So kann die universitäre Wissenschaft schließlich auch noch ihre Intransparenz

So kann die universitäre Wissenschaft schließlich auch noch ihre Intransparenz in ihre Vermeidungsstrukturen und damit in erfolgreiche Rechtfertigungen reflexiv einbauen, indem über Getratsche, über Ränkespiele und Intrigen (“Ich sag’s dir, aber sag es bitte nicht weiter …”) Geistreiches geschrieben werden darf; indem etwas, von dem keiner wissen darf, dass darüber jeder etwas anderes weiß, dokumentiert und verbreitet wird, das sogar noch auf diese Weise die Reputation steigern könnte. Denn eben dies verhindert, das man erklären könnte, wie es funktioniert, indem man zugibt, was niemand leugnet: dass es funktioniert. So kann wiederum verhindert werden, was verhindert werden soll, nämlich das Scheitern der Rechtfertigungen, die gebraucht werden, um mit dem eigenen Nichtwissen zurecht zu kommen:

“Das Personal der Organisation kann nicht nur motiviert werden, es kann auch demotiviert werden, und Letzteres nicht zuletzt durch Versuche der Motivation. Es ist emotional und intelligent, es bringt sich ein und es weicht aus, es streitet, kämpft und schlichtet, es kann ermüdet werden (nicht zuletzt: durch Verfahren, so Luhmann, 1989) und sich begeistern (im Zweifel auch: für eine andere Organisation); und es tut all dies in den mehr oder minder geordneten Bahnen eines informellen Netzwerks, in dem jedem Mitarbeiter einer Organisation neben seiner offiziellen eine inoffizielle Aufgabe zugewiesen wird: zu spionieren, Geschichten zu erzählen, schlechte Witze zu machen, die Beichte abzunehmen, zu intrigieren und zu soufflieren, aufzuregen und abzuregen, zu ironisieren und den Ernstfall zu markieren (siehe mit dem Theorem des „second job”: Deal/Kennedy, 1982, S. 85 ff.; und und mit dem eindrucksvollen Beispiel der zunächst steilen, dann abstürzenden Karriere John DeLorans bei General Motors: Martin/Siehl, 1983).” (Dirk Baecker, Das Personal der Universität)

Solche Selbstentblößungen sind aber tatsächlich ein enormer Fortschritt, weil sich damit eine Regeländerung ankündigt: Karrieren können jetzt auch ohne passende Rechtfertigung durchgesetzt werden. Der Fortschritt ist, dass jede Partei – also auch die Konkurrenz – dieses Regelangebot akzeptieren kann.
Die Interkommunikation liefert obendrein die einmalige Chance, dass die Legitimierung von Privilegien zum ersten Mal seit der erfolgreichen Institutionalisierung dieser Wissenschaftsstrukturen nicht durch Machtkämpfe, sondern durch Raffinement geschehen könnte. Das Raffinement könnte darin bestehen, die stattfindende Trickserei nicht mehr der Beobachtung zu entziehen, weil dies ohnehin nicht geschieht, sondern im Gegenteil durch eine Regel, die ein Recht auf Trickserei zulässig macht.