Ein Typologie von Internettrollen, ein Vermeidungsversuch #trollforschung

von Kusanowsky

Im Blog „Fliegende Bretter“ findet sich ein schon länger zurück liegender Artikel, der eine kleine Typologie von Internet-Trollen systematisiert.

  •  Der Verschwörungstheoretiker
  • Der professionelle Polit-Troll
  • Der pubertäre Provokations-Troll
  • Der indignierte Schöngeist
  • Der Islamkritik-Troll
  • Der Fanatiker
  • Der notorische Abo-Kündiger
  • Das U-Boot
  • Der verhinderte Journalist

An dieser Typologie kann man gut erkennen, wie durch den Versuch der Charakterisierung von Internettrollen die Kritik durchgehalten werden soll. Die Systematisierung erwirkt den Trivialeindruck einer kohärenten Durcharbeitung eines Gegenstandes der Kritik, wobei die Verbreitung der Kritik auf dem gleichen Wege geschieht wie die Beobachtbarkeit dieses Gegenstandes: durch Fortsetzung der Internetkommunikation. So werden genau diejenigen Strukturen, die diese Trollerei hervorbringen, nicht bewältigt, nicht durchschaut, nicht kontrolliert, sondern entziehen sich genau derjenigen Kontrollmechanismen, durch die die Internettrollerei entsteht. Sie entsteht, weil die Beobachtung der Störkommunikation auf die Fortsetzung der Kritik angewiesen bleibt (Kontrolle von Störung durch Störung)  ohne, dass die Ergebnisse selbst in kritischer Hinsicht von Belang wären, also Entscheidungen begründen oder rechtfertigen könnten. Es wird nichts mehr entschieden, aber die Kritik geht weiter, als sei dies alles nicht beobachtbar. Die Kritik dreht am Rad, sie dreht durch.

Stattdessen ist die Internettrollerei das Ergebnis von Störung ohne zu stören. Trollerei ist unkritisch, weil sie für keine Entscheidungssituation von Belang und gerade dadurch allein selbstreflexiv-performativ wirksam ist. Sofern aber dies unterschlagen wird zeigt sich, dass die kritische Diskussion per Internet selbst nichts anderes ist als Trollerei.

Hier ein zweites Beispiel, das die gleiche Beobachtung ergibt: http://scienceblogs.de/hier-wohnen-drachen/2012/06/25/das-kleine-trollhandbuch-2/

Ein Wissenschaftler denunziert Trollkommunikation unter kritisch-aufklärerischen Gesichtspunkten und verbreitet die Ergebnisse auf dem selben Wege, durch den die Trollerei zustande kommt und setzt sich zugleich durch Leserkommentare wieder eben jener Trollerei aus, die er meint mit kritischen Mitteln aufgedeckt zu haben.
Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Er setzt die Trollkommunikation nur fort. Für den selbstreflexiv-performativen Charakter der Internetkommunikation ist mit kritischen Mitteln keine Unterscheidung anschließbar zu machen.

Daher diese Hilflosigkeit, ja, beinahe Urteilslosigkeit. Denn – wie gesagt: das kritische Urteil ist trivial, belanglos, unbrauchbar und nur ein Beitrag zur Fortsetzung der Trollkommunikation.

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