Die Trollblockade als Vermeidungsproblem einer Sozialesoterik der Soziologie
von Kusanowsky
An die Mitglieder des Soziologie-Forums.com,
In diesem Soziologie-Forum wird wie bei anderen Gelegenheiten zuvor, erneut die Exkludierung eines Trolls versucht, gemäß der allseits bekannten Vermeidungsparole: Don’t feed the trolls! Die zugrunde liegende Annahme lautet, dass, setzt man die Kommunikation mit einem Troll nicht fort, der Troll jede Anschlussmöglichkeit verlieren würde, was zur Beendigung der Störkommunikation führen werde. Die Weisheit lautet: wenn nur die vernünftigen Teilnehmer zusammenhalten und den Troll ignorieren, so wird er sich allein gelassen fühlen und aufgeben.
Es dürfte inzwischen nicht mehr allzu schwer sein, die Naivität einer solchen Annahme nachzuweisen: Vernunft ist nirgends eindeutig zu finden. Und außerdem ist entscheidend: kein Teilnehmer kann die Kommunikation fortsetzen, wenn nicht andere sie schon fortgesetzt haben, denn nur so kann sie weiter gehen: Kommunikation ist Fortsetzung von Kommunikation. Und erst, wenn das geschieht, ereignet sich auch die Beobachtbarkeit von Adressen, die für die Kommunikation als Zurechnungsinstanzen von allerlei Attributierungen fungieren können, z.B. auch als Instanz der Störung, des Blödsinns und als Quelle der Schwätzerei.
Die Annahme, es könne helfen, weitere Adressierungen zu unterlassen, um einen durch die Kommunikation ermittelten Troll zu entmutigen, resultiert aus der Erfahrung mit Exkludierungsregeln, wie sie bislang in Organisationssystemen, z.B. in Schulen, erobt wurden. Wenn auf dem Schulhof Rangeleien stattfinden, stoßen dort Körper aufeinander, die jeweils eigenwillig versuchen, der Störkommunikation auf indiviuelle Weise zu begegnen. Eine bekannte Möglichkeit ist die Fortsetzung durch Zurückschlagen; die andere ist, die Flucht zu ergreifen, allein oder auch gemeinsam in der Gruppe. Welche Möglichkeit auch immer geeignet sein mag, die Störung zu zerstören, so bleibt unter diesen Bedinungen immer notwendig die Wahrnehmung eigenwilliger, körpergebundener Umweltkomplexität erhalten, was schon allein deshalb, da auch physikalisch-biologische Umweltdeterminanten zu berücksichtigen sind, irgendwann dazu führt, dass die Stökommunikation von selbst zerfällt oder nur durch einen enormen Organisationsaufwand weiterführt werden kann.
Organisationen haben daher einen hoch komplexen Sanktionskodex entwickelt, der dazu führt, dass ein großer Teil aller Inkludierungschancen zerstört werden. Und da dies im allgemeinen für alle Organisationen gilt, heißt das, dass irgendwann die Exkludierungswahrscheinlichkeit größer ist als das Gegenteil. Ein möglicher Ausweg ist die Ausdifferenzierung weiterer Organisationen. Und wenn auch dieses Wachstum an eine Grenze kommt, hilft nur noch, den daraus resultierenden Problemüberhang zu verwalten oder allgemein die Durchhaltefähigkeit zu testen.
Der unwahrscheinliche Ausweg ist, dass sich neue Inklusionswege eröffnen, die, sollten sie dennoch anfallen, nicht so leicht beschritten werden können, weil das Erfahrungsdispositiv von Organisationen, gemeint ist das aller Operativität zugrunde liegende Regelschema des Sanktionsvollzugs, seine Stabilität autopoietisch reproduziert, weshalb Organisationen kaum dazu übergehen können, das eigene Erfahrungdispositiv intern einer Selbstsanktionierung zu unterziehen. Eben dies kann man an der Interkommunikation bemerken: es wird versucht, das Erfahrungsdispositiv unter gänzlich verschiedenen Bedingungen durchzuhalten, indem durch Vermeidungshandeln auf Exkludierung gehofft wird: „Don’t feed the troll“ – was heißen könnte: gehe ihnen aus dem Wege. Aber die Interkommunikation hat weder Wege noch Orte, hat keine eindeutigen Adressen und damit keine belastbaren Zurechnungsinstanzen; sie hat bislang kein einigermaßen gut erprobtes Regelwerk an Sanktionen ausgebildet, was auch daher kommt, dass ein Attraktor zur symbolischen Generalisierung von Anschlussmöglichkeiten vornehmlich noch in den Vermeidungssstrukturen von Organisationssystemen gesucht wird.
Das hat für eine Soziologie zur Folge, dass sie Internetkommunikation nicht erforschen kann, weil diese Kommunikation nur verstehen könnte, wenn sie über einigermaßen stabile Vermeidungsmedien strukturierbar wäre. Und wenn dennoch etwas erforscht wird, so ist alles, was in Sachen Interkommunikaiton erforscht werden kann, nur eine eigene Organisationskomplexität dieser Art von Soziologie.
Das führt auf die Einsicht, dass das Wissen der Soziologie, solange sie sich auf ihre Vermeidungsstrukturen verlässlich beziehen kann, eine Art Sozialesoterik darstellt, die nur für einen eingeweihten Kreis von nichtexkludierten Teilnehmern partizipativ relevant ist. Die Soziologie kann die Gesellschaft nur verstehen, wenn auch diese Art von Gesellschaft diese Art von Soziologie versteht; ihr also ein eigenes Erfahrungsdispositiv überlässt, nach welchem sie Exkludierung vornimmt und rechtfertigt. Wenn nun aber Soziologen anfangen, sich auf eine Komplexität einzulassen, die sie nach Maßgabe ihres eigenen Erfahrungshorizontes nicht verstehen können, so muss sie sich entweder die Soziologie ändern, oder, da das nicht geht, sich auf Rückzug begeben. Sie muss die Grenzen ihres Wissens akzeptieren und sich mit dem beschäftigen und nur das erforschen, was sie schon kennt, nämlich: sich selbst, was konsequenterweise auch heißt: die Internettrolle sich selbst zu überlassen.
Die Trollkommmunikation ist für diese Art von Soziologie nicht verständlich, nicht zugänglich und operativ nicht zu kontrollieren. Daraus ergibt sich die Alternative: entweder – feed the troll, aber dann ändere deine Soziologie – oder: behalte deine Soziologie, dann gilt: feed yourself.
„Das führt auf die Einsicht, dass das Wissen der Soziologie, solange sie sich auf ihre Vermeidungsstrukturen verlässlich beziehen kann, eine Art Sozialesoterik darstellt, die nur für einen eingeweihten Kreis von nichtexkludierten Teilnehmern partizipativ relevant ist.“
Was hier als sozialesoterische Preziose angeboten wird, ist mit Präzision nicht zu verwechseln.
Der Wahnsinnige wird aus der Gemeinschaft der Vernünftigen ausgeschlossen, da sein Wahnsinn ansteckend ist und jeden infizieren kann. Er redet nicht nur Unsinn, sondern verkauft diesen auch noch als Sinn. Damit bedroht er die für die Stabilität der Gemeinschaft wichtige strukturelle Unterscheidung zwischen Sinn und Unsinn. Er ist gleichsam der Mörder der Differenz. Vom gefährlichen Keim gereinigt, kann die Gemeinschaft sich wieder in ihrer Vernunft sonnen und das Selbstgespräch fortsetzen, das der Störer unterbrochen hat. „Wir verstehen uns“ heißt: „Wir halten zusammen“. Linguisten sagen, eine Sprache sei nichts anderes als ein Dialekt mit einer Armee. Die einheitliche Sprachgemeinschaft ist eine Verteidigungsgemeinschaft. Das trifft wohl auch auf die modernen „communities“ des Internetzeitalters zu. Dass die Menschen über den Erdball verstreut leben und verschiedene Sprachen sprechen, ist in der Geschichte des Turmbaus zu Babel die Strafe für die Hybris des Menschen, sich Gott gleich machen und alles verstehen zu wollen. Vielleicht sollte man der Herausforderung durch kommunikative Störer statt mit aggressiver Ausstoßung oder kalter Ignoranz – was auf das Gleiche hinausläuft – mit Demut begegnen und sie zum Anlass nehmen, hin und wieder die eigene Hybris zu hinterfragen.
An dieser Stelle passt eine kürzlich geführte Diskussion:
Interessanter Beitrag! Aber es gibt da einiges, was mir nicht einleuchtet:
1) „Vernunft ist nirgends eindeutig zu finden“ – Warum sollte es bei der Trollsanktionierung auf „Rationalität“ ankommen? Ist das nicht einfach eine Verletzung von bestimmten Erwartungen bzw. Normen (z.B. Vordrängeln in Schlangen, u.ä.), die geahndet wird?
2) Es wird bei der Sanktionierung stark auf „Organisation“ abgestellt, aber Beispiele wie Schulhofrangeleien würde ich als „Interaktionssysteme“ charakterisieren. Und mit Blick auf Gewalteinsatz läge es nahe, ein parasitäres „Konfliktsystem“ zu analysieren, bei dem auf physische Gewalt rekurriert wird. Eine Trollanalyse müßte vielleicht davon unterschieden werden.
3) Zudem ist mir die Unterscheidung zwischen „Troll(en)“ und „Nicht-Troll(en)“ nicht klar. Läßt sich denn eindeutig zwischen „trolliger“ und „nicht-trolliger“ Kommunikation differenzieren, bspw. mit Blick auf „Strukturen“ wie Themen, Erwartungen, Normen?
4) Bei der Troll-Sanktion werden m.E. Nah- auf Fern-Interaktionserfahrungen projiziert (Schweigen, Ignorieren, u.ä.). Das ist daher nicht unbedingt eine Frage der „Organisation“ und ihrer machtbasierten Sanktionsmöglichkeiten.
5) “ weil das Erfahrungsdispositiv von Organisationen, gemeint ist das aller Operativität zugrunde liegende Regelschema des Sanktionsvollzugs, seine Stabilität autopoietisch reproduziert, weshalb Organisationen kaum dazu übergehen können, das eigene Erfahrungdispositiv intern einer Selbstsanktionierung zu unterziehen“. Das „Erfahrungsdispositiv“ kann m.E. präziser und besser analysiert werden mit Blick auf organisatorische „Macht und Entscheidungskommunikation“. „Erfahrungsdispositiv“ klingt esoterisch (wenn auch nach Foucault).
6) „sie hat bislang kein einigermaßen gut erprobtes Regelwerk an Sanktionen ausgebildet“
Es wird aber „massiv“ mit „technischen Exkludierungsmöglichkeiten“ experimentiert (trainierbaren Spam-Filtern in der Email-Kommunikation, Kommentarkontrollen in Blogs, u.ä,.). Und Schweigen / Ignorieren funktionieren „schon immer“ auch in der „nicht-trolligen“ Fern-Interaktion, weil z.B. gewisse Anschlüsse (zugunsten anderer Anschlüsse) nicht erfolgen. Also: x, y, z wird thematisiert aber nicht a, b, c – und das ist dann auch auf Troll-Kommunikation anwendbar.
7) „Die Trollkommmunikation ist für diese Art von Soziologie nicht verständlich, nicht zugänglich und operativ nicht zu kontrollieren.“ – Soziologie kann „gar keine“ Kommunikation in der Gesellschaft „kontrollieren“: Wie sollte das auch gehen?
Und wieso sollte Soziologie unfähig sein, sog. „Trollkommunikation“ zu analysieren?
Ist der Einwand letztlich nicht, daß eine Soziologie selbst „trollen“ muß, um Trollkommunikation verstehen zu können? Hm, dann müßte also Wissenschaft wohl auch selbst Esoterik sein, um Esoterik „wirklich wirklich“ analysieren zu können 🙂
Deine ganze Analyse wirkt m.E. selbst etwas „idiosynkratisch“ – zumal es gar nicht ausgemacht ist, ob Troll- und Nichttrollkommunikation klar voneinander zu unterscheiden sind. Es handelt sich wohl eher um kommunikative post-festum-Zuschreibungen, die zur „Rationalisierung“ von bestimmten Sanktionen bei Strukturverletzungen (thematischer Dissemination, Erwartungsenttäuschung, etc.) dienen – so zumindest meine These.
Allerdings kommt es hierbei auf das soziale System und die Kommunikationssituation an: Was in einer wissenschaftlichen (Nah- oder Fern-)Diskussion als „trollig“ attribuiert werden mag, kann bspw. in einer geselligen Gesprächsrunde einfach nur „erheiternd“, „stimulierend“, etc sein. Aber selbst ein genialer Wissenschaftsbeitrag mag in einer wiss. Diskussion als „trollig“ (oder: „Unsinn“, etc.) abgewertet werden, weil bspw. gewisse Theorie-, Methoden-, etc. Positionen nicht geteilt werden.
Ich stimme zu: das Trollphänomen ist ein interessantes Thema. Ich bin mir aber nicht sicher, ob es klar zu fassen ist.
8) Hier noch eine andere Überlegung:
Ist trollige Sinndissemination nicht ein Hauptantrieb für kommunikative Strukturbildungen (Schemata, Themen, Erwartungen, Normen) – und das ganz ohne das Errechnen von Troll-Adressen? Also: Steht „Trollen“ nicht für die Explosion von assoziativen Sinn-Möglichkeiten, die die permanente katalytische Voraussetzung darstellt für kommunikative Strukturbildungen?
Trollen wäre in diesem Sinne ein normaler Strukturbildungskatalysator, der in „jeder“ Kommunikation schon immer am Werke ist. Kurzum: Ist Trollen nicht einfach ein Synonym für (kommunikative) „Irritationen“, die freilich mit Blick auf bestimmte Strukturen „negativ“ bewertet werden?
~PB
Eine Vielzahl deiner Einwände ist gewiss berechtigt. Aber Einwände sind immer zulässig, wenn Kommunikation zugelassen wird, allein aufgrund der Notwendigkeit von Selektion, was heißt: man muss ganz viel weg lassen, damit überhaupt etwas kommuniziert werden. Insofern sind deine Einwände schon insofern berechtigt, da sie freigeschaltet werden. Alles was kommunikativ als brauchbar erscheint ist auch für Einwände genauso wie für Einwandbehandlung brauchbar. Ganz allgemein: Kommunikation ist eigentlich nur ein Einwand gegen ihre eigene Einwandbehandlungen. Kommunikation ist nur ein beständig fortgesetzter Versuch die Kommentarabschaltungsfunktion zu aktivieren.
„dann müßte also Wissenschaft wohl auch selbst Esoterik sein“ – ja, das ist moderne Wissenschaft auch, wobei Esoterik eben hier im weitestens Sinne der Definition verstanden wird: Wissenschaft ist eine öffentliche, nicht geheime Veranstaltung, die nur eingeweihten, also bestimmten, extra dafür ausgebildeten Teilnehmern zugänglich ist, was sich schon in der wisenschaftlicher Methode niederschlägt. Sie ist ein iteratives Verfahren der Ausschließung von Möglichkeiten des Verstehens. Und da Logik und Rationalität nur sehr wenige Ausschließungsmöglichkeiten einschließen, muss alle Wissenschaft noch andere Exkludierungsstratgien entwickeln. Eine für den Fall von Soziologie ist das „Soziologiendeutsch“, also die Entwicklung von kontingenten Sprachmustern, die ein Sprachspiele zulässig machen, die den Test auf akademisches Bluffen und überaschender Innovation vollzieht.
Für die Erforschung der Internetkommunikation dürfte eben auch gelten, dass sie nur erforscht, ihre Möglichkeiten nur erprobt werden kann, wenn auch die Wissenschaft sie fortsetzt. Das gilt auch für die Trollkommunikation des Internets. Und in dem Augenblick zeigt sich, dass, wenn Soziologen dies versuchen, sie entweder eine Kompetenzüberschreitung begehen, weil die Internetkommunikaiton nicht einfach das Erfahrungsdispositiv der Wissenschaft übernehmen kann, auf welches Wissenschaftler angewiesen sind, damit sie ihre Sprachspiele betreiben können. Oder sie müssten die Praxis ihrer Theoriebildung ändern. Das aber können sie nicht. Jedenfalls nicht so einfach. Denn die Internetkommunikation ist exoterisch geprägt, indem niemand und nichts ausschließbar ist, weil man es im Fall der Internetkommunikation mit Selbstorganisation ohne System, mit rhizomatischer Kommmunikation zu tun hat.
Rhizomatische Kommunikation zeichnet sich durch kontingente Diskursereignisse, die geregelte Kommunikationserwartungen sabotieren, aus. Es handelt sich um nomadisierende und intervenierende Zeichenketten und -verknüpfungen, welche die Referenzialität der Dokumentform irritieren und diese in ein Medium auflösen. Dabei entstehen ungesättigte Kontexte, die es auch sonst immer gibt, hier aber deutlicher bemerkt und selber thematisch werden; beständig entgleitende Referenzen und Signifikate, die durch die anwesende Abwesenheit aller Beteiligten merklich verstärkt wird. Das Ergebnis ist dann kein “sinnloses Rauschen”, sondern eine strukturierte Unordnung, ein in sich selbst intervenierendes Gefüge, eine Selbstorganisation ohne System – ein Rhizom.
Muss man bei einen User namens ‚Trolli‘ untertstellen, dass er an und für sich trollt?
Ja, die Rhizom-Argumentation (gerade mit Blick auf Derridas Aufsatz) leuchtet mir ein. Aber
das Troll-Phänomen würde demnach generell etwas mit „negativ bewerteter Irritation“ zu tun haben, ohne daß Kommunikation auf solche Irritationen überhaupt verzichten kann. In short:
„wenn Irritation, dann auch Trollen“. Es muß also „immer schon“ getrollt werden, um überhaupt irgendwie kommunizieren zu können.
Die Abwertung von bestimmten Irritationsweisen als „Trollphänomenen“ folgt dabei altbekannten Exkludierungsmustern (Psychopathologisierung inkl.), für die Kommunikationsadressen notwendig sind. Was mir freilich „neu“ bei der Internet-Kommunikation zu sein scheint, ist: die „computerbasierte Intervention“ [s.u.].
Und dieser Punkt läßt sich vielleicht generalisieren:
* Sollte Trollen nicht „medienspezifisch“ untersucht werden (analog zu medienrelativen Täuschungsvarianten)? -> orale, non-verbale, skripturale, printbasierte, elektronische und computerbasierte Troll-Varianten?
– Parallel dazu könnte Trollen untersucht werden mit Blick auf diverse Sozialsysteme (Interaktionen, Organisationen, Funktionssysteme, Familien, Gesellschaft) und „Protest“ (wann wären bspw. Flashmobs ein mögliches protestatäres Troll-Äquivalent?)
– Und wie könnte Trollen bei „symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien“ ausschauen?
* Welche Besonderheiten kommen durch die computerbasierte Intervention bzw. das Digitalitätsmedium ins Spiel? D.h.: Was passiert, wenn Computersoftware selbst „trollfähig“ wird, z.B. als Viren, Trojaner, etc., aber auch als „normale“ Programme, die unerwartete Funktionsweisen aufweisen? Und wie sieht es dann mit den Kommunikationsadressen aus?
Der Punkt mit der „wissenschaftlichen Exkludierung“ ist mir übrigens nicht ganz klar:
„Wissenschaftlicher Methode niederschlägt. Sie ist ein iteratives Verfahren der Ausschließung von Möglichkeiten des Verstehens“
Genau. Das läßt sich mit Blick auf die Verschärfung des Wahrheitsmediums und der zugehörigen Programme in der Neuzeit sehr gut rekonstruieren.
Aber lustigerweise konkurrieren die Programme (Methoden, Theorien, Paradigmen) ja untereinander selbst miteinander. Selbst die „wissenschaftsinterne“ Entscheidung für dieses oder jenes Programm ähnelt dann einer basalen Werte-Entscheidung, die weder vorweggenommen noch verordnet werden kann.
Mit anderen Worten: Der Wahrheitscode selbst ist hilflos bei solchen Programmkonflikten, die dann bspw. durch eine Diskriminierungsrhetorik (wiss. Ausgrenzungen, Stigmatisierungen inklusive) „bearbeitet“ werden. Das heißt: Die Trolle belagern nicht nur die Wissenschaft von außen (wie Du mit Blick auf Internet-Kommunikation meinst), sondern sie sitzen als „wissenschaftliche Programm-Trolle“ immer schon in der Wissenschaft selbst.
Und selbst wenn sich wissenschaftlich für ein Programm entschieden wird, sind hier Troll-
Möglichkeiten en masse gegeben, z.B. durch eine Art wissenschaftlich-literarischen
„Hybridstil“, wie ihn die Geistes- und Medienwissenschaften mitunter gerne pflegen.
Ich will damit sagen, daß selbst Wissenschaft ihre Trolle nicht loswerden kann, weil sie immer schon wissenschaftsimmanent mitlaufen – durch divergente Schreibstile, unlösbare Programmkonflikte, innerprogrammatische Minderheitsmeinungen.
Meiner Ansicht nach ist „Trollen“ immer schon Bestandteil „jeder“ Kommunikation (sie läuft mit bei basalen Unterscheidungen wie: „Sinn – Nichtsinn“, „metaphorisch/figurativer und wortwörtlichem Formengebrauch, „Ironie – Nicht-Ironie“, etc.). Und das bedeutet:
Trollen ist eine (negativ bewertete) Variante des differentiellen Spielens und Intervenierens in przp. offenen (= non-saturierten) Kontexten.
Neu ist vielleicht nur, daß programmierbare Maschinen seit einiger Zeit „selbst mitspielen“ können, indem sie in den sozialen Kommunikationen intervenieren (-> den Formengebrauch beeinflußen, weit über malware hinaus).
Alles in allem: ein interessantes Projekt für eine „Troll-Kommunikations- und Medien-Analyse“, die nicht zwangsläufig soziologisch oder gar wissenschaftlich ablaufen muß. Schon alle möglichen essayistischen Analyseformen – wie hier im Blog praktiziert – können ja erkenntnisfördernd sein. Ob daß dann Wissenschaft zur Kenntnis nimmt oder nicht, scheint mir demgegenüber eine zweitrangige Frage zu sein.
~PB
Peter Bormann schrieb: „Deine ganze Analyse wirkt m.E. selbst etwas “idiosynkratisch”“
Das hängt damit zusammen, dass es die ressentimentbehaftete Analyse eines Exkludierten ist, der nun seinerseits mit denen abrechnet, die ihn ausgeschlossen haben. Ein kleiner Triumpf liegt dabei darin, Kommentare wie diesen als bösartige Störungen einfach abstossen, d.h. nicht freischalten zu können.
Dieser Betrachtung könnte ich mich jederzeit anschließen, insbesondere, wenn ich dabei berücksichtige, dass die moderne Gesellschaft eine bestimmte Formenbildung betreiben musste, um das Problem gleichsam zu zivilisieren; also eine zivilisatorische Disziplin einzurichten, die das Exkludierungsverfahren legitimiert. Diese Formenbildung schlägt sich vor allem in Rationalität nieder, woraus sich Ansprüche an Kontrollierbarkeit und Beherrschbarkeit ergaben, welche dann normativ gewendet als ein Aushandlungsprozess der Sanktionsbewehrung – prominent bei Habermas: Theorie des kommunikativen Handelns – erscheint und welcher kooevolutiv strukturell sedimentiert, wodurch sich gleichsam der Prozess der symbolischen Generalisierung abschließt. Daher diese festen Erwartungen innerhalb der Internetkommunikation darüber, was man von anderen halten kann oder darf, ohne jemals irgendeinem Menschen begegnet zu sein. Allerdings – und das wäre mein Einwand gegen deine Zurückrechnung des Problems auf seine immer schon entwickelte Beobachtbarkeit – wird dadurch eine Änderung an den Strukturen deutlich. Die funktionale Differenzierung hatte den Unterschied von esoterischer und exoterischer Konklusion dahin gehend behandelt, dass esoterische Strukturen funktional Öffentlichkeit herstellen, sei es eine massenmediale Öffentlichkeit, sei es eine Fachöffentlichkeit, eine Öffentlichkeit innerhalb eines Milieus, einer Szene oder sonst wo. Die Öffentlichkeit entstand als Reflexionsmedium der Konklusion von jeweils funktionsspezfischen Exklusionsoperationen. So war die esoterische Struktur von darin eingeschlossenen Diskursen durch die Exkludierung alles anderen (und aller anderen) erst möglich, inkl. aller daraus resultierenden Problemen der Exklusionsvermeidung. Die Internetkommunikation kann nunmehr darauf aufmerksam machen, indem sie dieses Verhältnis umkehrt. Sie differenziert exoterische Strukturen, indem nichts und niemand ausgeschlossen ist, aber zerstört auf der anderen Seite jede Art von Öffentlichkeit. Und dann kann eben das entstehen, was hier mit dem Verlegenheitsausdruck „Trollkommunikation“ bezeichnet wird: was kann jetzt noch konkludiert werden, wenn – und das ist wichtig! – Anschlussfähgkeit hergestellt wäre? Aktuelles Beispiel ist dieser Kommentar diese Trolls:
Was soll das? Wer ist das? Was kann man daraus schließen? Und da niemand irgendetwas genaues weiß, müsste wenigstens die Annahme gelten, dass ich diesen Kommentar selbst geschrieben habe. Aber auch dann wäre die Frage: warum? Nur um etws zu beweisein, dass keiner bestreitet?
Und daran kann man die Trollkommunikation beobachten, dass man nämlich die Bedingungen zur Fortsetzung der Kommunikation auf Instanzen zurechnet, die gar nicht kommunizieren können. Aber auch dann ist eine Konklusion ist niemals schlüssig. Man könnte auch sagen: der Blödsinn passiert, man deckt ihn auf, indem man erkennt, dass man das gar nicht aufklären kann und der Blödsinn könnte jederzeit weiter gehen, weil: nichts und niemand wirklich exkludiert werden kann. Und dieser Voraussetzung hat Kommunikation als Fortsetzung von Kommunikation eigentlich keine Chance mehr.
Was meinst du?
[quote]Und das bedeutet: Trollen ist eine (negativ bewertete) Variante des differentiellen Spielens und Intervenierens in przp. offenen (= non-saturierten) Kontexten.[/quote]
Was und wie wäre denn nun eine positiv bewertete Variante??? „HDL“ („Hab Dich lieb“) sagte das kleine Pony???
Siehe auch: §9.14 der WGO der Piraten http://wiki.piratenpartei.de/BE:Wahl-_und_Gesch%C3%A4ftsordnung
„Und das bedeutet: Trollen ist eine (negativ bewertete) Variante des differentiellen Spielens und Intervenierens in przp. offenen (= non-saturierten) Kontexten.“
Mich würde interessieren von welchem Standpunkt aus, innerhalb welchen saturierten Kontextes das so beobachtet werden kann? Wie auch immer man diesen Kontext beobachten und beschreiben mag, eines jedenfalls scheint sicher: ein solcher Saturierungsprozess ist keineswegs durch das Internet ermöglicht worden, wohingegen die Internetkommunikation sehr wohl eine Saturierung als Beobachtungsphänomen aufwirft, dieselbe aber selbst als nicht-saturiert auffällt, weil sie Sättigung und Transformation von Unbestimmtheit in Wiederholbarkeit an keiner Stelle zulässt, was – wie ich im vorherigen Kommentar versuchte zu argumentieren – an ihrer Exoterik liegt, die nichtexkludierende Strukturen erzeugt und dabei alle Öffentlichkeit vernichtet. Darum ist eben auch die Frage nach der anderen Seite dieser Unterscheidung berechtigt: Was wäre eine positiv bewertete Variante?
Das Ressentiment-Argument überzeugt mich nicht, weil an der Trollkommunikation die Hochrechnung auf den „Troll“ (= diese Kommunikationsadresse) stört. Denn dann wird`s allzu schnell allzu „menschlich“ [igitt :-)]: Warum trollen denn Troll und Trollin?
Weil sie psychisch daneben sind, nach Aufmerksamkeit gieren, ein Machtgefühl in der Kommunikationssabotage verspüren, bla bla blubber?
Das mündet oft in Vulgärpsychologie, die zwar beruhigt, aber keinen großen Erkenntnisgewinn verspricht.
Ich meine, daß diese „Störungsphänomene“ in Kommunikationszusammenhängen jedenfalls sehr viel „allgemeinerer“ Natur sind. D.h. an „Trollkommunikationen“ können wir generell etwas über das Funktionieren / Nicht-Funktionieren von Kommunikation lernen. Der psychologische „Durchgriff“ auf Kommunikationsadressen (das Bewußtsein mit seinen zugeschriebenen Psycho-Problemen, Motiven und Interessen) fungiert demgegenüber vorrangig als „Reflexionsblockade“.
In short, let`s focus on „trolling“, but forget the trolls 🙂
Enger geführt kann uns eine Analyse von „Trollkommunikationen“ vermutlich auch Erkenntnisse liefern, wie „Kommunikation unter Bedingungen der computer- und netzwerkbasierten Fern-Interaktion“ (und zwar in allen möglichen Ausdifferenzierungen der Sinn-Dimension -> Zeitdimension: synchron / asychron, Sozialdimension: one-to-one, one-to-many, many-to-many, Sachdimension: human- / computergenerierte Inhalte bzw. einer Hybridform) erfolgt.
Wir stehen erst am Anfang, das zu verstehen.
~PB
PS –
„Ein kleiner Triumpf liegt dabei darin, Kommentare wie diesen als bösartige Störungen einfach abstossen, d.h. nicht freischalten zu können.“
Ein kleiner Triumph könnte aber auch darin bestehen, Kommentare wie diesen als Störungen freischalten zu können 🙂
„Was und wie wäre denn nun eine positiv bewertete Variante??? “HDL” (“Hab Dich lieb”) sagte das kleine Pony???“
Positive Varianten wären: Lachen in geselliger Kommunikation oder bspw. sonstige Anschlüsse, die die Irritation als Irritation gar nicht thematisieren bzw. bewerten.
Das heißt: in den kommunikativen Anschlüssen entscheidet sich, ob Irritationen als „trollig“ bewertet werden – oder nicht. Kommunikation wirft also „Trolle“ aus, aber es können nicht die Trolle (vorab) entscheiden, ob Kommunikationen als trollig eingestuft werden oder nicht.
Zumal Trolle soundso nicht kommunizieren können 🙂
Und das beinhaltet ferner, daß Uneinigkeit darüber bestehen kann, ob eine Troll-Kommunikation vorliegt oder nicht. Denn: was dem einen ein banales Schoko-Bonbon ist, ist der anderen die „größte Praline der Welt“.
Nicht überzeugt? Dann lies `mal z.B. im englischen Amazon die Kommentare zu Derridas „De la grammatologie“ 🙂
„Ein kleiner Triumph könnte aber auch darin bestehen, Kommentare wie diesen als Störungen freischalten zu können“ – gut, du hast mich verstanden, wobei ich redlicherweise zugeben muss, dass auch dieses Einverständnis semantisch an ein befriedigtes Bewusstsein aufmerksam macht, womit gleichfalls – nur eben auf umgekehrte Weise – eine Reflexionsblockade einrastet, im Sinne einer transzendentalen Konspiration: man zeigt sich verständig und erkennt damit doppelt kontingent differenziert Glaubwürdigkeit an. Wo „Bruderschaft im Geiste“ möglich wird, da wird dann der Troll, der das transzendentale Subjekt ja auch immer ist, wenn nicht ausgeschaltet, so durch Selbstvereinnahmung domestiziert und damit frei gestellt. Und mir scheint, dass der Troll in dem Augenblick erst als Problem auffällt, wo die Aufkündigung dieser Konspiration möglich wird und trotzdem noch Kommunikation gelingt. Darin könnte der zivilisatorische Auftrag der Trollkommuinkation bestehen, indem Widerstand geleistet wird durch einen doppelten Verzicht auf Gehorsam und Gewalt.
Würdest du unter „Fern-Interaktion“ so etwas verstehen wie Interaktion zwischen Abwesenden?
1) „Man könnte auch sagen: der Blödsinn passiert, man deckt ihn auf, indem man erkennt, dass man das gar nicht aufklären kann und der Blödsinn könnte jederzeit weiter gehen, weil: nichts und niemand wirklich exkludiert werden kann. Und dieser Voraussetzung hat Kommunikation als Fortsetzung von Kommunikation eigentlich keine Chance mehr.“
a) Zunächst würde ich den Kompaktbegriff „Internetkommunikation“ aufdröseln: Email-, WWW-, Chat-, etc. Kommunikationen. Von den programmierbaren Maschinen wird nämlich idR abstrahiert, der Fokus liegt i.a. auf „Diensten“ und dem, was user damit anstellen können.
b) Dann ist die Frage, was macht bspw. das Eigentümliche eines Dienstes wie des WWW aus? Wenn man, wie P. Fuchs vor einigen Jahren, auf das „Anklicken der Hyperlinks“ abzielt, was bleibt dann von der Trollkommunikation? Ist also die „linkbasierte Navigierbarkeit“ nicht viel zentraler als die kommunikative „Thematisierung“ von xy? Generell könnte das besagen, daß trolling ein „Thematisierungsphänomen“ darstellt, aber die kommunikative Anschlußlogik einfach weiterlaufen kann: „Blödsinn, Unsinn oder Sinn“ (wobei die Differenzierung gar nicht so einfach sein dürfte, wie prima facie vermutet werden kann) wären daher erst einmal auch nur Thematisierungsphänomene, die das Weiterlaufen von Kommunikation „nicht beeinträchtigen müssen“ (freilich: sie können es je nach Kontext).
2) „Die Internetkommunikation kann nunmehr darauf aufmerksam machen, indem sie dieses Verhältnis umkehrt. Sie differenziert exoterische Strukturen, indem nichts und niemand ausgeschlossen ist, aber zerstört auf der anderen Seite jede Art von Öffentlichkeit. Und dann kann eben das entstehen, was hier mit dem Verlegenheitsausdruck “Trollkommunikation” bezeichnet wird: was kann jetzt noch konkludiert werden, wenn – und das ist wichtig! – Anschlussfähgkeit hergestellt wäre?“
a) Entsprechend meines Aufdröselungsvorschlags könnte aber auch argumentiert werden, daß die Funktionssysteme (diese Kommunikationsströme) diverse internet-basierte Dienste in Anspruch nehmen, so daß weiterhin entsprechende Öffentlichkeiten und Exklusionen anfallen. Denn: nicht jeder und jede nimmt an allen möglichen Emailkommunikationen, Videokonferenzen, Skype-Kommunikationen teil. Zu weiteren Exklusionseffekten, s.u.
b) Zugleich gibt es aber auch das Phänomen der eigenen Homepages, Blogs, sozialen Netzwerke, etc., so daß hier massive Veränderungen im Verhältnis von „privat und öffentlich“ erfolgen, deren Folgen sich gerade abzuzeichnen beginnen (Datensicherheit, personalisierte Profile, Benutzerbewegungen, Mobbing, etc. pp.). Darauf würde ich Deine Überlegungen von „exo- und esoterisch“ beziehen.
c) Aber daß hier keine „Exklusionseffekte“ vorliegen, bezweifle ich. Denn blind spots Deiner Argumentation sind m.E. das Beherrschen von Computertechnik sowie eine entsprechende Lese- und Schreibkompetenz:
* Nach meiner Erfahrung verweigern sich gerade viele Ältere WWW und Co., weil sie sich technisch überfordert fühlen.
* Das ist dann zugleich eine Frage des Bildungsabschlusses. Ich habe zwar im Moment keine Studien parat, auf die ich verweisen kann, aber mein Eindruck ist, daß je höher der Bildungsgrad ist, desto selbstverständlicher und umfassender der Umgang mit dem Digitalitätsmedium ist.
* Ferner gibt es Unterschiede beim Beherrschen von „Computertechnik“: das, was Programmierer technisch treiben (können), übersteigt oft bei weitem das Verständnis von Otto-Normal-usern.
* Schließlich gibt es noch Sprachbarrieren: arabische, asiatische, etc. Webseiten kann ich bspw. gar nicht lesen. Ergo: sprachbasierte Exklusion.
Vielleicht müßte vor diesem Hintergrund des „digital divide“ das Exo-Eso-Öffentlichkeitsargument nochmals geprüft werden.
3) „ein solcher Saturierungsprozess ist keineswegs durch das Internet ermöglicht worden, wohingegen die Internetkommunikation sehr wohl eine Saturierung als Beobachtungsphänomen aufwirft, dieselbe aber selbst als nicht-saturiert auffällt, weil sie Sättigung und Transformation von Unbestimmtheit in Wiederholbarkeit an keiner Stelle zulässt, was – wie ich im vorherigen Kommentar versuchte zu argumentieren.“
a) Der Ausdruck „nicht-saturierte“ Kontexte bezog sich (mit Verweis auf Derrida) darauf, daß „generell“ keine essentialistischen Bedeutungszuweisungen möglich sind. In other words: Unterscheidungsnetzwerke sind unabgeschlossen, so daß Bedeutung nicht eindeutig und nicht ein für allemal in allen möglichen Kontexten zu „fixieren“ ist. Daran kann auch „computerbasierte Kommunikation“ rein gar nichts ändern – weil Kommunikation (und Bewußtsein) ansonsten unmöglich wären.
b) Unbestimmtheit und Wiederholbarkeit (sensu: itéralité) sind dann auch „kein“ Gegensatz, so daß bspw. „Transformationsleistungen“ erforderlich wären. Denn in der iterabilité der Zeichen / der marks fallen immer schon Bestimmtheit „und“ Unbestimmtheit, Generalisierungs- „und“ Spezifizierungsmöglichkeiten an.
c) Saturierung in Deinem Sinne würde besagen: wenn alles „öffentlich“ und niemand mehr exkludiert wird (-> siehe aber die zuvor erwähnten kompetenz-, technik-, sprachbasierten Exklusionen), dann wäre nichts mehr öffentlich. Würde das nicht auch besagen, die Unterscheidung „privat / öffentlich“ kollabiert komplett? Nur: Wie benennt man diesen „post-publiken“ Kommunikationszustand?
~PB
> Würdest du unter “Fern-Interaktion” so etwas verstehen wie Interaktion zwischen
> Abwesenden?
Die Frage ist „tricky“, weil mit Blick auf Derrida „jede“ Kommunikation (also auch oral-non- verbale Nah-Interaktionen im Sinne Luhmanns) nur mit Blick auf „Abwesenheit“ möglich ist.
Das Funktionieren von (Semiose-)Medien als Zeichen / marks setzt damit immer sowohl die Möglichkeit von context switches als auch die Abwesenheit konkret empirischer Referenten und Kommunikationsadressen voraus.
Oder anders getextet, oral-nonverbale Nah-Interaktionen waren schon immer eine Art von „Fernkommunikation“, nämlich eine vormoderne „Fernkommunikation der Nähe“, die durch eine „Fernkommunikation der Ferne (und Nähe)“ in der (Früh-)Moderne abgelöst wurde. So zumindest meine These.
Wichtig ist mir freilich (auch mit Blick auf unser Technik- /Kybernetik-Blog), daß Technik selbst (hier: im Sinne von programmierbaren und vernetzbaren Maschinen) die Kommunikation „affizieren“ kann. Das wäre wohl ein zentraler Unterschied des computerbasierten Digitalitätsmediums im Unterschied zu früheren Medienarten.
Das geht dann hin bis zur Frage, ab wann wir eine „Kommunikation mit Computern“ als möglich betrachten. Also: Ab wann könnte der Computer als eine plausible Kommunikationsadresse fungieren? M.E. entspricht das der Frage, ab wann die computerbasierte „Simulation von Sinn-Zeichen-Verarbeitung“ so komplex ist, daß sie als Äquivalent von Semiose einigermaßen zu überzeugen vermag.
~PB
„Nur: Wie benennt man diesen “post-publiken” Kommunikationszustand?“ Eine gute Frage, die man, da Kommunikaiton keinen Zustand einnehmen kann, so, wenn auch banal formulieren müsste: Findet Kommunikation statt? Und dann wäre dein Zweifel („Aber daß hier keine “Exklusionseffekte” vorliegen, bezweifle ich“) auch gar nicht mehr so bedeutend: ich habe mir inzwischen angewöhnt, wie das andere auch tun, dass ich, während ich mit xy per skype chatte oder spreche, einzelne Aussagen per Twitter sofort weiter verbreite. Auch habe ich bei twitter schon mehrfach auf tweets geantwortet, die live aus einer Tagung heraus geschickt wurden. Dabei handelte es sich beispielsweise um Kommentare, in denen sich jemand über einen Referenten lustig machte, was dieser gar nicht mitbekommen konnte, weil der gerade konzentriert redete. Auch habe ich schon ein ganzes Tagungsgeschehen der Piratenpartei per webcam-Übertragung mit verfolgt und parallel mit dort Anwesenden gechattet, die für mich Fragen an einen Redner gerichtet haben… Du kannst dir leicht weitere Kreuzungen und Kombinationen und daraus reslutierende Problemkonstellationen vorstellen.
Wenn auch deine Aufgliederung der Internetkommunikation deskriptiv zutreffend ist, so ist sie für die Frage: Findet Kommunikation statt? – nun, wie soll ich schreiben? – unwichtig, was kaum stimmen kann, da ich nicht weiß, vor einem Bildschirm sitzend, ob Kommunikaiton stattfindet. Ich bin ganz allein.
Manchmal denke ich, die Internetkommunikation verschärft eigentlich nur die Robinsonaden der funktional differenzierten Gesellschaft. Insbesondere fungieren Organisationssysteme als eine Lösung für Probleme, die selbst erzeugen, indem sie Inklusion ermöglichen und damit eine Lösung für ein Problem liefern, das es ohne sie gar nicht gäbe: Der Schreiber sitzt allein in seiner Stube und schreibt ein Buch. Weil er allein ist, hat er nun die Schwierigkeit jemanden zu finden, der dies liest. Also wendet er sich ann einen Verlag, der als Betriebswirtschaft das selbe Problem hat. Der Verlag produziert Bücher und sucht nun nach Käufern, welche selbst wiederum das selbe Problem haben: was soll man lesen? Alle sind durch Organisation gleichermaßen in- wie exkludiert, aber jeder auf andere Weise, so dass Organisationen genau die Probleme lösen, die sie erzeugen. Das Internet ändert daran zunächst nichts, sondern verschärft nur die Isolation, indem auch noch diejeningen ganz allein sind, die mit mehreren zusammen in einer Uni-Bib vor Rechnern sitzen. So sind alle gemeinsam einsam; und was unter diesen Bedingungen noch als Öffentlichkeit auffällt, ist dann nur eine normale Unwahrscheinlichkeit, die unter der Bedingung der Fortsetzung von Internetkommunikation noch Begegnung möglich macht, aber wenigstens die Beobachtungsverhältnisse verändert. Denn die Massenmedien haben ein Beobachtungsverhältnis zustande gebracht, welches sich dadurch auszeichnete, dass für einander fremde Menschen übereinander auf gleiche Weise informiert sind, dass sie auf verschiedene Weise informiert sind, wohingegen die Internetkommunikation schon dieses Verhältnis in vollständige Irration zerfallen lässt: worüber bin ich eigentlich noch informiert? Und ich meine, dass gerade deswegen die Kontaktaufnahme für Unbekannte mit Unbekannten so einfach funktioniert: es gibt keine organisationalen Regelwerke zu berücksichtigen, die es möglich machen, mit unbekannten Menschen in Kontakt zu treten. Aber damit werden die Robinsonaden gar nicht abgeschafft, sondern im Gegenteil: nur, wer die Bereitschaft hat, sich gleichsam freiwillig in Isolationshaft zu begeben, kann noch mit machen, also: Vergesellschaftung durch Einsamkeit. Das meine ich mit exoterisch differenzierte Erwartungserwartungen: nichts und niemand kann ausgeschlossen werden, allenfalls jedoch die Möglichkeit, dass Öffentlichkeit entstehen könnte.
Und meine Vermutung ist, dass diese, nicht erzwungene Isolationssituation das ist, was eine neue zivilisatorische Disziplin nach sich zieht, deren erste Übungen durch Trollkommnikation entstehen.
„Und meine Vermutung ist, dass diese, nicht erzwungene Isolationssituation das ist, was eine neue zivilisatorische Disziplin nach sich zieht, deren erste Übungen durch Trollkommnikation entstehen.“
Insgesamt eine interessante Argumentation Deinerseits, wobei die technikbasierte „Isolation“ m.E. nur veranschaulicht, wie Mediengebrauch stets funktionieren mußte: sub species absentiae. Die vormodernen Nah-Interaktionen haben das quasi eskamotiert:
wir waren folglich schon immer „gemeinsam einsam“ 🙂
Was mir bei Deiner Argumentation aber noch fehlt, sind die möglichen „computerbasierten Interventionen“ (datenbankgenerierte Inhalte, u.ä.), die in Zukunft immer weiter zunehmen werden. Lustig in Sachen Unsicherheit, ob „Kommunikation stattfindet oder nicht“, wird es nämlich, wenn nicht mehr zwischen Bewußtseinsprozessoren und Computern unterschieden werden kann. Schön zu sehen ist das bereits jetzt an Malware, die die Adressbücher von Emailclients nutzt, um verseuchte Mails an die entsprechenden Emailkontakte zu versenden.
Ganz abgesehen davon, daß die Technik uns immer mehr auf den Leib rückt und wohl subkutan enden wird. Google-Brillen, u.ä. sind da erst der Anfang.
Vielleicht sollte ich mich auf „subkutane Malware-Eliminierung“ spezialisieren 🙂
„Und ich meine, dass gerade deswegen die Kontaktaufnahme für Unbekannte mit Unbekannten so einfach funktioniert: es gibt keine organisationalen Regelwerke zu berücksichtigen, die es möglich machen, mit unbekannten Menschen in Kontakt zu treten.“
Aber ist man das als „Großstädter“ nicht gewohnt: den Umgang mit „Unbekannten“? Das wäre also keine Frage von Organisationsregeln.
Was bei der „Internet-Kommunikation“ (wenn man diesen Kompaktbegriff benutzen will), aber vielleicht stärker in den Fokus tritt als bspw. bei Nah-Interaktionen in der Großstadt, sind „Themen“ (als Strukturen), an denen sich Kommunikation orientiert. Und gerade Trollversuche irritieren dann negativ, weil sie diese thematischen Strukturen ins Trudeln bringen können.
* Grobes Trollen könnte bspw. in die ad-hominem-Richtung gehen.
* Subtileres Trollen bejaht „und“ verneint eine Themenstruktur, indem es ihr eine Art „disseminatorischen Twist“ zu verpassen sucht.
These ist also: Die Fokussierung auf Themenstrukturen in der computerbasierten Fernkommunikation stimuliert trolliges Irritieren, so daß Themen disseminatorisch zum Rotieren gebracht werden. Die Führung von Fernlommunikation durch Themen wird durch Trollen demnach „bedroht“, was dann bspw. zum Versuch der Re-Stabilisierung durch ein parasitäres Konfliktsystem führen mag (andere Möglichkeiten: Ignorieren oder kompletter Kommunikationsabbruch).
Dass aber die Kontaktaufnahme zwischen Unbekannten nicht immer so einfach ist, zeigt das Spam-Phänomen bei Email: IdR wird Spam entweder durch vorgeschaltete Filter ganz eliminiert (es gab also „keinen“ Kontaktversuch, den man erkennen konnte) oder die wenigen Spam-Mails, die durchkommen, werden (ungelesen) als Spam markiert und gelöscht. Hier führt eine unerwünschte Thematisierung von xy oft direkt zum Kommunikationsabbruch.
Im Gegenteil. Darüber habe ich schon sehr viel geschrieben, aber nicht im letzten Kommentar. Wie immer haben wir es mit Selektionen zu tun und dieses Beispiel zeigt, wie wenig die „kritische Diskussion“ noch geeignet ist, der Sache näher zu kommen. Denn mit zunehmend einfacher werdenden Möglichkeiten der Steigerung von Komplexität reicht die kritische Methode nicht mehr aus, Mängel feststellen, weil nicht nur Komplexität leichter gesteigert werden kann, sondern damit einhergehend auch die Beobachtung von Defiziten. Kritik ist zu einfach geworden, zu banal, weil sie zu schnell entwickelt werden kann und zwar deshalb, weil keiner der Beteiligten sich mehr um einen aktuellen Stand der Dinge bemühen kann. Wir haben keinen aktuellen Stand der Diskussion mehr. (Ich habe übrigens auch schon sehr viel über die Untauglichkeit der kritischen Diskussion geschrieben, aber nicht in diesem Kommentar!)
Aber tatsächlich ist dein Einwand wichtig. Der Kontakt für Unbekannte mit Unbekannten bezieht sich auf die Aushandlung von sog. AGBs der Fortsetzung von Kommunikaiton unter der Voraussetzung, das die beteiligten Subjekte keinen Chef, keine Chefetage haben, die eine Vorsortierung vornehmen könnte, wie dies etwa in Organisationen üblich ist.
Deshalb wäre der Zweck der Übung mit Internetkommunikation, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu testen, und nicht diese zu postulieren, zu fordern oder durchzusetzen. Denn dazu bräuchte man eine Chefetage. Und wenn wir mit dem Testen anfangen, dann können auch Turing-Maschinen mitmischen. Denn es kommt dann nicht mehr darauf an, ob Antworten intelligent sind, weil man Intelligenz auch Turing-Maschinen zurechnen könnte. Es käme darauf an, herauszufinden, wer lebt. Denn der lebende Körper ist korrumpierbar, erpressbar, verführbar, nur das lebende System braucht nicht zu rechnen; es stellt die Bedingungen für eine kreative und disziplinierte Intelligenz bereit: Gefühle. Der Turing-Test bestünde also nicht darin herausfinden, ob die Maschine intelligent ist, sondern ob sie lebt. Der Weg wäre zu versuchen, sie zu verführen.
Und ersetzen wir die Disziplin der transzendentalen Subjektivität, also Kritik, durch eine Disziplin des Trollens, dann werden Turing-Tests erst wirklich relevant und interessant. Denn die Frage ist ja, wenn diese Algorithmen immer besser werden, ob und wie sie auch noch auf die Ordnung von Unordnung reagieren können.
Gedankensplitter, weil es so viele lange Texte sind, die auch erst verdaut sein wollen:
(1) gibt es liebe Trolle? also welche, denen man es nach sieht, dass sie trollen, weil man sich ihnen verbunden fühlt?
(2) gibt es Trolle, denen man das lieber nicht sagt, weil sie sich viel Reputation angesammelt haben? Ich trolle manchmal in ‚meinem‘ technischen Lieblingsforum (dort bin ich Obermod), damit das Forum aus den ‚fachspimpelnden‘ Gefilden wieder zurück zur Erde findet und für die Anfänger/Erstbesucher nutzbar wird – sie sich also trauen, ihre Fragen stellen. Da ich dort der absolute Meister aller Klassen bin, traut sich keiner etwas gegen meinen Spam zu schreiben (und wer es wagt, bekommt sofort Klassenkeile)
(3) es gibt immer ein Missverständnis hinsichtlich des Alters … ich habe 1973 Programmieren gelernt und gehöre damit zur zweiten Generation der Computer-Kids; die erste Generation dürfte jetzt so zwischen 65 und 80 Jahre alt sein und ich kenne viele Arbeitskollegen, die dann erst zu richtig mit allem was die Netzwerkkommunikation angeht, losgelegt haben (genauso, wie ich viele ältere Damen kenne, die Onlinespiele spielen)
(4) zur Isolation des Kommunizierenden: solange man per Twitter, Blog, Chat, Forumspost usw. Reaktionen erhält, empfinde ich die Einsamkeit nicht als bedrückend … allerdings ist ein wertschätzender Dialog immer das Salz in der Suppe … deswegen ist auch das ‚gefällt mir‘ in Facebook der Bringer sowie der ‚RT‘ in Twitter … und weil das so ist, kann man dies systematisch einsetzen und damit auch einen ‚müden‘ Einstieg oder Dialog aufwerten und ein wenig die Seele streicheln (ist ja hier mit den Kommentare auch so *gg*) … ein Schelm, der jetzt dabei ans Trollen denkt …
(5) es gibt social sitter, mietbare Helfer, die den üblichen Spam trollen
PS. ich muss mich entschuldigen, dass so viel geschrieben habe … kam einfach so in die Finger
Das weiß ich nicht. Der Punkt ist ein anderer. Internettrolle fallen auf, weil sie die zivilisatorische Disziplin der Kritik sabotieren. Denn dazu gehört ja nicht nur das Recht, seine Meinung zu äußern, sondern auch der Respekt vor der Meinung der anderen. Trolle zeigen häufig nicht nur keinen Respekt, sondern sie äußern nicht „ihre eigene“ Meinung, sondern schreiben irgend etwas. Dass die Sabotage funktioniert hängt damit zusammen, dass die Regelwerke, die Organisationen ausgebildet haben, also Orte, wo Unbekannte mit Unbekannten in Kontakt treten, sich durch einen Interaktionsszusammenhäng bewähren müssen, wobei die Bewährung dieser Regeln nach Einübung schließlich am Habitus ablesbar ist, welcher sich wiederum durch Wahrnehmung von Anwesenheit ergibt. Woran erkennt man einen kompetenten Menschen? Am Habitus. Und den inkompetenten ebenfalls. Daher die Sorge der empirischen Soziologie um die Haltbarkeit von Gesellschaft, indem sie Habitusforschung betreibt, um herauszufinden, was das für Menschen sind, aus denen die Gesellschaft zu bestehen scheint. Wer also in Gesellschaft etwas werden wollte, musste sich einer Habitualisierungsdisziplin unterziehen, die schließlich vielfältige, differenzierte und sehr bunte Formen zeitigte, weil auch der Habitus selbst wiederum als Mittel der Kritik eingesetzt werden konnte. Bekannter Punker-Spruch: „Ich bin Scheiße und du bist schuld.“ Die Obszönität der Punker bestand darin, die transzendentale Konspiration zu denunzieren.
Die Internettrolle durchkreuzen nun jede transzendentale Konspiration. Sie machen nicht mehr mit, sie gehorchen nicht mehr. Aber: ihr Widerstand ist gewaltlos, weil durch die Computerbenutzung jede Art von Durchgriffsgewalt abgeschafft ist, anders als etwa Punker, die noch öffentlich Ekel und Verwahrlosung inszenierten, um Durchgriff zu provozieren. Die Menschenkörper sind durch Internetkommunikation nicht allein durch ein Regelwerk von Sanktionen für einander unberührbar, die Körper sind vielmehr für einander nicht mehr affizierbar, weil sie für einander nicht anwesend und auch nicht wahrnehmbar sind. Man könnte sagen: allein vor dem Bildschirm sitzend ist der Körper stressmäßig unterfordert, oder so: für das Bewusstsein fällt in der Organisation seiner Wahrnehmung die Fremdreferenz des Gegenkörpers weg, und damit auch ein Beobachtungshindernis, nämlich der eigene Körper. Dies erklärt mir jedenfalls, warum in Foren und Mailinglisten die Interpenetration so hartnäckig überdreht wird, weil es keine Bremse mehr gibt, was zur Überforderung führt.
Die Überforderung der Kommunikation durch Trolle und deren Metamorphosen könnte man als eine Situation der wahgenommenen Anomie kennzeichnen, in der Verwirrung über Normen herrscht, in der diese Normen unklar sind und – hier ja vor allem – in der die Gruppe nur sehr begrenzte oder überhaupt keine Filter besitzt sowie Stoppregeln, um sich selbst zu regulieren. Gleichzeitig eine Variation der Münchhausen-Paradoxie, der Sumpf, die Haare und das Selbst. Anomie war bei Durkheim als Erklärung für “abweichendes Verhalten” beschrieben worden (wobei abweichend wieder diese merkwürdige Ontologie einer stabilen Beobachtung voraussetzt, mit der wir Heute so unsere Schwierigkeiten haben), als dessen extremste Form der Selbstmord beobachtbar wird. Man bräuchte also eine Anomietheorie der Trollkommunikation, in der Selbstmord eine der möglichen Verläufe darstellt, und zwar sowohl für den Troll wie auch für die Gruppe insgesamt oder sogar – im Super-GAU Szenario – der Exodus für eine “Kommuikationskultur” als soziale Form, weiter https://differentia.wordpress.com/2011/11/29/die-metamorphosen-des-trolls/
hmmm … danke für die Antwort … wahrscheinlich müssen wir uns noch über das Trollen etwas raufen.
Gedankenspiel: Zwei Personen unterschiedlicher Art sagen das Gleiche und in unserer Kommunikations-Timeline erkennen wir die Wiederholungen und das vergebliche Unterfangen, Sinn zu stiften. Bei dem einen empfinden wir Trollverhalten, bei dem anderen nicht. Bei dem einen denken wir (und sagen es vielleicht sogar): „Meine Güte, merkst du denn nicht, was du da immer (!) für einen Unsinn von dir gibt.“ Bei dem anderen denken wir: „Schön dass es ihn gibt und er sich noch so rege am Gespräch beteiligt.“
Nun könnte sich das Gleichgesagte ja erst durch die Rezeption der Zuhörers (im Web des Zuschauers) in Trolliges verwandeln … zum Beispiel, weil man den einen Autor schätzt, den anderen nicht.
Kommunikation dient ja häufig nicht nur dazu, ‚Sinn‘ (neudeutsch: Information) zu übertragen, sondern auch den (Übertragungs-)Kanal zu füllen, um so zu signalisieren, dass die Leitung noch steht. Zumindest hat man dieses Prinzip (Protokoll) erfolgreich bei den amerikanischen Telegraphenleitung eingesetzt.
Spätestens mit der explosionsartigen Verbreitung von Druckschriften seit dem 18. Jahrhundert mussten sich die daraus resultierenden Komplikationen, die vor allem in der immer schneller werdenden Beobachtung von skandalösen Widersprüchen auftauchten, auf die Ablösung von Zumutungen richten, die den Individuen mehr und mehr auf den Leib rückten. Auf der einen Seite gehörte zur Möglichkeit der All-Inklusionswirkung von Massenmedien eine Universalisierung von Kommunikation, indem die Adressierbarkeit von Personen extrem schnell ansteigen konnte. Auf der anderen Seite generierte gerade die mit diesem Universalisierungsprozess verbundene Ausdifferenzierung und Komplexitätszunahme der Verbreitungsmedien sowie der Adressenordnungen, die in sie eingeschrieben sind, eine signifikante Erhöhung der Ereignisunwahrscheinlichkeit der Kommunikation. Es kam zu einer Fragilisierung von Verständigungsprozessen, was auch durch die Quantifizierungsqualität von Massenmedien bedingt wurde. Diese Fragilisierung wuchs sich anschließend zu einem universalen Problem aus, bis im 20. Jahrundert schließlich erkennbar werden konnte, dass die Expansion der Verbreitungsmedien zwar die ganze Welt kommunikabel machte, aber die Kommunikation immer prekärer wurde.
So ergab sich, erst recht mit der Verfeinerung und Beschleunigung durch technische Verfahren (Fotografie, Kino, Radio), dass die Welt durch Verbeitungsmedien als Resultat von Kommunikation wahrgenommen wurde und dass nicht mehr ohne weiteres über Annahme und Ablehnung der Kommunikation entschieden werden konnte, weil das Verbreitungsverfahren die Konnektivität blockierte. Die Übersicht ist seitdem zu komplex geworden. Der Unterschied zur rein schriftlichen oder verbalen Kommunikation besteht darin, dass eine Ja-Nein-Stellungnahme nicht präzise auf eine bestimmte Mitteilung bezogen werden kann. So tendiert schließlich die multimediale Vernetzung dazu, die wahrnehmbare Welt insgesamt kommunizierbar zu machen. Und in dem Maße, in dem sich die Kommunikation der Form der Wahrnehmung von Welt annähert, wird sie auch immer unausweichlicher, mit allen Konsequenzen, insbesondere auch, was die Adressierbarkeit von Mitteilungsversuchen angeht.
Bis heute kann aber das Phänomen der sozial strukturierten Einsamkeit nur als Defizit verstanden werden. Zeitungen, Bücher, Radio, Fernsehen machen einsam, insofern sie durch Verbreitung von Dokumenten die Anschlussfindung immer wieder aufs Neue und mit großem Aufwand hergestellt werden muss. Jeder kennt die Erfahrung, wie schnell Beziehungen einschlafen, wenn man sich nicht ständig darum kümmert. Natürlich weiß man, dass die Adressierbarkeit nie verloren geht, aber die Reflexion unterliegt einem Zeitverzug, wodurch es zu ständiger Überraschung kommt, weil Abwegigkeiten immer nur als die “Dummheit der anderen”, als nicht anders reduzierbare Rekursivitätsphänome in Erscheinung treten. Reflektiv stellt sich ein System zwar auf die Beobachtung von Abwegigkeit ein und dizipliniert sich, aber die Blockierung von Konnektivität wird dadurch nicht beseitigt, sondern verschärft. Man muss sich immer mehr anstrengen um der Komplexität noch gewachsen zu sein. Und, sofern dieser Prozess immer sozial organisiert wird, also sozial-chorologisch, ohne Zentralstelle, verstärken sich Individualisierungsphänomene. Diese Invidualisierungsverstärkung produziert ständige Entmutigungen, die wiederum irgendwie durch Motivation aufgelöst werden müssen; und interessanterweise klappt das auch, aber – wie dann beobachtbar wird – sind die daraus resultierenden Chancen und Risiken nicht für alle gleich, soziale Ungleichheit, Partizipation, mangelnde Chancengleicheit kann dann erst als Problem entstehen; und ein ausweg muss über denselben Weg gelöst werden, durch den er verbaut wird. Entsprechend müsste sich ein Ausweg anbieten, der die all-inkludierende Wirkungsweise der Massenmedien und ihre rekursive Blockade von Konnektivität umgeht, indem – wie bei Facebook prototypisch gezeigt – ein technisches Dispositiv in ein anderes implementiert wird. Aber das Ergebnis wäre dann doppelt: Facebook wäre ein Massenmedium, aber die dadurch zustandekommende Selektivtät lässt auch noch etwas ganz anderes zu, mit ähnlich folgenreicher Leistungsfähigkeit wie konventionelle Massenmedien, aber mit bisher kaum erkennbaren Möglichkeiten.
„Das Ressentiment-Argument überzeugt mich nicht, weil an der Trollkommunikation die Hochrechnung auf den “Troll” (= diese Kommunikationsadresse) stört. Denn dann wird`s allzu schnell allzu “menschlich” [igitt 🙂 ]:
Ist es nicht gerade das Spezifikum solcher Szenarien, dass sie „Schuldige“ als externe Verursacheradressen ausflaggt, die ein ein als integer und unbeschädigt vorgestelltes Geschehen – von außen- korrumpieren? Vor dieser Externalisierungsfunktion kann aber auch Kritik an ihr nicht gewappnet sein: Wer das Vermeidungs- und Exklusionsverhalten der Wissenschaft als Vorwurf behandelt, macht aus ihr einen trolligen, personalisierten Agenten, der stört.
Weshalb kusanowsky völlig recht hat, wenn er Kritik als banal geworden beschreibt. Kritik erzeugt Subjekte und macht sie dadurch für die Kritik nicht mehr erreichbar. Und alle Wissenschaft auch nicht mehr für sich selbst, wenn sie beginnt, Wissenschaftskommunikation über Internet zu vollziehen, weil gemäß ihrer Selbstbeschreibung sie von handelnden Subjekten getragen wird. Dass auch die Systemtheorie strukturell davon geprägt ist, kann man an der Leugnung dieses Sachverhalts bemerken. Auch Systemtheorie betreibt Kritik und entzieht sich ihrer eigenen Erreichbarkeit.
„Es käme darauf an, herauszufinden, wer lebt. Denn der lebende Körper ist korrumpierbar, erpressbar, verführbar, nur das lebende System braucht nicht zu rechnen; es stellt die Bedingungen für eine kreative und disziplinierte Intelligenz bereit: Gefühle.“
Dadurch soll dann ein „inviolate level“ in die Kommunikation eingezogen werden – das erinnert an den Aspekt der somatogenen Symbolisierung beim Kriterientest von Funktionssystemen und die Reinjizierung von Körperreferenzen der Nah-Interaktion in die Fern-Kommunikation. Dumm nur, wenn die Computerchen selbst anfangen, Gefühle zu simulieren (Stichwort: affective computing). Welcher inviolate level bleibt dann noch?
Ähnliches Problem, wenn sich die Menschheit selbst in die Digitalisierung verabschieden sollte (die Kurzweil-Moravec-etc.-Vision), also: wenn quasi Bewußtsein vom Körpermedium gelöst und auf maschinelle Hardware übertragen werden sollte. Ich halte das für technisch unwahrscheinlich (nach derzeitigem Kenntnisstand), aber auch dann würde es schwierig mit evtl. inviolate levels in der Kommunikation.
M.E. scheitern Computern immer noch an den Hürden des differentiell-iterablen Spiels – und vielleicht wird sich das auch nicht ändern, weil sich das gerade „nicht“ (deterministisch) erfassen läßt. Tests auf Intelligenz sind demgegenüber nach- bzw. untergeordnet.
„Tests auf Intelligenz sind demgegenüber nach- bzw. untergeordnet.“ Stimmt: „Dumm nur, wenn die Computerchen selbst anfangen, Gefühle zu simulieren“ – eben nicht. Dann fängt es an, interessant zu werden, weil damit ein Risiko ins Spiel kommt. Das Risiko wäre, wenn Überzeugungen das Beoachtungsverhalten dirigieren. Insofern kann ich mir vorstellen, dürfte ein Risiko darin bestehen, von etwas überzeugt zu sein, wenn man es mit Simulation von Gefühlen zu tun bekommt. Denn Überzeugungen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf Kontingenz verzichten. „Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.“ (Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches I). Warum könnten Überzeugungen riskant sein? Nun, ich denke, dass hängt mit der prinzipiellen Erpressbarkeit und Korrumpierbarkeit eines hoch empfindlichen Körpers zusammen. Denn ganz leicht hat man eine Wahrheit eingesehen, aber nur sehr schwer einen Irrtum. Und ich stelle mir vor, man hätte es mit einem intelligenten Gegenüber zu tun, der ohne Körper operiert und dem man trotzdem Lebendigkeit (in der Antike: anima, Seele, Lebendsein) unterstellen kann. Das könnte heißen: der Körper wird als Gefahr immer bedeutender, je weniger er für ein Interaktionsgeschehen als Zurechnungsinstanz für Risiken in Frage kommt.
1) > Ist es nicht gerade das Spezifikum solcher Szenarien, dass sie “Schuldige” als externe
> Verursacheradressen ausflaggt
M.E. ist die psychologisierende Attributionsweise zutiefst „(früh-)modern“. Denn in der alteuropäischen Vormoderne war es wohl nicht üblich, kommunikativ zu versuchen, auf Bewußtsein durchzugreifen. Das ändert sich mit dem Aufkommen von Motiv- und Interessensemantik sowie Psychologisierungstendenzen in der Frühmoderne. Die erwähnte „Vulgärpsychologisierung“, auf die allzu gerne in der (Alltags-)Kommunikation rekurriert wird, ist dann die direkte Folge dieses letztlich unmöglichen Versuchs, kommunikativ auf Bewußtsein durchgreifen zu wollen.
In der Vormoderne hätte es vielleicht eher eingeleuchtet, externe Faktoren im Sinne von Dämonen, u.ä. anzugeben. In der next society mag es womöglich auch Sinn machen, auf artifizielle Intelligenzen gone wild zu verweisen.
Die Art, „wie genau“ Kommunikationsadressen ausgeflaggt werden, ist daher unterschiedlich – je nach Gesellschaftstypik.
2) „Wissenschaft als Vorwurf behandelt, macht aus ihr einen trolligen, personalisierten Agenten, der stört.“ Wissenschaft selbst hat aber keine Kommunikationsadresse, daher ist es auch müßig, ihr Subjekt- und Agentencharakter zuschreiben zu wollen.
„Wissenschaftskommunikation über Internet zu vollziehen, weil gemäß ihrer Selbstbeschreibung sie von handelnden Subjekten getragen wird“.
Das ist eine kontingente Selbstbeschreibung. Man kann einfach differentielle Themenkonstellationen untersuchen.
3) „Kritik = banal, subjekterzeugend -> Subjekte für Kritik nicht mehr erreichbar“
Mein Eindruck in der Wissenschaftskommunikation (z.B. in Informatik) ist, daß reflexive Prüfungen weiterhin unerläßlich sind. So werden standardmäßig Vor- und Nachteile, Chancen und Risiken, etc. bestimmter Positionen, Approaches, Vorgehensweisen, Implementierungsarten, etc. durchgespielt. Wer „Subjekt“ ist oder nicht, ist dabei letztlich irrelevant. Es geht um Positionen in differentiellen Themenkonstellationen (bei denen auch Kommunikationsadressen vorkommen. aber tw. reichen ja Kürzelverweise aus wie: LG2009,
KA2011, usf.).
4) „Auch Systemtheorie betreibt Kritik und entzieht sich ihrer eigenen Erreichbarkeit“
Zugleich wird aber (gerade in der Bielefelder Systemtheorie) auf Kritik öfters verzichtet – so zumindest viele meiner Lektüreerfahrungen. D.h.: Es geht darum, Anschlüsse herzustellen an das, was als interessant, fruchtbar, etc. angesehen wird – der Rest wird ignoriert. Dirk Baecker würde vielleicht texten: „Gute Soziologie ist listig (sie unterläuft Kritik), indem sie zeigt, was viabel sein könnte“.
Wenn „Kritik“ an Theorien (nicht nur der Systemtheorie) bspw. auf „Falsifizierbarkeit“ abzielen würde, dann ist das soundso völlig naiv. Komplexere Theoriegebilde sind m.E. „nie“ falsifizierbar. Sie verlieren nur irgendwann ihre Anschlußfähigkeit (wie bspw. die traditionelle Ideologie- und Latenzkritik im Laufe der 1990er Jahre). Und dieser Verlust ergibt sich aus verschiedenen Gründen (zunehmende Kritik an xy kann dabei natürlich auch eine Rolle spielen).
5) „Subjekte“, die sich durch Handlungsfähigkeit, Verantwortung, Kritikfähigkeit, etc. auszeichnen sollen, werden wohl erst dann ausgeflaggt, wenn es auf Handeln, etc. ankommt.
Dieses Handlungsmoment ist aber in Wissenschaft sekundär, wird freilich relevant in der Wissenschaftsanwendung – z.B. in technisch-industriellen Kontexten, in denen nach Verursachern von Unfällen, u.ä. gefragt werden kann. Je komplexer allerdings die Kausalketten, desto verteilter die Handlungen und Verantwortungen, so daß mitunter weder Schuldige noch Verursacher ermittelt werden können.
„Das könnte heißen: der Körper wird als Gefahr immer bedeutender, je weniger er für ein Interaktionsgeschehen als Zurechnungsinstanz für Risiken in Frage kommt.“
Soweit ich Dich verstehe, zielst Du stets auf (neue) inviolate levels in der Fern-Kommunikation ab. Was passiert freilich, wenn in der computerbasierten Fern-Kommunikation auf solche inviolate levels verzichtet wird (also: keine Wahrnehmungen, Gefühle, Körperreferenzen, etc. als inviolate levels eine Rolle spielen)?
Also:
* Warum sollten Überzeugungen (hier: in Form somatogener inviolate levels) in der computerbasierten Kommunikation noch irgendeine Rolle spielen? Zumal wenn zukünftig Körperreferenzen immer weiter maschinell simuliert werden dürften (affective computing, avatare, etc.).
* Warum kann auf solche „inviolate levels“ in der computerbasierten Kommunikation „nicht“ verzichtet werden?
* Und warum sollten wir zwischen Bewußtseinsprozessoren und Computern in dieser Fernkommunikationsvariante differenzieren wollen? Kürzer gefragt: „Who cares – and why?“.
„Dass auch die Systemtheorie strukturell davon geprägt ist, kann man an der Leugnung dieses Sachverhalts bemerken. Auch Systemtheorie betreibt Kritik und entzieht sich ihrer eigenen Erreichbarkeit.“ –
Du sprichst von „der“ Systemtheorie, bitte welche meinst Du,?
Es gibt etwa 31 bisher bekannte „Systemtheorien“, die sich in der Regel jedoch sachlich durch einen Zusatz erkennbar geben, weil den Verfassern bekannt ist, daß sich die meisten völlig widersprechen und inkompatibel zueinander sind und daher Verwechslungen oder Mißverständnisse dadurch vermieden werden sollen.
Darüber hinaus gibt es die Allgemeine Systemtheorie, als „Lehre von den Systemen“.
Würde dich gern verstehen, daher also bitte die Frage:
Von welcher Theorie der Systeme / Systemtheorie sprichst du?
“Who cares – and why?” Ja, eine sehr gute und wichtige Frage. Und wenn du Geduld hast, würde ich mich in den nächsten 500 Blog-Artikeln mit dieser Frage beschäftigen.
Ich bin vor drei Jahren einmal in so eine dämliche Internet Abofalle getreten. Ich will das kurz erzählen: Ich hatte die Schnauze von Microsoft-Office voll und wollte auf Open-Office umsteigen. Eine einfache Google-Suche schickte mir im ersten Treffer einen Link zu so einer Premiumcontent-Webseite. Schon Monate vorher hatte ich über diese Abofallen gelesen und war mir nach nüchterner Betrachtung sicher, dass die Einischt „so etwas kann mir nicht passieren“ kreuzdämlich ist. Es war mir klar: es kann eben doch passieren. Nur wusste ich nicht wie und warum. In dieser betreffenden Siutation nun war ich über Microsoft verärgert, weil mit dem neuen Office die ganze Menüführung umgeändert wurde. Bis dahin war ich in Sachen Microsoft Word ein Ass, ich wusste alles darüber, aber plötzlich wurde ich durch die Umstellung des Menüs zu einem Analphabeten gemacht. Darum meine Umstellung, und darum mein Vertrauen in Open-Office. Als ich vor dem Download um meine Post-Adresse gebeten wurde, hab ich nur gedacht, dass sie mir Werbung schicken wollen, womit ich einverstanden war, weil ich dachte: das Programm ist sehr gut und dann nehm ich die Werbung hin. Kurz: nur eine, vielleicht zwei Sekunden hatten ausgereicht um meine kritische Aufmerksamkeit auszuschalten; wobei sie aber nicht vollständig ausgeschaltet war, ich hatte keine Drogen genommen, sondern sie war in dieser Situation nur auf etwas Bestimmtes, auf etwas anderes gerichtet, nämlich auf eine kritische Ablehnung der Microsoft-Produktpolitik und eine Akzeptanz des Open-Office. Ich war also klar bei Verstand. Zwei Wochen später bekam ich die erste Rechnung, gefolgt von Mahnungen, Drohungen usw. Nun war mir gottlob sofort klar, wie ich mich zu verhalten hatte, nämlich: totstellen. Nichts tun, nicht dort anrufen, keine Mails schreiben, keine Beschwerden, nichts. Denn jede Kontakaufnahme mit dieser Firma hätte ja meine Adressdaten valide erscheinen lassen und damit auch ein Eingeständnis darüber nachträglich erzeugen können, dass ich tatsächlich am PC sitzend einen Vertrag abgeschlossen habe. Das hatte geholfen. Die Firma kennt mich nicht und ich sie auch nicht. Sie lässt mich in Ruhe.
Es wäre nun selbst wiederum kreuzdämlich zu glauben, ich wäre nur dämlich gewesen und ich sei doch selber daran schuld. Denn ich wiederhole: meine kritische Aufmerksamkeit war eben nicht ausgeschaltet, aber die Kompelxität in dieser Entscheidungssituation war größer als mein momentanes Aufmerksamkeitsbewältigungsvermögen. Ich war überfordert, nicht dumm. Und ich war besonnen genug, anschließend darüber nachzudenken, wie ich mich verhalten musste. Nun, ich habe diesen Turing-Test bestanden. Diese Drohungen dieser Firma hatten wir keine Angst gemacht. Und du weißt gewiss, dass es vielen Leuten in so einer Siuation anders geht. Diese Firmen haben ordentlich abkassiert.
Ahnst du worauf ich hinaus will? Das transzendentale Subjekt hat ausgeschissen. Weil es dieser Komplexität nicht mehr gewachsen ist, aber muss trotzdem für all das, wofür es gar nichts kann, die volle Verantwortung übernehmen.
@Kusanowsky / 20. April 2012 13:31:
Da sind aber nun wohl doch einige Fragen erforderlich:
– „Das Risiko wäre, wenn Überzeugungen das Beoachtungsverhalten dirigieren. “ –
Bitte was soll diese Bemerkung? Beobachtungsverhalten (VERHALTEN!) werden nur und immer von Überzeugungen dirigiert – oder sie finden nicht statt. Also taucht die Frage auf, wann und wie ein „Beobachtungsverhalten“ entstehen oder stattfinden kann, das nicht („durch nichts“) dirigiert wird, bzw. wann und wie etwas „dirigiert“ werden könnte, das nicht einer Überzeugung entspringt oder unterliegt ??
Ich würde dies Bemerkung einfach (und schnell) streichen.
– „Denn ganz leicht hat man eine Wahrheit eingesehen, aber nur sehr schwer einen Irrtum.“ –
Und was dann, wenn derr Irrtum eine Wahrheit war oder ist, wenn die Wahrheit (welche? die „objektive“??) nichts anderes als der Irrtum selber war oder ist?
Kann mir nicht die Bemerkung verkneifen:
Soetwas kommt eben heraus, wenn man sich auf Leute beruft, denen es von Anbeginn schwer fiel, Irrtum und Wahrheit auseinander zu halten und die letztlich daran zugrunde gingen (NIE).
Der Spruch ist nichts anderes als ein Bambusrohr: Richtig beschnitten ist es hohl und läßt „durchblicken“, falsch beschnitten ist nach wenigen Zentimetern Schluß, nur hohle Dunkelheit, besser Finsternis …
Also wer definiert das denn, was „Wahrheit“ und „Irrtum“ sein soll, der Herr NIE?
Leider kann der wohl nicht mehr weiterhelfen.
Der hatte nämlich schon zu Lebzeiten einen Sack voller „Überzeugungen“ wie z.B. die:
„Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.“
Da muß er wohl eine Menge Feinde aufgeschrieben hinterlassen haben.
Kein weiterer Kommentar möglich.
– „der Körper wird als Gefahr immer bedeutender, je weniger er für ein Interaktionsgeschehen als Zurechnungsinstanz für Risiken in Frage kommt.“ –
Eben eben, vor allem, wenn das so nicht nur auf den Körper zutreffen muß (s. vorstehend):
„der Geist wird als Gefahr immer bedeutender, je weniger er für ein Interaktionsgeschehen als Zurechnungsinstanz für Risiken in Frage kommt.“
Tut mir Leid Kusanowsky, aber nach diesen Tausenden von Buchstaben hier sollten diese Dinge so weder das Ergebnis sein bzw. sie nicht unerkannt da stehen bleiben.
„* Und warum sollten wir zwischen Bewußtseinsprozessoren und Computern in dieser Fernkommunikationsvariante differenzieren wollen? “
Wenn der „BewußtseinsPROZESSOR“ jedoch ein „BewußtseinsPROFESSOR“ ist, läge das auf der Hand, oder?
Wenn der „Computer“ jedoch ein „BewußtseinsPROFESSOR als BewußtseinsPROZEESSOR“ sein sollte, würde ich sagen, liegt auch eine Antwort auf dem Tisch: Solche Professoren gibt es nicht und nie. Solche Prozessoren auch nicht.
Bleibt die Frage aus deinem Text,:
„was ist ein Bewußtseinsprozessor?“
„Mensch“ (als Lebewesen) geht schlecht als Prozessor, erst recht als Bewußtseinsprozessor, da bereits der erste Teil des Begriffes den zweiten ausschließt und „Zumal … zukünftig Körperreferenzen immer weiter maschinell simuliert werden …“?
(Was haben letztere und deren Simulation wohl mit BewußtSEIN zu tun ?)
Oder ob ich dich besser fragen sollte, was du wohl mit BewußtSEIN meinen könntest, wie du solches „prozessiert“ sehen würdest?
Soll das „getrollt“ sein? „Getrollte Blockade“ oder „Blockierte Trollerei“ – ja wovon?
„Ahnst du worauf ich hinaus will? Das transzendentale Subjekt hat ausgeschissen. Weil es dieser Komplexität nicht mehr gewachsen ist, aber muss trotzdem für all das, wofür es gar nichts kann, die volle Verantwortung übernehmen.“ –
Verantwortung übernehmen: ja
Ausgeschissen: Nein
Warum?
Weil „Das transzendentale Subjekt“ nichts anderes als ewig stoffwechselnder MENSCH ist, und soetwas kann nie „ausgeschissen“ haben, im Gegenteil …
(Was reingeht, muß auch wieder raus)
Dein lustiginteressantes Erlebnis mit „Open dingsbums“ dürfte allseits bekannt sein, so auch eben dem „Open dingsbums“-Anbieter – nur dem schon etwas zeitiger, um nicht zu sagen von vornherein: Das ist sein Geschäftsmodell.
Da hinter ihm aber auch wieder (nur) „Das transzendentale Subjekt“ Mensch steckt, würdest du sicher gleichzeitig dieses Subjekt nicht als „ausgeschissen“ bezeichnen, im Gegenteil, das ist doch wohl in dieser Situation eher das aufstrebenede „transzendentale Subjekt“.
Was sagt uns das?
Ein „Open dingsbums“-Beschiss durch ein „transzendentale Subjekt“ ist nicht zu verwechseln mit dem „Ausschiß“ aller „transzendentalen Subjekte“.
Wohl ein lustiges aber in diesem Kontext hier fehlerhaftes Exampel, zumindest lückenhaft und ergänzungsbedürftig, um nicht zu einer unbeabsichtigten Trollblokade mit fraglichem sozialesotherischem Resteindruck zu verleiten.
– „M.E. ist die psychologisierende Attributionsweise zutiefst “(früh-)modern”.
Die Zurechnung auf Schuld betrachte ich nicht als psychologische Operation, sondern kausal-ökonomische Reifikation und Inferenz, durch welche sich Kommunikation unablässig selbst-externalisiert:
„Was wir Ursache, die Römer causa nennen, heißt bei den Griechen *aition, das, was ein anderes verschuldet. Die vier Ursachen sind die unter sich zusammengehörigen Weisen des Verschuldens.
[…]
Wir Heutigen sind zu leicht geneigt, das Verschulden entweder moralisch als Verfehlung zu verstehen oder aber als eine Art des Wirkens zu deuten. In beiden Fällen versperren wir uns den Weg zum anfänglichen Sinn dessen, was man später Kausalität nennt. Solange sich dieser Weg nicht öffnet, erblicken wir auch nicht, was das Instrumentale, das im Kausalen beruht, eigentlich ist.“
http://petradoom.stormpages.com/hei_tech.html
– „Wissenschaft selbst hat aber keine Kommunikationsadresse, daher ist es auch müßig, ihr Subjekt- und Agentencharakter zuschreiben zu wollen. “
„Die Wissenschaft denkt nicht“ (Heidegger, Was heißt denken?)
Auch wenn man der Wissenschaft Subjekt- und Agentencharakter ab- statt zuschreibt, wie Du oder Heidegger, wird sie kommunikativ adressiert als Adressenlosigkeit.
(Nebenbei: Erfolgt nicht jede Adressierung in Abwesenheit nicht nur des Adressaten, sondern auch einer identischen Adresse? Werden nicht Adressen erst erzeugt im Zuge der Adressierung?)
Dass es möglich ist sie anzurufen („Der Wissenschaft sei Dank!“) und sich auf sie zu berufen („Wir betreiben hier Wissenschaft, keine Ideologie“), sich an sie zu richten, legt das nahe.
„Und wenn du Geduld hast, würde ich mich in den nächsten 500 Blog-Artikeln mit dieser Frage beschäftigen.“ OK, take your time 🙂
Apropos „transzendentales Subjekt“: Seltsam, daß Du das immer wieder ins Spiel bringst. Ich denke, diese Figur ist schon seit längerem obsolet. Entweder weil das
nur auf paradoxe re-entries verweist [transzendental (transzendental / immanent), etc.) oder tiefer gelegt werden kann, z.B. als „offenes Netzwerk quasi-transzendentaler Infrastrukturen“ (Derrida).
Und auch die Unjekt- / Catjekt-Untersuchungen von Fuchs / Baecker verweisen ja darauf, daß es hier komplizierter zugeht als bei den guten alten (essentialistischen) „Bedingungen der Möglichkeit von…“.
@Gitte Ergänzung von mir: Zur Geburt der Schrift aus dem Geiste der Schuld (Schriftentstehung zu Zwecken der buchhalterischen Erfassung von Verschuldungs-Verhältnissen), vgl. auch Baecker, 5:38:
„Ich denke, diese Figur ist schon seit längerem obsolet.“ Seit wann und für wen? Weil zwei bedeutungslose Professoren zu diesem Thema bedeutungslose Texte verfasst haben, ist diese Figur für alle anderen bedeutungslos geworden? Professoren, die solche Texte schreiben, betreiben immer noch die selbe Diszplin, durch die dieses Subjekt zur Welt gekommen ist: in der Einsamkeit einer Studierstube grämte sich einst ein Doktor Faustus ein vedrossener Alleswisser und Alleskönner zu sein, der es sogar mit der Magie und dem Teufel aufnehmen könnte. Nachdem 300 Jahre vergangen sind kann man feststellen, dass es noch immer noch solche inzwischen trivial verbreitete Genies gibt, die Texte verbreiten und höchst verdrossen ob der Tatsache sind, dass all dieser Massentextmüll von kaum jemandem gelesen wird. Und dass du das gelesen hast zeigt nur, dass auch seltene Dinge jederzeit passieren können.
Wie wärs, im Ernst formuliert, sie begännen wieder damit sich mit Magie und Teufeleien zu befassen? Aber nein, das ist zu riskant und wird von niemandem belohnt, ist nicht reputationsfähig. Diese Wissenschaftler tun nichts Gutes mehr, es sein denn, sie werden dafür belohnt.
Und wenn ich mich darin gründlich irren sollte, dann möchte ich, dass mir jemand erklärt, warum sie es nicht auch mal mit Trollkommunikation versuchen. Man könnte es ja mal ausprobieren, und es sei es nur aus reiner wissenschaftlicher Neugier. Aber gewiss: das ist alberner Wissenschaftsromantizismus, der strukturell völlig obsolet geworden ist. Sie beschreiben ihre Wissenschaft nunmehr als Systemtheorie und möchten bitte verlangen, gemäß scholastischer Wahrheit, nach Maßgabe dieser Selbstbeschreibung beobachtet zu werden, denn ihre Selbstbeschreibung besagt, dass die Selbstbeschreibung von Systemen nur eine selektive Möglichkeit darstellt, die sich gerade durch ihren Vollzug einer Fremdbeobachtung nicht entziehen kann; und sie glauben immer noch, die dafür relevanten Beobachtungbedinungen eigenmächtig herzustellen, nämlich nach Maßgabe einer Wissenschaftsbürokratie, die nicht mehr genau weiß, mit welchen intelligenten Angelegenheiten sie sich noch befassen sollte, weshalb sie einfach tut, was man immer schon getan hat: Belehren und Texte verbreiten, auf Teufel komm raus, auch wenn man dafür kaum noch belohnt wird.
„dann möchte ich, dass mir jemand erklärt, warum sie es nicht auch mal mit Trollkommunikation versuchen.“
„Harun Al-Raschid war ein Kalif, der sich jeden Abend als Kaufmann verkleidet unters Volk mischte und den Geschichten lauschte, die dort erzählt wurden.“
Woher willst Du wissen, dass nicht Wissenschaftsbeamte diese Kalifenstrategie der Verkleidung und Verstellung längst praktizieren? Verlangst Du von Ihnen, dass sie sich mit Klarnamen zu erkennen geben?
@Kusanowsky – Danke für eine gute Stunde unter der Gedankendusche dieses inzwischen geradezu unersetzlichen Dirk Baecker: der sich selbst beobachtende Beobachter wird immer intensiver der wahrnehmende Wahrnehmer, der sich vor allem probeweise erschreckt, um durch nichts mehr überrascht werden zu können.
Ein überraschender Lerneffekt, der sich durch Versuche einstellt, nicht-überzeugte Verständigung zu erproben, besteht darin, eben solche Fragen besser als jeder andere beantworten zu können. Die Folgerung: wenn noch irgendjemand irgendetwas ganz genau wissen könnte, dann bin ich das.
@Klaus:
> Weil zwei bedeutungslose Professoren zu diesem Thema bedeutungslose Texte
> verfasst haben, ist diese Figur für alle anderen bedeutungslos geworden?
Nun, ich denke klassischer Transzendentalismus (sensu: Bedingung der Möglichkeit von xy, bei der „xy vollends bestimmt“ werden soll) ist passé. Denn das entspricht einer essentialistischen Spielart, die nicht mehr zu überzeugen vermag [zum Essentialismusproblem siehe auch: http://kybernetiks.wordpress.com/2012/03/18/borgen-pattern-recognition-zeichen-medien-welt-dualismus/%5D.
Es ist dann die Frage, ob Du Deinem Transzendentalismus einen nicht-essentialistischen Twist verpassen kannst, so wie das Derrida getan hat mit seinem „offenen Netzwerk quasi-transzendentaler Infrastrukturen (différance, itérabilité, pharmakon, etc.)“ [eine gute Darstellung dazu ist Rodolphe Gaschés „Tain of the Mirror“, http://www.amazon.de/The-Tain-Mirror-Philosophy-Reflection/dp/0674867017/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1334948556&sr=8-1%5D.
Kannst Du das?
> warum sie es nicht auch mal mit Trollkommunikation versuchen
M.E. schielst Du zu sehr darauf, was „andere“ (Wissenschaftler, Profs) machen sollen.
Warum sollten sie? Die meisten haben ihre eigenen Interessenund Faszinosa.
Zieh doch einfach Dein Ding durch (als Blog-Projekt, Buch, etc.) und bau Dir Deine eigene „Fanbase“ auf (dazu taugt Internet-Kommunikation übrigens „sehr“ gut).
Und wenn dann Wissenschaft, bspw. Soziologie, drauf anspringen sollte – schön. Wenn nicht, dann nicht.
Warum muß Dich das kümmern, wenn Du selbst eine gute Zeit dabei hast und machst, was Dir Freude bereitet?
@Lusru:
> Weil “Das transzendentale Subjekt” nichts anderes als ewig stoffwechselnder MENSCH
> ist, und soetwas kann nie “ausgeschissen” haben, im Gegenteil …
So, so. „Der Mensch“ geistert `mal wieder herum… „Faszinierend“ (ITroll).
@Gitte:
„Die Zurechnung auf Schuld betrachte ich nicht als psychologische Operation, sondern kausal-ökonomische Reifikation und Inferenz, durch welche sich Kommunikation unablässig selbst-externalisiert“:
Es geht nicht um „psychologische / psychische“ Operation in der Kommunikation (wie soll das gehen?), sondern darum, daß Kommunikation (spätestens) in der Frühmoderne zu „psychologisieren“ beginnt und entsprechend auf Bewußtsein „attribuiert“ wird. (Stichworte: Beichte, Motive, Interessen, Unbewußtes, usf.).
Die vormoderne Schuld- / Verantwortungsattribution wäre demgegenüber a- bzw. vor-psychologisch [es ist dann die Frage, wie vormodern „Bewußtsein“ zur Geltung kommt – wenn überhaupt].
> Auch wenn man der Wissenschaft Subjekt- und Agentencharakter ab- statt zuschreibt, > wie Du oder Heidegger, wird sie kommunikativ adressiert als Adressenlosigkeit.
Es scheint mir einen Unterschied zwischen „Thematisierung“ und „Adressierung“ zu geben. So kann ich bspw. über „aliens“ und „alien abduction“ texten, aber das heißt nicht, daß ich diese Aliens auch „adressieren“ kann.
> Dass es möglich ist sie anzurufen (“Der Wissenschaft sei Dank!”) und sich auf sie zu
> berufen (“Wir betreiben hier Wissenschaft, keine Ideologie”), sich an sie zu richten,
> legt das nahe.
Du kannst auch schreiben: „Der Blitz ist eingeschlagen“. Ist der Blitz, dann auch ein Subjekt, das Du adressieren kannst? Nur weil Du einen Ausdruck im Deutschen als „grammatikalisches“ Subjekt (Blitz oder andere unpersönliche Phänomene, Funktionssysteme wie „Recht“, „Wissenschaft“, etc.) benutzen kannst, heißt das noch nicht, daß auch Kommunikationsadressen vorliegen, an die Du Dich wenden kannst.
Kleiner Test:
Schreib einfach `mal einen Brief an „die“ Wissenschaft, an „die“ Politik, an „das“ Recht
oder „den“ Blitz, „die“ Sonne, etc. – glaubst Du, Du erhälst eine Antwort? Falls ja, teile uns die Postadresse bitte in diesem Forum umgehend mit 🙂
Was hältst du von einer einfachen, weil heutigen (keiner hy-gedeggten) Lösung:
“Was wir Ursache, die Römer causa nennen, heißt bei den Griechen *aition, das, was ein anderes verschuldet.
und weiter:
„Wir Heutigen sind zu leicht geneigt, das Verschulden entweder moralisch als Verfehlung zu verstehen oder aber als eine Art des Wirkens zu deuten. In beiden Fällen versperren wir uns den Weg zum anfänglichen Sinn dessen, was man später Kausalität nennt. Solange sich dieser Weg nicht öffnet, erblicken wir auch nicht, was das Instrumentale, das im Kausalen beruht, eigentlich ist.” –
Nein, mit einer kleinen Besinnung auf das deutsche heutige Sprachwerk findet das eben nnicht statt: Wie wäre es, wenn du den hier falschen Begriff „Verschulden“, der dich allein anscheinend in dieses Dilemma führt, einfach gegen den gemeinten Begriff „bewirken“ austauscht – deine gesuchte Kausalität ist puntum gesichert.
So ist das eben, wenn man von „Damaligen“ benutzte Begriffe („verschulden“ als „bewirken“) nicht sinngemäß wie gemeint ins Heutige herüberbringt!
Zum Vergleich:
Jeder einigermaßen altsprachlich Gebildete weiß, daß wenn vor 2000 Jahren in Palästina von einer „Jungfrau“ gesprochen wird, daß damit nichts anderes gemeint war, als eine „unverheiratete“, eine nicht vergebene Frau, die weder jung noch kinderlos noch „jungfräulich“ im heutigen Sprachgebrauch sein mußte.
Schwierigkeiten hat nun der, der das nicht bzw. zu spät konstatierte und nun inzwischen nicht mehr zurück kann hinter seine auf diesen Kommunikationsfehler begründetete Kausalität …
Nach Anhörung festgestellt –
Womit deutlich wird:
Der gesamte Inhalt des Gespräches mit Dirk Baeker erübrigt sich, löst sich in unergiebiger Nebensächlichkeit auf, wenn:
Die störende Erfindung der (Hilfs)Konstruktion eines „operativ geschlossenen Systems“, besonders auf der „informellen“ Ebene, einfach beseitigt wird (damit gleichzeitig die völlig daneben geratene Luhmannsche Systemtheorie), da Dirk Baeker in diesem Gespräch hervorragend gleich selber das nachweist:
Mensch bleibt Mensch!
Sogar in der Soziologie!
Mensch befindet sich nach ihm leider immer noch -nach mir: dankenswerterweise auch künftig – in der Kommunikationsbereitschaft, die Mensch „mal“ ausmachte, heute noch immer ausmacht und künftig weiterhin kennzeichnen wird:
Die des biologischen und soziologisch gebundenen immerwährend offenen Systems Mensch, der NUR SO DEN gesamten AUSTAUSCH zu seiner Erhaltung und Entwicklung, für sein biologisches und soziologisches Dasein unter (wieder solchen ) Menschen vollziehen kann und muß.
Was er beklagt, ist ein „Zurückbleiben von Mensch“ bei neuen Kommunikationserscheiningen, die „Überforderung“ wie er sagt, was tatsächlich zu beklagen ist, ist jedoch der Mangel seiner eigenen sogenannten Systemtheorie (des Luhmann), die mit ihrer alles prägenden Denk-Basis „geschlossene Operativität“ die normale Erscheinung eines permanent und rundum offenen Systems Mensch weder erfassen noch abbilden noch erklären kann.
So baut sich bei ihm ein Popanz der Kommunikationsstufen auf, dem Mensch angeblich nicht gewachsen sei.
Ich gebe zu denken:
Diese von Baeker benannten „Kommunikationsstufen, denen Mensch angeblich nicht gewachsen sei, bitte wo kommen die denn her? Ob die vielleicht der Mensch, der ihnen nicht gewachsen sein soll, eventuell selber entwickelt hat?
Was in diesem Gespräch verbreitet wird, erinnert an schlechten Religionsunterricht, wohlgemerkt: an schlechten mit großer Andacht.
Bestenfalls ist das alles esotherisch zu verkraften, insofern kann man sagen:
Dem ist Mensch so nun tatsächlich nicht gewachsen,.
Der „erfährt“ neue Kommunikationsmittel dankenswerterweise tatsächlich auch noch mit seinen „urigen“ Sinnen und kann sie daher recht gut auf Ihre Nützlichkeit und Anwendbarkeit bewerten, was millionenfach täglich stattfindet – was von den Ausführungen des Herrn Baeker wohl kaum behauptet werden kann.
Es lohnt sich eben – auch praktisch – nicht, in der Soziologie den Menschen vom Menschsein zu trennen, ein natürliches offenes biologisches soziologisch gebundenes System zwecks angeblich leichterer Beobachtung zu Konstrukten von „operativ geschlossenen“ Objekten zu deklarieren, es führt zu – nichts,
Es sei denn, es kann jemand das Gegenteil nachweisen (nicht nur behaupten) …
Schon wieder spielst du (nur) den Polier statt selber los zu legen, von neulich mit der „Gedankenrabatte“ zur heutig ausgemachten „Gedankendusche“ – Apollogetik raus!
Schreib etwas Lyrik dazu, das müßte dir doch gut gelingen.
Und hast du dich beim „geradezu unersetzlichen Dirk Baecker“ nicht etwa verschrieben, sollte es nicht vielmehr „unversetzlichen“ heißen? (wie „unveränderlich?)
Der beobachtet sich selbst doch am allerwenigsten, sonst hätte er bestimmt schon einiges bemerkt von den banalen Widersprüchen die er in dem Video mit A. Kluge oben kundtut …
So bleibe dann wohl nur ich als wahrnehmender Wahrnehmer der Apollogenese des Dieterbohrer.
[…] Thema Die Trollblockade als Vermeidungsproblem einer Sozialesoterik hattte Peter Bormann in seinem letzen Kommentar geschrieben M.E. schielst Du zu sehr darauf, was […]
@Peter Bormann
„Du kannst auch schreiben: “Der Blitz ist eingeschlagen”. Ist der Blitz, dann auch ein Subjekt, das Du adressieren kannst? Nur weil Du einen Ausdruck im Deutschen als “grammatikalisches” Subjekt (Blitz oder andere unpersönliche Phänomene, Funktionssysteme wie “Recht”, “Wissenschaft”, etc.) benutzen kannst, heißt das noch nicht, daß auch Kommunikationsadressen vorliegen, an die Du Dich wenden kannst.“
Sollte ich den Blitz in einem Hymnus anrufen, mich an ihn richten und wenden (Oh, Blitz, du letzter Freund! Schlag ein in meiner Feinde Haus!) würdest Du mich immer wieder darauf hinweisen, dass ich das eigentlich nicht kann, obwohl ich es gerade getan habe? Mich wundert, dass du zwar mit Derrida auf die prinzipielle Abwesenheit der Empfänger anerkennst, aber nicht anzunehmen scheinst, dass auch die quasi-transzendentale Unadressierbarkeit die Voraussetzung aller Adressierung sein muß.
„Kleiner Test:
Schreib einfach `mal einen Brief an “die” Wissenschaft, an “die” Politik, an “das” Recht
oder “den” Blitz, “die” Sonne, etc. – glaubst Du, Du erhälst eine Antwort? Falls ja, teile uns die Postadresse bitte in diesem Forum umgehend mit :-)“
Sollte wirklich der Erhalt einer Antwort das Kriterium dafür abgeben, ob ich mich an jemanden/etwas (und Etwas wird eben im Modus des Sich-Wendens ent-sächlicht und personalisiert, vom Was zum Wer) richten kann oder nicht? Dann wären umgekehrt alle, die an ihre offizielle Postadresse geschickten Schreiben unbeantwortet lassen ebenfalls unadressierbare Sächlichkeiten wie Recht, Wissenschaft oder Blitz?
Mit dieser Frage adressiere ich die Kommunikationsadresse „Peter Bormann“, die von sich behauptet, es gäbe sie. Zumindest in meiner Einbildung.
@Lusru:
1) „Es sei denn, es kann jemand das Gegenteil nachweisen (nicht nur behaupten)“
Mach doch `mal folgenden Test: schließe Deine „Denkoperationen“ mit den meinigen (z.B. als social mind) via diesen vorliegenden Kommentar kurz. Da Du ja entspr. Deiner Position ein „völlig offenes“ Denksystem besitzt, dürfte das für Dich kein Problem sein.
Telepathischer Vorteil: Es kann auf jede weitere Kommunikation „verzichtet“ werden.
Kannst Du das (und weißt Du, was ich im Moment, während ich das tippe, alles denke)?
Wenn nicht, dann würde ich mir über meine „Kommunikationskonzeption“ vielleicht „ernsthaft“ Gedanken machen.
2) „Das offene System Mensch“: Dir ist aber schon geläufig, daß bei einer Kompaktfigur wie „Mensch“ nicht alles „sozial relevant“ ist. Oder bist Du der Ansicht, daß „Darmwegungen“, „Zellteilungen“, „Synapsenverbindungen“, etc. auch „Bestandteil“ (!) jeder sozialen Kommunikation sind?
Sorry, Lusru, aber Deine obige Baecker-Kritik wirkt weitaus „hilftloser“ als das, was bspw. die Bielefelder Systemtheorie, Laclaus Diskurstheorie oder Derridas écriture im erweiterten Sinne zum Kommunikationsverständnis beigetragen haben. Man muß sich solchen Positionen nicht
anschließen, aber „anthropologische Hilflosigkeit 2.0“ ist kein Äquivalent dafür.
@ PB „dass auch die quasi-transzendentale Unadressierbarkeit die Voraussetzung aller Adressierung sein muß.“ Das Argument ist überzeugend. Meinst du nicht?
Nun, Peter Bormann, wie ich sehe, bist du sogar (fast) anonym adressierbar, fast wie der Blitz und (fast) genau so schnell.
So, wie der Blitz, bist auch du nur eine (1) Erscheinung in der Natur, im Universum.
Wenn du das tatsächlich bist, bist du EIN Ganzes. Dies bist du aber nicht im Sinne eines einheitlichen Stückes, sondern, wie Bertalanffy feststellte, als ein Organismus.
Das ist EIN lebendes Ganzes.
Nach der Systemtheorie Bertalanffys besteht JEDES GANZE aus Teilen, aus Elementen und Komponenten, und dies ausschließlich in dem Verständnis, daß das SYSTEM „GANZES“ kein „selbst“ im endgültigen Sinne ist sondern ausschließlich als permanente (auch sich permanent verändernde) EMERGENZ des Zusammenwirkens der Teile (Elemente und Komponenten), die durch die Summe der Anwesenheit dieser Teile oder deren Merkmale nicht herstellbar ist, besteht.
Das dürfte dir alles bekannt sein.
Anschließend an deine Adressierbarkeits-Überlegungen hier nun die Frage, ist denn eine nur als Emergenz existierende Erscheinung (Ganzes) dann adressierbar?
Ja, so wie jede Adresse sich auch nur (!) aus TEILEN zusammensetzt, sind die Teile, die zu solch einer Emergenz (hin)führen, immer adressierbar – sofern diese selbst vorhanden ist.
Du bist auch (nur) solch eine Emergenz, als solche ein biologischer Organismus und damit System, als dieses sowohl gleichzeitig und während der gesamten Existenz an die GANZHEIT der betreffenden elementaren und komplexen physikalischen wie chemischen „Regeln“ gebunden, damit auch an die für
einen Organismus zwingend erforderlichen Strukturen innerhalb und zwischen den Teilen des Systems Organismus (ein lebendes System), aber auch an die ebenfalls für jedes lebende System zwingend erforderlichen Strukturen der Schnittstellen zu „benachbarten“ Systemen aller Art, zur „Umgebung“.
Dazu gehört somit ebenfalls zwingend für jeden Organismus (in seiner „Ganzheit“) das Beziehungsgebilde, die Struktur zu anderen Systemen / Organismen seiner und der anderer Arten.
Hieraus ergibt sich auch der soziologisch festzustellende Zwang zur permanenten Funktionsfähigkeit aller Verbindungserscheinungen aller Art und damit deren gesamter Struktur zu den anderen Organismen seiner Art .
Was sind nun STRUKTUREN?
Strukturen sind (auch) INFORMATIONEN, und zwar funktionell elemantar unverzichtbare bei z.B. Organismen.
Wir sehen, es gibt nicht die geringste Möglichkeit, auch nur denksportlicher Art, eine „operationelle Geschlossenheit auf informationeller Ebene“ herzustellen, da dies den Ausschluß des permanent lebensnotwendigen Informationsaustausches in und zwischen den Organismen und ihrer Umwelt und damit
den Tod
des betreffenden Organismus bedeutet.
Somit argumentiert Luhmann (und „Jünger“) mit derlei verkorkster „Systemtheorie“ (die nie eine war), offenbar um die Komplexität zwischen den Elementen und den Organismen selber zu „umschiffen“ (unbekümmert daran vorbei zu kommen, ohne sich diesen Fragen stellen zu müssen) und dem dann auch noch den Anschein der Wissenschaftlichkeit zu anzudichten.
Er „operiert“ damit pseudowissenschaftlich auf „operationeller Ebene“ mit den Merkmalen von TOTEN Organismen (wie: nicht lebenden), die damit keine Organismen und somit auch keine soziologischen Subjekte oder Objekte mehr sind.
Was soll das also für eine Soziologie ergeben?
Dieses, lieber P. Bormann, „menschelt“ nicht, sonder ist harte wissenschaftliche Realität, die bei jeder soziologischen Betrachtung eigentlich grundsätzlich vorauszusetzen ist, da sie sich ansonsten nicht mit der Soziologie menschlicher Organismen sondern mit abstrakten und damit nicht-soziologisch relevanten Konstrukten einer Soziologie-Esotherik beschäftigt.
Genau in diesem Verständnis bitte ich auch meine Kritik an dem faden Gespräche des (wie immer und überall) reichlich zusprechenden A. Kluge mit Dirk Baecker zu verstehen:
Da ist nix mit „hilflos“, bestenfalls dann, wenn die Soziologie-Esotherik des Vortragenden gemeint sein sollte.
Dirk Baeker kann sich große Meriten verdienen, indem er die Luhmann- / Baekerschen „Gedankenrabatten“ und „-Duschen“ von dieser Hilfsannahme einer „operationellen Geschlossenheit“ befreit und akzeptiert, daß Systeme nicht gleich Systeme sind, daß sich nicht jeder (Luhmann z.B.) seine eigene Systemduselei – und das auch noch ohne Definition des Systems an sich – erstellen und das wissenschaftlich nennen kann.
Solltest du dich mit dem Begriff SYSTEM und mit seinem Hauptelement INFORMATION – neben der Masse und der Energie – enger beschäftigen (was jedem in der Soziologie Reisenden unbedingt zu empfehlen ist, jedoch beim Luhmann unterm Sofa verschwunden ist…), würdest du deine wenig sachlich orientierten Bemerkungen zur „Geschlossenheit von Systemen“ bzw. zum „Offenen System Mensch“ wie
>“Das offene System Mensch”: Dir ist aber schon geläufig, daß bei einer Kompaktfigur wie “Mensch” nicht alles “sozial relevant” ist. Oder bist Du der Ansicht, daß “Darmwegungen”, “Zellteilungen”, “Synapsenverbindungen”, etc. auch “Bestandteil” (!) jeder sozialen Kommunikation sind?“<
nicht mehr hier hinterlegen wollen, da es Stammtischparolen mit Binsenweisheiten verbindet und von Wissenschaft befreit wurde.
Um es simpel zu formulieren:
Es gibt nichts am Organismus Mensch, das nicht soziologisch relevant ist, weil es nichts gibt, das nicht sozial relevant ist. Alles, was mindestens zur elementaren Funktionssicherung des Organismus Mensch erforderlich ist, ist sozial und damit soziologisch relevant.
Anderenfalls empfehle ich, doch lieber beispielsweise den MARKT als NUR UNTER MENSCHEN EXISTENZFÄHIG soziologisch zu adressieren, da landet dann jede Soziologie, die am Organismus Mensch etwas für ausschließbar, besser für "schließbar" hält. Das hat dann irgendetwas wie deine bezweifelte Adressierbarkeit eine Blitzes: Gibt es sie nicht, gibt es auch keinen Markt …
Um es hier nicht zu dicke hier zu machen:
Den geschätzten Derrida lassen wir hier wohl lieber weg, da sachlich unpassend, dazu gibt es sicher Gelegenheit zur Diskussion.
„Sollte ich den Blitz in einem Hymnus anrufen, mich an ihn richten und wenden (Oh, Blitz, du letzter Freund! Schlag ein in meiner Feinde Haus!) würdest Du mich immer wieder darauf hinweisen, dass ich das eigentlich nicht kann, obwohl ich es gerade getan habe.“
M.E. hast Du zuerst einmal nur etwas „thematisiert“ (Zeichen funktionieren dabei ganz ohne empirische Referenten). Ich kann also auch texten:
> Oh, heilige Schwafuffel, nimm Dich der Kommunikationsadresse „Gitte“ an! Oh, köstliches „Dann“?
> Ja – und „dann“? 🙂
@ PB “dass auch die quasi-transzendentale Unadressierbarkeit die Voraussetzung aller Adressierung sein muß.” Das Argument ist überzeugend. Meinst du nicht?
Ich würde sagen „Thematisierung“ (-> „etwas“ rudimentär bezeichnen, an das thematisch weiterhin angeschlossen werden kann) ist zentral. Adressierbarkeit ist nur ein Sonderfall der „Thematisierung“, bei dem auf „kommunikative Erreichbarkeit“ (früher, jetzt, zukünftig) abgezielt wird.
Systemtheoretisch wird i.a. auf drei Adreßarten verwiesen: Familien, Orgas und Personen.
Aber ich würde sagen, es kommt darauf an, welche Adressen gesellschaftsrelativ als kommunikativ erreichbar angesehen werden. Das heißt: in der Vormoderne konnten wohl auch Dämonen, Geister, Götter, Engel, Naturphänomene, etc. als Kommunikationsadressen überzeugen. Heute überzeugen diese Komm.adressen nicht mehr („Gott“ – wenn man denn religiös gestimmt ist – ausgenommen). Mais, qui sait: In der „next society“ könnten bspw auch AIs (artificial intelligences) als Kommunikationsadressen einleuchten.
Kurzum meine These: Was als „Kommunikationsadresse“ jeweils fungieren / überzeugen mag, ist letztlich gesellschaftlich bedingt (und errechnet). Aber nicht alles, was sich sprachlich thematisieren läßt, überzeugt automatisch auch als Kommunikationsadresse. Das heißt: das ist „keine“ Frage der persönlichen Idiosynkrasie [wenn Du, Gitte, also anfangen solltest, in der Öffentlichkeit mit Deiner „Hose“ kommunizieren zu wollen… Berichte uns bitte in diesem Forum, wie die Geschichte für Dich ausgegangen ist :-o]
CU PB
„Kurzum meine These: Was als “Kommunikationsadresse” jeweils fungieren / überzeugen mag, ist letztlich gesellschaftlich bedingt (und errechnet).“
Doch aber sicher nicht im Sinne unhintergehbarer Normen EINER homogenen, mit sich selbst über Nichtsüberzeugendes im Konsens befindlichen Gesellschaft, deren Verstoss sanktioniert werden könnte?
„wenn Du, Gitte, also anfangen solltest, in der Öffentlichkeit mit Deiner „Hose“ kommunizieren zu wollen… Berichte uns bitte in diesem Forum, wie die Geschichte für Dich ausgegangen ist 😮 “
Wenn die Geschichte für mich mit Sanktionen irgendwelcher Art ausgegangen sein sollte, dergestalt, dass man mich ächtet unter Verweis darauf, dass man derartiges in unserer heutigen Gesellschaft doch bekanntermassen nicht mehr tue (wie Du wohl zu erwarten scheinst und es selbst nur zu gern tust):
Könnte ich nicht meinerseits unter Aufgebot der von Dir bereitgestellten Mittel kontern, Zurechtweisungen diesen Typs, bei denen Verhalten mit der Formel „Das macht man heute nicht mehr, denn es überzeugt in unserer Gesellschaft bekanntermaßen nicht mehr“ seien unzeitgemäß und alles anderes als überzeugend?
Weder kann ein allgemein Überzeugendes, noch ein „Bekanntermaßen“ mehr naiv vorausgesetzt werden. Mit beidem steht und fällt jedoch deine Argumentation.
@Lusru:
Vielleicht können wir die Diskussion bei anderer Gelegenheit weiterführen (ich muß mich, wie erwähnt, die nächste Zeit u.a. mehr um unser Technik-Blog kümmern).
Überzeugt bin ich von Deinen Ausführungen jedenfalls nicht. Denn sie beantworten eigentlich „nicht“ zwei für die Soziologie zentrale Fragen:
1) Wie ist Soziales möglich?
2) Und wie funktioniert das „genau“?
Daß dabei „alles“ am Organismus „Mensch“ soziologisch relevant sein soll, dürften wohl fast alle Soziolog(inn)en verneinen. Was sich im Darm, Herz, Gehirn etc. ereignet, ist als infrastrukturelle Voraussetzung wichtig (Tote kommunizieren schlecht – es sei denn, Geister können als Kommunikationsadressen überzeugen, siehe meinen vorigen Kommentar). Aber das erklärt weder das Prozessieren von Zeichen / marks / Medienformen noch das Zusammenspiel und Funktionieren von Bewußtsein und Kommunikation i.a. und auch nicht das Funktionieren von bestimmten sozialen Operationszusammenhängen i.b. (Interaktionen, Organisationen, etc.).
Und ich kann bislang auch nicht erkennen, daß Du irgend eine Antwort auf diese beiden zentralen Fragen geben konntest.
Das, was Du schreibst, könntest Du bspw. auch auf „Ameisen“ beziehen, aber ich sehe nicht, inwiefern diese bspw. als Prozessoren von semiotisch / differentiell relevanten Medienformen in Frage kommen können. Und genau darauf käme es aber bei unserer Spezies an (Computer z.B. können das bislang nicht – und vielleicht können sie das auch niemals).
Ich weiß freilich genau, daß solche Antworten in der Bielefelder Systemtheorie entwickelt wurden. Ob und inwiefern diese Antwortversuche zu „überzeugen“ vermögen, ist allerdings
eine ganz andere Frage.
Deine Position landet dagegen bei einer Art „Sozio-Biologie“, die alles und jedes soziologisch zu thematisieren sucht. Ich bezweifle freilich, daß das möglich ist. Why? Too much (sociologically irrelevant) complexity [-> Gehirn, Nervensystem, Immunsystem, u.dgl. mehr]
Hasta pronto
~Peter
PS –
Als zentrale Theoriefigur würde ich heutzutage „Selbstbezüglichkeit“ ansehen – und genau mit dieser Hypothese (selbstreferentiellen re-entries, autologischem Gebrauch von Medienformen) wird (nicht nur) in der Bielefelder Systemtheorie auf interessante Weise operiert. Und genau deshalb läßt sich von dieser Theorieformation einiges „lernen“ – unabhängig davon, ob man den re-entry-Systembegriff und die These der informationellen Geschlossenheit / des operativen Konstruktivismus (bei energetischer Offenheit) nun akzeptiert oder nicht.
1) Wie ist Soziales möglich?
2) Und wie funktioniert das “genau”?
Das bringt mich auf die Frage wie ist ein soziales System möglich ist, daß die Überzeugung möglich macht, daß diese Frage wichtig ist?
@nordpol – möglicherweise haben wir es hier der sog. Scholastik-Falle zu tun. Die Scholastik-Falle könnte man beschreiben als eine Art Innovationsirrtum, der sich einstellt, wenn man eine alte Wahrheit mit neuen Sprachspielen umformt. Der Versuch, das Normale und Gewöhnliche als ungewöhnlich und seltsam zu beobachten, also die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit der Beobachtung dieser Beobachtung aufzuwerfen, zieht es nach sich, dass bald diese Merkwürdigkeiten selbst so normal werden, dass es kaum noch möglich scheint, eben diese merkwürdige Normalität anders denn als anders, also auf immer gleiche Weise zu beobachten. Das heißt: man bleibt auf der Stelle stehen, weil man die in einem veränderten Beobachtungsschema eingeschlossenen Latenzen nicht bemerkt.
Ei weih PB, du sagst
>Überzeugt bin ich von Deinen Ausführungen jedenfalls nicht. Denn sie beantworten eigentlich “nicht” zwei für die Soziologie zentrale Fragen:
1) Wie ist Soziales möglich?
2) Und wie funktioniert das “genau”?<
Deine Erwiederung ist insgesamt interessant, führt aber nur zu dieser deiner Fragestellung.
Bevor ich die Zeit und Mühe für meinen Antwortversuch aufwende, bitte eine kurze Zwischenfrage speziell an den, der das so fragt:
Kennst du "eine Soziologie", die darauf Antwort gibt?
Wenn ja, welche?
Oder eine Theorie überhaupt?
Eventuell eine Systemtheorie ?
(es gibt ja so viele davon)
[…] diese „Kommunikation” wurde wahrscheinlich kaum wahrgenommen – denn sie wurde alsbald „getrollt”! Es mögen kein dutzend Stunden gewesen sein, welche die schemenhaften Figuren ausharren […]
[…] Die Trollblockade als Vermeidungsproblem einer Sozialesoterik der Soziologie […]