Urheberparadoxie

von Kusanowsky

Die Apokalypse des Urhebers

… Will man nämlich glauben, es seien einzelne Menschen Produzenten und Träger des Wissens, so könnte fragen: wer denn? Wenn die Antwort lautet: Ich! – dann kann man fragen, wen das etwas angeht. Und wenn dich diese Antwort etwas angeht, könntest du diese Antwort bezweifeln oder bestätigen. Beide Entgegnungen tragen zur Differenzierung des Problems bei, welche im Laufe der Zeit eine Intransparenz des Problems erzeugt. Und irgendwann schlägt diese Intransparenz in die Lösung um, die nur besagt, dass niemand Urheberschaft bezweifelt. (Grund für die Lösung: auch der Zweifler will seinen Zweifel öffentlich bekannt geben und ihn begründen!) Für die Lösung gilt dann aber, sobald sie gefunden ist, das selbe. Wird sie differenziert, steigert sich ihre Intransparenz und das Problem bricht erneut auf. Dann aber unter gänzlich veränderten Bedingungen. Einzelene Menschen (Indvidualitätsparadoxie) können solche Wissens- und Erfahrungsbildungsprozesse weder einfach herstellen noch beenden.

Im alten und ursprünglichen Sinne des Wortes hat das Internet daher eine apokalyptische Funktion. Es deckt auf, enthüllt, offenbart, es zeigt, was als Lösung nicht mehr taugt und zeigt zugleich, was als neues Problem anfällt. Die Frage lautet nicht mehr, wer der Urheber ist, sondern wie die soziale Wissensproduktion funktioniert …

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