Die Naivität „virtueller Realität“
von Kusanowsky
Meistens wird der Begriff der „virtuellen Realität“ im Unterschied zu physischer Realität benutzt.
Prüft man eine solche Unterscheidung genauer, stellt man fest, dass es sich dabei nur um eine Verlegenheitsunterscheidung handeln kann, da wir zur Wahrnehmung einer virtuellen Realität keine anderen Sinnesorgane benutzen. Wahrnehmung vermag nur auf Reize zu reagieren, die durch Licht (Augen), Schall (Ohren), Moleküle (Nase, Zunge) und Schwerkraft (Gleichgewicht) bereit gestellt werden und von dem Gehirn nach eigenem Ermessen, nach jeweils systemeigner Operationsweise ausgewertet werden. Deshalb kann Wahrnehmung nicht zwischen einer virtuellen und einer physischen Realität unterscheiden. Das Gehirn verhält sich gegen diese Unterscheidung indifferent. Durch Wahrnehmung kann niemals geklärt werden, was mit dieser Unterscheidung bezeichnet werden sollte. Da aber alle wahrnehmbaren Unterschiede bereits auf entwickelte Sinnstrukturen treffen, scheint einem Beobachter immer schon klar zu sein, wie sich eine physische Realität von einer virtuellen unterscheiden läßt. Damit stellt sich die Frage, was das Compositum „virtuelle Realität“ bedeuten könnte, eigentlich nicht mit großer Dringlichkeit, da eine solche verkürzte Betrachtungsweise den Umgang damit gar nicht gar nicht blockiert.
Man spricht über virtuelle Realität im Unterschied zu physischer Realität und kann sich (noch) relativ gut darauf verlassen, dass diese naive Unterscheidung auch von anderen nach Maßgabe der selben Naivität verwendet wird. Und solange diese Unterscheidungsroutine auf keinen aufmerksamkeitsgenerierenden Widerstand stößt, wird diese Navität als immer schon vorausgesetzte Möglichkeit der Realitätsbeobachung genommen, einfach deshalb, weil jeder, der etwas davon verschiedenes beobachtbar machen will, sich entweder dieser Naivität unterwerfen muss, um anschlussfähig zu sein; oder, wenn dies nicht geschieht, für die weitere Selektion ausscheidet. Die Routine vollzieht damit nicht nur die Stabilität der Anschlussfähigkeit, sondern auch das damit verbundene Beobachtungsdefizit, den blinden Fleck.
Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn man höchst irritationsbeladene Begriffsbildungen beobachtet, deren Plausibilität allein durch naive Wiederholung („retweet“) resultiert: so findet man die „digitale Welt“ unterschieden von einer „Kohlenstoffwelt“; man findet „Holzmedien“ unterschieden von „elektronischen Medien“; und schließlich verlängern sich dieses Naivitäten in den Bereich dessen hinein, was unter „social media“ kommuniziert wird. Dieser Anglizismus hat übrigens den gleichen naiven Differenzierungsgrund. Wird ein Anglizismus verwendet, wird damit zugleich ein Unterschied zu etwas anderem markiert, das als genauso wenig differenziert erscheint. Die Wahl eines Anglizismus differenziert darum nur die Naivität mit einer weiteren Naivität.
Nun ist dieses Naivität entgegen landläufiger Vorstellungen weder rechtfertigungs- und kritikbedürftig. Vielmehr müsste sie erklärt werden. Wollte man dies versuchen, so wird man nicht daran vorbei kommen, selbst naiv zu beginnen. Denn jeder Anfang ist nur deshalb schwer, weil man es immer mit einem Verhältnis von Komplexität zu Simplexität zu tun bekommt: Alle Komplexität verlangt Reduktion, aber nicht jede Reduktion kann ihrer Simplexität entkommen.
Für die Attraktivität der Unterscheidung von virtueller und physischer Realität dürfte darum gelten, dass sie durch eine hochkomplexe Bewältigung von Anschlussfindungsstrukturen möglich wird, die nahevollständig maschinen- bzw. rechnergestützt differenziert werden.
So erscheint die Internetkommunikation als hochgradig von Simplexität durchdrungen: einem einzelnen Menschen fällt es sehr leicht, die eigene Beteiligung an der Kommunikation festzustellen, wohingegen die Unwahrscheinlichkeit der Kommunkation durch ein Verfahren entzogen wird, das alle Aufmerksamkeit und damit auch alle Differenzierungsfähigkeit auf die Funktionalität richtet, welche im Ergebnis die immer gleichen Elemente zur Realitätsvergewisserung anliefert. Denn eine Verstehensweise von Simplexität besagt: Routinen, die sehr einfach durchzuführen sind, aber zugleich eine komplexe Funktionlität entwickeln, verweisen auf Simplexität, der man durch ihre Faszinationsfähgkeit nicht so leicht entkommen kann; durchaus vergleichbar mit der Faszination für die Vorstellung eines Zauberkünstlers. Es wäre ganz leicht zu verstehen, wie die Tricks funktionieren, wenn es einem gezeigt werden würde. Aber die Fasznation für das, was man wahrnimmt, überwältigt den Zuschauer gleichsam, auch dann, wenn er weiß, dass es nur Tricksereien sind: weil sie eben gut macht sind.
Die Unterscheidung von virtueller und pysischer Realität entspricht darum der Begeisterung für die Technik, die durch ihr zuverlässiges Funktionieren die Unwahrscheinlichkeit ihrer Entstehung gegen ihre Simplexität eintauscht.
In geeigneter virtueller Realität (MMORPG) sind Zeit und Raum verdichtet, z. B. entspricht eine Stunde im RL einem Tag im VL (z. B. Sonnenzyklus) und in mancher Welt gibt es andere Himmelsgestirne (2 oder 3 Monde in unterschiedlichen Entfernungen). Wenn man als Rollenspieler seine(n) Geliebte(n) in der VR also voll textet, dann muss man dies mit viel Kreativität tun. So Geschichten wie ‚der Mond ist aufgegangen …‘ passen dann einfach nicht mehr *gg*
Elena Esposito: Fiktion und Virtualität I. Die Weisen des kontingent Möglichen
Das Verhältnis von Realität und Fiktion fließt in den Begriff des Virtuellen ein, dessen Interpretation komplizierter ist, als es angesichts der Pseudo-Vertrautheit mit diesem Modewort erscheint. Der Begriff des Virtuellen hat einen äußerst interessanten modalen Status – und zwar infolge seines Zusammenhanges mit einem anderen heute im epistemologischen Bereich (vor allem in konstruktivistischen Kreisen) viel diskutierten Begriff: dem Begriff von »Kontingenz«. Die Theorie der Modalitäten, die sich mit dem Möglichen, dem Notwendigen und korrelierten Begriffen befasst, hat zum Kontingenten sehr wenig zu sagen – außer, dass
das Kontingente den Bereich der logischen Formalisierung überschreitet. Gegeben einige Prämissen, kann die Formalisierung uns zwar sagen, was möglich und was nicht möglich ist und überdies, welche dieser Möglichkeiten notwendig wahr sind. Doch dadurch gibt sie uns keine Antwort auf die Frage, wie die Welt beschaffen ist. Wenn man vom Möglichen das Notwendige »abzieht«, bleibt immer noch ein sehr viel umfassenderer Bereich übrig als das, was unsere reale Welt tatsächlich ausmacht; es bleibt also der Bereich des Kontingenten, der weitere Unterscheidungen einschließt, insbesondere diejenige zwischen den aktualisierten und den nicht -aktualisierten Möglichkeiten. Genau diese letzteren bilden das Feld des Virtuellen. Es handelt sich in einem gewissen Sinne um einen modalen Begriff »zweiter Ordnung«, der
verschiedene Weisen des kontingent Möglichen unterscheidet….
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Das Wahrnehmen ist die Ereignisverkettung als ein operativer Verlauf, der das Bewusstsein als ein psychisches System konstatiert. Das Bewusstsein, als das umfassendere emergente Ereignis oder Geschehen in einem ausreichend komplexen Gehirn, umfasst zwei vollkommen verschiedene Wahrnehmungsweisen, die aber vom Gehirn selber offensichtlich vollkommen gleichwertig – wenn auch wohl im Bewusstsein selber nicht gleichrangig – behandelt werden: (1) alle vom sogenannten „Aussen“ über die fünf Sinne ankommenden analogen Signale werden von der Synapsenverkettung und Verschaltung digital verarbeitet und – gestützt auf Empirie als Trial and Error – zu einem konsistenten und kohärenten Weltbild als eine als aussenliegend empfundene Wirklichkeit (Realität) hochgerechnet. Mit einiger Übung findet sich das traditioneller Weise Subjekt genannte Individuum in dieser Wirklichkeit räumlich und zeitlich zurecht.
(2) Das im hochkomplexen Gehirn emergierende Bewusstsein verkettet aber nicht nur die von aussen über die Sinne hereinkommenden Wahrnehmungen, sondern es nimmt auch im Gehirn selbst erzeugte Vorstellungen wahr und verkettet sie offensichtlich auf die gleiche Weise wie die von aussen kommenden. Diese Vorstellungen, die man nun tatsächlich virtuell nennen könnte, sie werden aber bei der Gedankenarbeit vom Gehirn genau so ernst genommen und infolge dessen auch nicht anders behandelt bei der hochrechnenden Zusammensetzung zu in sich geschlossenen und ebenfalls – wenn auch vielleicht auch oft auf eine andere, eine phantasiegetragene Art und Weise – konsistenten Gedankenbildern mit Weltcharakter.
Ich glaube, auf die zweite Weise entstehen im gedachten und gefühlten Innenraum des Bewusstseins die uns allen so ab dem dritten Lebensjahr so vertrauten und wie selbstverständlich erscheinenden Anschauungsfiguren wie das ICH und das SELBST. Und ich glaube (und fürchte), auf genau diese Weise ist für das psychische System die Gewissheit entstanden, die man traditioneller Weise die Seele nennt. Das Seltsame ist aber nun, dass ein Bewusstsein, welches genau unterscheiden kann zwischen Realität (aussen) und Virtualität (innen) und das daher auch genau weiss, ES hat einen Körper, der geboren wurde und der sterblich ist, dass dieses Bewusstsein, nachdem es in den den vergangenen einhunderttausend Jahren sprechen und seit dreitausend Jahren auch noch philosophieren gelernt hat, dass dieses Bewusstsein – das noch nie eine Seele gesehen hat – in den meisten Fällen so absolut davon überzeugt ist, diese jetzt substantivierte Seele habe neben der res extensa des Körpers eine eigene Substanz als res cogitans, zeichne sich als Geist aus, sei mindestens gottähnlich und infolge dessen auch unsterblich, also den eingestandenen vergänglichen Schicksal des Körpers entzogen und nicht unterworfen.
Das Sprechen und die Sprache mit ihren schwer abweisbaren Eigenheiten der Substantivierung haben diese uns allen so vertraute Unterscheidung zwischen Realität und Virtualität nicht nur entstehen lassen sondern in uns und semantisch so sehr gefestigt, dass diese nur als Vorstellung im Gehirn entstandene Seele es geschafft hat, ein unsterbliches und gottähnliches ETWAS zu werden und sich bei allen Völkern und in allen Sprachreichen zu behaupten und festzusetzen. Daraus entstanden ist dann das ganze – auch religiös real gewordene – Feld an Begriffen wie Gott, Geist, absolut und unendlich. Und das alles vollkommen virtuell im realen Gehirn realer Menschen, für die nichts so gewiss sein sollte wie die Tatsachen ihrer Geburt und ihres gewissen Todes.
Mensch, Bewusstsein, Gottesglaube, Unsterblichkeit der Seele und Unendlichkeit des Seins, das sind schon virtuelle Wunder in einer realen Welt.
„Wenn man vom Möglichen das Notwendige »abzieht«, bleibt immer noch ein sehr viel umfassenderer Bereich übrig als das, was unsere reale Welt tatsächlich ausmacht;“
Eben dieserhalb existiert für unser Sensorium mathematisch gesehen die „tatsächliche reale Welt“ gar nicht. Sie existiert nur als Initial der Kontigenz. Da es so ist, wie es ist, könnte es auch anders sein.
„[..] da wir zur Wahrnehmung einer virtuellen Realität keine anderen Sinnesorgane benutzen.“ Ich behaupte: Genau darum geht’s. „Licht (Augen), Schall (Ohren), Moleküle (Nase, Zunge) und Schwerkraft (Gleichgewicht)“. Da ließe sich, virtuelle Realität zu Ende gedacht, differenzieren. Ein erster Schritt wäre z.B. die Kontigenz im Kontext von Synästhesie zu erforschen.
Synästhesie ist zunächst mal nur der kommunikativ vermittelte Komplex der besonderen Eigenwilligkeit des neuronalen Systems, das selbst darüber entscheidet, wie es auf Umweltereignisse reagiert. Insofern diese Zuordnung [- Licht (Augen), Schall (Ohren), Moleküle (Nase, Zunge) und Schwerkraft (Gleichgewicht) – ] nur eine soziale Beobachtungswahrscheinlichkeit, die durch den Ausnhamefall nicht an Bedeutung verliert. Wahrscheinlich reagiert das Gehirn auf Schall mit der Erzeugung von Tönen und nicht mit Farben. Aber wenn es durch Schall Farben erzeugt, dann haben zunächst nur Psychiater und Neurologen damit ein Problem, nicht das Gehirn, das so verfährt.
Insofern verstehe ich noch nicht, warum Synästhesie Kontingenz kontextieren könnte, wenn man mal davon absieht, dass die Erfahrung dieser besonderen Eigenwilligkeit für die Wissenschaft zunächst eine schwer verdauliche Kontingenzerfahrung war.
Die besten Ergebnisse der Hirnforschung erwarte ich mich von der Hypothese, dass die Einbildungsfähgkeit des Gehirns nicht nur den weitaus größten Teil seiner Operativität ausmacht, sondern vielmehr, dass ohne diese referenzlose Eigenwilligkeit kaum eine kohärente Wahrnehmungsweise möglich wäre. Die Präzision der Wahrnehmung, welche übrigens enorm schnell trainiert werden kann, kann ich mir nicht ohne eine gesteigerte Einbildungskraft vorstellen.
Als Student hatte ich mal ein Praktikum in einem Museum gemacht. In dieser Zeit hatte ich dort altes Handwerkszeug inventarisiert, musste zu diesem Zweck detaillierte Objektbeschreibungen vornehmen. Dazu war es wichtig, sich das Werkzeug genau anzugucken, vor allen Dingen auch Gebrauchs- und Abnutzungsspuren zu betrachten. Über die Effekte meiner Wahrnehmungsdifferenzierung innerhalb weniger Tage bei konzentrierter stundenlanger und geduldiger Befassung mit diesen Objekten war ich höchst erstaunt. Auf einmal konnte ich Unterschiede erkennen, die ich vorher niemals für möglich gehalten hätte. Leute, die die Wirkung von Kokain kennen, haben mir später, nachdem ich ihnen davon berichtet hatte, erzählt, dass so etwas durch Kokain sehr viel schneller funktioniert. Daraus schlussfolgerte ich, dass meine Wahrnehmungsdifferenzierung womöglich durch hirneigenes Dope nach und nach besser wurde.
„Prüft man eine solche Unterscheidung genauer, stellt man fest, dass es sich dabei nur um eine Verlegenheitsunterscheidung handeln kann“
Welche zweite Seite der Unterscheidung „Verlegenheitsunterscheidung/x“ wäre denkbar? Absolutnotwendigunterscheidung?
Im Ernst: Ist nicht Verlegenheit, Befangenheit, Unsicherheit, Dilemma, Irritation der Ursprung aller Unterscheidungen, ohne dass es, um dies herauszufinden einer „genauen Prüfung“ bedürfte?
„Im Ernst: Ist nicht Verlegenheit, Befangenheit, Unsicherheit, Dilemma, Irritation der Ursprung aller Unterscheidungen?“
http://neonleuchte.blogspot.de/2012/06/unscharferelationen-lob-der.html
„in deren Verlauf ein Autor sich selbst als Sonde für unklare Zustände im sozialen Raum benutzt.“
Derlei Kontrolle und Beherrschung, die dazu befähigen, sich selbst als Instrument zu benutzen, ist eng an die klassische Definition von Autorschaft geknüpft. Steht ein Selbst dem Selbst zur Nutzung und Ausbeutung nicht mehr ohne weiteres zur Verfügung, werden Verlegen- und Hilflosigkeit wachsen, erscheinen Schlotterdeich´sche Direktiven gleichermassen wohlfeil und inoperabel. Bei einer Paranoik ginge es eher um eine Verlegenheit, die es nicht mehr nötig hätte, sich mit Selbstermächtigungsfantasien Mut zu machen.
[…] Bei G+ ist gab es einen interessanten Kommentarwechsel zu dem Artikel Die Naivität “virtueller Realität“. […]
Virtuelle Realitäten sind demnach naiv „magische“ Relationsmöglichkeiten. „Insofern verstehe ich noch nicht, warum Synästhesie Kontingenz kontextieren könnte,[..]“. http://imgur.com/gallery/ckDNQ
(vgl. #trollforschung)
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btw (hab‘ gerade systemtheoretisches Tourette erfunden *freu*): „Emergenz ist doch nur die beobachtbare Autopoeisis einer reduktionellen Abbildung der dynamischen Veränderlichen in Form einer vorhandenen metastabilen Andersartigkeit!“
Das ist gut. war das schon alles?
„Der Beginn ist der wichtigste Teil der Arbeit.“
Platon
Das gilt auch für die Gedankenarbeit. Wer nicht weiß, wo er mit dem Denken anfangen muss, wird die Welt, in der wir (noch) existieren, bis zum Jüngsten Tag nicht mehr verstehen:
http://opium-des-volkes.blogspot.de/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html
Genau. Schade nur, dass sich nicht jeder darauf freuen kann. Aber es kommt auch nicht auf jeden an.
[…] Funktionieren die Unwahrscheinlichkeit ihrer Entstehung gegen ihre Simplexität eintauscht.» Die Naivität virtueller Realität Hier erscheinen von Montag bis Freitag ausgewählte Links zu lesenswerten Texten und aktuellen […]
@benzol
„“Wenn man vom Möglichen das Notwendige »abzieht«, bleibt immer noch ein sehr viel umfassenderer Bereich übrig als das, was unsere reale Welt tatsächlich ausmacht;”
Wer sagt denn, daß „das Notwendige“ im „Möglichen“ enthalten ist, und falls nicht, wie sollte man es dann „abziehen“, wovon? Daß diese Überlegung dann auch noch zu einer Schlußfolgerung auf „unsere reale Welt“ taugen soll, die besagt, daß diese („reale Welt“) nun auch noch kleiner sein soll, als der dabei, wohl gemeint vom „Möglichen“, übrigbleibende sehr viel umfassendere Bereich“?
„Da ließe sich, virtuelle Realität zu Ende gedacht, differenzieren. Ein erster Schritt wäre z.B. die Kontigenz im Kontext von Synästhesie zu erforschen.“ (benzol)
Dieterbohrer, das hast du excellent beschrieben:
„Ich glaube, auf die zweite Weise entstehen im gedachten und gefühlten Innenraum des Bewusstseins die uns allen so ab dem dritten Lebensjahr so vertrauten und wie selbstverständlich erscheinenden Anschauungsfiguren wie das Ich und das Selbst. Und ich glaube (und fürchte), auf genau diese Weise ist für das psychische System die Gewissheit entstanden, die man traditioneller Weise die Seele nennt.“
Auch das trifft es:
„Das Seltsame ist aber nun, dass ein Bewusstsein, welches genau unterscheiden kann zwischen Realität (aussen) und Virtualität (innen) und das daher auch genau weiss, ES hat einen Körper, der geboren wurde und der sterblich ist, dass dieses Bewusstsein, nachdem es …, dass dieses Bewusstsein – das noch nie eine Seele gesehen hat – in den meisten Fällen so absolut davon überzeugt ist, diese jetzt substantivierte Seele habe neben der res extensa des Körpers eine eigene Substanz als res cogitans, zeichne sich als Geist aus, sei mindestens gottähnlich und infolge dessen auch unsterblich, also den eingestandenen vergänglichen Schicksal des Körpers entzogen und nicht unterworfen.“
Weiter oben sagtest du bereits, das Bewußtsein sei ein System.
Dann wäre „Seele“ bestenfalls Emergenz dieses Systems, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Seele als – systemabhängige – Emergenz des Bewußtseins, und dieses wiederum bereits eine Emergenz des Stoffwechsels, alles in hoher Komplexität …
So könnte man das betrachten, mit und ohne gebotener / erlaubter Naivität, so würde aus Realität auch virtuelle Realität, die sich an der Realität „zu schaffen machen kann“, so – oder so ähnlich
Man finde mit oder ohne Naivität eine bessere Heranführung an die virtuelle Realität „Seele“ als diese hier – ?