Der Wahnsinn der Aufklärung #homosapiensidioticus

Der nächste Großkrieg sieht nur noch Schizophrene und Maschinen als Kombattanten. Staatstragende Homunculi, lemurisch gespaltene Verwalter der Destruktivkräfte drücken, wenn „es sein muss“, auf die entscheidenden Knöpfe, und heroische Roboter sowie denkfähige Höllenmaschinen stürzen sich aufeinander – das experimentum mundi ist zu Ende; der Mensch war ein Fehlschlag. Die Aufklärung kann nur ein Resümee ziehen: der Mensch ist nicht aufzuklären, weil er selbst die falsche Prämisse der Aufklärung war. Der Mensch genügt nicht. Er trägt in sich selbst das verdunkelnde Prinzip der Verstellung, und wo sein Ich erscheint, kann nicht leuchten, was durch alle Aufklärungen versprochen wurde: Licht der Vernunft.

Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft, Bd. 2, Frankfurt am Main 1983, S. 651.

Ein Google-Troll hatte vor einiger Zeit mal notiert: „Es ist Wahnsinn jemanden um die Aufklärung eines Sachverhaltes zu bitten“ – wie es überhaupt in den Wahnsinn führen muss, Rücksichtnahmen zu fordern, oder, noch schlimmer und vergeblicher: irgendwelche zu erbringen. Worauf soll man noch Rücksicht nehmen wollen oder können? Es ist ja niemand mehr da.
Der homo sapiens idioticus sitzt vor dem Bildschirm und kann sich doch eigentlich nur noch wundern und sich der Faszination hingeben. Denn alles andere ist außerhalb seiner Reichweite. Die Selbstfesselung vor einem Bildschirm erzwingt den Verzicht auf jede Durchgriffs- und Zugriffsgewalt. Und wer glauben will, die Hacker hätte noch immer eine letzte Möglichkeit von Durchgriff und Zugriff Gebrauch zu machen, der hat den Kalten Krieg nicht studiert. Denn es war ja gerade der Kalte Krieg, der überdeutlich zeigte, wie unverfügbar die Logik der Handlungszwänge ist.

So verbleibt als Maxime paranoischer Phantome letztlich und allein die solipistische Introjektion: “Worüber niemand verfügen kann, darüber sollte jeder schreiben …”

 

 

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