Paranoik und Kritik 1: „Was ist da draußen los?“

von Kusanowsky

Diese Gesprächssituation in der Talkshow bei Günther Jauch ist sehr aufschlussreich, wenn man sieht, wie sich hier eine neue Kommunikationstechnik durch Internetkommunikation entwickelt. Die Talkshow ist eigentlich das trivale Programm einer Beobachtungssituation, in der kritische Subjekte auf andere kritische Subjekte treffen um ihre Meinungen zu äußern und sich in einer imaginierten Öffentlichkeit ob der Unhaltbarkeit der Meinungen irritieren.

Jetzt aber zeigt sich, dass eine Art „Multitasking“, also eine disziplinierte Gewohnheit der konzentrierten Mehrfachaufmerksamkeit, in dieses Programm der kritischen Auseinandersetzung Eingang findet. Der letzt Satz von Johannes Ponader ist besonders aufschlussreich. Gefragt, warum er während der Sendung twittert, antwortet er: Ich will wissen, was da draußen los ist.

Man kann sehr deutlich sehen, wie diese Interesse auf Kritik stößt und man merkt, dass keiner der Beteiligten dagegen etwas unternehmen kann. Die Fragen von Jauch scheinen jedenfalls kritisch motiviert zu sein. Ob man denn die Aufmerksamkeit auf diese Weise noch teilen könne? Und besonders interssant, dass man noch behaupten kann, es passiere „da draußen“ etwas, über das man „hier drinnen“ noch informiert sein könnte.

Und dieser Blogartikel bei Dirk von Gehlen zeigt, worauf es hinaus laufen könnte, wenn alle Beteiligten anfangen, sich einer solchen paranoischen Situation auszusetzen. Indem sie sich gegenseitig Fallen stellen und schauen, ob und wie noch rechtzeitig darauf reagiert wird. Die kritischen Subjekte fangen an, sich gegenseitig auszutricksen, weil alles Mögliche jederzeit überall anschlussfähig sein könnte. Die Frage ist dann nicht, was an dem, was geäußert wird, blödsinnig ist. Es geht um die Handhabung der Kommunikationstechnik.

Das zeigt an, dass die Vorbehalte gegen ein paranoisches Beobachtungsverhalten langsam aufgegeben werden.

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