Internettrollerei im Alten Testament
von Kusanowsky
Das Prophetenschicksal
Du hast mich betört, o Herr, und ich ließ mich betören; du hast mich gepackt und überwältigt. Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, ein jeder verhöhnt mich. Ja, sooft ich rede, muss ich schreien, «Gewalt und Unterdrückung!», muss ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so war es mir, als brenne in meinem Herzen ein Feuer, eingeschlossen in meinem Innern. Ich quälte mich es auszuhalten und konnte nicht; hörte ich doch das Flüstern der Vielen: Grauen ringsum! Zeigt ihn an! Wir wollen ihn anzeigen. Meine nächsten Bekannten warten alle darauf, dass ich stürze: Vielleicht lässt er sich betören, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.
Jeremias Volk scheint sich einem wahren Blutrausch hinzugeben. Es vergießt das „Blut Unschuldiger“, bringt die eigenen Kinder als „Brandopfer“ dar und zieht dadurch den Zorn Gottes auf sich. Jeremia prangert im Namen Gottes dieses blutrünstige Tun seiner Mitmenschen an. Dafür wird er von ihnen verspottet und verfolgt. Was hat Ihrer Meinung nach sein Klagen über diese Verfolgung mit Internettrollerei zu tun? Können Sie das etwas genauer erläutern?
Gegenfrage: Was hat dein Kommentar mit dem Artikel zu tun?
Und was hat das ganze mit Soziologie und Systemtheorie zu tun?
Etwas weiter blätternd wird man fündig:
(Jeremia 23,28) „Ein Prophet der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen?“
Systemkonflikt zwischen Stroh und Weizen bedeutet hier Trollistik des Strohs. Jeremia ist hier Prohpet eines neuen Systems mit kantianischer Wertematrix (Der Scheck wird aber erst im NT eingelöst). Unvermeidlich ein Bruch mit der Kontingenz; wer im alten System verbleibt kommuniziert – subjektiv -. nicht als Troll. Die Ent-Wertung des Aussagen eines Trolls ist nur aus dem Jenseits der Kontingenz zu sehen.
So ähnlich vielleicht…
Ich würde nur gern wissen, worin die durch die Überschrift suggerierten Parallelen zwischen den Worten Jeremias und dem Phänomen der Internettrollerei bestehen.
„Die Ent-Wertung des Aussagen eines Trolls ist nur aus dem Jenseits der Kontingenz zu sehen.“
Dann wäre aber nicht Jeremia der Troll, sondern die falschen Propheten, oder?
Dieses Begehren ist berechtigt. Ist aber meine Gegenfrage unberechtigt?
Hm. Definitionsfrage. Wenn man Trolleritis im Kern als selbstreferentielle Rechthaberei sieht, dann handelt es sich doch um eine symmetrische Beziehung. Beide Parteien sind füreinander Troll. Also – zurück zum Internet – aus der Sicht des klassischen Trolls, der – wie ich 😉 – durch besserwisserische Kommentare auffällt – ist der Blogger der Troll. Bei den Soziologen ist Dialektik zwar out – aber ich würde das mal so sehen.
Okay: Ich lese die zitierte Bibelstelle so, wie ich das beschrieben habe. Und diese Deutung kann ich nicht (ohne fremde Hilfe) mit dem in Zusammenhang bringen, was ich unter einem Internettroll verstehe: einem mutwilligen Störer von Kommunikation. Entweder Sie halten nun Jeremia tatsächlich für einen solchen, dann könnten Sie kurz darlegen, warum. Oder ein Internettroll ist für Sie eine Art hellsichtiger Prediger, der den Menschen, die das nicht hören wollen, ihre Verfehlungen vorhält. Also helfen Sie mir auf die Sprünge!
„Oder ein Internettroll ist für Sie eine Art hellsichtiger Prediger, der den Menschen, die das nicht hören wollen, ihre Verfehlungen vorhält“ – so in der Art wäre mein Verständnis gut getroffen, aber das ist selbstverständlich differenzierungsbedürftig. Trolle sind paranoische Epiphänomene der Internetkommunikation, die auf eine Diabolik hinweisen, welche davon ausgeht, dass in sozialer Hinsicht die eigene Unschuldsvermutung nicht mehr durchhaltbar ist. Für eine Diabolik kommt es nicht darauf an, dass sich irgendwelche Menschen darüber im Klaren sind, ob sie an ihrer Unschuldsvermutung hängen oder nicht, sondern nur, dass sie der dämonischen Erscheinung solcher paranoischer Phantome ausgesetzt sind und nicht selbst paranoisch, sondern kritisch beobachten, was davon halten zu wäre. Und weil die paranoische Beobachtungsfähigkeit ungenutzt bleibt, zeigen die Trolle auf, wenn auch auf ungewollte Weise, hellsichtige Weise, wie man mit dieser Dämonie klar kommen kann.
Aber das sind nur Andeutungen. Bei Interesse empfehle ich zur Vorbereitung auf weitere Artikel zu diesem Thema: https://differentia.wordpress.com/?s=Paranoik
[…] zu: Internettrollerei im Alten Testament Zeigt etwan in einer Diskussion, oder sonst im Gespräch ein Anderer richtigere Sachkenntniß, […]