Urheberparadoxie
von Kusanowsky
… Will man nämlich glauben, es seien einzelne Menschen Produzenten und Träger des Wissens, so könnte fragen: wer denn? Wenn die Antwort lautet: Ich! – dann kann man fragen, wen das etwas angeht. Und wenn dich diese Antwort etwas angeht, könntest du diese Antwort bezweifeln oder bestätigen. Beide Entgegnungen tragen zur Differenzierung des Problems bei, welche im Laufe der Zeit eine Intransparenz des Problems erzeugt. Und irgendwann schlägt diese Intransparenz in die Lösung um, die nur besagt, dass niemand Urheberschaft bezweifelt. (Grund für die Lösung: auch der Zweifler will seinen Zweifel öffentlich bekannt geben und ihn begründen!) Für die Lösung gilt dann aber, sobald sie gefunden ist, das selbe. Wird sie differenziert, steigert sich ihre Intransparenz und das Problem bricht erneut auf. Dann aber unter gänzlich veränderten Bedingungen. Einzelene Menschen (Indvidualitätsparadoxie) können solche Wissens- und Erfahrungsbildungsprozesse weder einfach herstellen noch beenden.
Im alten und ursprünglichen Sinne des Wortes hat das Internet daher eine apokalyptische Funktion. Es deckt auf, enthüllt, offenbart, es zeigt, was als Lösung nicht mehr taugt und zeigt zugleich, was als neues Problem anfällt. Die Frage lautet nicht mehr, wer der Urheber ist, sondern wie die soziale Wissensproduktion funktioniert …
„… wie die soziale Wissensproduktion funktioniert …“
Das ist eine Perspektive, die soziologisch durchaus interessant sein kann.
Die andere Seite – die überhaupt ausschlaggebend für die Kontroverse zu sein scheint – ist die Tatsache, dass Menschen glauben, sie müssten „von ihrer Arbeit leben“.
Ich denke, dass wir den „gordischen Knoten“ in unserer Gesellschaft (nicht nur den des Urheberrechts!) erst wirklich lockern und lösen können, wenn wir Abstand zum sozialen Paradigma der marktwirtschaftlichen „Tauschbeziehungen“ nehmen… Markt frisst Kultur und Identität…. Der Markt verhindert Freiheit und Verantwortung… weil der Markt grundlegend über die Verzerrung unserer Motive und Zielsetzungen funktioniert.
F*ck „qid pro quo“! 😦
Wir brocken uns nur Probleme ein, wenn wir an einem Spielschema festhalten, das unsere tatsächliche soziokulturelle Situation ignoriert.
Gerade bei Produkten, die so dargeboten werden können, dass sie nicht mehr „rival“ sind, wird die Absurdität des Tauschgedankens deutlich. – Wir haben nun also (digitalisiert) Ressourcen vorliegen, die praktisch jedem zugänglich gemacht werden können, der sich auch nur darum schert.
Soll sich bitte jeder nehmen, was er/ sie /es zu brauchen oder wollen meint und umgekehrt eben das geben, was er/ sie/ es geben und teilen und produzieren kann..!
Soll bitte jeder tun (und lassen) was er/ sie/ es für sinnvoll, wünschenswert und vernünftig hält… OHNE(!) jemand anders auch nur daran zu hindern zu versuchen nach eben dieser Maxime zu leben.
Wir leben hier und heute… warum sollten wir unseren Lernprozess und unsere Erfahrungswelt unserer Brieftasche anpassen müssen?
Lebensfeindlicher Unsinn ist das.
Ich bin der Ansicht, dass wir – wo immer es uns nur möglich ist – ablassen sollten, vom „Kaufen & Verkaufen“… dass wir uns jenseits der Rituale des Marktes auf optimale Methoden zur solidarischen Bedürfnisbefriedigung und Wunscherfüllung einigen sollten, OHNE(!) den komplizierten Umweg über das Streben nach Profit auf Märkten beschreiten zu müssen.
Es geht im Grunde nicht darum, dass Urheber das Recht der Kontrolle der Verbreitung ihrer Werke forcieren müssten.
Das liegt herzlich wenig im Interesse von Kulturschaffenden!
Es geht darum, dass die Leute im Status Quo Geld „verdienen“ müssen, um ihren Anspruch auf Versorgung und Wunscherfüllung vor Anderen rechtfertigen zu können.
Von dieser wirtschaftlichen Praxis profitieren die Parasiten am meisten, die gelernt haben das System anzusaugen ohne einen kreativen, intellektuellen, produktiven oder konstruktiven Beitrag geleistet zu haben.
Wenn ich etwas schaffe, das ich für inhaltlich vermittelbar, formal schön und ästhetisch oder zumindest für interessant halte, dann WILL ich schließlich, damit Resonanz erzeugen. Ich will, dass Andere auf Wunsch möglichst einfach und direkt Zugang zu meinem Werk und meinem Schaffen erhalten.
Wenn ich etwas nur mache, weil ich Geld damit verdienen möchte, dann ist meine Motivation grundlegend korrupt. Dann ist meine Zielsetzung durch die Gier nach virtuellen Vorteilen verzerrt/ geprägt vom Streben nach der Macht über Andere nach Belieben verfügen zu können oder getrieben von der Angst vor Übervorteilung und sozialer Unsicherheit. Wenn mein Lohn nicht in der Handlung selbst liegt, dann darf ich das auch gerne sein lassen.
(meint auch Karl Popper)
Der springende Punkt sitzt vielleicht ganz konkret auf der Fragestellung, wie wir allgemein Pflichten, Rechte und Ansprüche kommunizieren wollen. Und im Zuge dieser Überlegung sollten wir besonders in Betracht ziehen, wie wir heutzutage kommunizieren können.
Nur wenn wir uns der Bandbreite unserer Möglichkeiten und Optionen bewusst werden, können wir auch bewusst entscheiden, was wir wirklich wollen und wie wir uns auch jenseits traditioneller marktwirtschaftlicher Rituale, Gebräuche und Arrangements wirtschaftlich einig werden können.
Es geht also darum zu erkennen, was möglich ist, um entscheiden zu können, was man eigentlich wollen kann oder will.
Der Wunsch nach Restriktion und Kontrolle entspringt meistens einem Gefühl der Ohnmacht… In der Einschränkung von Optionen opfern wir unser Leben einem traurigen Kompromiss.