#Physik und #Theologie – eine kleine Osterandacht

von Kusanowsky

Die Beschäftigung mit der neueren Theologie ist deshalb so deprimierend, weil Theologen über das, wovon sie sprechen, so gut wie gar nichts wissen, aber ihre Urteile dennoch mit großer Gewissheit vertreten: Gott, Schöpfung, Mensch, Glaube, Liebe, Wahrheit, Seele, Gewissen, Hoffnung, Angst, Schmerz und Lust – über all das schreiben Theologen sehr viel, aber das wissbare dieser Angelegenheiten kann nicht von Theologen erklärt oder gar geschaffen werden. Vielmehr beziehen sie die Themen und Gegenstände aus nicht theologischen Diskursen und benutzen all dies nur um ihre naiven Bekenntnisgewissheiten zu plausibilieren, die gar keiner Plausiblitätsprüfung standhalten.

Theologen wissen sehr wenig und nur ungenaues, aber ihr Ergebnisse sprechen von großer Gewissheit und Wahrheit.

Bei Physikern kommt man auf umgekehrte Weise zu einer ähnlich deprimierenden Feststellung: Physiker wissen enorm viel und wissen vieles sehr genau. Keine Maschine funktioniert, wenn sie erwartungsgemäß funktioniert, zufällig und die Präzision dieser Instrumente erschließt einen Reichtum an Fragemöglichkeiten, die Physiker meistens ratlos zurück lassen. Während Theologen nichts oder nur sehr weniges wissen und trotzdem zu großen Gewissheiten gelangen, so kommen Physiker aufgrund der Kompelxität und Präzision größtenteils nur zu Rätseln.

Man könnte daraus den Schlus ziehen, dass in den beiden Fällen die voraussgesetzen Postulate nicht öfter und genauer gerprüft werden. Das könnte heißen, dass nicht die Ergebnisse auf Irrtum verweisen, sondern die Annahmen: Theologen wissen mehr und präziseres als sie es selbst für möglich halten können und Physiker sehr viel weniger, vielleicht sogar fast nichts, ohne dies ausreichend erklären zu können. Ergebnis: beide sitzen in der Falle des Nichtwissens, bzw. des Nichtwissens über Nichtwissen: Theologen können gar nicht ermitteln, wieviel und wieviel genaues sie wissen, weil durch Bekenntniszwänge eine Verschleierung der Wissensvoraussetzungen entsteht, die aber von der Theololgie selbst nicht wieder eingefangen werden kann. Ähnliches gilt dann für die Physik: sie kann nicht verstehen lernen, dass sie nicht viel weiß, weil gerade der kostenintensive Technikaufwand einen Schleier über die Wissensvoraussetzung legt.

Die Voraussetzung werden durch Bekenntnis- und Technikzwänge, gemeint sind damit die sog. Sachzwänge, undurchschaubar, intransparent. So käme man zu der Frage, wie sie aus denen eigenen Gefängnissen herauskommen können. Die naive Antwort wäre: indem sie sie verlassen. Aber das geht nicht, eben weil ja die Zwänge dies verhindern. Die schwierigere Überlegung wäre, indem sie die selbstgemachten Zwänge selbst zur unvermeidbaren Voraussetzung nehmen, um sie, wenn schon nicht abzuschaffen, so doch wenigstens die Problemsituation durch die Bedingung der bedingungslose Selbstakzeptanz zu verwandeln.

In diesen unvermeidbaren Gefängnissen müssten dann die Möglichkeiten zur Freiheit zu finden sein.

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