Wer ist @1788_ und was will er von „mir“ wissen? #assoziologie

von Kusanowsky

Ich bedaure und bitte darum, folgendes zu bemerken: wer an der Kommunikation beteiligt ist, ist auch darin involviert und macht sich als Beobachter beobachtbar. Wer also solchermaßen die Bereitschaft zeigt, die Kommunikation fortzusetzen, darf nicht nur Fragen stellen, sondern darf sich auch Fragen stellen lassen: Was willst du wissen? Und warum? Geht es dich was an? Und wenn ja, was?

Ich könnte also genauso gut um Auskunft bitten, oder so formuliert: nur weil ich dieses oder jenes schreibe, bin ich noch nicht auskunftspflichtig, oder doch? Denn deine Adresse, ihre Ansprechbarkeit und die Entfaltung von indizierbaren Erwartungen referiert ja auch „Geschriebenes“, das dir zugerechnet werden darf. Entsprechend könnte man auch fragen: Wer die Kommunikation schriftlich fortsetzt, ist auskunftspflichtig. Aber sie ist ja immer schon fortgesetzt. Und wer weiß, ob sie weiter geht? Wer also kann Auskunftspflicht zurechnen und ihre Erfüllung einfordern, wenn gar nicht mehr klar ist, ob Kommunikation überhaupt stattfindet? Traditionell ist auskunftspflichtig, wer sankionsberechtigt ist: Wer eine Behauptung aufstellt muss sie auch begründen unter der Voraussetzung, dass eine doppelt kontingent verteilte Anschlusserwartung darüber strukturiert ist, dass diese Behauptung selbst nicht begründungsnötig ist, weil Anschlusssicherheit (etwa durch Organisationen wie eine Universität) und Sanktionsfähigkeit schon so gut gewährleistet waren, so dass man schon wissen konnte, wer Antwort geben wird, wenn Antworten gegeben wurden.
Aber die Internetkommunikation durchkreuzt diese Anschlussicherheit. Wer ist „@1788_ „? Warum soll ich mich ins Zeug legen, wer belohnt mich dafür und womit? Leg du dich doch ins Zeug und streng dich an, vielleicht setze ich dann die Kommunikation fort. (Oder auch nicht, wenn die Anschlusssicherheit zu gering ist.) Jedenfalls: nur, weil ich etwas über Assoziologie schwafele, bin ich noch nicht auskunftspflichtig.

Ich selbst habe bei einigen Lesern dieses Blogs erfolgreich den Verdacht auf mich gezogen, dass Kommentare dieses Blogs auch von mir geschrieben oder von mir vor Freigabe manipuliert worden sein könnten. Übrigens ist der Verdacht berechtigt, denn ich behalte mir tatsächlich vor, dies auch weiter hin zu tun. Das gilt auch für die Tweets von „@1788_ „, weil niemand weiß wer das ist. vielleicht bin ich das selbst? Oder auch nicht. Wie will man das kritisch ermitteln? @1788_ ist eben irgend ein Twitter-Troll, den keiner kennt.

Also, soll ich wirklich einfach so weiter machen, wenn ich nicht weiß, welche Tricks sich „@1788_ “ einfallen lässt, um mich in die Irre zu führen? Nicht, dass ich prinzipiell etwas dagegen hätte, allein, mir fehlen die Instrumente, um ebenfalls irreführend tätig zu sein, da ich ja Irreführung gar nicht bestreite, also relativ transparent zur Kenntnis gebe, dass ich ein Schummler, ein Scharlatan, ein Internettroll bin (oder sein könnte). Dieses Geschwafele von „Assoziologie“ könnte, ich betone: könnte der Vesuch sein, dummes Zeug unterzumischen, es könnte aber auch sein, dass es sich anders verhält. Darum bin ich nicht mehr fähig, Irreführung zu sanktionieren, weil ich sie selbst schon sanktioniere. Aber von dir, @1788_ , weiß ich es nicht.
Als Lösung des Problems schlage ich vor, diesen Kommentar von @str0mgeist zu lesen. Er löst das Problem auf, in dem er sich dem Risiko aussetzt, einen Beitrag zur Frage, was ist Assoziologie selbst zu formulieren, und zwar so, dass seine Antwort auf diese Frage sich als genauso gegenstandslos erweist wie die Frage, weil er ja auch einfach Blödsinn schreiben könnte und schaut, ob trotzdem noch die Kommunikation weiter geht.
Und gewiss: auch den Kommentar von @str0mgeist könnte ich selbst geschrieben haben, und darum: warum sollte ich die Frage noch einmal beantworten, wenn ich hinreichend verdächtig bin, sie mir schon beantwortet zu haben?

Was ist Assoziologie? Es handelt sich dabei um ein Spiel der Selbstorganisation von Erwartungen, das die Bedingungen der Fortsetzung – und damit auch seine Regeln – überhaupt erst in Erfahrung bringen muss, z.B: Interaktion durch Internetkommunikation bei gleichzeitiger Abwesenheit aller involvierten Spieler, die sich nur als Selbstanwesend beschreiben können und die Fraglichkeit dieser Selbstbeschreibung mitberücksichtigen müssten, um sie fremdreferenziell beobachtbar zu halten.

Es handelt sich um ein Argument, das besagen soll: wir können bei Fortsetzung der Internetkommunikation nicht mehr länger davon ausgehen, dass die entscheidenden Dinge irgendwie immer schon klar wären, man müsste sie nur noch kommunikabel machen. Mir ist noch ausreichend unklar, was Assoziologie sein könnte, und bin gespannt, ob die Kommunikation zu dem Thema weiter geht.

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