses Bestehen auf Sprachvernunft selten, bzw. schwachsinnig ist.
Hat Feminismus eigentlich etwas mit Frauen zu tun? – Irgendwas bestimmt. Man könnte die Frage aber auch umkehren: Was haben Frauen eigentlich mit Feminismus zu tun?
Weder auf diese noch auf jene Frage kann Alice Schwarzer ein Antwort geben. Sie kann praktisch nur den „katholischen“ Standpunkt, also: die wahre Meinung über den Feminismus verkünden:
„Das Spiel mit dem Feminismus war von Anfang an, ihn zu unterlaufen, ihn umzudrehen, ihn lächerlich zu machen. Und dieses Spiel spielten auch immer schon gewisse Frauen mit, die sich als Feministinnen deklarierten. Aus den unterschiedlichsten Motiven. Das gab ihnen eine Stimme. So ist es bis heute. Sie konnten – und können – im Namen des Feminismus sprechen. Und ihn kalt lächelnd ad absurdum führen.“
http://ow.ly/lP5Yl
Dass längst Feministinnen unter dem Deckmantel des Feminismus einen Feminismus verkünden, also den Teufel einladen, bei diesem Spiel mitzumachen, leuchtet der Frau ein, aber sie weiß noch nicht wie es kommt.
Und ich vermute, es wird nicht mehr lange dauern bis Feministinnen unter dem Deckmantel des Feminismus verkünden, dass der Deckmantel nur ein Deckmantel ist, um den Feminismus zu verkünden.
Ich habe zwar keine Ahnung, was „Trollfeminismus“ bedeutet, aber wenn er das bedeuten könnte, mach ich da mit.
„wenn er das bedeuten könnte, mach ich da mit.“
Ich glaube nicht, dass du unter dem Deckmantel des Feminismus irgendwas erreichen könntest. So wie ich dich kenne geht es dir eher um den Feminismus des Deckmantels.
Das passt eher zu dir: den Deckmantel zu verkünden.
Ach so. Du glaubst also mich unter dem Deckmantel des Deckmantels verraten zu können?
(Womöglich werde ich das jetzt gleich ganz doll bereuen)
ist wurscht, welche Wurzeln das hat, wenn ich Sätze lese wie „Man nimmt in den Urlaub mit: Sonnencreme, Strohhut, Reiseschecks, Frau und Kinder nicht vergessen“ – Uuups! Man ist also doch, hier (fast) ausschließlich, mann. Luise F. Pusch hat irgendwann mal solche Belege gesammelt, kam irre viel zusammen, seitdem fällt’s mir auch auf wenn ich es sehe.
1.) Feminismus als Deckmantel:
Wenn man zum Beispiel meint, es sei feministisch, daß U.v.d.L. Arbeitsministerin ist, und bequemerweise vergißt, daß die von ihrer Politik Betroffenen auch teilweise weiblich sind, z.B. Erwerbslose, Kinder
2.) „man“ Mir
Setzt man in denselben Satz „mensch“ ein, wird es ja nicht besser (alles schon gesehen).
Mit „frau“ hab ich’s auch selbst schon probiert: Ergebnis: Wenn ausschließlich Frauen gemeint waren, gings, für ausschließlich Männer weiter „man“, und bei gemischt hat sich nichts außer „man“ auch nur halbwegs verständlich angehört.
Also weg damit.
Inzwischen sag ich gern mal: „Als Frau tritt man…“
*wegrenn*
Politisch korrekte Sprache. Neusprech für Fortgeschrittene
http://www.nzz.ch/wissen/bildung/neusprech-fuer-fortgeschrittene-1.18112623?extcid=Newsletter_08072013%20MESZ_Top-News_am_Morgen
https://twitter.com/kusanowsky/status/354134157586214913
Die Diskussionen über das generische Geschlecht und diesem sog. Gender-Gap haben eigentlich einen großartigen Vorteil: sie bewirken, dass das Sprechen über Sprache immer schwieriger wird, weil ja nicht jeder Sprecher und Schreiber die Bereitschaft mitbringt, sich diesen irrsinnigen Sprachvorschriften zu unterwerfen. Nur Beamte und Staatsangestelltinnen können dazu gezwungen werden, sich an diese Vorschriften zu halten; und in der Schule selbstverständlich Kinder, die fürchten müssen, andernfalls bestraft zu werden, wenn sie sich ungehorsam zeigen.
Aber kritische Fragen darf das Kind nicht stellen: Warum darf die Lehrerin, der ein Lehrer ist, das Kind Kind nennen und nicht „der Kinder“ oder „die Kinderin“, wenn doch das Geschlecht angeblich von so großer Bedeutung sei. Der Lehrer, die eine Lehrerin ist, muss dann dem dem Kinder oder der Kinderin entweder ein Frageverbot erteilen oder die Auskunft verweigern. Eine andere Möglichkeit wäre, weitere Sprech- und Sprachvorschriften dafür zu erlassen, wie man man mit diesen Idiotien umgeht. Man könnte vorschreiben, dass das Wort Sprachidiotie durch Sprachvernunft ersetzt werden muss. Das käme übrigens dem Sachverhalt sehr nahe.
Der Vorteil ist, dass mit weiteren Vorschriften die Sprachidiotie nicht vermindert, sondern vermehrt wird. Und damit auch die Einsicht in das, was man eine Sprachvernunft nennen könnte, nämlich: das Recht rechtzeitig zu schweigen.
Nüchtern betrachtet gibt es viel zuwenig Sprachvorschriftinnen.
Ging doch nicht sooo schnell…