Das Ende der transzendentalen Subjektivität 4 #shitstorm #hassspass

von Kusanowsky

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Ein Shitstorm (deutsch: Hass-Spaß) entsteht als pandemische Empörungsroutine, deren soziales Erregungsmuster sich durch unvorhersehbare und unkontrollierte Entladungen psychischer Energie und blitzartiger Verkoppelung von Systemen auszeichnet, wobei sich die Metapher sehr gut eignet, um einen Shitstorm als soziales Wetterphänomen zu beschreiben, dessen dämonischer Charakter zunächst nur deshalb so aufdringlich ist, weil die bekannten Verfahrensweise von Massenmedien nicht taugen, um dieses Phänomen zu erklären. Denn es wird durch sie nicht inszeniert, nicht kontrolliert und kann deshalb durch sie auch nur ungenügend reflektiert werden.
Massenmedien müssen adressierbare Punkte zur Abfrage ihrer eigenen Wirkungen (z.B. durch Meinungsumfragen) erzeugen, damit sie über das berichten können, worüber sie schon berichtet haben. Massenmedien müsse ihre eigene Erreichbarkeit in ihrer Umwelt immer schon erreicht haben, damit sie überhaupt wissen können, worüber sie berichten sollen, wobei sie stets von einer Quantifizierungsqualität der Phänomene ausgehen müssen. Eine solche Quantifizierungsqualität stellt eine genügende Voraussagewahrscheinlichkeit über die Relevanz der Berichterstattung her, weil nur auf dem Wege eine Berichterstattung über Berichterstattung erfolgen kann.
Ein Shitstorm, wie er sich durch das Internet ausbreitet, kann durch die Routinen der Massenmedien darum gar nicht behandelt werden, zumal sie selbst dieser Dämonie ausgesetzt sind, sofern sie das Internet selbst nur als Massenmedium verwenden. Weil der Anlass für einen Shitstorm auch enorm banal sein kann und nirgendwo einen Entstehungsort hat und nirgendwo eindeutige Adressen gefunden werden, die einer Opfer- und Tätersymbolik entsprechen, bleibt gemäß eines Beobachtungsschemas, das sich aus der Rezeption von Massenmedien entwickelt hatte, nur die Vermutung übrig, es handelt sich dabei um eine Art menschliche Affengewalt, eine dezentrale und wirkungslose Massenaffektentladung, die durch moralische Überforderung entsteht. Man könnte die Gründe bei Menschen suchen und glauben, Humandefizite seien die Ursache dafür.
Einem solchen vulgären Psychologismus merkt man direkt an, wie gering damit die Bereitschaft verbunden ist, den modernen Zivilisationsstolz aufzugeben, da Humandefizite irgendwelcher Art die sicherste Basis sind, um Forderung nach „Menschlichkeit“ zu stellen oder ganz allgemein Verbesserungen des menschlichen Loses zu erwarten; eine Forderung, die nur deshalb aufkommen kann, weil ihre Erfüllung immer schon kulturell angeliefert sein müsste. Denn nur erfüllte Menschlichkeit kann zulassen, dass Menschlichkeit als Verbrämungsformel zur Affirmierung von irgendetwas damit Gemeintem statthaft ist. Eine Zurechnung auf Humandefizite zeugt also davon, dass wieder einmal etwas der Beobachtung entzogen wurde, das spätestens durch die Nutzung des Internets gar nicht mehr beobachtet werden kann, nämlich: Humanvermögen. Massenmediale Kommunikation entzieht die Beobachtbarkeit von Humanvermögen insofern, als sie inflationär und vollständig pietätlos alles und jedes auf Humanvermögen zuspitzt und alle Defizite als Humandefizte apostrophiert, ungeachtet aller Unwahrscheinlichkeit der Vermeidbarkeit solcher Defizite.

Fortsetzung

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