Die Zwangsnaivität der #Wikipedia
von Kusanowsky
Das größte Handicap der Wikipediaschaft liegt gewiss in der Bereitschaft, sich auf eine größt mögliche theoretische Naivität einzulassen. Diese besagt:
- Man könne Wissen haben, speichern, bereitstellen und abrufen.
- Wissen sei etwas Bestimmtes, das durch iterative Einschränkung von Kontingenz Klarheit schaffen könne.
- Die Einschränkung durch Selektion sei objektivierbar, vergleichbar, meßbar und überprüfbar auf der Basis des bisher bekannten Wissens.
- Funktionieren könne all dies nur unter Vernachlässigung und Verbot von Selbstreferenz, Tautologien und dem Verbot, solche Verbote theoretisch zu diskutieren.
Daraus ergeben sich fast von selbst die bei Wikipedia diskutierten Defintionen für Qualität, Neutralität und Relevanz, deren Kontingenz zwar an allen Ecken und Enden beobachtet und diskutiert wird, aber dies nur unter der Voraussetzung, dass die Vorgaben einer größt möglichen Naivität nicht angerührt werden dürfen. In anderen Zusammenhängen würde so etwas als weltfremder Dogmatismus abgelehnt werden, bei Wikipedia aber erfreut sich diese Theorienaivität großer Beliebtheit.
Die theoretische Grundlage von Wikipedia entspricht eher einer intellektuellen Selbsteinsperrung: „du darfst die Theorie der Wikipedia-Theorie nicht in Frage stellen.“ Und gerade dieses Verbot stellt den Attraktor für die Streitigkeiten dar. Diese Streitigkeit entstehen immer dann, wenn die Kontingenz all der Sachverhalte, die nicht in theoretischen Diskussionen überführt werden dürfen, Entmutigungen schafft, die auf der Basis derselben Annahmen wiederum beseitig werden sollten, was empirisch gar nicht geht. Aber ein Dogmatismus lässt sich nur selten von Empirie irritieren.
Wie wenig relevant zum Beispiel der Katalog der Relevanzkritierien bei Wikipedia ist, kann man an diesem Blogartikel bemerken. Das ist ein Artikel, der sich nahezu haarspalterisch mit der linguistischen Frage beschäftigt, ob der unter Fotografen übliche Ausdruck für Unterschiede eines abbildbaren Bereichs von Bildschärfe als „Schärentiefe“ oder „Tiefenschäfe“ bezeichnet werden kann. Es wird sehr ausführlich und komplex eine grammatikalische Regelbildung erläutert und danach gefragt, welche Regel anzuwenden wäre. Zwar kommt der Artikel nach ausführlicher Behandlung zu dem Ergebnis, dass beide Ausdrücke dem Sachverhalt gerecht werden, aber diese Indifferenz wird sehr differenziert behandelt.
Nach der Lektüre dieses Artikel könnte man nun meinen, all das sei überhaupt nicht relevant, weil es so wichtig ja gar nicht sei, aber eine solche Bagetellisierung kann man nur dann vornehmen, wenn Relevanzunterschiede angeblich schon klar wären. Aber: wie findet ein Kommunikationssystem Relevanzunterschiede heraus? Wie man bei Wikipedia sehen kann, laufen Definitionen über Relevanz ins Leere, weil diese Unterschiede keineswegs klar erkennbar sind. Das heisst übrigens nicht, dass Relevanzunterschiede irrelevant wären, sondern nur, dass alles erst herausgefunden, betrachtet, beurteilt und auch erforscht werden muss, damit man hinterher wissen wissen kann, was man wissen will. Bei Wikipedia wird aber immer schon vorher festgelegt, was man eigentlich gar nicht wissen darf. Aber dies ist bereits ein Standpunkt, der nur eine theoretische Relevanz hat und praktisch nicht eingelöst werden kann.
Das kann niemanden befriedigen.
So mag man im Anschluss an diesen beispielgebenden Blogartikel gewiss zu der Einsicht kommen, dass die differenzierte Klärung solcher Fragen nicht sehr relevant wären, aber: das merkt man erst im Anschluss daran. Es gibt also keinen Grund, solche Betrachtungen wegen mangelnder Relevanz gering zu schätzen, weil man den Lernerfolg ja nicht voraus sehen kann. Deshalb wäre für die Erarbeitung einer Theorie der Relevanzfindung ein solcher Beitrag sehr gut geeignet und müsste dringend in eine „Wissenssammlung“ aufgenommen werden, auch dann wenn man meinen möchte, dass der beurteilte Sachverhalt irrelevante wäre. Genau das wäre ja theoretisch zu diskutieren, aber das ist bei Wikipedia verboten.
Und weil das verboten ist, so kommt die Wikipediaschaft auch niemals dazu, ihre ihre eigen Relevanz zu beurteilen. Denn die kann nur ideologisch und dogmatisch und rücksichtslos durchgesetzt werden. Ergebnis sind die Entmutigungen, die sich dann woanders neu orientieren.
Noch mal ein Nachtrag.
Dieses ideologische Verhärtungssymptom entsteht nicht zufällig und es lässt auch nicht abschaffen. Das Zustandekommen dieser Wikipedia ist hoch unwarhscheinlich und nur unter Voraussetzungen möglich gewesen, die konträr zum Prinzip des kollaborativen Arbeitens stehen. Die Kollaboration meint ja nicht eigentlich ein gemeinsames Arbeiten an einer gemeinsamen Sache, sondern ein Zusammenwirken ohne Zentrale, ohne gemeinsames Projekt, ohne erkennbare Ziele, sondern: Kollaboration erbringt ein Zusammenwirken, das überraschende Ergebnisse liefert (bei mir läuft das unter dem Stichwort einer Assoziologie als eine Hermeneutik sozialer Serendipität)
Aber so hätte Wikipedia niemals gestartet werden können. Vielmehr ging es um genau das Gegenteil: ein gemeinsames Projekt: „ein gemeinsames, verbindliches Wissen für eine Menscheit“ – so jedenfalls die Maxime einer Theorie der Enzyklopädie seit dem 18. Jahrhundert. Daher auch dieses Streitigkeiten. Sie entstehen als Wettkampf um die Einhaltung eines solchen Versprechens durch Vorwurf des Verrats dieser gemeinsamen Sache an die andere Seite. Und der Diabolos, der das zustande bringt, ist wesentlich die Relevenzproblematik.
Der Wikipedia-Autor nennt sich selbst (als Person) anonym gegenüber dem Leser und hält sich darum für irrelevant. Unter dieser Voraussetzung beobachtet der Autor, dass alles andere (und alle anderen mit Ausnahme anderer Wikipedia-Autoren) relevanter sein muss, weshalb entsprechend nicht nur eine Wertschätzung für die Relevanzproblematik entsteht (aufgrund der Selbstwertschätzung der eigenen personenbezogenen Irrelevanz), sondern auch ein Nachdenken über ein Maß für Relevanz, das selbst wiederum höchst relevant sein muss. Und dieses Maß für Relevanz und dessen Eigenrelevanz muss gegen jede Erfahrung als eindeutig markiert werden, damit die dadurch erkennbaren Uneindeutigkeiten gemäß einer solchen Fiktion erfahrbar und dann streitfähig werden. Die Entfaltung einer Streitfähigkeit ist wiederum ein Exklusionsverfahren. Wer der Streitfähigkeit nicht standhält, scheidet entmutig aus. So kann sich eine Hierarchie bilden und damit auch eine interne Relevanz der jeweiligen Personen (Admins), aber all dies gilt unter der Voraussetzung, dass Relevanz nur fremdreferenzierbar ist. Oder so: wer sich im Streit bewährt, bleibt unschuldig, weil selbstreferenziert nur Irrelevanz möglich ist. Und diese ist aufgrund der Ehrenamtlichkeit nicht sanktionierbar. Niemand kann gekündigt, niemand kann aufgefordert werden, dieses oder jenes zu machen oder zu unterlassen. Weil immer gesagt werden kann: sollen es doch die anderen machen.
In ehrenamtlichen Arbeitsbeziehungen nennt man das die Initiativ-Sanktion: „gute Idee, mach es selbst!“
Aus diesem Grunde sind diese Verhärtungen selbstverstärkend, weil immer diejeningen, die im Aussscheidungsverfahren zunächst nicht ausscheiden, es im nächsten Schritt mit einander zu tun bekommen und dann geht die gleiche Routine weiter, aber jetzt eine Nummer härter, wei die besser trainierten auch härter fighten können. Aber mit jeder Runde scheiden weitere aus. Die Gewinner sind härtesten und nicht zu beseitigen. Von wem? Alle anderen knicken ein oder scheiden aus.
Deshalb hilft nur: jedem seine eigene Wikipedia. Also: Zusammenwirken ohne gemeinsames Projekt. Aber das dauert noch.
Wikipedia proklamiert: „Einer der Grundsätze bei der Erstellung dieser Enzyklopädie ist: Die Wikipedia bildet bekanntes Wissen ab.“
Wenn man das Wort „Wissen“ durch „Behauptung“ ersetzt, wird das Paradoxe der Mission sehr schön sichtbar.
Im Kern bleibt dann:
„Wikipedia hat den Zweck, bereits Behauptetes zu behaupten. Ziel ist die Behauptung des überhaupt Behaupteten.“
Es ist witzig, dass man diese Mission unter die Doktrin stellt, keine eigenen Behauptungen aufzustellen.
Das ganze wäre es wohl wert, einer noch eingehenderen philosophischen Analyse unterzogen zu werden. Ich assoziiere das Chinesische Zimmer von Searle (die chinesischen Schriftzeichen entsprechen den Quellen; das Handbuch entspricht den wikipedia-Regeln.).
Ernsthaft: So wie sich die wikipedia heute definiert, kann sie allerspätestens 2040 komplett von einem Computer erstellt bzw. verwaltet werden.
In wenigen Worten hast du dmait diese Zwangsnaivität noch einmal eingefangen. Aber, mein Einwand dagegen: wenn die Wikipedia ihrer eigenen Mission gerecht werden wollte, so könnte man sie schon heute vollständig automatisieren. Das geht aber nicht, auch nicht in 30 Jahren, weil sie diesem naiven Anspruch, bereits Gewusstes wissbar zu machen, gar nicht gerecht wird. Diese Wikipedia Artikel sind voller Widersprüchlichkeiten, Paradoxien, Selbstbezogenheit, Uneindeutigkeiten, Inkonsistenzen, Unklarheiten, Gerüchten, Dämlichkeiten, Plagiaten, Wilderei usw. Gerade das macht sie attraktiv; das macht, dass es weiter geht.
Wikipedia ist sehr wohl eine Institution, die Theorie bilden kann, allein, sie darf es nicht zugeben. Das Scheitern am eigenen Anspruch ist die Gewährleistung für ihren Erfolg. Sie entspricht denjenigen Bedingungen, durch die sie möglich wird. (Modernitätsvergleich)
Theoriefindungsversuch bei Wikipedia durch Verbot von Theoriefindung:
„Einer der Grundsätze bei der Erstellung dieser Enzyklopädie ist: Die Wikipedia bildet bekanntes Wissen ab. Sie dient der Theoriedarstellung, nicht der Theoriefindung (TF; engl. original research (OR)) oder Theorieetablierung. Aussagen, die nur auf persönlichen Erkenntnissen von Wikipedia-Autoren basieren, gehören nicht in die Artikel. Für die Inhalte eines Artikels ist es nicht relevant, was jene als „Wahrheit“ ansehen. Zu ermitteln und darzustellen ist vielmehr, wie das Thema von überprüfbaren, verlässlichen Informationsquellen „da draußen in der Welt“ gesehen wird. Zusammen mit dem neutralen Standpunkt und der Pflicht zur Angabe von Belegen bildet diese Richtlinie die inhaltliche Grundlage für dieses Projekt.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Keine_Theoriefindung
Toll ist dieser Abschnitt:
„Wikipedia-Artikel sollten auf Informationen aus Sekundärliteratur beruhen. Dies gilt insbesondere dann, wenn ein Thema, wie beispielsweise Quantenphysik oder Neuzeit, Gegenstand eines breiten wissenschaftlichen Diskurses ist. Bei solchen Themen darf nicht direkt auf ursprüngliche Quellen zurückgegriffen werden, weil bereits die Auswahl bestimmter Ausschnitte aus dem Quellenreservoir eine Theoriefindung darstellt. Diese Quellen sollten daher nur in dem Maße und demjenigen Kontext angeführt werden, in dem auch in der einschlägigen Sekundärliteratur Bezug auf sie genommen wird.“
Bereits die Auswahl aus dem Quellenmaterial stellt also eine Theoriefindung dar. Hier wird nun behauptet, dass die Auswahl aus der sog. Sekundärliteratur keine Theoriefindung darstellt. Obwohl eben dies selbst Theoriefindung ist, die geleugnet werden muss, damit sie funktioniert. Der Trick ist ein Unterscheidungstrick: es wird zwischen Primär- und Sekundärquellen unterschieden. Die Primärquellen seien nur für Theoriefinder zugänglich, der Abbilder solle sich nur auf Sekundärquellen des Theoriefinders beziehen. Die Sekundärquellen stellen also für den Abbilder die Primärquellen dar. Und aus diesen muss der Abbilder auswählen. Der Abbilder muss Theoriefindung betreiben und leugnen, dass er dies tut, weil er die Unterscheidung von Primär- und Sekundärquellen zwar behaupten kann, diese aber der Theorie des Theoriefinders zurechnet, der er selbst nicht sein darf.
Daher der Streit: er entsteht aus dem Zwang zur Leugnung der Eigenparadoxie. Und dieser Vorgang hält die Wikipedia erfolgreich auf Trab.
Die Wikipedia ist ein geniales Schummelwerk.
Naja ‚Du‘.. (mal so als unkonkreter Ausruf in den ‚Raum‘ geseufzt).. Die im Laufe der Jahre immer restriktiver gewordenen VeröffentlichungsKriterien und DiskussionsBedingungen der Wikipedia empfinde ich ebenfalls als betrüblich. Schon dass sich ein Enzyklopädist nicht selbst als PrimärQuelle angeben darf, ist m. E. ein schwerer Mangel [weder Voltaire, noch Diderot; weder Einstein noch Haufe dürften sich als Quelle nennen, wenn sie vesuchten, das in der Wikipedia vorgefundene WissensWerk, durch eigene TheorieFindung zu erweitern.
Hier nun, in Kusanowskys Beitrag, wird auf die Idiotie hingewiesen, dass angeblich SekundärLiteratur eher die Neutralität und wissenschaftliche Qualität der Beschreibung eines Sachverhalts, einer Theorie, eines DiskussionsGegenstandes oder eines Problems (etwa in einer NaturWissenschaft oder der Philosophie) gerecht würde, als das zusammenfassende Referieren der PrimärQuelle.
Nun, es ist klar, dass der Bezug auf SekundärLiteraur manchmal für den EnzyklopädieEintrag geeigneter ist (eben weil sie bspw. Jahrzehnte später parallele Entwicklung zur ursprünglich orginären TheorieFindung berücksichtigen kann, welche dem ursprünglichem Schöpfer unbekannt blieben) – und manchmal ist der Bezug auf die primäre Quelle wichtiger (etwa um die darin enthaltenen Fehler und Probleme für den damaligen WissensStand aufzuzeigen).
In einem gelungen WikipediaArtikel (und ich denke, es gibt sehr sehr viele, sehr gelungene WikipediaArtikel) werden sowieso sowohl primäre.. als auch sekundäre – als auch aktuelle Diskussionen ihre Darstellung finden.
Wegen diesen ärgerlichen Mängeln die Wikipedia nun zu einem ‚SchummelWerk‘ zu erklären, empfinde ich nicht als ‚fair‘, weil Deppen gewöhnlich nicht in der Lage sind, die intendierte Ironie zu erkennen. Dass nun die aufgezeigte Idiotie auf einmal ‚genialisch‘ geheißen wird, weist zwar deutlich auf die unzulässige Prädikation hin – würde aber als SchlagZeile in ‚relevanten‘ Zeitungen oder Journalen doch letztlich image-schädigend wirken, was doch ziemlich ungerecht wäre. Schließlich ist dieses – inzwischen in die Jahre gekommene – ‚SchlachtSchiff für die Idee des kostenfreien Zugangs zu Informationen und Wissen‘ sehr vielen Angriffen und Anfeindungen ausgesetzt.
Betrüblich bleibt zu sehen, dass Projekte, welche zunächst mit der allerfreundlichsten Freiheit beginnen, schnell zunehmend, zu gesteigerten SicherheitsMaßnahmen greifen, eben gerade weil freundliche und freiheitliche Projekte im gegenwärtigen System als zu vernichtendes Übel angesehen werden (‚das FreihheitsSicherheitsParadox‘) – aber diese letzte Behauptung war jetzt auch nur der primäre Versuch einer TheorieFindung – und dürfte kaum (s)einen Platz in der Wikipedia finden . 😉
Die normative Wertung „Naivität“ ist m.E. fehl am Platz. wikipedia ist eine Institution (kein System!), die an den normalen wissenschaftlichen Mittelbau (Hausarbeiten, Diplomarbeiten, manchmal Doktorarbeiten) anschließt und deren Kriterien mehr oder minder modifiziert übernimmt. Das ist eine pragmatische Entscheidung, die auf Anschlussfähigkeit zielt. Dass wikipedia „Wissen“ in einem alltäglichen Sinne verwendet und nicht in einem systemtheoretischen tief durchdachten, hätte noch nicht mal Luhmann als naiv abgestempelt, der immer gesagt hat, dass man die Welt auch anders beschreiben kann. im Übrigen muss man nur Wissen durch Information ersetzen und man hat keine großen theoretischen Probleme mehr.
Das Problem der Relevanz wird hier ein bisschen an den Haaren herbeigezerrt, denn es wird so getan, als müsse wikipedia die Relevanz von Inhalten neu erfinden; sie schließt aber, wie gesagt, an eine lange Ideenevolution von Wissenschaft und enzyklopädischem Wissen an; was relevant ist, wird einfach kopiert oder in neuen Zusammenhängen analogisiert; an den Rändern kommt es hier zu Streitereien, die überhaupt nicht überraschen (die genauso in den Redaktionen des Brockhaus vorgekommen sein werden, nur eben nicht öffentlich).
Das Problem, dieser wie gesagt vor allem anschlussfähigen und pragmatischen Informationsinstitution eine prekäres Theoriefundament anzudichten, liegt hier vor allem auf der Seite einer extrem ausgelegten Interpretation.
Vielleicht sollte man das bemängelte Wort Naivität durch Wahnsinn ersetzen. Wie ich oben durch den Verweis auf Searle andeuten wollte, sehe ich in der selbst verordneten Theoriefreiheit ein fundamentales philosophisches Problem.
Ich formuliere den Gedanken mal so:
I. Wikipedia will das Weltwissen abbilden.
II. Jede Abbildung setzt Beobachtung voraus.
III. Es kann keine theoriefreie Beobachtung geben.
(III) bezieht sich u.a. auf die Duhem-Quine-These (siehe Wikipedia (sic!)). Die Geschichte der Naturwissenschaften lehrt, dass es keine theoriefreien Experimente, keine theoriefreien Instrumente und keine theoriefreie Berichte über Experimente geben kann. Und so sind die unbestreitbaren Fakten oft das Unwichtige. (Beispiel: Das Galilei-Fernrohr wiegt X Gramm, wurde am Tag Y benutzt und hat eine Vergrößerung Z. Alles aus Sicht von Wikipedia berichtenswertes Wissen – sofern durch Quellen belegt. Aber was hatte Galileo Galilei damit vor? Dazu hatte noch nicht einmal er selbst eine objektive Antwort.)
„Und so sind die unbestreitbaren Fakten oft das Unwichtige“ – ganz genau. Und das Bestehen darauf, die Beharrlichkeit, mit der zwar einerseits die Wikipedia-Theorie behauptet und andererseits geleugnet wird, dass es sich um Theorie handelt, nenne ich: Zwangsnaivität – ein anderer Ausdruck: tumber Dogmatismus. Denn tatsächlich wird bei Wikipedia Theoriefindung betrieben, wobei nur die schon gefundene Theorie immer nur wiedergefunden werden muss, nämlich: die Linie der enzyklopädischen Theorie. Kein Wunder also, dass aber einer bestimmten Komplexität diese naive Theorie nicht mehr ausreicht, weshalb – wenn sie dennoch durchgesetzt wird – immer nur mehr Entmutigungen zustande kommen. Denn diese ganzen Streitigkeiten zeigen ja nur die Anfälligkeit der Wikipedia gegen Widersprüche, weil diese enzyklopädische Theorie vollständig widersprüchlich ist. Aber das darf nicht zur Diskussion gestellt werden.