Die Auratizität der Welt @postdramatiker
von Kusanowsky
Im Blog von Postdramatiker gibt es seit einiger Zeit eine höchst interessante Artikel-Serie #MediaDivina zur Fernsehtheorie, die mit zum besten gehört, was man überhaupt darüber lesen kann.
Der unten stehende Text ist ein Teil davon. Wer mal etwas Lehrreiches lesen will, dem möchte ich empfhehlen, sich dafür etwas Zeit zu nehmen:
Die Welt im Zeitalter ihrer technischen Referenzierbarkeit #MediaDivina
von postdramatiker
Welt wird nicht reproduziert im technischen (Fernseh-)Zeitalter, verliert auch nicht ihre Aura. Sie wird vielmehr zitierbar – und verwandelt dabei, wie es jedes Zitat tut, die zitierte Welt in eine Autorität. Auratizität. Und produziert zugleich eine bedeutungslose Welt.
Fernsehen ist nicht (allein) auf die Signifikanz sprachlicher Zeichen angewiesen, die immer schon unter dem Vorzeichen der Abwesenheit stand und nur die vormalige Anwesenheit des Schreibers als schriftliche Spur der Geschrieben-habens bzw. Geschrieben-Seins durch … andeutungsweiser verbürgt. Fernsehen kann die Signifikanz nutzen – und tut es in dem Maße, wie es darum geht, die Abwesenheit in das Anwesende des Bildes hineinzubringen. Wo es also etwa darum geht das Abstrakte, Ideale oder Ideelle ins Bild zu bringen, ohne es sichtbar zu machen, es also aufzuladen.
Fernsehen erfüllt zudem den Traum der an der Unzulänglichkeit sprachlicher Kommunikation seit alters Verzweifelnden, mit Dingen sprechen zu können, die zu Zeichen ihrer selbst in der Abbildung werden. Nennen wir diese Funktion die referentielle Funktion, in der das Zeichen auf das zeigt, von dem es redet und in der es selbst zugleich zeigt, wovon es redet. Es weist nicht nur auf das Gezeigte wie der ausgestreckte Zeigefinger. Sondern es weist das Gezeigte zugleich auf als Bild. Und dieses Bild oszilliert nunmehr unaufhörlich zwischen dem Status, Zeigendes und Gezeigtes zu sein.
So wie das Zitat zugleich Ausschnitt aus einem anderen Text und präsentierter Einschub in einen Text ist, einerseits auf seine Herkunft verweist (jedenfalls sofern die Regeln guten, etwa wissenschaftlichen Zitierens, angewandt werden) und gleichzeitig im zitierenden Text als Teil steht, zugleich also dort ist und hier, so ist das Fernsehbild als Zitat zugleich Verweis auf ein Dort und Hier, als es zugleich Nachbild jenes Herrschers dort (und vor allem auch: damals) und Herrscherbild hier (und jetzt) ist. Der Kameramann geht „da“ hin, damit das, was er sieht, hier ist. Und spätestens auf der Ebene der Netzhaut des Wahrnehmenden beginnt, die theoretisch hergestellte Differenz von „da und damals“ und „hier und jetzt“ zu verschwimmen und zu verlöschen. (weiter)