Krozidismus #twitter #agonie
von Kusanowsky
Bei Wikipedia findet man folgende Symptombeschreibung, die beinahe vollständig auf die soziale Funktion von Twitter zutrifft:
Mit Krozidismus (griechisch: krokis Flocke) oder „Flockenlesen“ wird ein zitteriges und ruheloses Herumfingern in der Luft oder über der Bettdecke bezeichnet. Krozidismus ist eine Begleiterscheinung bei exogenen Psychosen, bei tuberkulöser Meningitis oder Alkoholentzug. Ferner kann Krozidismus auch in der Zeitphase vor dem Tod (Agonie) auftreten.
- „Flockenlesen“ – kryptische Umschreibung für „twittern“
- „zitteriges und ruheloses Herumfingern in der Luft oder über der Bettdecke“ – über der Tastatur, dem Smartphone …
- „Ferner kann Krozidismus auch in der Zeitphase vor dem Tod (Agonie) auftreten“ – wichtig ist hier die „Kann-Bestimmung“, denn es kann ja sein, dass noch etwas Unerwartetes geschieht.
Entweder ist Twitter ein Symptom des finalen Abkacks. Oder es findet sich bei genauerer Recherche eine ähnliche Beschreibung von Auffälligkeiten, die bei der Fertilisation auftreten.
Es sind dabei verschiedene Twitter-Usertypen (und damit Krankheitsmuster) zu unterscheiden. Wenn ich z.B. Leuten folge, da ich mir thematisch relevante Links erhoffe, dann wird das recht gut durch „Hälmchenzupfen“ (Karphologie) beschrieben.
Karphologie ist „die unbewußte, fieberhafte Bewegung der Hände Sterbender, die dem Anschein nach unsichtbare Dinge an sich zu raffen suchen, die auf ihrer Bettdecke liegen.“
Die Literatur zeigt übrigens, dass zwischen der Todesnähe und der Möglichkeit des bewussten Reflektierens kein Widerspruch besteht:
In Balzacs Erzählung Grobseck wird über den sterbenden Grobseck berichtet: „Ich gehe wer weiß wohin, mein Junge, aber von hier muß ich fort! Ich habe die Karphologie“, sagte er; er bediente sich eines Ausdrucks, der bewies, wie sauber und genau sein Verstand noch immer arbeitete.
Quelle: Thomas Mann Jahrbuch Bd. 8, Seite 14, 1995
Natürlich ist „Tod“ metaphorisch zu sehen, es geht um unseren Irrtum, dass eine Bettdecke aus Serendipität wärmen könnte.
https://twitter.com/kusanowsky/status/305300220844060672
Lieber Klaus W. Pohlmann,
ich versuche es noch einmal zu erklären. Eine kritische Diskussion kann nur dann intelligenzsteigernd ablaufen, wenn eine kritische Situation zu bewältigen ist. Ohne eine kritische Situation, ohne Entscheidung, Sanktion und Exekution verliert die Kritik ihren Widerstand, den sie aber bräuchte um ihre Mittel und damit auch ihre Ergebnisse zu differenzieren und durch Differenzierung Haltbarkeit, Überzeugendes zu erzeugen.
Dieses many-to-many-Verbreitungsverfahren von Mailinglisten, Twitter oder Blogs vernichtet aber jede kritische Situation, bzw. führt zu enormer Erschwerung von Entscheidung, Sanktion und Exekution, weil im Prinzip nichts und niemand zuverlässig und dauerhaft ausgeschlossen werden kann. Die esoterische Exkludierung funktioniert hier nicht. Denn esoterische Exkludierung sorgt durch Exkludierung von Sachverhalten, Theorien, Themen, Sprache, Methoden oder Personen dafür, dass nur durch Verbleib des Nichtexkludierten inkludiert wird und der so gebündelte Sinn für das soziale System als „eingeweiht“ gilt.
Wenn aber eine Esoterik nicht funktioniert, dann muss man die Betrachtungsweise umkehren. Aber solange dies nicht geschieht hat man es mit Autoimmunreaktionen der Internetkommunikation zu tun, die ständig daran scheitern, kritische Situationen herzustellen.
Eine solche Immunreaktion ist der Versuch der degenerativen Entmutigung von Teilnehmern, z.B. durch Hass, Beleidigung. Bei Wikipedia kann man feststellen, dass die Entmutigung über degenerative Halsstarrigkeit, bzw. durch die Methode des Derailings geht. Derailing heißt ja, trotz aller Einwände und Gegenargumente die Behauptung so lange zu wiederholen bis empfindlichere Seelen aufgeben.
Aus dieser degenerativen Entmutigung könnte man lernen, indem man das Verfahren des Derailings umkehrt, indem Sinnangebote erstens nicht mehr mit Wahrheit versehen werden, und zweitens, indem man die Kontingenz der Anschlussmöglichkeiten erratisch, paranoisch „potenziert“. Der Effekt bei Überforderung ist dann aber nicht Entmutigung, sondern verstärktes Nachdenken. Eben dies passiert mir fast jedesmal, wenn @neurosophie hier kommentiert. Er kommt nicht mit Kritik, denn was soll dabei herauskommen, wenn er gemäß meiner Selbstbeschreibung schon weiß, dass ich auch dummes Zeug schreibe. Sondern er kommt mit differenzierender Kontingenz. Und ich merke dann, dass ich nicht weiter komme. Das heißt für mich auch: Ermutigung zum Nachdenken, was auch heißt: Verzicht aufs Weitermachen. Dieser Verzicht ist aber weder mein Schaden noch sein Nutzen.
Man könnte auch sagen, dass es @neurosophie gelingt, mich zum Schweigen zu bringen. Natürlich könnte ich mit Kritik weiter machen. Aber sollte ich den Blödsinn, den er schreibt, kritisieren? Denn es ist ja nicht alles Blödsinn, und für den restlich verbleibenden, höchst geringen Unterschied von Vernunft und Blödsinn lohnt sich dieser ganze Aufwand doch gar nicht mehr.
Solange dies nun allein zwischen ihm und mir so läuft ist es wenig ertragreich. Man stelle sich aber vor, Tausende, Hundertausende würden mit diesem many-to-many-Verfahren so umgehen? Statt als ihre Zeit mit dämlicher Kritik zu verschwenden, die zu gar nichts führt, würden Tausende ihren Google-Algorithmus fleißig trainieren und die Suchergebnisse verbreiten. Denn bedenke: die Ergebnisse der Verbreitung werden ja auch wieder von der Suchmaschine irgendwo, irgendwann gefunden.
Diese Potenzierung von kontingenten Anschlussmöglichkeiten nenne ich Paranoik oder Erratik, was das selbe meint. Daraus könnte eine Ordnung entstehen, die dann aber keine Wahrheit mehr verbürgt, sondern allein die Garantie für Unterschiede liefert, die Unterschiede machen. Und dann entstehen auch die entscheidenden Relevanzen, die für Differenzierung unentbehrlich sind.
https://twitter.com/neurosophie/status/317200796427108352
Lassen wir mal die Frage beiseite, was KI eigentlich ist. Mindestens sind, wenn Intelligenz im Spiel ist, Selbstreferenz und Selbstreflexion unverzichtbar. Aber autopoietische Selbstreferenz von Sinnsystemen ist wie ein Perpetuum mobile: es gibt keinen Anfangsanstoß in einem bereits ablaufenden Perpetuuum mobile. Das ist klar: das Universum selbst ist bereits ein PM und innerhalb eines solches PM findet man keinen Anfang, der eine unendliche Kette von Anschlussoperationen anstoßen könnte. Anders formuliert: der Energieerhaltungssatz besagt, dass ein Beobachter, der diesen Satz formuliert, ein PM aus der Innenansicht beobachtet und darum keines herstellen kann.
Für autopoietische Sinnsysteme gilt etwas ähnliches. Selbstreferenz wird selbst erzeugt und wird durch keinen Fremd- oder Außenanstoß hergestellt, sondern: sinnmäßige Selbstreferenz wird selbst erzeugt und ist immer schon im Spiel. Aus diesem Grund sind alle Hoffnungen auf eine KI genauso vergeblich wie Hoffnungen auf ein PM.
Man könnte das auch so formulieren: da kein Sinn unmöglich ist, wenn Sinn entsteht, kommt es nicht darauf an, welche besondere Bedeutung Sinn macht, sondern nur, dass Sinn Bedeutung macht, egal welche. Und das bedeutet: wenn Sinn im Spiel ist, findet sich Sinn immer. Die Wahrscheinlichkeit für Sinn in einem Sinnsysteme ist niemals Null. (Denn auch Unsinn macht den Sinn, Unsinn zu sein; Beispiel @elbechirurg, der darauf vergeblich wartet, dass nichts passiert; das soll heißen: @elbechirurg beobachtet ein Sinnsystem in einem Sinnsystem.)
Nun überlege ich mir, dass man die Twitter-Kommunikation mit einem Traumgeschehen in einem schlafenden Gehirn vergleichen könnte. Der Unterschied zwischen Gehirn und Bewusstsein ist, dass ein Gehirn keinen Sinn macht und keinen Sinn versteht, aber ein Bewusstsein sehr wohl. Und: ein Bewusstsein kann nicht schlafen. Es funktioniert oder funktioniert nicht. Einschlafen – Bewusstein off, Aufwachen – Bewusstsein on. Aber das Gehirn geht immer weiter. Die Ausnahmesituation ist der Traum. Im Traum funktioniert Bewusstsein und damit Sinnverstehen, aber unter enorm schwierigen Bedingungen, einesteils, weil bestimmte Gehirnaktivitäten ausfallen und andere Aktivitäten chaotisch ablaufen, andernteils, weil keine Kommunikation funktioniert und das Bewusstsein daher keine Möglichkeit zur Konzentration hat. Daher diese wirren Träume. Nun gibt es für das Traumgeschehen den Ausnahmefall des sog. „luziden Träumens“, ein geile Sache: in Traum beginnt man zu verstehen, dass man träumt und zwar ohne aus dem Schlaf zu erwachen, man wird gleichsam „hellsichtig“ – so fühlt sich das jedenfalls an. (Stichwort: Klartraum). In diesem Ausnahmefall gelingt bewusstseinsmäßige Selbst-Konzentration ohne Kommunikation. Die basale Selbstreferenz, die sich auch sonst im Traum ereignet, wird im Klartraum erweitert um ungehinderte Reflexion und Selbstreflexion. Man kommt sich vor die Gott, kein Witz!
Gleichnishaft auf Twitter übertragen würde ich nun spekulieren, dass die Twitter-Kommunikation einen träumenden Bewusstsein vergleichbar ist: es funktioniert basale Selbstreferenz, aber keine Intelligenz. Und jetzt wäre die Frage, wie man durch Twitter selbst einen solchen Klartraum induzieren könnte und zwar auf der Basis von weiteren Twitter-Operationen.
Und meine Überlegung ist, ob dies durch algorithmus gestütztes retweeten gehen könnte. Es kommt dabei nicht darauf an, um welche Bedeutungen es geht, sondern nur, dass Bedeutungen zustandekommen können.
Da ich kein Experte bin, nur ein naives Modell für einen Algorithmus:
1. Suche X
2. Addiere y und retweete
3. Suche „X und Y“ oder „X oder Y“
4. Addiere Z oder subtrahiere A und retweete
5. usw. inkl. komplexitätsteigerung
Und das ganze muss solange durchlaufen, bis sich Sequenzen von Tweets bilden, die mehr ergeben als ein chaotisches Rätselraten um ihre Bedeutung.
?
@kusanowsky
@neurosophie
@checksum11
„Und jetzt wäre die Frage, wie man durch Twitter selbst einen solchen Klartraum induzieren könnte und zwar auf der Basis von weiteren Twitter-Operationen.“
Welcher Beobachter würde das Ablaufen eines solchen Klartraums wie feststellen (können)?
Ein Beobachter, der versucht, dies beobachtbar zu machen, könnte sich darüber informieren, dass es gelingt. Oder er informiert sich darüber, dass es nicht gelingt. Antwort: ein Selbstbeoachter würde das Ablaufen eines solchen Klartraums feststellen können. Dieser Beobachter kann auch die Kommunikation selbst sein.
Dann würde ich die Frage noch einmal anders herum stellen: Woher weißt du, dass dieser Klartraum nicht bereits abläuft? (Denn das impliziert ja deine Forderung nach der Realisierung eines Klartraums durch Modifikation der Interaktionsstruktur. Also musst du über eine operationelle Definition verfügen, um dies zu bestimmen.)
„Also musst du über eine operationelle Definition verfügen, um dies zu bestimmen“
Könnte man vermuten, muss ich aber gar nicht. „Woher weißt du, dass dieser Klartraum nicht bereits abläuft?“ Das weiß ich nicht und muss ich auch gar nicht wissen. Es reicht allein die Kommunikation zu diesem Thema, die soziale Sinnproduktion zu bemerken. Ich hatte oben geschrieben: „da kein Sinn unmöglich ist, wenn Sinn entsteht, kommt es nicht darauf an, welche besondere Bedeutung Sinn macht, sondern nur, dass Sinn Bedeutung macht, egal welche.“ – Es kommt also nur darauf an, dass die Kommunikation zum Thema „Klartraum der Kommunikation“ anläuft, nicht aber, ob die Kommunikation irrtümlich oder wahrheitsgemäß verläuft. Auch kann ich keine Quelle, keine Referenzherkunft darüber angeben, woher das Thema überhaupt kommt. Es reicht allein, die ablaufende Kommunikation als Quelle anzugeben: die Kommunikation erzeugt über ihr selbstreferenzielles Selbstverhältnis eine Fremdreferenz, nämlich: etwas anderes als Kommunikation, hier: ein bestimmtes Thema und das ermöglicht wiederum auf operativem Wege die Ausdifferenzierung der Kommunikation, sowohl hinsichtlich dieses Themas als auch hinsichtlich der Emergenz weiterer Themen. Und deshalb könnte man jederzeit auch auch auf Beiträge von Automaten antworten, denn es ist egal ob deine Frage von einem Menschen oder von einer Maschine eingebracht wird; es kommt nur darauf an, dass Kommunikation weiter geht, was nur geht, wenn genügend Differenzierung geschieht.
Und meine Überlegung war, ob man so etwas performativ testen kann. Indem man also nicht nur konstatierend deskriptiv festhält was geschieht oder wie man das interpretieren kann was geschieht, sondern indem versucht wird zu erzeugen, was schon gewusst wird oder gewusst sein könnte. Man könnte einwenden: wenn das der Fall ist, wenn also schon gewusst würde oder gewusst sein könnte, um was es geht, dann wäre das überflüssig, weil ja dann schon alles klar wäre. Aber daran kann man Zweifel äußern, auch ohne diesen Zweifel erkenntnistheoretisch zu begründen. Es würde völlig reichen, dass kommunikativ ermittelbare Differenzen darüber anfallen, unabhängig davon – ich wiederhole – ob es sich um Irrtum handelt oder nicht.
Außerdem kommt hinzu, dass jede Kommunikation immer auf voraussetzungsreiche Umweltbedingungen angewiesen ist. Das wiederum bedeutet, dass kein beteiligtes Umweltsystem, auch wenn es Sinn versteht, so informiert sein kann wie ein anderes. Je größerer diese Umweltkompelxität ist umso unwahrscheinlicher lässt sich in Fragen von Klarheit oder Unklarheit etwas Eindeutiges ermitteln. Aber das verhindert nicht, dass ein man Kommuniktion darauf testen kann, ob sie einem Vergleich mit dem Geschehen in Klarträumen standhält oder nicht.
„Indem man also nicht nur konstatierend deskriptiv festhält was geschieht oder wie man das interpretieren kann was geschieht, sondern indem versucht wird zu erzeugen, was schon gewusst wird oder gewusst sein könnte.“
Das ist eine wunderbare operative Beschreibung dessen, was ein Gehirn im Traum tut. (Ich beziehe mich auf die Searchlight-Hypothese von Francis Crick und diverse Simulationen von Hopfield-Netzen in den 80er und 90er Jahren.)
Ich versuche mal, mit einfachen Worten zu erklären:
-> Träumen ist Komplexitätsreduktion.
-> Durch Reproduktion von Assoziationsfeldern wird der Anteil von Surprise, der als Information ins Gedächtnis übertragen wird, ausgefiltert. (Das bereits gewusste wird neu erzeugt; ist es nicht reproduzierbar, dann ist es nicht kompatbel mit der internen Repräsentation und wird gelöscht).
-> Neue synaptische Verbindungen werden verstärkt.
Also:
1. Das Gehirn kann ohnehin nur das wissen, was in der neuronalen Matrix angelegt ist.
2. Sinn wird nicht neu erzeugt, sondern Unsinn wird in vorhandene Bahnen geleitet (womit das Gehirn ein recht politisches Organ ist).
Passend zum Karfreitag nun zum Beobachten von Träumen. Welche Observablen erlauben die These, dass jemand träumt?
Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Kreuzentropie ( http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzentropie ). Das Wechselspiel aus Information/Surprise erzeugt spezifische Signaturen.
Das Beobachten von Kreuzentropie mit solchen Signaturen im Alltag (etwa bei Twitter) bedeutet dann:
-> Wir sind nicht Gott.
-> Wir müssen sterben.
Diese beiden Erkenntnisse kommen am Vorabend von Karfreitag für viele sicher völlig überraschend. Zur Kompensation steht ein Rückzugsplatoon aus {Bundesliga, Bier & Bratwurst} zur Verfügung.
Frohe Ostern!
@neurosophie: „Passend zum Karfreitag nun zum Beobachten von Träumen. Welche Observablen erlauben die These, dass jemand träumt?
Eine bedeutende Rolle spielt dabei die Kreuzentropie …“
Jau, auf sowas wollte ich raus. Aus dem Zoo von Entropie- und Divergenzsummen war mit dieses Exemplar noch nicht bekannt. Auf welche Verteilungen wendet man das an? Relative Amplitudenhäufigkeit von neuronaler Aktivität?
Ich finde @kusanowskys Idee vom Reshuffeln und Einspeisen von Vorhandenem ja eigentlich ganz nett. Das Problem ist: Twitter lässt uns vermutlich nicht seinen Quellcode modifizieren und meine Hack0r-Skillz sind leider extrem rudimentär (ich kenne ca. 2 bash-Befehle). Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht. Die Frage ist dann: Kann man sowas im kleinen nachspielen? Mit ein bisschen PHP und mySQL müsste man sowas doch für einen nachgebauten Kurznachrichtendienst hinbekommen. Man muss nur genug Probanden bekommen, um ordentlich Input zu bekommen und Wirbel zu veranstalten.
@kusanowsky: „Indem man also nicht nur konstatierend deskriptiv festhält was geschieht oder wie man das interpretieren kann was geschieht, sondern indem versucht wird zu erzeugen, was schon gewusst wird oder gewusst sein könnte. Man könnte einwenden: wenn das der Fall ist, wenn also schon gewusst würde oder gewusst sein könnte, um was es geht, dann wäre das überflüssig, weil ja dann schon alles klar wäre. Aber daran kann man Zweifel äußern, auch ohne diesen Zweifel erkenntnistheoretisch zu begründen.“
@neurosophie: „Das Gehirn kann ohnehin nur das wissen, was in der neuronalen Matrix angelegt ist.“
Das fand ich schon immer bemerkenswert, dass das Gehirn im Traum nicht nur eine Welt erschafft, die durch die herkömmlichen sensorischen Kanäle wieder selbst rezipiert wird, obwohl ja prinzipiell alles schon gewusst wird sondern, dass es auch noch eine Repräsentation des Beobachters errechnet, der sich als von einer beobachteten Welt verschieden empfinden kann. In einem Traum sitzt man ja meistens nicht wie im Kino, sondern empfindet sich selbst als eingebettet und rückgekoppelt ins Geschehen. Das Gehirn teilt sich damit Dinge über sensorische Kanäle mit, die es eigentlich schon weiß und – und das ist das Entscheidende – verschleiert dies auch noch so, dass es dem Traumbeobachter wie eine nicht bereits erinnerte Erfahrung erscheint. Gibt es eigentlich Studien zur Verschleierung von Einheit? Dreifaltigkeit wäre da so ein Kandidat, da hab ich schonmal was von einem mystik-begeisterten Hochschulpfarrer gehört, aber vergessen.
„Dreifaltigkeit wäre da so ein Kandidat“ – mit dieser Überlegung bist du bei @neurosophie an der richtigen Adresse.
@ElbeChirurg Es gibt zahlreiche Ansätze mit verschiedenen Bezeichnungen. Witzig: Im Kern die gleichen Formeln, aber verschiedene Forschungsfragen – von der Thermodynamik bis zur Spieltheorie.
Varianten der Kreuzentropie:
Kullback-Leibler-Divergenz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kullback-Leibler-Divergenz
Identisch ist die Kerridge-Bongard-Entropie (Anfang der 60er – unabhängig in Moskau und Schottland ausgearbeitet). Dazu kam im letzten Jahrzehnt noch Tononi’s neuronale Komplexität….
(Ich kann Dir ggf. nach Ostern mal Literatur zumailen. Bin gleich mal 3 Tage offline).
Ach ja, zur Dreifaltigkeit & Physik passt dieses Blogpost:
http://neurosophie.wordpress.com/2013/01/05/ewige-zeugung-und-quantenkollaps/