Differentia

Idee um #Twitter zu sabotieren – Zeit!

Normalerweise heißt es, dass eine Diskussion gescheitert ist, sobald ein Nazi-Vergleich angeführt wird. Und gemäß Godwins Law gilt die Regel, dass ein Nazi-Vergleich wahrscheinlicher wird, je länger die Diskussion dauert.

Würde man sich die ganze Twitter-Kommunikation als eine einzige Diskussion vorstellen, die gleichzeitig alles thematisiert und entsprechend alles gleichzeitig vergleicht, aber nicht überall zu gleichen Ergebnissen kommt, so dürfte hier Godwins Law nicht zur Anwendung kommen können.

Es sein denn, es gelingt, dass irgendwann an irgendeiner Stelle gepostet würde: „Wollt ihr den totalen Nazi-Vergleich?“

Ein totaler Nazi-Vergleich müsste so beschaffen, dass:

  • jeder und alles mit Nazis und Nazi-Meinungen verglichen wird (und zwar gleichzeitig mit dem gleichen Ergebnis überall)
  • alle Nazis und Nazi-Meinungen  mit sich selbst verglichen werden (und dies gleichzeitig und überall auf gleiche Weise) und
  • dieser Vergleich mit sich selbst vergleichbar ist.

Diesser „Totale Nazi-Vergleich“ müsste augenblicklich alle Twitter-Kommunikation beenden.

Daraus kann man schlussfolgern:

Entweder gilt Godwins Law für Twitter nicht oder die Twitter-Diskussison dauert noch nicht lange genug. Wenn also Godwins Law trotzdem stimmen sollte, dann dürfte für die Ermittlung einer relativen Diskussionsdauer gelten, dass die Twitter-Diskussion praktisch erst vor wenigen hundertstel oder tausendstel Sekunden begonnen hat.

So wäre Twitter eine Art Nazi-Vergleichs-Diskussion im Zeitlupentempo.

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Die Anfälligkeit für #Entropie und der Verbleib der Unschuldsunterstellung

Noch ein Zusatz und Nachtrag zur Diskussion im SozBlog zu der Frage einer Schuld/Unschuld-Differenz in Sachen Interkommunikation.

Die Internetkommunikation allgemein ist auf eine enorme Vermehrung von Entropie angelegt. Das konnte bereits in der Anfangszeit der populären Akzeptanz des Internets bemerkt werden als diese Mailinglisten betrieben wurden und fällt verstärkt im sog. Web 2.0 auf.

Von keiner Stelle aus lässt sich eine eindeutige Zuordnung von Kommunikationen auf Adressen feststellen, weil niemand Mehrfachbeteiligung verhindern oder ausschließen kann; und die Kommunikationen selbst können die Möglichkeit einer solchen Mehrfachbeteiligung gar nicht ignorieren, sondern müssen im Gegenteil diese Möglichkeitstatsache beinahe notwendig unter Beobachtung stellen und selektiv behandeln. Das heißt: es ist unter diesen Bedingungen auch eine soziale Funktion der Kommunikation diese Trollerei zu betreiben um feststellen zu können, dass niemand etwas dagegen machen und, dass diese Tr0llerei niemand herstellen kann, weil die Bedingungen für die Anschlussfindung enorm voraussetzungsreich und höchst unwahrscheinlich sind.

Jede Adresse, die an einem „many-to-many“- Verbreitungsverfahren beteiligt ist, kann jederzeit unter den Verdacht gestellt werden, mehrfach pseudonym beteiligt zu sein. Jeder Versuch, dies zu leugnen, also Eigenexklusivität durch Leugnung dieses Sachverhaltes zu behaupten, bestätigt nur den Verdacht des Gegenteils. Wer Pseudonymität unter der Bedingung der Anonymität nicht mitreflektiert, wer auf der Behauptung beharren will und sie auf dem Wege eines „many-to-many“- Verbreitungsverfahren bekannt gibt, authentisch, ehrlich, moralisch und lediglich individuell an der Kommunikation beteiligt zu sein, macht gerade auf die Möglichkeit des Gegenteils aufmerksam, die aus diesem Grunde die Kommunikation weiter befeuern kann, indem Verdächtigungen die Runde machen. Diese Verdächtigungen haben keine andere Ursache als die ihrer faktischen Kommunikablität und können jede Adresse infizieren, auch die Adressen derjenigen, die sich für ehrlich ausgeben, authentisch, anständig, unschuldig, kompetent, moralisch integer oder souverän. Jede Adresse kann unter den Verdacht geraten, mehrfach beteiligt zu sein. Diese Verdacht ist jedoch nur kommunikativ relevant und unter diesen Umständen auch wahrscheinlich und muss sich viral durchsetzen, um die soziale Funktion der Interkommunikation erkennbar zu machen.

Die soziale Funktion ist gerade das vollständige Zerreißen solcher Illusionen von Identität, Authentizität, Originalität, Individualität und Moralität. Letztere vor allem wird gerade durch die Anonymität sicher gestellt. Und dem Maße, wie dieses Zerreißen und Zerrütten  Immunreaktionen gegen die Kommunikaiton hervoruft, eskaliert Trollkommunikation, die insbesondere dann, wenn die Ergebnisse nicht mehr sehr geschmackvoll sind, die Frage nach der Schuld aufkommen lassen, ohne, dass auf diese Weise die Verhältnisse geklärt werden könnten. Es geht ja nicht mehr, weil die Kommunikation durch Freigabe aller so entstehenden Möglichkeiten schon alle relevanten Tatsachen geschaffen hat.

Wie könnte man darauf reagieren? Mein Vorschlag lautet, indem provokativ behauptet wird, niemand könne unschuldig sein oder bleiben, also auch nicht derjenige, der diesen Vorschlag macht. Denn es kann ja sein, dass derjenige, der diesen Vorschlag bringt, auch mehrfach beteiligt ist. Welche Konsequenz könnte daraus gezogen werden, wenn jeder Beteiligte den Verdacht der Mehrfachbeteiligung auf sich selbst bezieht, statt ihn zu leugnen? Wenn von jeder Adressen zugegeben würde, dass Mehrfachbeteiligung für jede Adresse möglich ist! Die Antwort könnte lauten: man findet niemanden mehr, der schuldig ist!
Aber eben dies geschieht nicht, also das, was als Möglichkeitstatsache selbst schon eine Tatsachenmöglichkeit geworden ist, wird für den Fortgang der Kommunikation selektiv ignoriert.

So kann man anschließend beobachten, wie darauf reagiert wird, wer und warum diese Möglichkeit ablehnt, also den virulenten Selbstverdacht durch Ignorieren verstärkt und wer stattdessen anfängt über Motive von Menschen nachzudenken, wenn ums trollen geht, statt den Informationsverlust selbst zu reflektieren.

So könnte eine soziale Funktion des Internets die Entropievermehrung sein, um auf diesem Wege das Problem der Beobachtung der Kommunikation durch Kommunikation ihrer Beobachtung kommunizierbar zu machen.

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