Die Diskreditierung psycho-somatischer Techniken
von Kusanowsky
Im Verhältnis zu psychischen Systemen hängen alle Kommunikationsmedien davon ab, daß Selektionsmotive nicht kurzschlüssig allein im psychischen System gebildet werden, sondern auf dem Umweg über soziale Kommunikation zustandekommen (wie immer sie dann zur Annahme oder zur Ablehnung von Selektionsofferten disponieren). Diese Umwegigkeit der Motivbildung versteht sich bei anspruchsvolleren Übertragungsleistungen nicht mehr von selbst, sondern muß durch strategisch placierte Selbstbefriedigungsverbote unterstützt werden: In hochentwickelten Medien-Codes finden sich daher immer auch Symbole mit dieser Funktion: Verbote der direkt-gewaltsamen Zielverfolgung und Rechtsdurchsetzung; Diskreditierung jeder Selbstbefriedigung in Fragen der Sexualität und der Liebe; Abwertung und Benachteiligung ökonomischer Askese und Selbstgenügsamkeit; schließlich methodische Eliminierung aller rein subjektiven Evidenzen, introspektiv gewonnener Sicherheiten, unmittelbarer Wissensquellen (Kant 1796). Was dabei an psycho-somatischen Techniken mitdiskreditiert worden und unentwickelt geblieben ist, läßt sich schwer abschätzen. Die kulturelle Dominanz der Medien-Funktion hat Wissen und Überlieferungen in diesen Richtungen verkrüppeln lassen.
Luhmann, Niklas. (1974) : Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien, in: Soziologische Aufklärung (2005), Band 2, S.142-276.
Diese Stelle bezieht sich auf eine spezifische Organisation von Fremdreferenz moderner Sozialverhältnisse, die über Einziehung einer zweiten Beobachtungsebene die Vermeidung von Selbstreferenz garantieren, ausgedrückt mit dem Begriff der Vermeidungssstrukturen. Im Zitat bezieht sich das auf die Abschaffung der Rache, bzw. auf die Trennung von Recht und Gerechtigkeit, auf das Verbot von Masturbation und Geringschätzung von Eigenbrötlerei und auf das, was ich paranoisches Beobachten nennen würde: „schließlich methodische Eliminierung aller rein subjektiven Evidenzen, introspektiv gewonnener Sicherheiten, unmittelbarer Wissensquellen …“
Was ich vermuten möchte ist, dass diese Diskreditierung nicht mehr durchhaltbar ist, weil die Form der Organisation von Fremdreferenz durch ihre Trivialisierung längst schon wieder in ein Medium zerfallen ist und Selbstreferenz nun nicht nur nicht mehr vermieden werden kann, sondern im Gegenteil sogar zur expressiven Stabilitätsbedingung hoch unwahrscheinlicher Anschlussmöglichkeiten wird.
@friiyo – das meinte ich als ich in Frankfurt davon gesprochen hatte, dass du als Journalist angefangen hast, dir selbst einen Leserbrief zu schreiben. Dein Einwand war berechtigt: der Folgenreichtum ist im individuellen Fall sehr gering. Wen interessiert dein Leserbrief an dich sebst? Aber: was wäre, wenn solche Fälle normal werden, wenn niemand mehr so einfach darauf verzichten kann, das eigene Zutun zum Gelingen der Kommuniktion unter anderen Voraussetzungen noch einmal zu thematisieren?
Und die dafür notwendigen Erfahrungsbedingungen werden mit diesen trivialen Internet-Diskussionen eingeübt.
http://www1.wdr.de/themen/panorama/falschgeld106.html
Was auch immer von dieser Geschichte in Fragen einer Wahrheitsangelgenheit zu halten ist, der erzählte Finder dieses Geldscheins hätte vielleicht gut daran getan, eine Mitteilung über diesen Fund zuvor zu veröffentlichen. Nun stellt das nicht sicher, ob damit der Folgenreichtum eines solchen Irrtums minimiert werden kann, aber vielleicht ließe sich auf diese Weise das Fehlen einer Zeugenschaft durch das Fehlen eines Wahrheitsbezuges hinsichtlich der eigenen Motive ersetzen.
Den ganzen Aufsatz finde ich ja einen der kräftigsten … Und Stellen an denen Luhmann etwas schreibt das man als Kritik bezeichnen könnte, die sind ja ohnehin auch besonders selten … Aber das ist so eine Stelle an der sich sozusagen Bauchgefühl und sehr hoch fliegende Theorie treffen… finde ich.
Auch wenn z.B. der Verweis von Luhmann auf Kant (1796) nicht direkt auf den „Aufklärungsaufsatz“ zeigt, so wird an dieser Stelle doch schön klar, dass die Theorie bei aller Distanziertheit nicht ungeeignet ist einen Begriff von Aufklärung, bzw. einen der Aufklärung der Aufklärung zu vertreten.
Was mich an solchen Stellen besonders …. ja, ich kann sagen faszinierend gruselt, das ist die gefühlte Gnadenlosigkeit mit der eine solche Theorie aus der Ecke eines Aufsatzes nicht nur den König, sondern eben alle ohne Kleider dastehen lassen kann. Und ausserdem Gesellschaft als quasi ein eigenes, den Bewusstsenen gegenüberstehendes Subjekt in einer faszinierenden Eigendynamik beobachtbar machen kann . … Und das nicht auf einer Ebene auf der man sagen kann … ja, gut ein bischn Entfremdung halt, dann korriegieren wir was auch immer mal eben in Richtung Ideal,….. sondern auf einer Ebene, die vielleicht am ehesten zu umschreiben ist … so dass man nach etwas längerer Lektüre der Theorie auf einmal feststellt die rote Pille ja schon geschluckt zu haben, ohne je eine blaue gesehen zu haben…:)
Aber Spaß beiSeite… Die Tatsache, dass man beobachten kann, dass sich das was so landläufig als Vulgärmaterialismus bezeichnet wird und das Weltbild des durchschnittlichen Talkshowguckers wohl ganz gut umschreiben mag, dass das immernoch stumpf Mainstreamweltbild ist, mit dem Politik und Wirtschaft gemacht wird… das stützt nicht gerade Deine Hoffnung, dass wir gesellschaftlich in einer Bewegung sind, die einen kritischen Blick auf die „Selbstbefriedigungsgevote“ der Gesellschaft zulässt. Eher im Gegnteil, finde ich…
Auch sehe ich dass Technologie den Markt beherrscht, die die Leute nichts anderes als Konsumenten sein lässt (auch wenn es ein „Internet“ gibt). Viele stört das nicht, bzw sehen die Konsequenzen weniger problematisch…. wenn es beispielsweise um Netzneutralität geht, so wie die Telekom sie gerade attackiert (https://twitter.com/ChristophKappes/status/326810583712276480)
Aus meiner Sicht ist die Konsequenz dessen was die Telekom da gerade in Stellung bringt: Es wird ein Wirtschaftsfaktor, ob ich mir mit meiner kleinen Verkaufshütte im Netz z.B. bei der Telekom genug Kapazitäten einkaufen kann, damit deren Kunden meine Seite genügend schnell empfangen können. Erst mag das ja als Preis für den Konsumenten bezeichnet werden… aber letztlich werden Amazon und andere grosse sich Kontingente kaufen, um Telekomkunden ein gutes Angebot zu machen bei Ihnen zu kaufen (Als quasi Rabatt)…
An allen Fronten werden Produkte und Gesetze nach Marktgesichtspunkten designt. Ob das gentechnisch veränerte Organismen sind, Tablets ohne USB, „Internet“ ohne Netzneutralität… Das alles sind Produkte die Konsumenten prov(d)ozieren, nicht Menschen die angeregt werden ihre Welt zu hacken … schon weil das natürlich auch desaströse Folgen für quasi alle Industrien hätte … wenn Menschen ihre Welt hacken, die bizarr artifiziell anmutenden, in die Geräte hineingebauten Selbstbefriedigungsverbote entfernen und nicht konsumieren…
Naja, manchmal glaube ich auch, dass Technologie (als reine Potenzialität sozusagen) die Leute zur Reflexivität zwingen kann und bestimmte Dinge handlebar werden können…. dass Gesellschaft, also die Möglicheiten differenziert zu Kommunizieren die Bewusstseine letztlich qua spezifischer Interferenzen und Fremdrefreenzen aus den Körpern zieht, ob die das wollen oder nicht … Andererseits … wenn es sowas wie Weltbilder gibt, als eine Art kontingentes, wenn man so will freischwebendes Differential, das so interfacemäßig dem Bewusstsein Werkzeug ist die Welt zu berechnen und Orientierung in ihr zu ermöglichen, dann kann man sich auch „kultur-kognitive“ Abwertspiralen vorstellen, die schlieslich dazu führen, dass die Bedingungen der eigenen Komplexität unterlaufen werden und Komplexität sich selbst abbaut… Ein Rechststaat bleibt das nicht, wenn langfristig und kontinuierlich verfassungswidrige Gesetze, vom Wähler ungestraft, von der Politik in anschlag gebracht werden. Es gibt beispielsweise auch Schwämme die anfangs noch ein einfaches Nervensystem haben, sich einen Stein suchen und an dem festgemacht ihr Nervensystem verlieren… Evolution findet statt, in jedem Moment innerhalb der Lebewesen statt. Das muss man so sehen und das Beispiel mit dem Schwamm kommt von Konrad Lorenz, der damit mal verbeispielt hatte, dass Evolution eben nicht in eine Richtung, nämlich zum Differenzierteren weitergehen muss.
Im Fazit bin ich oft weniger optimistisch als Du, als dass ich eben glaube, dass die Diskreditierung solcher Techniken sehr wohl durchhaltbar bleiben kann. Ich sags mal platt: Wenn 3/4 der Bevölerung Jauch gucken und sich regelmäßig wieder einnorden lassen … Dann kann es ja sehr wohl sein, dass die Talkshowgemeinde einfach ihrem Wirtsweltbild treu bleibt und sich sukzessive ihrer Nervensysteme entledigt 🙂
@christorpheus
deinem Kommentar entnehme ich Vorbehalte, die den transzendentalen Vermeidungsirrtum betreffen und worin eingeschlossen ist, es läge an den Menschen, was geschieht. Daran liegt es eben nicht. Die Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass die Menschen den Fernseher abschalten oder auf Arte umschalten, sondern dadurch, dass neue Probleme in Erfahrung gebracht werden. Darum geht es mir. Es geht um einen Problemerfahrungsprozess: worauf lassen wir uns eigentlich ein, wenn wir die Bildschirmbeobachtung nicht mehr aussschalten können? Weißt du es? Glaub nicht. Die neuen Probleme werden nicht gewählt und die alten nicht abgewählt, sondern es findet eine Differenzierungsprozess der Umänderung statt. Wenn ich auch keineswegs guter Hoffnung bin, so wünscht ich mir doch:
1. schnelle Absenkung der Wahlbeteiligung. Sollen doch die Politiker unter sich bleiben und uns endlich in Ruhe lassen.
2. Verfassungsprobleme: politische Versuche, Verfassungsbruch dadurch zu vermeiden, dass immer mehr Verfassungbrüche begangen werden. Das wird toll, und geht die Mehrheit nichts mehr an.
3. kritische Diskussionen nur noch unter ärztlicher Aufsicht.
4. Vergiftungsprobleme: eine ökologische Machtkonzeption, die erratisch-faschistisch die Fürsorge um Atomreaktorruinen gegen ökologische Energiegewinnung ausspielt, ansatzweise ja schon entwickelt.
5. Ein Überhandenehmen psychotherapeutischer Kosten, auch ansatzweise schon entwickelt.
6. Eine finanzkapitalistische all-out-Disziplinierung
usw.
damit soll gemeint sein: die Verstärkung aller schon jetzt beobachtbaren Entwicklungen ist absehbar, weil nirgendwo eine Lösung erkennbar ist. Diese Verstärkung macht es immer wahrscheinlicher, dass die Probleme durch andere ersetzt werden. Aber wie gesagt: sehr großer Hoffnung bin ich nicht.
@Kusanowsky
„Die Probleme werden nicht dadurch gelöst, dass die Menschen Fernseher abschalten oder auf Art umschalten, sondern dadurch, dass neue Probleme in Erfahrung gebracht werden.“
Einfach nur: ja!
Mein letzter Kommentar war auch mehr ein laut-gedacht-geschrieber Akt des Selbstzweifels und der Unsicherheit in Bezug auf die Bewertung der Frage in wie weit die These wasserdicht ist, dass gesellschaftliche (kommunikative) Differenzierung immer auch eine entsprechend sinnvolle Differenzierung der teilnehmenden Bewusstseine mitsichbringen muss. Änderung OK, aber da diese kontingent abläuft, stellt sich ja die Frage welche Position man dazu einnimmt (wenn man eine einnehmen möchte, und eigentlich möchte ich das, schaffe es aber noch nicht so eine für mich schön plausibel zu bekommen).
Dass was ich aus der Theorie als Selbstbefriedigungsver- oder gebot kenne, das bekomme ich für mich noch nicht sauber beschreibbar… Deswegen habe ich auch Probleme, das mit dem Konzept des „transzendentalen Vermeidungsirrtum“ (als: Misstrauen gegen Menschenunvermögen auf der Basis des grenzenlosen Vertrauens in Menschenvermögen) zu vergleichen.
Was es letztlich bedeutet, dass wir – wenn man Bateson, Watzlawick, Luhmann usw folgt – unsere Selbstbeschreibung nur über den Umweg über die Fremdbeschreibungen der anderen erfahren können … also im Kurzschluss: nur wenn es ein Alter gibt, kann ich mich als Ego davon unterscheiden, und in der Reaktion auf mich erfahren wer ich bin… ansonsten verschmilzt Ego sozusagen mit der Welt. Ich hab keine Ahnung.
Und wenn man Husserl und Luhmann dazu auslegt, dann kann man noch dazu feststellen das wir über diesen Umweg über den anderen letztlich überhaupt auch die Welt kontingent „einbinden“ und beschreiben, attributionsfähig machen können. Man stellt fest: Es gibt verschiedene Perspektiven und man muss wählen. Die Welt ist auf einmal nicht mehr einfach nur so wie sie ist, sondern das Erleben löst sich in der Kommunikation von der reinen Wahrnehmung und führt kommunikativ bedingt bewusste Bewertungen ein. Negationen, Konjunktion gibt es da draussen natürlich nicht ohne einen Beobachter, der eine Perspektive einbringen muss. Aber keine Position ohne Negation und Konjunktion.
Und so verstehe ich das: dass wir über den Umweg über den anderen (Kommunikation) unsere Welt erschliessen. So weit so gut…. Aber in wie weit unsere Selbstbeschreibungen als Menschen den Unterschied zwischen Maske (Person) und Bewusstsein verwischen, in wie weit wir als Bewusstsein Soziale Systeme über unsere kognitiven Ressourcen verfügen lassen (und uns dabei u.U. auch ganz furchtbar individuell fühlen), das ist wirklich nicht abhängig von dem was irgendeine Hypnosekröte sendet. Ich wüsste auch nichts wovon es abhängig sein könnte ausser von sich selbst … das Bewusstsein meine ich.
Unter welchen Umständen neue Probleme in Erfahrung gebracht werden und was auf dem Umweg über die Kommunikation/Gesellschaft passiert? Jo, keine Ahnung.
Aber das die Arbeit an Aufklärerischem fortgeschrieben in eine Aufklärung der Aufklärung dabei helfen kann bestimmte Prozesse der Problemfundung positiv zu beeinflussen und das es nicht einfach nur zufällig oder gottgegeben abläuft… davni bin ich noch überzeugt …. zumindest über die grosse Zeitspanne…. Und mit dem Glauebn bin ich, wenn ich mir Deine Texte so ansehe, auch nicht alleine … das wünsche ich mir zumindest.
Das Problem dabei ist wirklich, dass das bedeutet (was die Geschichte bis heute ja durchgehend belegt), dass wir als Menschen, wenn so will, die Karre nicht nur in den Sand fahren können, sondern auch den Abhang runterfallen lassen können…
Der Tenor, dieses Textes soll zumindest sein: Du hast recht, ich weiss es nicht.
„Dass was ich aus der Theorie als Selbstbefriedigungsver- oder gebot kenne, das bekomme ich für mich noch nicht sauber beschreibbar …“
Was mich an diesen Luhmann-Schülern immer so abstößt ist, dass sie eigentlich wenig Sinn für Veränderung haben; sie möchten eine neue Theorie diskutieren, aber unter der Voraussetzung, dass alles so bleibt wie es seit 150 Jahren ist. Und wenn sich nun zeigt, dass sich tatsächlich etwas ändert, dann können sie unter veränderten Bedingungen plötzlich ihre neue Theorie gar nicht so leicht diskutieren, weshalb sie davon eigentlich nichts wissen wollen, bzw. diese Neue auch nicht erforschen wollen. Eigentlich bleiben sie stur traditionsbehaftet: tapezieren ihre Wohnzimmer neu, ziehen sich andere Kostüme an, lernen eine andere Sprache und verkennen dabei, dass eben dies mit jeder Gelehrtengeneration seit 150 Jahren geschieht.
Wenn man schon einsehen kann, dass die Gesellschaft nicht aus Menschen besteht, dann kann man entweder wortreich Theoriepropaganda betreiben und solche seltenen Einsichten der Vermehrung zuführen. Oder man kann fragen:
1. Warum konnte das bislang nicht gesehen werden, warum war also das Gegenteil evident?
2. Was hat sich verändert, dass das Gegenteil des Gegenteils nun doch evident gemacht werden kann? Wenn man auf diese Frage zur Antwort gibt, das geschähe durch erfolgrreich zirkulierende Kommunikationen in der Gesellschaft und der Wissenschaft, dann bleibt immer noch die Frage übrig, wie denn solche Kommunikaitonen möglich sind.
Warum kann sich hartnäckig die Vermutung halten, dass Gesellschaft aus Menschen besteht? Wie ist das möglich?
@kusanowksy das hier ist vielleicht etwas für dich. Gruß D.S.
Enhancement bedeutet in der biopolitischen und bioethischen Debatte den Versuch einer Verbesserung körperlicher oder geistiger Fähigkeiten über das „normale“ Maß hinaus. Ein solches Verständnis von Enhancement als „Steigerung“ oder „Verbesserung“ steckt bereits im Namen. Mit dieser Konnotation eröffnet das Thema Enhancement eine Vielzahl ebenso unbeantworteter wie ethisch umstrittener Fragen. Gleichwohl wurde es bislang hauptsächlich im engeren Referenzrahmen der Bioethik diskutiert und kaum in einen breiteren sozial- und kulturwissenschaftlichen Kontext gestellt. Zielsetzung des Workshops ist vor diesem Hintergrund der Austausch darüber, inwiefern aktuelle Techniken und Visionen der Steigerung menschlicher Fähigkeiten Kontinuitäten und Diskontinuitäten zu anderen medizinischen und nichtmedizinischen Steigerungs- und Verbesserungsmethoden sowie ihren jeweiligen funktionalen Äquivalenten und Vorläufern in der Geschichte aufweisen.
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=21762
@kusanowsky
Warum der Blick bislang quasi exklusiv am „Augenschein“ klebt, hat vielleict denselben Grund wie damals bei der Frage nach der Form der Erde. Zum einen die Aufdringlichkeit der jeweils eigenen Wahrnehmung und zum anderen
kulturell dominante Eigenwerte, die die „methodische [Ignorierung oder] Eliminierung aller rein subjektiven Evidenzen, introspektiv gewonnener Sicherheiten, unmittelbarer Wissensquellen“ (Zitat oben) nahelegen (Weltbilder).
Damals waren es die Grenzen der religiösen Transzendenzlehre, heute sind es andere „kulturelle Psychosen“, deren Grenzen langsam an spezifischen „post-funktionalistischen Differenzierungseffekten“ (Netzwerke, bzw. in Technologie inkorporierte System/Umwelt-Theorien) beobachtbar werden.
Die besagten kulturell tabuisierten, oder drastisch enggeführten psychosomatischen Techniken der Selbstvergewisserung (Aufklärung) scheinen in Zeiten komplexer werdender Technologie umso stäker nach Aufmerksamkeit zu bitten. Wir müssen uns mittlerweile nicht nur von anderen Lebewesen unterscheiden, sondern ebenso von Technologien. Das war vor der geradezu fantastischen Entwicklung der universalen Rechenmaschine wohl nur arg eingeschränkt der Fall. So werden schlicht neue Selbstsimplifizierungen erzwungen. Welcher Art auch immer. Und das Bitten um Aufmerksamkeit projiziere ich in die Technologie gerade weil, so wie es aussieht, irgendwie das Risiko besteht in voraufklärerische Zeiten zurückzufallen. Im Sinne nämlich des technsch fixierten Konsums als Religionsersatz (zentrales Sinnstiftungsmoment) z.B., im Sinne der technischen Möglichkeit einer universalen Rechenmaschine die Universalität zu nehmen und den Benutzer nun auch so durch arg artifizielle technische Einschränkungen als Konsument/Schaf Gottes in Stellung zu bringen.