künstliche Intelligenz – das Phänomen einer sozialen Sturheit

von Kusanowsky

Ein wichtiges Element im Selbstbeeindruckungsprogramm moderner Forschung ist der Begriff der Intelligenz. Aus Gründen, die jetzt nicht näher spezifiert werden müssen, gilt Intelligenz als eine Überlegenheitsphänomen. Natürlich müsste man länger ausholen um die Frage zu beantworten, wie es zu dieser Engführung auf einen Begriff für die Erklärung von Überlegenheit kommen konnte. Ein Grund dürfte sicher gewesen sein, dass die moderne Wissenschaft nicht nur ihre epistemologischen Grundlagen nicht klären kann, obgleich die Experimente trotzdem funktionieren, sondern auch außerstande ist, ihre soziale Wirksamkeit zu erklären. Denn dass Wissenschaft sehr wirksam und enorm erfolgreich ist, dürfte klar sein.
Aber wie konnte es dazu kommen und: wie entzieht sich die Wissenschaft einer jeden Verantwortung angesichts der Monstrosität ihrer Konsequenzen? Denn dass Wissenschaft eine Heilsbringerin sei, ist ein Glaube, der nur als ein abseitiges säkular-religiöses Sektenphänomen innerhalb einer naiven Wissenschaftsgläubigkeit anzutreffen ist. (Post- und Transhumanismus u.ä.) So naiv kann seriöse Wissenschaft nicht daher kommen.
So liegt die Überlegung nahe, dass die Wissenschaft Intelligenz als Fähigkeit zur Erklärung ihrer Überlegenheit benennt und Sturheit als Hindernis für wissenschaftlichen Fortschritt. Das Interessante ist nun, dass man nicht nur der Intelligenz eine Leistungsfähigkeit zueignen könnte, sondern auch der Sturheit. Beides kann sehr mächtig sein. Dass aber die Wissenschaft damit wenig anfangen kann und man es nur mit einem Versuch der Selbstbeeindruckung zu tun hat, kann man daran erkennen, dass man meint, man könne sich von der Leistungsfähigkeit einer künstlichen Intelligenz überraschen lassen, nicht aber auch von der Leistungsfähigkeit einer künstlichen Sturheit. Das macht die Wissenschaft nicht, obgleich empirisch gesehen Sturheit nicht wirklich machtlos ist. Wohl eher dürfte das Gegenteil sehr normal sein.

Daran kann man ablesen, wie sehr auch die Wissenschaft genötigt ist, ihrer eigenen Sturheit aus dem Wege zu gehen, indem sie ein entsprechendes soziales Leistungsvermögen, das sich auf Sturheit bezieht, allein ihrer Umwelt zurechnet, um so ihr Selbstbeeindruckungsprogramm genauso ungehindert wie ungeniert weiter zu verfolgen. Indem sie der Intelligenz eine besondere Wertschätzung zuteil werden lässt, wenn sie sich als überlegen erweist, vernachlässigt sie eine Erklärung für ihr Scheitern durch Zurechnung auf Sturheit anderer Einrichtungen der Wissensproduktion. Und natürlich: auch da findet man spezifische Formen der Leistungsfähigkeit, die den Zweck der Selbstbeeindruckung erfüllen, Geistigkeit beispielsweise. Auch da liegen die Dinge strukturell nicht viel anders.

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