Die göttliche Grobheit, Arthur Schopenhauer über Internettrollerei

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Zeigt etwan in einer Diskussion, oder sonst im Gespräch ein Anderer richtigere Sachkenntniß, strengere Wahrheitsliebe, gesünderes Urtheil, mehr Verstand, als wir, oder überhaupt, läßt er geistige Vorzüge blicken, die uns in den Schatten stellen; so können wir alle dergleichen Überlegenheiten und unsere eigene durch sie aufgedeckter Dürftigkeit sogleich aufheben und nun umgekehrt selbst überlegen seyn, indem wir beleidigend und grob werden. Denn eine Grobheit besiegt jedes Argument und eklipcirt allen Geist: wenn daher nicht etwan der Gegner sich darauf einläßt und sie mit einer größeren erwidert, wodurch wir in den edelen Wettkampf der Avantage gerathen; so bleiben wir Sieger und die Ehre auf unserer Seite: Wahrheit, Kenntniß, Verstand, Geist, Witz müssen einpacken und sind aus dem Felde geschlagen von der göttlichen Grobheit.

Arthur Schopenhauer, in: : Aphorismen zur Lebensweisheit, Kapitel IV: Von dem, was Einer vorstellt; erschienen 1851, zitiert aus Reclams Universal-Bibliothek, Stuttgart 1953

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