Paranoia der Marktwirtschaft: Bananen geschält und verpackt
von Kusanowsky
Die österreichische Supermarktkette „Billa“ ist im September 2012 damit aufgefallen, dass in einer Filiale geschälte und verpackte Bananen angeboten wurden: Aufregung um Billa-Produkt Nackte Bananen sind erst der Anfang.
Die paranoische Beobachtung marktwirtschaftlicher Logik zeichnet sich dadurch aus, dass die Rationalität des Zusammenhangs von Angebot und Nachfrage weder ein Angebot noch eine Frage kennt.
Dieses Beispiel zeigt, dass der Versuch, ökonomisch-rationale Zusammenhänge zu beobachten, den Unterschied von Angebot und Nachfrage weder ein- noch ausschließt. Eingeschlossen ist dieser Unterschied nicht mehr, weil kaum nachvollziehbar ist, warum eine Ware, die durch den Anbau bereits verpackt geliefert wird, kostengünstiger angeboten werden kann, wenn man sie mit Aufwand auspackt und wieder einpackt. Wie das zugehen könnte, ist nicht einwandfrei klärbar, aber ausgeschlossen ist das nicht.
Und ausgeschlossen ist dieser Unterschied auch deshalb nicht, weil es ja auch eine Nachfrage nach Produkten geben kann, die gerade durch den Vorgang des Verpackens auf dem Markt als veredelt erscheinen und darum bessere Qualität versprechen könnten, insbesondere dann, wenn es sich beim Anbieter um einen Discounter handelt, also um ein auf billige Produkte („Billa“) spezialisiertes Unternehmen, das allein durch Preisgestaltung Qualität suggeriert.
Ein hübsches Beispiel einer paranoischen Marktlogik.

Obwohl das Schälen von Bananen überflüssig erscheint, weil ungewohnt und daher auffällig, gibt es doch recht viele pflanzliche Naturprodukte, die für das ‚Geschäft‘ bereits ‚aufbereitet‘ werden und keiner schreibt darüber: Ananasscheiben, Kokosnüsse, Erdnüsse, Haselnüsse, Apfelmus, geschälte Tomaten, Birnenkompott, entkernte Oliven, geschälte Salat-Kartoffeln, Maiskolben, (Blumen-)Kohlköpfe ohne Deckblätter usw. Man/frau kann sich trefflich streiten, warum auch Fleisch so hübsch portionsweise verpackt wird. Eigentlich wird umgekehrt ein Schuh draus: Wer kann noch mit auf dem Feld direkt geernteten Pflanzen und beim Hausschlachtfest anfallenden Innereien etwas zubereiten? Wer kann feststellen (ohne Haltbarkeitsdatum), was noch genießbar ist? Wer kann ohne Brotbackautomaten noch händisch Brot backen? Diese Kenntnisse, weil durch die Lebensmittelindustrie schrittweise ersetzt, gehen halt immer mehr verloren. Die Bananenverpackungsgeschichte wäre ein Signal, darüber nachzudenken, ob wir das alles so wollen … seien wir uns gewiss, es dauert keine Generation mehr, da werden wir auch andere Fertigkeiten, wie das händische schöne (!) Schreiben, stückchenweise verlieren … naja nicht überall, solange in den Unis bei den Mathematikern noch Kreidetafeln stehen.
https://twitter.com/Aha_Ein_Keks_/status/264298137764626432
Welche Prozesse fördern die „Paranoia“ der Marktwirtschaft? Eine Komponente sind wohl die Paradigmenwechsel der Marktwirtschaft und die Geschwindigkeit, mit der sich der Wandel vollzieht. Die ins Wanken gekommenen Paradigmen habe ich an anderer Stelle beschrieben:
Betrachten wir die geschälte Banane als Antizipation von Nanobot und Beamer. Der Naked-Banana-Shitstorm ist da nur ein Feigenblatt. Unsere paranoiden Konsumwünsche sind ja die eigentliche Batterie des verrückten Spiels.
„Unsere paranoiden Konsumwünsche …“ – daran würde ich Zweifel äußern, gerade in Hinsicht auf diesen Bananen-Fall. Die Wirtschaft befriedigt keine vorhergehenden Bedürfnisse, sondern nutzt sie allenfalls aus. Das meinte ich in dem Text: Der Unterschied von Angebot und Nachfrage ist weder ein- noch ausgeschlossen.
Was mir noch durch den Kopf geht, nachdem ich mit meiner Friseuse ihre Azubi-Ausbildungsideen durchgegangen bin: Es könnte ja auch einfach das Ergebnis einer Lerneinheit im Rahmen der Einzelhandelsausbildung sein … vielleicht als Beispiel für die Einführung einer Produktvariante und der dazugehörigen Marketingstrategie (Lancieren der Pressemeldungen usw.). Wenn dem so wäre, müsste man gratulieren, dass die ’nackten Bananen‘ nun in aller Munde sind.