Das kybernetische Manifest

von Kusanowsky

Ein Gespenst geht um in der Welt — das Gespenst der kybernetischen Intelligenz. Alle Verteidiger des alten Denkens haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dieses Gespenst verbündet, Schulen und Universitäten, Medien und Machthaber, französisch-postsrukturalistische Radikale und deutsch-analytische Polizisten.
Wo ist ein raffiniertes Denken, das nicht von seinen realen und virtuellen Widersachern als relativistisch verschrien worden wäre, wo das raffinierte Denken, das den Fortgeschritteneren sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Phallozentrismus nicht zurückgeschleudert hätte?
Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor.
Das kybernetische Denken wird von allen bestehenden Mächten bereits als eine Gegenströmung anerkannt.
Es ist hohe Zeit, dass die kybernetischen Denker ihre Anschauungsweise, ihr Zwecke, ihre Tendenzen vor der ganzen Welt offen darlegen und dem Märchen vom Gespenst des kybernetischen Denkens ein Manifest der Sache selbst entgegenstellen…
Der vollständige Text findet sich in dem Blog von Tom Poljansek, der außer diesem Text ein sehr beeindruckendes Material liefert, das ziemlich genau meiner Bestellung entspricht. Zwar ist so etwas sehr, sehr unwahrscheinlich, aber offensichtlich ist es nicht unmöglich, dass ein entsprechender Lieferservice troztdem funktioniert.
„Das kybernetische Manifest“ ist eine gelungene Parodie des „Kommunistischen Manifestes“ von Karl Marx, ist aber nicht allein nur um des Spaßes Willen interessant. Der Text ist obendrein gar nicht so lustig, weshalb es nicht ausreicht, einem solchen Text das Label des Postmodernen anzuheften. Es ist vor allem ein Text des erfolgreichen Scheiterns von Argumenten, die darauf bestehen, nur sich selbst beobachtbar zu halten. Stattdessen verweist auch der Text auf etwas ganz anderes, dem er eigentlich aus dem Weg gehen will, nämlich einer Position der gescheiterten Positionsbestimmung.
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