Soziologie des Zufalls von Maren Lehmann

von Kusanowsky

Der Zufall ist die dunkle Seite der Neuzeit – und zwar (daran erkennt sich die Neuzeit als neue Zeit) nicht mehr nur der geordneten Welt, sondern der sich selbst ordnenden Gesellschaft. Eine geordnete Welt kann den Zufall viel leichter – zum Beispiel als Wunder – integrieren, weil sie ohnehin auf der Unberechenbarkeit (Jenseitigkeit) der ordnenden Instanz beruht; sie wird als überzeitlich stabil (statisch, wesentlich) und als unbezweifelbar gegeben (wirklich) verstanden. Ihre Ordnung wird durch den Zufall also geradezu bekräftigt. Für eine sich selbst ordnende Gesellschaft gilt das Gegenteil; ihre Ordnung wird durch den Zufall bestritten, jedenfalls gefährlich unterbrochen. Gerade deshalb nimmt sie aber den Zufall ernst, so sehr, dass sie Anlass für den Verdacht sieht, vom Zufall fasziniert zu sein und auf ihn zu wetten.

Den ganzen Aufsatz findet man hier.

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