Die Welt verstehen
von Kusanowsky
Was ist auf diesem Bild zu sehen? (Herkunft)
Nicht, dass man schon die Welt verstehen könnte, wenn man dieses Bild deuten kann. Aber wenn man erklären wollte, wie es kommen kann, die Welt verstehen zu lernen, wenn sie denn verstehbar wäre, dann wäre der Prozess des Verstehens so ähnlich wie die Wahrnehmung dieses Bildes. Man sieht wirre Kleckse, Punkte, ein Durcheinander, Ablenkung, Irritation, Unordnung. Aber wenn man Ordnung findet, wenn man erkennt was man sieht, gibt es keinen Zweifel, keine Ungewissheit, keine Wunder mehr.
Aus diesem Grunde ist es nicht statthaft zu sagen, was man erkennen kann. Man muss selbst drauf kommen, alles andere ist wieder nur Störung, Ablenkung, Durcheinander – dies nicht in Hinsicht auf das Bild, sondern in Hinsicht auf das Verstehen der Welt.
Man muss selbst drauf kommen. Das ist keine Frage der Ethik und auch keine des Standpunkts.
Erkennbar und nachvollziehbar ist das für diejenigen, die erkennen, was man auf diesem Bild sehen kann.

Dazu empfehle ich Werner Stegmaier und seine „Philosophie der Orientierung“. Aus dem Vorwort habe ich hier schon zitiert:
http://addliss.net/2010/02/19/zitat-des-tages-15-orientierung/
Das, was du versuchst zu beschreiben, ist genau das Phänomen der Orientierung. Wenn sie gelingt, ist sie plötzlich da. Doch vorher können wir nichts darüber sagen. Auch Josef Simon setzt ähnlich in seiner Sprachphilosophie an. Er sagt: „Ein Zeichen ist alles, was wir verstehen.“
Das heißt, wir verstehen etwas. Nicht unbedingt, was das Zeichen bedeuten soll oder Feinheiten, wir können es aber individuieren von einer Umwelt. Wir können eine Differenz ausmachen zwischen dem Zeichen und dem, was Nichtzeichen ist. Das heißt in der Sprache der Orientierung: Wir haben schon einen ersten Punkt der Orientierung gefunden, wenn auch noch nicht eine komplette.
„Wir können eine Differenz ausmachen zwischen dem Zeichen und dem, was Nichtzeichen ist“ Das ist ein Irrtum.
@Kusanowsky 1-2 Worte mehr dazu würden mich freuen. So habe ich die Philosophie Simons verstanden. Falls das eine Fehlinterpretation sein sollte oder Einwände gegen dieses Zeichnverständnis bestehen: Immer her damit. aber ohne kurze Erläuterung das Etikett „Irrtum“ zu vergeben, scheint mir sehr kurz. 😉
Bei Ferdinand de Saussure war die Differenz als zugrundeliegendes Prinzip aller Zeichen konzipiert, ein Konzept, das mit dem sog. Poststrukturalismus fallen gelassen wurd. Bei Derrida findet man die Konsequenz, dass auch die Differenz wie jede andere von einer Differenz betroffen ist, keine Differenz ohne vorgehende und ohne weitere Differenz. Derrida bemängelte an dem Saussureschen Konzept, dass die angenommene Arbitrarität zwischen Signifikat und Signifikant durch die Vorstellung eines festen Systems, das eine differentiell bestimmbare Identifikation der Zeichen erlaube, wieder zurückgenommen werde. Diese Einheit von Signifikat und Signifikant lehnte Derrida folglich ab und kam zu einem anderen Ergebnis. Derrida geht davon aus, dass Bedeutung in einem Netzwerk von Differenzen hergestellt wird und darüber hinaus auch die Elemente des Zeichens, also Signifikat und Signifikant, grundsätzlich different sind.
Jacques Derrida: Die différance. In: Peter Engelmann (Hrsg.): Postmoderne und Dekonstruktion. Texte französischer Philosophen der Gegenwart. Reclam, Ditzingen 2004, 76-113.
Eine Differenz zwischen Zeichen und Nichtzeichen ist nicht bezeichenbar, sondern nur eine Differenz zwischen Zeichen.
Wer aber annehmen, sagen und schreiben möchte, Wahrnehmung könne Nichtbezeichenbares erfassen, verwendet nur weitere und andere Zeichen. Gleichwohl könnte man ein Nichtzeichen bezeichnen. Aber dies nur mit einem weiteren Zeichen.
@Kusanowsky Danke für die Erläuterung! Stimmt, meine Unterscheidung war hier falsch. Auch Simon hätte das so gesehen, ich habe ihm da was unterstellt.
[…] Die Auflösung gibt’s weder hier noch dort. […]