Selbstreferenzialität nur wenn man innerhalb des Systems bleibt. Schließlich kann man die Meinungsunterdrückung in totalitären Regimen von der Warte eines anderen Regimes behaupten oder beklagen.
Wenn nur die Leser von Titanic die Titanic-Covers gesehen hätten, wäre die Selbstreferenzialität beachtet geblieben aber auch kein Schwein darüber gesprochen, nur die Titanic-Leser unter sich etwa.
Die Kontingenz aller Information war schon immer vorhanden, also das Bewusstsein darüber, zumindest in Prozentsätzen (heute auch nur in Prozentsätzen). Wahrheitstheorien waren schon vor dem Internet problematisiert und diskutiert.
Kommt mit dem Internet wirklich ein neuer Ablauf in Meinung und Information(sflüsse)? Es gab schon länger Salons, Foren, Agoren mit ihren Wissens- und Meinungsclustern und ihren Vernetzungen untereinander. Wir sind inzwischen etwa 40x mehr Menschen als zu der Zeit der Agora, damals waren dazu auch nur wenige qua Geburt (Stand, Geschlecht) dazu zugelassen, aber wegen Doktortitel und somit Wahrheitszertifikaten.
Denke, dass heute hier nur schiere Masse als Faktor eine Rolle spielt. Nicht die veränderte Qualität. Dass die Quantität vielleicht eine kritische Masse erreicht und damit eine neue Qualität einbringt -vielleicht, aber das ist eine andere Geschichte, oder?
„Kommt mit dem Internet wirklich ein neuer Ablauf in Meinung und Information(sflüsse)?“
Das ist eine hübsche Formulierung, der man bei Beobachtung des Internetkommunikation immer wieder begegnen kann: alles wäre ja auch schon vorher so gewesen, das Internet habe daran nichts geändert, dieses oder jenes wäre auch ohne Internet möglich und verstehbar gewesen, ja, es wäre immer schon so gewesen, gleich so als ob es den Weg der Verbreitung dieses Arguments, also Verbreitung via Internet, immer schon gegeben hätte. Das kann man glauben wollen, aber wie könnte man das begreiflich machen, gäbe es kein Internet?
Das nenne ich die „apoklyptische Funktion“ der Internetkommunikation. Sie macht ständig auf etwas aufmerksam, sie enthüllt, entschleidert, entdeckt, offenbart etwas, das niemals verdeckt oder geheim war, wodurch der Weg der Urteilsfindung oder Urteilbildung vollständig verschleiert wird.
Meine Vermutung ist, dass das Internet sehr aufdringlich zeigt, dass die Lösung in der Aufdeckung, Enthüllung derjenigen sozialen Mechanismen der Verhinderung und Vermeidung von andersartiger Empirie liegt. Das Internet schleicht sich disruptiv in die Gewohnheiten ein ohne eigentlich neue Probelmsituationen hervorzubringen, sondern schafft nur verknüfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen durch die erkennbar wird, wie die bekannten Problemsituationen entstehen und gemäß des Programms funktionaler Differenzierung nicht gelöst werden konnten. Das nenne ich eine apokalyptische Funktion. (Link: Die apokalyptische Funktion des Internets)
Ich versuche mal aus Sicht der Informationstheorie ein apokalyptisches Moment zu identifizieren.
Nehmen wir an, wir haben zwei Systeme vor uns: A. PHYSIK und B. SOZIOLOGIE. Beide Systeme sind ausgestattet mit Menschen, Diskurs und kritischer Disziplin. Aus Sicht der Informationstheorie hat jedes System einen eigenen Grad der Komplexität (Entropie). Eine Information kann nur in Bezug zum jeweiligen System bewertet werden.
Nun werden über Nacht die menschlichen Teilnehmer von A und B wechselseitig vernetzt. Eine Katastrope! Denn das Shannonsche Sender-Empfänger-Schema lässt sich hier nicht anwenden. Wechselseitig gibt es nur Beobachtungen, keine Informationen. Ständige Obacht – ohne zu formen. Dies führt zur Erosion der Systeme, da eine Variable x aus A jetzt immer auch in Bezug auf das unbekannte y aus B gesehen wird: x-> (x|y). A kann y aber nicht werten. Der aufgenötigte Bezug zum System B, also |y) kann nur als Disruption verstanden werden. Es bleibt die frustrierte Rückkehr zum Ausgangspunkt x.
Hey 🙂
Also gut, ich muss mir da ein wenig Übersetzungsarbeit leisten, und du kannst ja sagen, ob ich die richtige Assoziation (Übersetzung) hatte.
Aus dem referenzierten Link zur „apokalyptischen Funktion des Internets“:
„Der Grund dafür ist die grundsätzliche, ja fast ideologische Leugnung metaphysischer Bedingungen eines sozialen Aprioris als Voraussetzung aller Empirie. “ Meinst du eigentlich damit das übertragene Heisenbergsche Prinzip, nachdem das Experiment sich durch den Experimentator beobachtet fühlt und sich somit anders verhält als unbeobachtet? Und bei Menschen dürfte das wohl am ehesten so sein.
Aber – mit Verlaub – deine Analyse ist vielleicht zum richtigen Resultat gekommen, aber sie ist falsch begründet.
„Das Internet schleicht sich disruptiv in die Gewohnheiten ein ohne eigentlich neue Probelmsituationen hervorzubringen, sondern schafft nur verknüfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen durch die erkennbar wird, wie die bekannten Problemsituationen entstehen und gemäß des Programms funktionaler Differenzierung nicht gelöst werden konnten. Das nenne ich eine apokalyptische Funktion.“
Es ist sogar ein Paradoxon. Wenn ich jetzt neue „verknüpfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen“ habe, dann wird doch damit zumindest vermutlich eine neue Problemsituation eingebracht. Oder wird hier sehr stark zwischen den Beobachtungsroutinen und den Objekten der Beobachtung unterschieden? Warum? Diese sind doch auch Objekte der Beobachtung (spätestens seit deinem Blog)
Ich bleibe bei meiner These, dass es ganz basic gedacht – tatsächlich Neues gibt – die Technik (Internet, Computer, Holodecks etc.) – und/oder es die schiere Masse an Verknüpfungen gibt, die dem ganzen eine neue Signifikanz geben. Eine kritische Masse vielleicht für etwas neues.
Ein anderer Punkt ist aber: Inwiefern verändert die Erwartungshaltung an die Zukunft die Zukunftsentwicklung selbst (oder meinst du das implizit?)? Etwa dass Star-Trek-Fans Gadgets entwickeln, die sich verdammt nach Star Trek anhören/anschauen lassen? Touchscreens (Next Generation), Klappkommunikatoren (Klapphandys), Tricorder, Holodeck (auf dem Weg dahin XBox Kinect) etc. Und diese nicht zufällig oder prognostisch bestimmt, sondern durch kulturelle Einschreibung.
Wieso sollte es außer dem kurzzeitigen “disruptiven” (im Beispiel eigentlich eher “konjunktiven”) Moment nicht weiter DISjunkt funktionieren? Wegen “frustriert”? Wäre zu überlegen, aber muss nicht so sein, oder?
Aber die beiden Systeme sind sehr unterschiedlich, da in B Subjekt und Objekt verwechselbar sind, in A eher selten.
LG
Christine
„Wenn ich jetzt neue “verknüpfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen” habe, dann wird doch damit zumindest vermutlich eine neue Problemsituation eingebracht.“
Richtig. Wichtig ist vor allem deine Formulierung „zumindest vermutlich“. Damit ist ganz genau angezeigt, welcher empirischer Problemfall jetzt zur Diskussion steht: nämlich ein möglicher. Das Mögliche ist das Empirische und andersherum. Damit ist aber nicht etwa der Verzicht aus letzte Wahrheit gemeint, weil wir bereits auf diesen Verzicht schon nicht mehr verzichten können. Gemeint ist damit der Verzicht auf:
# Zurechenbarkeit („Was will ‚Christine‘ von mir?“, könnte heißen: mit welchen Tricks, Schummeleien, mit welcher Art von Täuschungen und mit welcher Art von Anmache will „Christine“ meine Aufmerksamkeit stimulieren? Und was wäre ich bereit dafür zu tun? Da alle möglichen Antworten auf diese und weitere Fragen aufgrund dieser Beobachtungssituation die Möglichkeit dieser Fragen gar nicht aus der Welt schafft, kommen wir zur Unzurechenbarkeit all dessen, was man von „Christine“ und über sie wissen kann. (Was prinzipiell auch für mich gilt) –
# Adressierbarkeit. Das ergibt sich schon aus dem Verlust der Zurechenbarkeit, und entfaltet zusätzlich eine weitere kontingente Ebene der Beobachtung, da ja „Kusanowsky“ und „Christine“ von einander wissen können (nicht müssen), dass auch andere Leser diesen Kommentaren folgen, aber nur einer von beiden, nämlich „Kusanowsky“, kann wissen, ob Christine und Kusanowsky identisch sind oder nicht –
# Sachlichkeit – denn welche Sache wäre die zu besprechende?
# Exkludierung – denn ich kann zwar alle weiteren Kommentare von Christine nicht freigeben, löschen usw. Aber daran hindern kann ich sie nicht, woanders weiter zu kommentieren. Insbesondere mit dem Verzicht auf Exkludierung entstehen die Probleme der Internetkommunikation, welche die Strukturen der funktionalen Differenzierung, wenn nicht vollständig sabotiert, so jedenfalls doch dafür sorgt, dass die funktionale Differenzierung nicht mehr ausschließlich garantiert ist. Durch den Verzicht auf Exkludierung von Sachverhalten und Personen entsteht eine exoterische Differenzierungsform der Allinkludierung.
Das |y) steht für die von @kusanowsky so genannte exoterische Allinkludierung. Und x und y beanspruchen wechselseitig das Recht auf Gehörtwerden. Da bleibt nichts mehr disjunkt. Es entsteht ein klebriges Netz.
@neuroketing – 24. Oktober 2012 um 16:40
Dieses ist unverständlich:
„Ich versuche mal aus Sicht der Informationstheorie ein apokalyptisches Moment zu identifizieren.“- welcher Informationstheorie ?
Bitte von welcher „Informationstheorie“ sprichst du?
Eventuell ist es nicht nur unverständlich, sondern falsch, da du ja selber auch dieses feststellst:
„Denn das Shannonsche Sender-Empfänger-Schema lässt sich hier nicht anwenden.“
Das deutet darauf hin, daß du versehentlich und vergeblich versucht hast, die Shanonsche Kommunikationstheorie hier als Informationstheorie unterzubringen, offenbar in der Erkenntnis, daß es hier um ein Informations- und nicht um ein Kommunikationsproblem geht. Das ist ja auch der Grund, warum du mit dem Sender-Empfängermodell der Kommunikationstheorie hier nicht hinkommst
Genau diese Verwendung seiner Theorie als Informationstheorie lehnte Shannon selbst aber stets strikt ab, wenn er nachdrücklich darauf verwies, daß er eine Kommunikationstheorie und keine Informationstheorie entwickelt habe, mit dem deutlichen Verweis, daß beides weder identisch noch austauschbar sei, auch wenn etliche Leute diese Dinge nicht auseinander halten können.
Daher nun meine Frage: Welche Informationstheorie meinst du?
#Zurechenbarkeit wird hier nicht wirklich erklärt. Da wird einerseits eine gewisse Zielhaftigkeit (gerichtete) in der Bezugnahme vorausgesetzt (von Subjekt zu Subjekt), während die Bezugnahme über das Objekt stattfinden könnte. Außerdem wird inhaltlich schon ein Teil der Bezugsfunktionen festgelegt, somit die formale Analyse mit der inhaltlichen verschmolzen.
#Adressierbarkeit: hier wird aber eine akuratere und plausiblere Definition der Zurechenbarkeit – eben in Bezug auf die Adressierbarkeit – impliziert. Adressierbarkeit selbst erklärt sich durch seine eindeutigere Etymologie besser. Einerseits wird sehr richtig bemerkt, dass Adresse nicht gleich Identität (der Subjekte, des Subjekts) sei, andererseits wird die Adressproblematisierung mit der der Identitätsproblematisierung etwas vermengt, diese wird nur in der Funktion der Adressierung selber – durch andere Subjekte – identisch. Sie ist es aber nicht per se, kann also nicht unproblematisiert, nicht einmal axiomatisch.
.
#Sachlichkeit als Funktion hat mehr mit der Beziehungssetzung des Subjekts mit der „Sache“ zu tun, als mit der Sache selbst und auch nicht mit der Frage danach, sondern eher mit dem Subjekt, wie es sich in Beziehung zu dem Objekt („Sache“) setzt.
#Exkludierung ist eine mögliche mächtige Funktion, weil der esoterische Beziehungsrahmen ja durchaus als gesetzt anerkannt wird, wieso also ihn so weit relativieren? Die Bezugsetzung, also die Adressierung vom Subjekt „Christine“ hin zu dem Objekt „Kusanowkys Blog“, ist als Funktion schon selbstidentisierend (da man das Subsystem Kusanowskys Blog durchaus als endemische Funktion sehen kann, mit stärker esoterischer als allinkludierender Wirkung). Damit wäre eine außersubsystemische Funktion (also außerhalb von Kusanowskys Blog) Christine -> „Kusanowskys Theorien“ eine Informationsentität, die sich zwar funktional inkludierend zeigt, aber an die Semantik des Innersubsystems (Kusanowskys Blog) gebunden ist und somit außersubsystemisch nicht mehr funktional betrachtet werden kann.
Die Allinklusion ist ein axiomatisch vom Subsystem Kusanowsky angenommenes Lemma – wenn auch nicht alleine auf das Subsystem definiert, jedoch INNERHALB dieses Systems. Die Axiome sind zwar axiomatisch angenommen, sind aber ewigrekurrent im Subsystem definiert, jede Definition auf eine andere verweisend (wie gesagt, obwohl axiomatisch von der Funktion her)
# Zurechenbarkeit Die Funktionslogik funktionaler Differenzierung war immer darauf angewiesen die Erweiterung von Entscheidungsspielräumen trotz Kontingenzminderung durch Organisationssysteme zulassen. Dabei handelt es sich um die Einschränkung der Einschränkung (= Entscheidungsspielraum), woraus folgt, dass der Entscheidungsbegriff immer weiter differenziert werden musste, damit er sich in einem Medium wiederfinden liess, das dem Gesamtsystem als Formbildungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Dies hatte Niklas Luhmann in der Theorie dadurch fundiert, dass jede Handlung, deren Sinngebung auf eine an sie gerichtete Erwartung reagiert, eine Entscheidung ist (1). Eine Handlung wiederum ist die Zurechnung einer Sinnselektion auf ein System (2). Man kann also immer von der Kommunikation von Entscheidung sprechen, wenn eine Sinnselektion als Reaktion eines Systems auf Umwelterwartungen verstanden wird. Diese Erwartungen erzeugen Zurechenbarkeit, sie liefern die Anlässe für Strukturbildung innerhalb eines Systems.
Was wäre nun, wenn durch Internetkommunikation (und damit durch den Verzicht auf Entscheidung zur Begrenzung anderer Entscheidungen) die Möglichkeit auftaucht, dass alle Erwartungen oder wenigstens fast alle, sehr viele, sehr häufig enttäuscht werden, und wenn trotzdem die Kommunikation nicht zerfällt? Wenn also Unerwartbares durch Erwartungssteigerung auf Unerwartetes zurechenbar wird? Man könnte dann annehmen, dass sich disruptive Strukturen ergeben, die nicht nur als Selektionsspielraum eines Systems zustande kommen, sondern als Selektionsspielraum eines Systems zur Einschränkung der Einschränkung des Selektionsspielraums eines anderen Systems, also Erweiterung. Insofern entsteht eine Situation komplementären Erwartens, die jede Sinnselektion der beteiligten Systeme zur Entscheidung werden läßt und jeden Selektionsspielraum zu einem Entscheidungsspielraum. Ergebnis wäre: eine enorme Ausweitung der Anschlussfindungsmöglichkeiten aufgrund dieser Kontingenzüberflutung, verbunden mit dem Verlust von Zurechenbarkeit.
„#Exkludierung ist eine mögliche mächtige Funktion, weil der esoterische Beziehungsrahmen ja durchaus als gesetzt anerkannt wird“ – eben das ist strittig. Diese Anerkennung kann allenfalls unterstellt und tentativ behandelt werden. Gerade diese unterstellte Anerkennung setzt voraus, das Erwartungsenttäuschungen erwartet werden, was bedeutet, dass ein Beziehungsrahmen nirgendwo verlässlich anerkannt ist. (Denn allein die erwartungslose Thematisierung eines „Beziehungsrahmens“ lässt auf einen Unterschied schließen, der diesen Unterschied deutlich macht.)
„Die Allinklusion ist ein axiomatisch vom Subsystem Kusanowsky angenommenes Lemma – wenn auch nicht alleine auf das Subsystem definiert, jedoch INNERHALB dieses Systems.“ Was mag das heißen? Wo denn nicht?
(1) Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt/M. 1984, S. 400.
(2) ebd. S. 124.
Gut beobachtet. Shannon greift in der Tat zu kurz.
In den 60er Jahren gab es eine entscheidende Weiterentwicklung: Das Konzept der subjektiven Information (Kerridge-Bongard-Entropie). Dieser Ansatz macht die subjektive Störung operationalisierbar.
Leider gab es bis dato hier nur wenig konzeptionellen Austausch zwischen Systemtheorie und Kybernetik.
Chaostheorie. Ein unendlich komplexes Beziehungssgefüge wird vom Subjekt als Beobachter mit seiner eigenen geringen Kapazität aufgrund seiner Kausalitätsfunktionalitätsunterstellung als kontingent gesehen. Die Hinzunahme der Komplementarität ändert weder an der Undendlichkeit des Beziehungsgefüges (wenn die Komplementarität als diejenige gesehen wird, die sich nicht im gesamten Entscheidungsbaum befindet, sondern jeweils jede Zuweisungsfunktion temporal konterkariert …) noch an der systemimmanenten geringen Kapazität des Subjekts etwas. Die Hinzunahme einer zusätzlichen Funktion (nennen wir sie „Erwartungshaltung“) wird hier ebenso chaostheoretisch nur theoretisch erfassbar sein und somit pragmatisch quasi-disjunkt.
Andere funktional bestimmte Subsysteme als die des intersubjektiv etablierten semantischen Systems ( Kusanowsky-Blog-Systems + Christine, also hier sagen wir mal: Subsystem Luhmann) können zwar die genetische Gebundenheit der Funktionen des Subsystems Kusanowsky-Blog identifizieren, sind aber in ihrer genuinen Selbstauffassung rein historisch zu sehen und zum Teil eben genuin dem Subsystem Kusanowsky unterworfen. Die Subsummierung des Subsystems Luhmann wäre für das Subsystem Christines-Wissen möglich, aber diese Hinzunahme führte zu einer Erhöhung der Variablen in der Funktion Kusanowsky-Blog + Christine. Die scheinbare Paradoxie durch die „erwartete“ Erhöhung der Funktionsdeckungen der Semantik der beiden Subsysteme (Kusanowsky ; Christine) wird jedoch durch die Hinzunahme eines dritten Subsystems mitsamt seiner Semantik wahrscheinlich eher komplexer und somit funktions-problematischer (#Zurechnung wird geringer)
@neuroketing – 24. Oktober 2012 um 21:43
„Leider gab es bis dato hier nur wenig konzeptionellen Austausch zwischen Systemtheorie und Kybernetik“ –
Ohne penetrant werden zu wollen: Bitte welche Systemtheorie meinst du, ich kenne fast zwei Hände voll, und welche der Kybernetiken?
Hintergrund:
Eine Systemtheorie, die weder System noch dessen Entstehung und Existenzbedingungen benennen und beachten kann, ist wohl keine solche, da sie nicht auf der Funktion von System, von systemischen Organismus, beruht.
Weiter: Eine Kybernetik, die sich ausschließlich mit systemen beschäftigt und nicht von eben diesen existenziellen Systemverständnissen her kommt, ist ebenso nach ihrem wert zu hinterfragen.
Du erwähnst „Das Konzept der subjektiven Information (Kerridge-Bongard-Entropie).“ und meinst „Dieser Ansatz macht die subjektive Störung operationalisierbar.“
Dann stellst du fest:
„Leider gab es bis dato hier nur wenig konzeptionellen Austausch zwischen Systemtheorie und Kybernetik.“ – nein, es gab keinen (Austausch), da das, was oft unter Systemtheorie gemeint wird, nur von organischer Funktion entleerte Systematik hergibt und Kybernetik nur fachspezifisch und nicht allgemein zur Verfügung steht, beides nur individuell verstanden wird, nicht interdisziplinär anschlußfähig ist. Damit ist der bedauerte fehlende Austausch gar nicht möglich gemacht worden
Der Grund für deren mehrere Übel ist wohl darin zu suchen, daß der „Hauptbaustein“ der Systeme und damit der Kybernetik und aller Theorien dazu, die Information, in diesen beiden Bereichen (und anderen auch) weder anschlußfähig definiert, noch untersucht noch verwendet wird, ja sogar übersehen und übergangen wird aufgrund eigenartiger Verhaftung in den nachgeordneten Kommunikationsfragen. Genau diese Problematik meinte Shannon zu seiner Kommunikationstheorie und verlangte von der Nachwelt eine noch ausstehende subordinierende Informationstheorie.
Auch der Autor dieses Textes machte zur Rolle der Information bereits seine hierzu anschlußfähigen Beobachtungen – alles ist Information, nur was bitte ist das?
Alle hier im Text und in den Kommentaren getroffenen Überlegungen werden sinnlos, wenn sie diese Problematik nicht auflösen und interdisziplinär anschlußlos verbleiben.
Die Kommentatoren kommen nicht umhin, einen gemeinsamen Informationsvorrat zu diesen Fragen anschlußfähig zu benutzen, wenn sie sich helfend hier verwenden möchten. Da hilft auch die erwähnte vorgebliche „Shannon-Weiterentwicklung“, das „Konzept der subjektiven Information (Kerridge-Bongard-Entropie)“ nicht weiter in dieser Sache, wer beschäftigt sich mit selbiger außer Dr. Holzhausen?.
Daher meine Fragen: Welche Sytemtheorie und welche Kybernetik ist gemeint, und was mit Information?
Nur auf gemeinsamer Grundlage zu diesen Begriffen und Inhalten ist Erörterung von Meinungsfreiheitstörung, sowohl deren Störung als auch der von ihr verursachten Störung, ergiebig untersuchbar.
Ein unglaublich interessanter thread! Allgemein gilt ja dass komplexe soziale Systeme Informationen erzeugen, um ihre interne Organisation zu entwickeln und ihre funktionalen Mechanismen zu regeln. Ohne Erzeugung und Verarbeitung von Information wäre die Evolution von sinnhafter Komplexität unmöglich. Es stimmt auch, dass Information immer eine semantische Dimension hat, die in Begriffen wie Bedeutung, Sinn, Referenz und Funktion beschrieben werden kann. Für die Beobachtung der Semantik gilt daher, dass mit ihr eine entscheidende Größe in der Analyse komplexer Systeme eingeführt wird. Komplexe Systeme sind immer auch semantische Systeme. So ist es klar, dass sich dann ganz automatisch Fragen stellen wie: Was sind paradigmatische Beispiele für semantische Systeme? Gibt es universelle Prinzipien der Evolution und Organisation semantischer Systeme? Existiert eine strikte Abgrenzungslinie zwischen semantischen und nicht-semantischen Systemen, oder ist der Übergang zwischen beiden Arten von Systemen stetig? Impliziert das Verständnis der Evolution semantischer Systeme notwendigerweise eine Versachlichung der Semantik? Wie sieht die Beziehung zwischen der Meta-Ebene und der Objekt-Ebene in Theorien der Evolution semantischer Systeme aus?
Das sind sehr wichtige Fragen, denen man an dieser Stelle nachgehen sollte.
Das alles in einem Kommentar zu beantworten, fällt schwer.
Daher nur ein Literaturhinweis: „Neue Wissensordnungen. Wie aus Informationen und Nachrichten kulturelles Wissen ensteht“ von Olaf Breidbach:
Das ist zumindest mal ein Ausführungsbeispiel und enthält auch Forschungsergebnisse von mir (KH). Natürlich ist so ein interdisziplinärer Diskurs weder einfach noch einfach verständlich (siehe Buchkritik). Ein Problem, das dem Inhaber dieses Blogs wohl bekannt sein dürfte…
Selbstreferenzialität nur wenn man innerhalb des Systems bleibt. Schließlich kann man die Meinungsunterdrückung in totalitären Regimen von der Warte eines anderen Regimes behaupten oder beklagen.
Wenn nur die Leser von Titanic die Titanic-Covers gesehen hätten, wäre die Selbstreferenzialität beachtet geblieben aber auch kein Schwein darüber gesprochen, nur die Titanic-Leser unter sich etwa.
Die Kontingenz aller Information war schon immer vorhanden, also das Bewusstsein darüber, zumindest in Prozentsätzen (heute auch nur in Prozentsätzen). Wahrheitstheorien waren schon vor dem Internet problematisiert und diskutiert.
Kommt mit dem Internet wirklich ein neuer Ablauf in Meinung und Information(sflüsse)? Es gab schon länger Salons, Foren, Agoren mit ihren Wissens- und Meinungsclustern und ihren Vernetzungen untereinander. Wir sind inzwischen etwa 40x mehr Menschen als zu der Zeit der Agora, damals waren dazu auch nur wenige qua Geburt (Stand, Geschlecht) dazu zugelassen, aber wegen Doktortitel und somit Wahrheitszertifikaten.
Denke, dass heute hier nur schiere Masse als Faktor eine Rolle spielt. Nicht die veränderte Qualität. Dass die Quantität vielleicht eine kritische Masse erreicht und damit eine neue Qualität einbringt -vielleicht, aber das ist eine andere Geschichte, oder?
„… aber NICHT wegen Doktortitel ….“
„Kommt mit dem Internet wirklich ein neuer Ablauf in Meinung und Information(sflüsse)?“
Das ist eine hübsche Formulierung, der man bei Beobachtung des Internetkommunikation immer wieder begegnen kann: alles wäre ja auch schon vorher so gewesen, das Internet habe daran nichts geändert, dieses oder jenes wäre auch ohne Internet möglich und verstehbar gewesen, ja, es wäre immer schon so gewesen, gleich so als ob es den Weg der Verbreitung dieses Arguments, also Verbreitung via Internet, immer schon gegeben hätte. Das kann man glauben wollen, aber wie könnte man das begreiflich machen, gäbe es kein Internet?
Das nenne ich die „apoklyptische Funktion“ der Internetkommunikation. Sie macht ständig auf etwas aufmerksam, sie enthüllt, entschleidert, entdeckt, offenbart etwas, das niemals verdeckt oder geheim war, wodurch der Weg der Urteilsfindung oder Urteilbildung vollständig verschleiert wird.
Meine Vermutung ist, dass das Internet sehr aufdringlich zeigt, dass die Lösung in der Aufdeckung, Enthüllung derjenigen sozialen Mechanismen der Verhinderung und Vermeidung von andersartiger Empirie liegt. Das Internet schleicht sich disruptiv in die Gewohnheiten ein ohne eigentlich neue Probelmsituationen hervorzubringen, sondern schafft nur verknüfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen durch die erkennbar wird, wie die bekannten Problemsituationen entstehen und gemäß des Programms funktionaler Differenzierung nicht gelöst werden konnten. Das nenne ich eine apokalyptische Funktion. (Link: Die apokalyptische Funktion des Internets)
Ich versuche mal aus Sicht der Informationstheorie ein apokalyptisches Moment zu identifizieren.
Nehmen wir an, wir haben zwei Systeme vor uns: A. PHYSIK und B. SOZIOLOGIE. Beide Systeme sind ausgestattet mit Menschen, Diskurs und kritischer Disziplin. Aus Sicht der Informationstheorie hat jedes System einen eigenen Grad der Komplexität (Entropie). Eine Information kann nur in Bezug zum jeweiligen System bewertet werden.
Nun werden über Nacht die menschlichen Teilnehmer von A und B wechselseitig vernetzt. Eine Katastrope! Denn das Shannonsche Sender-Empfänger-Schema lässt sich hier nicht anwenden. Wechselseitig gibt es nur Beobachtungen, keine Informationen. Ständige Obacht – ohne zu formen. Dies führt zur Erosion der Systeme, da eine Variable x aus A jetzt immer auch in Bezug auf das unbekannte y aus B gesehen wird: x-> (x|y). A kann y aber nicht werten. Der aufgenötigte Bezug zum System B, also |y) kann nur als Disruption verstanden werden. Es bleibt die frustrierte Rückkehr zum Ausgangspunkt x.
Hey 🙂
Also gut, ich muss mir da ein wenig Übersetzungsarbeit leisten, und du kannst ja sagen, ob ich die richtige Assoziation (Übersetzung) hatte.
Aus dem referenzierten Link zur „apokalyptischen Funktion des Internets“:
„Der Grund dafür ist die grundsätzliche, ja fast ideologische Leugnung metaphysischer Bedingungen eines sozialen Aprioris als Voraussetzung aller Empirie. “ Meinst du eigentlich damit das übertragene Heisenbergsche Prinzip, nachdem das Experiment sich durch den Experimentator beobachtet fühlt und sich somit anders verhält als unbeobachtet? Und bei Menschen dürfte das wohl am ehesten so sein.
Aber – mit Verlaub – deine Analyse ist vielleicht zum richtigen Resultat gekommen, aber sie ist falsch begründet.
„Das Internet schleicht sich disruptiv in die Gewohnheiten ein ohne eigentlich neue Probelmsituationen hervorzubringen, sondern schafft nur verknüfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen durch die erkennbar wird, wie die bekannten Problemsituationen entstehen und gemäß des Programms funktionaler Differenzierung nicht gelöst werden konnten. Das nenne ich eine apokalyptische Funktion.“
Es ist sogar ein Paradoxon. Wenn ich jetzt neue „verknüpfbare Elemente der Verkehrung gewohnter sozialer Beobachtungsroutinen“ habe, dann wird doch damit zumindest vermutlich eine neue Problemsituation eingebracht. Oder wird hier sehr stark zwischen den Beobachtungsroutinen und den Objekten der Beobachtung unterschieden? Warum? Diese sind doch auch Objekte der Beobachtung (spätestens seit deinem Blog)
Ich bleibe bei meiner These, dass es ganz basic gedacht – tatsächlich Neues gibt – die Technik (Internet, Computer, Holodecks etc.) – und/oder es die schiere Masse an Verknüpfungen gibt, die dem ganzen eine neue Signifikanz geben. Eine kritische Masse vielleicht für etwas neues.
Ein anderer Punkt ist aber: Inwiefern verändert die Erwartungshaltung an die Zukunft die Zukunftsentwicklung selbst (oder meinst du das implizit?)? Etwa dass Star-Trek-Fans Gadgets entwickeln, die sich verdammt nach Star Trek anhören/anschauen lassen? Touchscreens (Next Generation), Klappkommunikatoren (Klapphandys), Tricorder, Holodeck (auf dem Weg dahin XBox Kinect) etc. Und diese nicht zufällig oder prognostisch bestimmt, sondern durch kulturelle Einschreibung.
LG
Christine
Wieso sollte es außer dem kurzzeitigen “disruptiven” (im Beispiel eigentlich eher “konjunktiven”) Moment nicht weiter DISjunkt funktionieren? Wegen “frustriert”? Wäre zu überlegen, aber muss nicht so sein, oder?
Aber die beiden Systeme sind sehr unterschiedlich, da in B Subjekt und Objekt verwechselbar sind, in A eher selten.
LG
Christine
Richtig. Wichtig ist vor allem deine Formulierung „zumindest vermutlich“. Damit ist ganz genau angezeigt, welcher empirischer Problemfall jetzt zur Diskussion steht: nämlich ein möglicher. Das Mögliche ist das Empirische und andersherum. Damit ist aber nicht etwa der Verzicht aus letzte Wahrheit gemeint, weil wir bereits auf diesen Verzicht schon nicht mehr verzichten können. Gemeint ist damit der Verzicht auf:
# Zurechenbarkeit („Was will ‚Christine‘ von mir?“, könnte heißen: mit welchen Tricks, Schummeleien, mit welcher Art von Täuschungen und mit welcher Art von Anmache will „Christine“ meine Aufmerksamkeit stimulieren? Und was wäre ich bereit dafür zu tun? Da alle möglichen Antworten auf diese und weitere Fragen aufgrund dieser Beobachtungssituation die Möglichkeit dieser Fragen gar nicht aus der Welt schafft, kommen wir zur Unzurechenbarkeit all dessen, was man von „Christine“ und über sie wissen kann. (Was prinzipiell auch für mich gilt) –
# Adressierbarkeit. Das ergibt sich schon aus dem Verlust der Zurechenbarkeit, und entfaltet zusätzlich eine weitere kontingente Ebene der Beobachtung, da ja „Kusanowsky“ und „Christine“ von einander wissen können (nicht müssen), dass auch andere Leser diesen Kommentaren folgen, aber nur einer von beiden, nämlich „Kusanowsky“, kann wissen, ob Christine und Kusanowsky identisch sind oder nicht –
# Sachlichkeit – denn welche Sache wäre die zu besprechende?
# Exkludierung – denn ich kann zwar alle weiteren Kommentare von Christine nicht freigeben, löschen usw. Aber daran hindern kann ich sie nicht, woanders weiter zu kommentieren. Insbesondere mit dem Verzicht auf Exkludierung entstehen die Probleme der Internetkommunikation, welche die Strukturen der funktionalen Differenzierung, wenn nicht vollständig sabotiert, so jedenfalls doch dafür sorgt, dass die funktionale Differenzierung nicht mehr ausschließlich garantiert ist. Durch den Verzicht auf Exkludierung von Sachverhalten und Personen entsteht eine exoterische Differenzierungsform der Allinkludierung.
Das |y) steht für die von @kusanowsky so genannte exoterische Allinkludierung. Und x und y beanspruchen wechselseitig das Recht auf Gehörtwerden. Da bleibt nichts mehr disjunkt. Es entsteht ein klebriges Netz.
@neuroketing – 24. Oktober 2012 um 16:40
Dieses ist unverständlich:
„Ich versuche mal aus Sicht der Informationstheorie ein apokalyptisches Moment zu identifizieren.“- welcher Informationstheorie ?
Bitte von welcher „Informationstheorie“ sprichst du?
Eventuell ist es nicht nur unverständlich, sondern falsch, da du ja selber auch dieses feststellst:
„Denn das Shannonsche Sender-Empfänger-Schema lässt sich hier nicht anwenden.“
Das deutet darauf hin, daß du versehentlich und vergeblich versucht hast, die Shanonsche Kommunikationstheorie hier als Informationstheorie unterzubringen, offenbar in der Erkenntnis, daß es hier um ein Informations- und nicht um ein Kommunikationsproblem geht. Das ist ja auch der Grund, warum du mit dem Sender-Empfängermodell der Kommunikationstheorie hier nicht hinkommst
Genau diese Verwendung seiner Theorie als Informationstheorie lehnte Shannon selbst aber stets strikt ab, wenn er nachdrücklich darauf verwies, daß er eine Kommunikationstheorie und keine Informationstheorie entwickelt habe, mit dem deutlichen Verweis, daß beides weder identisch noch austauschbar sei, auch wenn etliche Leute diese Dinge nicht auseinander halten können.
Daher nun meine Frage: Welche Informationstheorie meinst du?
#Zurechenbarkeit wird hier nicht wirklich erklärt. Da wird einerseits eine gewisse Zielhaftigkeit (gerichtete) in der Bezugnahme vorausgesetzt (von Subjekt zu Subjekt), während die Bezugnahme über das Objekt stattfinden könnte. Außerdem wird inhaltlich schon ein Teil der Bezugsfunktionen festgelegt, somit die formale Analyse mit der inhaltlichen verschmolzen.
#Adressierbarkeit: hier wird aber eine akuratere und plausiblere Definition der Zurechenbarkeit – eben in Bezug auf die Adressierbarkeit – impliziert. Adressierbarkeit selbst erklärt sich durch seine eindeutigere Etymologie besser. Einerseits wird sehr richtig bemerkt, dass Adresse nicht gleich Identität (der Subjekte, des Subjekts) sei, andererseits wird die Adressproblematisierung mit der der Identitätsproblematisierung etwas vermengt, diese wird nur in der Funktion der Adressierung selber – durch andere Subjekte – identisch. Sie ist es aber nicht per se, kann also nicht unproblematisiert, nicht einmal axiomatisch.
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#Sachlichkeit als Funktion hat mehr mit der Beziehungssetzung des Subjekts mit der „Sache“ zu tun, als mit der Sache selbst und auch nicht mit der Frage danach, sondern eher mit dem Subjekt, wie es sich in Beziehung zu dem Objekt („Sache“) setzt.
#Exkludierung ist eine mögliche mächtige Funktion, weil der esoterische Beziehungsrahmen ja durchaus als gesetzt anerkannt wird, wieso also ihn so weit relativieren? Die Bezugsetzung, also die Adressierung vom Subjekt „Christine“ hin zu dem Objekt „Kusanowkys Blog“, ist als Funktion schon selbstidentisierend (da man das Subsystem Kusanowskys Blog durchaus als endemische Funktion sehen kann, mit stärker esoterischer als allinkludierender Wirkung). Damit wäre eine außersubsystemische Funktion (also außerhalb von Kusanowskys Blog) Christine -> „Kusanowskys Theorien“ eine Informationsentität, die sich zwar funktional inkludierend zeigt, aber an die Semantik des Innersubsystems (Kusanowskys Blog) gebunden ist und somit außersubsystemisch nicht mehr funktional betrachtet werden kann.
Die Allinklusion ist ein axiomatisch vom Subsystem Kusanowsky angenommenes Lemma – wenn auch nicht alleine auf das Subsystem definiert, jedoch INNERHALB dieses Systems. Die Axiome sind zwar axiomatisch angenommen, sind aber ewigrekurrent im Subsystem definiert, jede Definition auf eine andere verweisend (wie gesagt, obwohl axiomatisch von der Funktion her)
# Zurechenbarkeit Die Funktionslogik funktionaler Differenzierung war immer darauf angewiesen die Erweiterung von Entscheidungsspielräumen trotz Kontingenzminderung durch Organisationssysteme zulassen. Dabei handelt es sich um die Einschränkung der Einschränkung (= Entscheidungsspielraum), woraus folgt, dass der Entscheidungsbegriff immer weiter differenziert werden musste, damit er sich in einem Medium wiederfinden liess, das dem Gesamtsystem als Formbildungsmöglichkeit zur Verfügung steht. Dies hatte Niklas Luhmann in der Theorie dadurch fundiert, dass jede Handlung, deren Sinngebung auf eine an sie gerichtete Erwartung reagiert, eine Entscheidung ist (1). Eine Handlung wiederum ist die Zurechnung einer Sinnselektion auf ein System (2). Man kann also immer von der Kommunikation von Entscheidung sprechen, wenn eine Sinnselektion als Reaktion eines Systems auf Umwelterwartungen verstanden wird. Diese Erwartungen erzeugen Zurechenbarkeit, sie liefern die Anlässe für Strukturbildung innerhalb eines Systems.
Was wäre nun, wenn durch Internetkommunikation (und damit durch den Verzicht auf Entscheidung zur Begrenzung anderer Entscheidungen) die Möglichkeit auftaucht, dass alle Erwartungen oder wenigstens fast alle, sehr viele, sehr häufig enttäuscht werden, und wenn trotzdem die Kommunikation nicht zerfällt? Wenn also Unerwartbares durch Erwartungssteigerung auf Unerwartetes zurechenbar wird? Man könnte dann annehmen, dass sich disruptive Strukturen ergeben, die nicht nur als Selektionsspielraum eines Systems zustande kommen, sondern als Selektionsspielraum eines Systems zur Einschränkung der Einschränkung des Selektionsspielraums eines anderen Systems, also Erweiterung. Insofern entsteht eine Situation komplementären Erwartens, die jede Sinnselektion der beteiligten Systeme zur Entscheidung werden läßt und jeden Selektionsspielraum zu einem Entscheidungsspielraum. Ergebnis wäre: eine enorme Ausweitung der Anschlussfindungsmöglichkeiten aufgrund dieser Kontingenzüberflutung, verbunden mit dem Verlust von Zurechenbarkeit.
„#Exkludierung ist eine mögliche mächtige Funktion, weil der esoterische Beziehungsrahmen ja durchaus als gesetzt anerkannt wird“ – eben das ist strittig. Diese Anerkennung kann allenfalls unterstellt und tentativ behandelt werden. Gerade diese unterstellte Anerkennung setzt voraus, das Erwartungsenttäuschungen erwartet werden, was bedeutet, dass ein Beziehungsrahmen nirgendwo verlässlich anerkannt ist. (Denn allein die erwartungslose Thematisierung eines „Beziehungsrahmens“ lässt auf einen Unterschied schließen, der diesen Unterschied deutlich macht.)
„Die Allinklusion ist ein axiomatisch vom Subsystem Kusanowsky angenommenes Lemma – wenn auch nicht alleine auf das Subsystem definiert, jedoch INNERHALB dieses Systems.“ Was mag das heißen? Wo denn nicht?
(1) Luhmann, Niklas: Soziale Systeme, Frankfurt/M. 1984, S. 400.
(2) ebd. S. 124.
Gut beobachtet. Shannon greift in der Tat zu kurz.
In den 60er Jahren gab es eine entscheidende Weiterentwicklung: Das Konzept der subjektiven Information (Kerridge-Bongard-Entropie). Dieser Ansatz macht die subjektive Störung operationalisierbar.
Leider gab es bis dato hier nur wenig konzeptionellen Austausch zwischen Systemtheorie und Kybernetik.
Chaostheorie. Ein unendlich komplexes Beziehungssgefüge wird vom Subjekt als Beobachter mit seiner eigenen geringen Kapazität aufgrund seiner Kausalitätsfunktionalitätsunterstellung als kontingent gesehen. Die Hinzunahme der Komplementarität ändert weder an der Undendlichkeit des Beziehungsgefüges (wenn die Komplementarität als diejenige gesehen wird, die sich nicht im gesamten Entscheidungsbaum befindet, sondern jeweils jede Zuweisungsfunktion temporal konterkariert …) noch an der systemimmanenten geringen Kapazität des Subjekts etwas. Die Hinzunahme einer zusätzlichen Funktion (nennen wir sie „Erwartungshaltung“) wird hier ebenso chaostheoretisch nur theoretisch erfassbar sein und somit pragmatisch quasi-disjunkt.
Andere funktional bestimmte Subsysteme als die des intersubjektiv etablierten semantischen Systems ( Kusanowsky-Blog-Systems + Christine, also hier sagen wir mal: Subsystem Luhmann) können zwar die genetische Gebundenheit der Funktionen des Subsystems Kusanowsky-Blog identifizieren, sind aber in ihrer genuinen Selbstauffassung rein historisch zu sehen und zum Teil eben genuin dem Subsystem Kusanowsky unterworfen. Die Subsummierung des Subsystems Luhmann wäre für das Subsystem Christines-Wissen möglich, aber diese Hinzunahme führte zu einer Erhöhung der Variablen in der Funktion Kusanowsky-Blog + Christine. Die scheinbare Paradoxie durch die „erwartete“ Erhöhung der Funktionsdeckungen der Semantik der beiden Subsysteme (Kusanowsky ; Christine) wird jedoch durch die Hinzunahme eines dritten Subsystems mitsamt seiner Semantik wahrscheinlich eher komplexer und somit funktions-problematischer (#Zurechnung wird geringer)
@neuroketing – 24. Oktober 2012 um 21:43
„Leider gab es bis dato hier nur wenig konzeptionellen Austausch zwischen Systemtheorie und Kybernetik“ –
Ohne penetrant werden zu wollen: Bitte welche Systemtheorie meinst du, ich kenne fast zwei Hände voll, und welche der Kybernetiken?
Hintergrund:
Eine Systemtheorie, die weder System noch dessen Entstehung und Existenzbedingungen benennen und beachten kann, ist wohl keine solche, da sie nicht auf der Funktion von System, von systemischen Organismus, beruht.
Weiter: Eine Kybernetik, die sich ausschließlich mit systemen beschäftigt und nicht von eben diesen existenziellen Systemverständnissen her kommt, ist ebenso nach ihrem wert zu hinterfragen.
Du erwähnst „Das Konzept der subjektiven Information (Kerridge-Bongard-Entropie).“ und meinst „Dieser Ansatz macht die subjektive Störung operationalisierbar.“
Dann stellst du fest:
„Leider gab es bis dato hier nur wenig konzeptionellen Austausch zwischen Systemtheorie und Kybernetik.“ – nein, es gab keinen (Austausch), da das, was oft unter Systemtheorie gemeint wird, nur von organischer Funktion entleerte Systematik hergibt und Kybernetik nur fachspezifisch und nicht allgemein zur Verfügung steht, beides nur individuell verstanden wird, nicht interdisziplinär anschlußfähig ist. Damit ist der bedauerte fehlende Austausch gar nicht möglich gemacht worden
Der Grund für deren mehrere Übel ist wohl darin zu suchen, daß der „Hauptbaustein“ der Systeme und damit der Kybernetik und aller Theorien dazu, die Information, in diesen beiden Bereichen (und anderen auch) weder anschlußfähig definiert, noch untersucht noch verwendet wird, ja sogar übersehen und übergangen wird aufgrund eigenartiger Verhaftung in den nachgeordneten Kommunikationsfragen. Genau diese Problematik meinte Shannon zu seiner Kommunikationstheorie und verlangte von der Nachwelt eine noch ausstehende subordinierende Informationstheorie.
Auch der Autor dieses Textes machte zur Rolle der Information bereits seine hierzu anschlußfähigen Beobachtungen – alles ist Information, nur was bitte ist das?
Alle hier im Text und in den Kommentaren getroffenen Überlegungen werden sinnlos, wenn sie diese Problematik nicht auflösen und interdisziplinär anschlußlos verbleiben.
Die Kommentatoren kommen nicht umhin, einen gemeinsamen Informationsvorrat zu diesen Fragen anschlußfähig zu benutzen, wenn sie sich helfend hier verwenden möchten. Da hilft auch die erwähnte vorgebliche „Shannon-Weiterentwicklung“, das „Konzept der subjektiven Information (Kerridge-Bongard-Entropie)“ nicht weiter in dieser Sache, wer beschäftigt sich mit selbiger außer Dr. Holzhausen?.
Daher meine Fragen: Welche Sytemtheorie und welche Kybernetik ist gemeint, und was mit Information?
Nur auf gemeinsamer Grundlage zu diesen Begriffen und Inhalten ist Erörterung von Meinungsfreiheitstörung, sowohl deren Störung als auch der von ihr verursachten Störung, ergiebig untersuchbar.
@kusanowsky @Jon Madacasco
Ein unglaublich interessanter thread! Allgemein gilt ja dass komplexe soziale Systeme Informationen erzeugen, um ihre interne Organisation zu entwickeln und ihre funktionalen Mechanismen zu regeln. Ohne Erzeugung und Verarbeitung von Information wäre die Evolution von sinnhafter Komplexität unmöglich. Es stimmt auch, dass Information immer eine semantische Dimension hat, die in Begriffen wie Bedeutung, Sinn, Referenz und Funktion beschrieben werden kann. Für die Beobachtung der Semantik gilt daher, dass mit ihr eine entscheidende Größe in der Analyse komplexer Systeme eingeführt wird. Komplexe Systeme sind immer auch semantische Systeme. So ist es klar, dass sich dann ganz automatisch Fragen stellen wie: Was sind paradigmatische Beispiele für semantische Systeme? Gibt es universelle Prinzipien der Evolution und Organisation semantischer Systeme? Existiert eine strikte Abgrenzungslinie zwischen semantischen und nicht-semantischen Systemen, oder ist der Übergang zwischen beiden Arten von Systemen stetig? Impliziert das Verständnis der Evolution semantischer Systeme notwendigerweise eine Versachlichung der Semantik? Wie sieht die Beziehung zwischen der Meta-Ebene und der Objekt-Ebene in Theorien der Evolution semantischer Systeme aus?
Das sind sehr wichtige Fragen, denen man an dieser Stelle nachgehen sollte.
Das alles in einem Kommentar zu beantworten, fällt schwer.
Daher nur ein Literaturhinweis: „Neue Wissensordnungen. Wie aus Informationen und Nachrichten kulturelles Wissen ensteht“ von Olaf Breidbach:
http://www.perlentaucher.de/buch/olaf-breidbach/neue-wissensordnungen.html
Das ist zumindest mal ein Ausführungsbeispiel und enthält auch Forschungsergebnisse von mir (KH). Natürlich ist so ein interdisziplinärer Diskurs weder einfach noch einfach verständlich (siehe Buchkritik). Ein Problem, das dem Inhaber dieses Blogs wohl bekannt sein dürfte…