Rhizom – Selbstorganisation ohne System
von Kusanowsky
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Rhizomatische Kommunikation zeichnet sich durch kontingente Diskursereignisse, die geregelte Kommunikationserwartungen sabotieren, aus. Es handelt sich um nomadisierende und intervenierende Zeichenketten und -verknüpfungen, welche die Referenzialität der Dokumentform irritieren und diese in ein Medium auflösen. Dabei entstehen ungesättigte Kontexte, die es auch sonst immer gibt, hier aber deutlicher bemerkt und selber thematisch werden; beständig entgleitende Referenzen und Signifikate, die durch die anwesende Abwesenheit aller Beteiligten merklich verstärkt wird. Das Ergebnis ist dann kein “sinnloses Rauschen”, sondern eine strukturierte Unordnung, ein in sich selbst intervenierendes Gefüge, eine Selbstorganisation ohne System – ein Rhizom.
Interessant in diesem Zusammehang könnte der Aufsatz „„Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaft vom Menschen““ von Derrida sein, in welchem es darum geht, die Dezentralität solcher strukturierten Unordnung zu beschreiben. Derrida knpüft damit an den Widerspruch an, der sich aus Saussures Thesen ergibt. Nach Saussure entstünden Sinn und Bedeutung eines Zeichens nur im Spiel der sich unterscheidenden Lautbilder. Wenn ein Sinnzentrum einen distinkten Sinn haben soll, kann es diesen nur im Unterschied zu anderen Marken der Struktur haben. Dann kann man den distinkten Sinn aber nicht als zentral setzen, denn er gehört zur Struktur, deren Werte alle dezentral sind. Ist der Sinn dagegen ein zentrales Muster, gäbe es keine Beobachtungsöglichkeit, weil man ihn als zentralen, also außerstrukturellen nicht von den anderen Elementen unterscheidet. Der Beobachter müsste zugleich – als deren Prinzip außer der Struktur sein, um sie zu begründen; und er muss in der Struktur sein, weil es anders keinen Anschlusswert hätte. Das Prinzip oder der Erklärungsgrund oder auch nur die Rationalität einer aufgewiesenen Struktur implizieren also immer die Vorstellung eines strukturierenden und selbst außerstrukturellen Zentrums; und genau diese Überlegung lässt sich nach Derrida nicht halten. Es gibt kein transzendentales Zentrum, im Sinne einer selbst nicht seienden Bedingung von etwas, das kraft seiner ins Dasein tritt. Die Alternative, die Derrida formuliert, lautet: „Dezentrierung“. Alle Strukturalität ist ein unendliches Spiel von Differenzen. Das heißt, nichts ist dem Spiel der Differenzen entzogen, die Idee einer geschlossenen Testeinheit scheitert aus strukturellen Gründen: Strukturen können nur dezentriert kommuniziert werden.
Derrida, Jacques: Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im Diskurs der Wissenschaft vom Menschen. In: Die Schrift und die Differenz (Paris 1967), Frankfurt/M. 1997, S. 422-442.
http://www.nic-las.com
„strukturierte Unordnung“ – ist das nicht ein Oxymoron, ein hölzernes Eisen? Wer in einem Sampel die Struktur nicht beschreiben kann, der kennt sie doch nicht. Eine Struktur nur zu vermuten und deshalb zu behaupten, dafür kann das Wort Rhizom doch keine gültige Eintrittskarte sein.
@Dieter Bohrer: “strukturierte Unordnung” – ist das nicht ein Oxymoron, ein hölzernes Eisen? Wer in einem Sampel die Struktur nicht beschreiben kann, der kennt sie doch nicht.“
Unter einer strukturierten Unordung stelle ich mir meinen unaufgeräumten Schreibtisch vor, einen unsortieren Zettelkasten, einen noch nicht archivierten Nachlass eines Autors oder die Struktur tyischer Diskussionen in Internetforen und Blog vor, nur um mal im Bereich des Schriftlichen zu bleiben. Man kann natürlich auch alles, was man irgendwie nur beschreiben kann, eine Ordnung nennen, aber was hätte man damit gewonnen?
@dieterbohrer ich möchte dir folgenden Vorschlag machen: du schreibst doch ein Weblog, nicht? Kopiere doch einfach meinen Text (copy and paste), schreibe ihn um, ergänze ihn wie du meinst, dass es richtig wäre poste ihn in deinem Blog und schicke mir den Link. Dann schauen wir weiter. Willst du diesen Vorschlag nicht akzeptieren, dann akzeptiere ich deine Kritik nicht mehr. Alle folgenden Kommentare von dir, die eine „kritische Diskussion“ anzetteln wollen, werden von mir gelöscht oder ggf. umgeschrieben. Der Hinweis, dies sei ungerecht, weil andere Spaßvögel wie Lusru solchen Mist auch verzapfen, wird von mir nicht akzeptiert, weil ich seine Kommentare regelmäßig lösche und umschreibe, was du nicht bemerken kannst. Du bemerkst ja nicht einmal, wer der eigentliche Urheber der Kommentare von Lusru ist. Er jedenfalls ist damit einverstanden. Woher kommt das wohl? Egal: Beobachte den Paten: es handelt sich um ein Angebot, dass du nicht ablehnen kannst. Du kannst es ablehen, weitere Kommentare abzusenden, aber niemand wird bemerken, wenn ich sie lösche. Und wenn du meinst, allein du könntest dies bemerken, dann bemerke bitte auch, dass irgendjemand dein Bemerken bemerken muss, damit bemerkt werden kann, dass du es bemerkst. Wenn es dir allerdings reicht, dass nur du und ich dies bemerken, dann gilt wieder das selbe: du kannst es natürlich für wahr halten, dass ich deine Kommentare bemerke, wenn ich sie nicht freigebe, aber wenn, dann solltest du über dein Blog dein Bemerken bemerkbar machen und dich fragen, wer dein Bemerken bemerkenswert findet.
Einverstanden? Und wenn nicht, dann nicht…
„solltest du über dein Blog dein Bemerken bemerkbar machen“
@dieterbohrer @kusanowsky
Einfacher geschrieben als getan. Ich wage die Vermutung zu äussern, dass Bemerkbarmachung in Dieters Blog fehlschlagen wird. Darum ja das Tummeln hier, in Klaus´behaglichem Trollparadies. Da scheint mir die störhafte Paradoxie, die Associologie in Gange bringt verortet werden zu können: Bemerken, Bemerkungen oder Bemerkbarmachung bemerkbar bemerkbar machen. Um überhaupt in die hegemoniale Position zu gelangen, Angebote zu unterbreiten, die nicht ablehnbar sind. In trivialer Natur wurde das unlängst als „Ökonomie der Aufmerksamkeit“ abgefruehstueckt. Als ambitionierterer Versuch kann dieses Blog, die Communication bei Twitter oder in den associologischen Netzwercken da draussen betrachtet werden. Spielwiesen, um den Streit um die Le( )rstelle zu proben. Und das ist nie ein Kampff auf Augenhöhe, wie man hier und andernsorts immer wieder sehen muss.
Ist es ein Kampf? Nicht eher ein Spiel? Denn wollte man dies als Kampf beoabachten, dann müssten Gegner identifizierbar sein, Gewinner oder Verlierer, bzw. Gewinne und Verluste, ein Gegenstand des Konflikts, ein Grund oder Anlass oder irgendetwas, für das es sich lohnen würde, den Kampf fortzusetzen. Ich würde eher sagen, das Spiel ist ein Intermezzo, mit dem versucht wird, eine standby-Situation zu überbrücken: es hat sich noch nicht genügend herum gesprochen, dass die „kritische Diskussion“ für Doofe ist, weil die Doofen immer noch Reputationsgewinne präsentieren können, was ja nur deshalb gelingt, da es die Doofen sind, die solche Reputationsgewinne für nichts erstreben. Z.B. das Weiterleiten von Sascha Lobos Links und deren unermüdliche Kommentierung bei G+. Es wird nicht festgestellt, dass schon nach zehn Kommentaren keiner mehr die Kohärenz eines Diskussionsverlaufs beobachtet, und trotzdem werden unermüdlich Kommentare angehängt, also Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeit verteilt, auf welche selbst keine Aufmerksamkeit gerichtet wird. Offensichtlich lohnt es sich immer noch die kritische Diskussion fortzusetzen, weil ein anderes Beobachtungsschema noch nicht reputationsfähig ist. Aber das finde ich eher harmlos und wenig bedenklich. Was mich eher etwas wurmt ist die Indifferenz einer Intelligenz, die – streng genommen – auch der Doofen-Partei zugerechnet werden müsste, welche es tüchtig unterlässt, den Schwierigkeitsgrad einer Intellektualität dadurch zu steigern, indem man sich einer Verschärfung der Anschluss-Unwahrscheinlichkeit der eigenen Argumentationsposition unterwirft. Der Weg dahin geht über den Einsatz sog. fragwürdiger Methoden, also solcher Methoden, deren Einsatz von keiner Stelle aus sanktioniert werden könnte, weil eine Internet-Polizei sich nicht wirksam organisieren kann. Denn erst, wenn keine Sanktionierung mehr geht, wird es schwierig, und dann auch intelligent, sanktionierend einzugreifen. Mein Vorschlag lautet: unterwirf dich der Selbstsanktionierung, bestreite nicht, zu den Doofen zu gehören, lasse zu, was ohnehin schon immer zugelassen ist, wenn Kommunikation funktioniert. Freilich dürfte dieser Vorschlag, sollte er Prominenz erlangen, nur in der Anfangszeit die Prosperität verstärken, weil sich dann wieder eine andere zivilisatorische Pflichtübung einspielen wird, die problemlos ganz neue und unvorhersehbare Problem erfindet.
@kusanowsky
„du schreibst doch ein Weblog, nicht? Kopiere doch einfach meinen Text (copy and paste), schreibe ihn um, ergänze ihn wie du meinst, dass es richtig wäre poste ihn in deinem Blog und schicke mir den Link.“
Sehr gern. Hier der gewünschte Link: differentia.wordpress.com/2012/03/05/rhizom-selbstorganisation-ohne-system/
Politische Fragen sind mit Carl Schmitt jene, die einem Freund/Feind-Schema unterworfen werden, also Confliktpotentiale bergen. So erklärt sich auch der immense Integrationssog critischer Kommunication und der Umstand, dass munter weitercommentiert wird obwohl der Zug schon laengst drei Doerfer weiter ist. Was ihn in uebrigen nicht daran hindert, ploetzlich reactiviert zu werden. Kampff und Spiel sind zwei Seiten einer Medaille, wenigsten solange man, wie im Falle von Critik-Kommunication, von einem Wettkampfe (der Ideen, der Argumente et cetera) ausgehen kann: in Critik wie Associologie muss jeder weitere Beitrag dazu führen können, dass kein weiterer mehr folgen kann.
Und gewiss mag es in nicht allzu ferner Zukunft möglich sein, dass im Anschluss an Fragen wie „was ist ein Rhizom?“ die Anschlussüberlegung aufgeworfen wird, ob solches von einer Turing-Maschine oder einem kritischen Intellektuellen gefragt wird. Peinlich übrigens, wenn man in diesem Zusammenhang herausfinden wird, dass die Hälfte aller kritischen Intellektuellen einen Turing-Test nicht besteht, was übrigens ganz normal ist, denn es wird dann auch festgestellt werden können, dass der Habitus des kritischen Intellektuellen zum trivialen Gemeingut (früher: gesunkenes Kulturgut) gehört.
Aber es gibt keinen Grund zu lästern: der kritische Intellektuelle ist längst unter Naturschutz gestellt worden und in einem Reservat untergebracht. Dieses Reservat wird beliefert durch die 3sat Sendung Kulturzeit, die jeden Tag die immergleiche Chose durchnudelt: Täter, Opfer, Genies, Helden, Widerstand und Hoffnung und Verdruss ob einer Gesellschaft tausend unerfüllter Versprechen.
„Man kann natürlich auch alles, was man irgendwie nur beschreiben kann, eine Ordnung nennen, aber was hätte man damit gewonnen?“
Anders gefragt:
Was sollte man dabei verlieren?
Gewinnen könnte man zum Beispiel dies: Man kann nach der gegebenen, nach der gestrigen, nach der morgigen, nach deiner oder nach meiner – kurz: Man könnte nach einer Ordnung fragen, sie jeweils räumlich, zeitlich, sachlich oder personell zuordnen, z.B. um beobachtbar oder feststellbar zu machen, um was für eine Ordnung es sich handelt (solange man dies nicht weiß), um z.B. feststellen zu können DASS es sich (wohl) um eine (nur aus meiner Sicht so erfaßbare) UNORDNUNG handelt, was nicht heißen muß, das Dieterbohrer das auch als Unordnung ansieht, oder diese Ordnung sich selber als Unordnung versteht (oder das System).
Solche Antworten bekommt immer der, der z.B. Ordnung nur als „aufgeräumt“ denken kann und nicht als Anordnung, als (allgemeine) Beschaffenheit, z.B. auch einer Unordnung (die so ja nur aus dem Winkel des gerade Betrachtenden erscheint und nicht allgemein und noch weniger aus der Innensicht des betrachteten Systems).
Ähnliches ist mir bei dir schon mehrfach aufgefallen, z.B. mit den Begriffen „Struktur“ – für dich offenbar etwas wie ein geregeltes quadratisches Gitternetz , wohingegen der Misthaufen für dich wohl eher keine Struktur hat, oder mit System, was wohl bei dir tief verwurzelt scheint als systematische (geradlinig geregelte oder angeordnete) Erscheinung und nicht als sytemische – was etwas völlig anderes ist, oder Information, die du immer dort einsetzt, wo du offensichtlich nur eine Mitteilung oder ein Verstehen oder Wissen ausdrücken möchtest (begrenzte Anwendung aus der Journalistik) oder wiederum gern auch anstelle der Daten (in Anlehnung an eine sogenannte „Informationsmenge“ aus einer gewissen Formel, die jedoch nur eine Datenmenge und nie eine Informationsmenge bezeichnen kann laut seinem Erfinder) …
“solltest du über dein Blog dein Bemerken bemerkbar machen”:
Dem Raben taten diese Schmeicheleien so wohl,
dass er seinen Schnabel weit aufsperrte,
um dem Fuchs etwas vorzusingen.
Der Fuchs riß SEIN Maul weit auf,
auf daß er den Schall des Raben
besser schnappen könne.
Den Schmeicheleien war beides egal,
die hatten mehr damit zu tun,
nun Offenheit der Mäuler zu überstehen.
Den Mäulern tat dies so wohl,
daß sie es wichtig befanden,
sich daraufhin ständig offen zu sehen.
Der Offenheit war dies nur recht,
lebte sie doch selber davor nur schlecht
und schmeichelte nun schnell dem Raben.
Der Rabe, das beobachtend, war froh,
interessierte sich doch nun auch der Fuchs
für Gesang und Fabel, oder auch so.
Jubel!
Und wenn sie nicht gestorben sind, dann communicieren sie noch heute….
Im Anschluss an die Kommentare, Zweifel und Nachfragen von @lusru zur Differenz bzw. Definition von „System“ und/oder „Rhizom“, hier mein Versuch, einige zentrale Punkte zusammenzufassen und zumindest punktuell eine vorläufige Antwort zu versuchen.
Ich beginne mit @lusrus Definition von System:
Dem entnehme ich: Jede kontinuierliche Struktur ist ein System. Darunter fallen dann also auch Schnürsenkel und Strohhälme, Tunnel, Bäume und Bücher? Oder muss man zu der kontinuierlichen Struktur noch eine spezifische Funktion nehmen, die zwischen dem bloßen „Anfang“ und „Ende“ einer Sache den Ablauf eines bestimmten Prozesses bestimmt? Wie definierst man also das Verhältnis von Struktur und Funktion von System?
Du erklärst:
Ich fasse zusammen. Du behauptest: Für jedes Ding gilt, dass es ein System ist. Logisch (allquantifizierend) ausgedrückt: ∀x S(x). Und da alles System ist, beruhen auch alle Strukturen auf Selbstorganisation. Das „Eigentum“ von Systemen gehört also allen, ist also gar keines, sondern ein „Gemeingut“, da es nichts gibt, was sich nicht selbstorganisiert, weil alles immer schon ein System ist.
Wenn eine Information nun eine Unterscheidung sein soll, der Begriff System aber nichts mehr unterscheidet, weil er alles beschreibt, was es gibt, ist die Definition folglich ohne Information.
Daher möchte ich eine möglicherweise informativere Differenzierung vorschlagen.
Ich beginne mit Deiner Frage:
Ein Rhizom ist nichts Seiendes und auch nicht (notwendiger Weise) etwas Bleibendes, sondern etwas Werdendes. Rhizome „gibt“ es nicht, man kann nur „Rhizom machen“. Sie sind also eine Tätigkeit, ein Prozess, eine Produktion, kein Ding.
Ausgehend davon kann man über den Satz nachdenken:
Das kann sein oder auch nicht. Genauer gesagt, kann rhizomatische Kommunikation unsinnig, muss aber nicht sinnlos sein. Um Old Wittgenstein hier frei, d.h. rhizomatisch zu zitieren (Tractatus 6.54): „Rhizomatische Kommunikation geschieht dann, wenn die, welche sie verstehen, am Ende als unsinnig erkennen, wenn sie durch sie – in ihr – über sie hinausgestiegen sind. (Sie müssen sozusagen das Rhizom wegwerfen, nachdem sie aus ihm ausgestiegen sind.) Sie müssen diese Sätze überwinden, dann sehen sie die Welt (wenn schon nicht gleich „richtig“, dann wenigstens) anders.“
Fahren wir also fort mit der Überwindung der nächsten Sätze:
Hier würde ich den Unterschied zwischen Rhizom und System folgendermaßen bestimmten: Ein Rhizom „beherrscht“ seine Struktur nicht. Ein System hingegen verfügt über Mechanismen oder Operationen, seine Struktur stabil zu halten und sei es auch nur ein instabiles Gleichgewicht.
Genau. Hier sehe ich folglich den nächsten Unterschied: Ein Rhizom verfolgt nicht den Zweck, seine Identität zu erhalten, weil es weder einen Zweck noch eine Identität hat. Eine Struktur hat es natürlich trotzdem. Darum muss ich eine (beabsichtigte oder unbeabsichtigte) Lese-Fehlleistung korrigieren, wenn meinst, darunter verstünde ich
Ich habe indessen, in genau dem Kommentar, auf den sich Deine Antwort bezieht, geschrieben: „Unter einer strukturierten Unordung stelle ich mir meinen unaufgeräumten Schreibtisch vor, einen unsortieren Zettelkasten, einen noch nicht archivierten Nachlass eines Autors oder die Struktur tyischer Diskussionen in Internetforen und Blog vor, nur um mal im Bereich des Schriftlichen zu bleiben.“ – Um es also nochmal auszubuchstabieren: Die strukturierte Unordnung meines unaufgeräumten Schreibtischs gleicht keinem „quadratischen Gitternetz“, und unsere Diskussion betrachte ich auch nicht als ein solches. „Misthaufen“ trifft beides vielleicht besser schon…
Um meine ersten Anmerkungen und Überlegungen zur Unterscheidung von Systemen und Rhizomen also noch einmal kurz zusammenzufassen: Die Selbstorganisation von Systemen hat die Funktion der Selbsterhaltung, z.B. über die Stabilisierung einer Grundunterscheidung oder über Rückkopplungsprozesse. Die Selbstorganisation von Rhizomen hat nicht den Zweck der Selbsterhaltung, sondern verläuft über ein Spiel von Differenzen, temporären Kopplungen und Gefügebildungen, die nicht notwendig stabil bleiben oder instabile Gleichgewichte bilden müssen. Daher sind Rhizome auch keine Form des Seins, sondern des Werdens.
Wenn man von dieser Unterscheidung ausgeht, würde ich Deine Frage: „Was sollte man dabei verlieren?“ wenn man alles als ein System definiert – folgendermaßen beantworten: Man verliert die Möglichkeit, die m.E. interessante Frage zu stellen, ab wann und unter welchen Bedingungen Rhizome zu Systemen übergehen, sich verfestigen und stabilisieren können, wann also aus einer strukturierten Unordnung eine geordnete Struktur wird. Oder wenn Dir dieses Wortspiel nicht gefällt, könnte man es auch so ausdrücken: Ab wann unkontrollierte Transformationsprozesse eine Regel gewinnen, durch die erst eine dauerhafte Organisation möglich ist.
„Man verliert die Möglichkeit, die m.E. interessante Frage zu stellen, ab wann und unter welchen Bedingungen Rhizome zu Systemen übergehen, sich verfestigen und stabilisieren können“ – Hallo stromergeist, du verwechselst schon wieder Systematik (eine -1- Ordnungs) mit System! Systeme haben sich mit ihrer Entstehung „verfestigt“, indem sie eine ungeheure innere Dynamik erzeugen, die für die erforderliche Unterschiedserkennung und Beseitigung (Informationsbeschaffung und -Beseitigung) und dadurch für die Systemstabilität sorgt. Stabilität ist nicht zu verwechseln mit „Stillstand“, als Literat solltest du das doch wissen, es stecken noch mehr solcher kruden Kuriositäten in dieser deiner Ansicht (dazu besser später mal).
Dennoch danke ich dir für die Mühe und das Versuchen einer Antwort.
Du schreibst gut, bedacht und genau, strets am Anfang beginnend, mit Konzentration auf Details (wenn auch nicht immer die „federführenden“) und mit wenigen Überraschungen, wobei jedoch eine immer dabei ist – die, wegen der du schreibst, die dich treibt.
Offenbar schreibst du auch gern auf Reisen in Zügen, da dort durch die räumliche Beengtheit und gleichzeitige Verurteilung zur Bewegungsunfähigkeit und eingeschränkte Beschäftigungsvarianten mehr Konzentration erzwungen wird.
Es liest sich also auch gut, was du da im Zug so machst.
Das kann ich nicht.
Besser DAS möchte ich nicht: Literatur erstellen, das kannst du besser.
Weder sind wir im Zug, noch im Segment Schmonzette oder „ausführlich erzählte witzige Weisheit“, noch sorgen wir uns hier um die Poesie, dafür jedoch mehr um Autopoiese, klingt so ähnlich, hat jedoch außer diesem Klang und der beiden (normalerweise) immanenten Ästhetik wenig miteinander zu tun.
Es geht hier nicht um Literatur, das könntest du fairerweise berücksichtigen, wenn du das kannst.
Thematisch, in Verbindung zu meinen Texten, versuchst du hier auch erst im Schreiben zu erfassen, was gemeint sein könnte – oder gar nicht?
Im Ergebnis ist dein Versuch jedoch wohl nutzlos, auch etwas freudlos und ohne Neugier, besser ohne Gier auf Neues.
Jedenfalls kann ich in deiner Antwort außer einer bei Juristen bekannten Methode des „erstmal irgendwas Sezierens“ (wenn man nicht gleich den Angelpunkt findet), nicht feststellen, daß du dir sonderlich Mühe gegeben hast, in die von mir benannten Sichten sachlich einzusteigen – oder das ist dir alles wieder Erwarten so neu und zugleich zu literarisch im Verständnis, daß ich passen muß.
Was hältst du davon, dir zunächst ein Atom vorzustellen (weder de- noch konstruieren, nur vorstellen) und zu entscheiden, zunächst nur für dich natürlich, was das wohl aus allgemeinster Sicht sein könnte, das kleine Ding mit seinen Bestandteilen, die (welche auch immer) permanent in (innerer) Bewegung sind, sowohl in geregelter wie in ungeregelter, sowohl mit „stabiler“ Struktur / Ordnung, wie mit instabiler, bzw. mit permanent instabiler und permanent geregelter solcher Beziehungen der Teile im und zum Ganzen – Was könnte das sein?
Das Ding, das etliche „Anfänge“ und viele „Verbindungen“ und viele „Enden“ bzw. Läufe und Kreisläufe hat, das sich pausenslos selber „beobachten“ und „kontriollieren muß, um die effektivste Strukturerhaltung für DIESES Atom zu sichern, könnte das etwa ein SYSTEM sein?
(bitte nicht gleich wieder literarisch wie SYSTEMATIK denken!)
Es muß nicht an diesem Beispiel erörtert werden, aber es ist ein mit metaphysischen Begriffen beschriebenes und (meist) allgemein bekanntes Vorstellungsmodell und daher hier wohl geeignet.
Da sowohl du wie auch ich lediglich über das von den Altvorderen erworbene metaphysische Begriffsgefüge verfügen (Sprache! Nicht nur für Literatur – aber dort gehts nur „metaphysisch“, sonst versteht dich niemand), müssen wir dieses Sprach(werk)zeug benutzen, beide gemeinsam, da wir ohne diesem nicht ein mal denken könnten (Denken geht nur in Sprache), geschweige Gedanken austauschen können.
Und um das nun zu betreiben, z.B. um der Metaphysik den Garaus zu machen (oder anderen Ansichten), dürfen wir diese metaphysischen Begriffswelt nicht weglassen sondern sind auf sie zur Verständigung angewiesen, sie bilden den größten Teil unseres gemeinsamen Zeichenvorrates zur Verständigung darüber.
Wie du spätestens jetzt anerkennen solltest, rolle ich nur auf solchen „Schienen“, auch wenn manchmal zwecks Erheischung von Anschluß bei „Entfernteren“ das alles etwas hemdsärmelig daherkommt, man sollte sich nicht täuschen über diese meine Wahl.
Wenn du dich entschließen würdest, nun z.B. das Atom (und damit alle Atome) als System anzusehen, können wir aufhören – dann ist unser Diskurs positiv beendet.
Warum?
Nun, ich denke mal, daß Moleküle auch aus solchen Atomen bestehen, aus Systemen, und ihrereseits Systeme bilden. Dieses fortgesetzt, nach Manie des Unterrichtsstoffes in den (allen) Naturwissenschaftlichen Fächern bis Klasse 8, ergibt irgendwann, daß auch Lebewesen letztlich nichts anderes sind, als das, woraus sie bestehen: Aus komplexen Systemen mit vielen komplexen Subsystemen (Organen) usw. …
Auch du (ich auch) bist so ein SYSTEM.
Du bist es gleich in mehrfacher Hinsicht: In physikalischer, chemischer, biologischer, medizinischer, soziologischer und und und Hinsicht (je nach deiner Wissenschaft, die du meinst betreiben zu wollen, bist du auch ein Subsystem dieser „Schaften“).
Wir sehen, System ist die Daseinsweise von ALLEM, auch von dem vielverredeten „Nichts“, daß es natürlich nicht gibt, denn wo „nichts “ ist, „fließt sofort das „Benachbarte“ hin. „Nichts“ ist das also auch nur aus unserer ungeschulten Menschensicht, bedingt dadurch, daß wir mit unseren Fähigkeiten dieses „Nichts“ nur nicht beobachten lönnen, was jedoch nicht das Geringste über seine Existenz oder Beschaffenheit (Ordnung, Struktur) aussagt und bedeutungslos ist, wie dein unaufgeräumter Schreibtisch, der für dich als „die Unordnung eines Misthaufens“ herhalten soll, ohne daß er jemals annähernd die komplexen Ordnungsmerkmale eines Misthaufens und seiner Struktur qualitativ oder quantitativ erreichen könnte:
Misthaufen „leben“, Schreibtische welcher Ordnung auch immer, eben nie.
Es ist an dir, mal einen Tip zu geben, wo du denn nun das nicht (genau genommen nach deiner literarischen Annahme / Sicht nie) existierende Rhizom „ansiedeltst“, wo du es doch weder beobachten kannst, nicht einmal im „Fließen“, weil du es nicht sehen kannst, durch nichts erkennen kannst.
Es gilt immer noch: Was sich nicht zu erkennen gibt, weder selbst noch durch dritte seine Beschaffenheit ahnt und kennt, das ist nichts weiter, als Literatur, gekonnt und flüssig gern lesbar geschrieben in einem Fernzug auf dem Wege zu einem „wissenschaftlichen“ Kongress, der die vollen Reisekosten zurückerstattet, egal ob die Platzreservierung eine Rolle spielte oder nicht, fast wie deine Vorstellung von Rhizom, die sich hervorragend für entsprechende Belletristik eignet, aber hier wohl weniger.
Warum ist „System ist die Daseinsweise von ALLEM“ ?
Weil es immer mehrere Teile gibt, die, verbunden zu einem GANZEN, zu Ganzheitseigenschaften (Systemeigenschaften), „Im GANZEN“ (als System) Effekte und Eigenschaften entfalten, die sich nicht unmittelbar auf die Summe der Eigenschaften der Teile oder auf eines der Teile zurückführen lassen, sogenannte Emergenzen, die einzig durch das Wirken von Systemen als GANZHEITEN möglich werden.
Eine rhizome Erscheinung ist eine Ganzheit, als solche eine Emergenz nicht nur eines Systems, sondern von etlichen Subsystemen, die in „fließenden“ Strukturen im „Spiel“ der Systeme das System Rhizom erzeugen und bewegen als emergente Auswirkung bestimmter Strukturen, die ihre Ordnung / Struktur und Funktion selber nach dem Muster hochkomplexer Systeme organisieren, z.B. über das von dir literarisch (schöngeistig) benannte „Spiel von Differenzen“, das ich als Unterscheiden von Unterschieden bezeichnet habe.
Jedes System hat „kein Ziel“ – außer dem einzigen, als solches funktionstüchtig zu bleiben, und so ist das, so leid es mir tut, lieber Stromergeist, nun mal auch bei dem Rhizom – es sei denn, du sagst uns, wer das wie für das Rhizom tut …
Oder tut das niemand, besorgt niemand Rhizom, ja dann lassen wir es doch einfach sein, wenn du damit einzig meinst, Rhizom gäbe es nicht, da es nur eine literarische Kreation sei.
Geist und Strom können auch ein System „bilden“ (Information und Energie, fehlt nur noch die erforderliche Masse), von einem Rhizom aber auch dann noch weit entfernt.
Vorerst bis hier?
Oder doch vorerst bis Hier: Rhizome?
>Dies ist auch eine grundlegende Einsicht der Theorie nichtlinearer dynamischer Systeme. Der Begriff des Geistes verweist, so man also sagen, auf das Phänomen der Emergenz. Emergente Eigenschaften eines Systems – hier des “Wasser-Erde-Systems” – sind nicht auf die Eigenschaften seiner Elemente – in diesem Fall Erde und Wasser – zu reduzieren. Der Umschlag des “Teich-Systems” ins “Strom-System” lässt sich also, in der Sprache der Komplexitätstheorie, als ein Fall von Bifurkation bezeichnen: Eine spontante qualitative Zustandsänderung. Der Geist des Stroms entspräche dann also seinem emergenten Eigensinn<, der Literaturmelasse.
Stromgeist kennt diese Texte schon, hat sie nur vergessen, da er gemerkt hat, daß zwar "alles System ist" – aber eben nur, wenn es nicht nur als Textbruch ausgeliehen ist, sondern WENN es auch SYSTEM ist, seltsam?
Ja, aber auch Systeme haben Namen, und "Wasser-Erde-System" ist leider kein solcher Name, der paßt nit mal zu Hölderlin.
Je mehr ich solchen Strom"geist" finde, um so mehr werde ich an das Beobachten meiner "fließenden" Strom-Abrechnung erinnert, deren "Geist" inzwischen dem Scheine nach auch beachtliche Selbstorganisation betreibt, doch weder das Fließen ("Werden") noch das (gewesen)Sein schafft ein Strom-Geist-Rechnungs-System und kann daher auch kein Rhizom gebären.
Es bleibt die Frage an den Geist des Stromes: Wer gebärt wann und wie ein Rhizom – oder ist das etwas aus der Hölderlinschen Kaiserschmarrn-Entbindung?
Denke mal nicht, denn mit Emergenz (s.o.) warst du doch schon dicht dran, wo trat die doch gleich mal auf?
Richtig: Bei Systemen und deren Selbstorganisation, wie z.B. einem Rhizom.
Ich überspringe mit meinem indirekten Freistoß mal Deine üblichen Unterstellungen und Anspielungen, z.B. dass ich Stabilität mit Stillstand verwechseln würde, was ich nirgends behauptet habe, Stabilität ist einfach eine Eigenschaft von Systemen (nicht von Rhizomen); oder dass es hier nicht um Literatur gehen würde – wer hat das behauptet? worum geht es dann und wer bestimmt das? letztlich bist du auch derjenige, der hier ständig in Metaphern spricht (nicht dass ich etwas gegen Metaphern hätte); oder dass ich mich nicht wirklich bemüht hätte, „in die von mir benannten Sichten sachlich einzusteigen“ – ja das hatte ich weder vor noch wäre es mir möglich, weil du selbst nicht „sachlich“ bist, falls damit „Wissenschaftlichkeit“ und „Logik“ gemeint sein sollte. Oder würdest Du ernsthaft für Dich in Anspruch nehmen, dass Du hier wissenschaftlich argumentierst? Nur weil Du Dich auf wissenschaftliche Literatur berufst (die Du noch nicht mal benennst), heißt das nicht, dass Deine Aus- und Einlassungen auch wissenschaftlich sind. Ich bestreite auch, dass wir hier eine wissenschaftliche Diskussion führen können, weil die Konstellation anonyme Autoren in Blogkommentaren sich nicht für diese Diskursform eignen. Also versuche ich es gar nicht erst oder allenfalls halb, aber nicht im Ernst. Es fehlen hier einfach die nötigen Rationalitätskriterien, die letztlich immer disziplinär bestimmt sind. Wer also „Recht“ und „Unrecht“ hat: Wer wollte das Einscheiden?
Gut, nachdem mein „Überspringen“ nun doch eher eine Art Dreierhopp war, versuche ich mal kurz und knapp „zur Sache“ zu kommen.
1. Dein „Alles ist System“-Argument ist ein kontradiktorischer Zirkelschluss (http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkelschluss). Nur weil Atome System sind (was ich zuzugeben kein Problem haben muss), heißt dass nicht alles, was aus Atomen besteht, auch ein System ist. Das ergibt sich aus Deiner eigenen Prämisse: Emergenz. So wie die Eigenschaften der emergenten Ordnung nichts aus den Eigenschaften der sie konstituierenden Elemente abgeleitet werden kann, lässt sich aus den Eigenschaften der Elemente eben auch nicht auf die Eigenschaft der emergenten Ordnung bzw. Unordnung schließen. Kochendes Wasser bildet irgendwann ein instabiles Gleichgewicht (sog. dissipative Strukturen http://de.wikipedia.org/wiki/Dissipative_Struktur). Jenseits des instabilen Gleichgewichts zerfällt die Ordnung, damit auch ein (mögliches) System.
2. „Wie du spätestens jetzt anerkennen solltest, rolle ich nur auf solchen “Schienen”.“
Ja. Aber offenbar rollst Du in einem eingleisigen circulus vitiosus (siehe 1).
„Jedenfalls kann ich nicht feststellen, daß du dir sonderlich Mühe gegeben hast, in die von mir benannten Sichten sachlich einzusteigen“
Ja. Aber warum sollte ich mich mit Dir im Kreis drehen wollen?
3. „dein unaufgeräumter Schreibtisch, der für dich als “die Unordnung eines Misthaufens” herhalten soll, ohne daß er jemals annähernd die komplexen Ordnungsmerkmale eines Misthaufens und seiner Struktur qualitativ oder quantitativ erreichen könnte: Misthaufen “leben”, Schreibtische welcher Ordnung auch immer, eben nie.“
Da hast Du eben meinen Misthaufen, ich meine Schreibtisch, noch nicht gesehen. Eine wahrhaft komplexes Biotop organischer, anorganischer und digitaler Strukturen! Seltene Insekten nisten in meinem unbrauchbar gewordenen Tintenfaß, zehren von achtlos liegengelassenen Essenresten und errichten Kolonien auf längst vergessenen Notizheften. Staatenbildende Stäube unterhalten inzestuöse Beziehungen und verschiedene Buchgattungen befruchten sich gegenseitig. Jede unvorsichtige Intervention in das sensible Gefüge kann die labile Unordnung gefährden, deren unvordenkliche Synergien tagtäglich bestimmen, was ich als mein Tageswerk betrachte.
4. Noch ein Beispiel für ein Rhizom? Unsere Kommunikation. Oder steckt da irgendwo etwa ein „System“ dahinter?
[…] Internet als Simulationsmedium charakterisiert, das durch seine zunehmende Dichte innerhalb seiner rhizomatischen Struktur einen Selektionsdruck aufbaut und sich damit Bedingungen erarbeitet, die gleichsam eine operativ […]
@ stromgeist
„So wie die Eigenschaften der emergenten Ordnung nichts aus den Eigenschaften der sie konstituierenden Elemente abgeleitet werden kann, lässt sich aus den Eigenschaften der Elemente eben auch nicht auf die Eigenschaft der emergenten Ordnung bzw. Unordnung schließen.“
Nun, auch die (nur von individuell anders orientierten Menschen als solche ansehbare) sogenannte Unordnung ist auch nichts anderes, als eben eine Ordnung, eben dann nur eine neue, eine andere.
Es gibt nichts, das nicht „geordnet“ ist, nicht einer (eigenen) Ordnung unterworfen ist, die Frage einerUnordnung ist lediglich die eines anderen Standpunktes, anderer Beobachtungskriterien.
Und wenn (die) eine Ordnung „zerfällt“, entsteht sofort daraus eine andere Ordnung! Diese lässt sich ausschließlich nur vom Standpunkt der vorhergehenden als Unordnung bezeichnen, was im allgemeinen jedoch völlig irrelevant ist, denn:
„Jenseits eines instabilen Gleichgewichtes“ zerfällt nicht „die“ Ordnung, sondern nur „eine“ Ordnung und es entsteht eine andere, die du nur nach eigenem Gustus, also nach deiner Entscheidung als „Unordnung“ bezeichnest, ohne dass es eine physikalische oder tatsächliche Entsprechung dafür gibt.
Und was das nun mit Systemen zu tun haben soll, erschließt sich aus deinen Worten nicht, denn:
Was ist ein System? Das ist – eine Ordnung! Und wenn eine Ordnung zerfällt, demnach ein System, dann gibt es (mindestens) eine neue, andere Ordnung, ein (mindestens eins, aber auch evtl. mehrere) anderes System.
Und nicht vergessen: System ist nicht identisch mit Systematik, System ist ein Gebilde im Verständnis eine Organs, eines dynamischen Organismus, keinesfalls etwas statisch fixiertes.
Das ist auch der Grund, warum der Begriff und das Verständnis von System aus der jahrhunderte lang betriebenen Beobachtung der lebenden Welt, der Biologie entstand und nur in diesem Kontext verstehbar und verwendbar ist.
Ein System kann nie ein Zettelkasten sein, denn der ist tot und im besten Falle Systematik.
Damit ist jedes als Ganzes Erscheinende ein System mit eigener „Ordnung“ und eigener „Unordnung“, wie zum Beispiel ein Rhizom, das typische Beispiel für lebendige (!) dynamische Emergenz und Autopoiese von Systemen.
„Oder steckt da irgendwo etwa ein “System” dahinter?“
Wenn ich dich hier richtig verstehen soll, mußt du hier Taktik als Systematik statt System meinen, oder meinst du einen Organismus, der dahinter steckt?
Es ist eben ein Kreuz, die Sprache, laufend muß man sich entscheiden, in welche der Richtungen sich kreuzender Sprachnachlässigkeiten es gehen soll, da kann der (junge) Witgenstein heftig für Erleichterung sorgen, könnte, wenn er verstanden würde.