Hat die Systemtheorie einen normativen Nutzen?
von Kusanowsky
Ich glaube dass die Luhmannsche Systemtheorie ihren normativen Nutzen darin hat, dass man mit ihr erkennen kann, wie die Bombe funktioniert, die es zu entschärfen gilt. Die Systemtheorie ist wertfrei wie die Bau-Anleitung der Bombe. Aber wenn man sich durch die Bombe bedroht fühlt, dann gibt sie einem gerade erst die Möglichkeit zu erkennen, welche Kabel man mehr oder weniger sorglos durchschneiden kann. (Ndee Hawkman, 30. November 2011)
Bemerkung: Wertfrei wie eine Anleitung zum Bombenbau? Aber dann doch auch so wertfrei wie eine Bombe, möchte ich sagen.
Das Wort „Bombe“ wurde wie viele andere militärische Begriffe wohl während des Dreißigjährigen Krieges aus dem Französischen (bombe) entlehnt und geht über lat. bombus letztlich auf das lautmalerischegriechische Wort βομβος zurück, das „dumpfes Tönen, Sausen“ bedeutet. Quelle Wikipedia
aahhrg, ich hatte schon geahnt dass die Verwendung des Wortes „Bombe“ nicht folgenlos bleiben könnte – allerdings dachte ich eigentlich in andere Richtungen… danke Klaus ;P aber jetzt wo der Staat etwas gegen seine Blindheit auf dem rechten Auge tut wird wohl noch genauer hingeschaut und Facebook bekommt bald gute Einnahmen dadurch, dass Nationalstaaten für Mitschnitte interessanter Profile viel Geld bezahlen werden 😉
Deshalb hier präventiv eine erläuternde Nachricht an den sowieso mitlesenden Verfassungsschutz: Der Begriff „Bombe“ wird im obigen Zitat als Metapher verwendet. Wir führen hier keine schlimmen Dinge im Schilde – versprochen! 😉 Der Begriff „Bombe“ ist so zu verstehen, dass zum Beispiel die Abholzung des Regenwalds und der Klimawandel unsere Lebensbedingungen zerstört. Und „Kabel“, die wir an dieser Bombe durchschneiden sollten, wären etwa „maßloses Wachstum“ oder auch „grenzenloser Konsum“.
Ist nun das politisch geförderte „Wachstum“ der Weltwirtschaft ein Grund, sich vom Staat bedroht zu fühlen? Nicht unbedingt, solange man von einem „Rechtsstaat“ ausgeht.
Zudem ist ja mit „Staat“ nicht „Gesellschaft“ gemeint. Wenn also im obigen Zitat der Begriff „Bombe“ in diesem Kontext benutzt wird, dann ist damit (natürlich ;)) nicht die Bundesrepublik Deutschland gemeint, sondern die Weltgesellschaft in ihrer Gesamtheit, die eine Bedrohung ist für den gesamten Planeten.
Die Weltgesellschaft als Gesamtheit der sozialen Systeme, die ihre Umwelt (also nicht nur Wälder, Pflanzen, Pilze, Tiere, sondern auch die Menschen – prinzipiell alle biologischen Systeme) offensichtlich zerstören wird – zumindest Weite Teile der komplexeren vielzelligen Organismen.
Die Bombe wird vielleicht platzen innerhalb der nächsten 10-200 Jahre. Es sei denn, das Kabel der hochausdifferenzierten „Handlungs“-Verbindung aus Wirtschaft und Politik wird durchgeschnitten. Dies natürlich ist kaum durchzuführen, da es sich um einen vollkommen abstrakten Systemzusammenhang handelt.
Es wäre so ähnlich als würde man sagen: „Lass uns doch die Idee der Nationalstaaten und der Weltwirtschaft mal auf den Prüfstand stellen“. Denken und wünschen kann man vieles, aber ändern tut sich die Gesellschaft nur durch sich selbst.
Wenn ein Einzelmensch auf die Schnapsidee kommt, er könne als Einzelperson ein solches „Bombenkabel durchschneiden“ und entsprechend „tätig“ wird, dann müssen natürlich Alarmsirenen heulen – denn das klingt dann nicht bloß nach „Utopie“, sondern schon verdächtig nach „Utøya“.
Also nochmals: Der Begriff Bombe ist bitte metaphorisch zu verstehen 😉 … zudem: eine Bombe zu entschärfen ist eine defensive Handlung, eine Bombe zu legen eine offensive – that makes a difference 😉
Doch dem Beobachter stellt sich diese Gesellschaft eben als töricht-tickende Zeitbombe dar. Das kann man ihr schon krumm nehmen und sich dann von ihr „bedroht fühlen“ – ändern kann man es wohl nicht. Man kann nur anmahnen, wie es „Tree Hugger“ aber schon seit über 50 Jahren machen – doch den Atomausstieg bewirkten letztlich nicht sie, sondern Fukushima… ernüchternd
Die einzige Lösungs-Idee, die die Technokraten selbst anzubieten haben ist die Aussicht auf unglaublich fantastische Technologien, die bald schon zur Verfügung stehen könnten innerhalb der nächsten 100 Jahre und die dann Algen in Benzin, Atommüll in Zuckerwatte und Steine in Gold verwandeln können.
Wenn die Wissenschaft (Merlin?), befeuert von ökonomischem Profit-Streben, durch politisch beförderte Plünderung sämtlicher Ressourcen des Planeten und unter radikaler Ausbeutung von Mensch, Tier, Natur, es tatsächlich schafft, diesen „heiligen Gral“ zu finden und den Segen fantastischer technologischer Lösungen zum Wohle aller herbeizuführen, kann man diese Weltgesellschaft lieben und muss sie nicht als „Bombe“ betrachten.
Glauben wir an die Möglichkeit der Existenz des „heiligen Grals“?
Es ist eine Art von „Glaubensfrage“, ob man an das „Gute“ der Weltgesellschaft glaubt, oder ob man ihr nicht über den Weg traut.
Sicher es ist eine Frage des Verhältnisses: Es gibt Böses UND Gutes in der Weltgesellschaft – die Frage ist, wie die Anteile sind und welcher der beiden Pole dominiert. Wer in die Weltgeschichte schaut, wer 1+1 zusammenzählt, wer ein bisschen tiefer nachdenkt bzw. multiperspektivisch schaut, der wird das Bombenpotenzial der Weltgesellschaft vermutlich deutlich erkennen können
(natürlich: es bleibt abhängig vom Beobachter – nur er ist es, der WERTEN kann).
Es bleibt Hoffnung, dass die Bombe der Weltgesellschaft so schlecht konstruiert ist (ja, sie ist konstruiert: durch sich selbst ;)), dass sie sich selbst blockiert, bevor sie detoniert.
Die Technokraten „glauben“ an die Lösung durch Fortschritt und Technik – sie sind die Ritter des Runden Tisches auf der Suche nach dem heiligen Gral.
Doch wir „Kybernauten“ dürften – wenn wir ehrlich sind – doch eher glauben, dass eine Art von „Detonation“ oder „Selbstblockade“ der Weltgesellschaftsbombe wesentlich wahrscheinlicher ist als ein friedlicher Übergang in ein High-Techno-Wunderland – in dem Sinne, als dass kritische Systemzustände eher zu evolutionären Umbrüchen führen.
Wie Klaus netterweise andeutete, ist der Begriff der „Bombe“ ja seiner Definition bzw. Wortherkunft nach durchaus „wertfrei“ verstehbar.
Persönlich würde ich das aber so sehen wollen wie beim Gegenstand eines „Schwerts“ (bei dem manche ja auch immer sagen wollen: das Schwert ist nicht „böse“ oder „gut“, sondern die Hand die es führt): Meines Erachtens macht die reine Potenzialität seiner Schärfe das Schwert bereits zu einem „unheilverheißenden“ Gegenstand, dass man deshalb sicher in einen Waffenschrank verschließt. Es braucht keiner „Hand, die das Schwert führt“, um im Schwert eine Gefahr erkennen zu können. Mit einer Bombe ist das ganz ähnlichh meine ich.
Deshalb kann aus der Sicht eines die Welt beobachtenden Einzelmenschen die Gesellschaft selbst dann als „Bedrohung“ empfunden werden, wenn sie weder einen Erbauer hat/hatte noch einem bestimmten „Plan“ folgt, sondern autopoietisch operiert.
Die „Bombe“ der mit der Weltpolitik der Nationalstaaten paktierenden Weltwirtschaft sollte deshalb auch „auf Abruf“ in einen Waffenschrank weggesperrt werden (meine ich persönlich, als biologisches Lebewesen, das sich um sich selbst und um etwaige Kinder und Kindeskinder sorgt).
Aber kein „Akteur“ wäre überhaupt in der Lage, dies zu schaffen.
Wir können nur „predigen“: „Das Ende ist nahe (vermutlich)! Fürchtet euch! Kauft nur fair gehandelten Kaffee!“ 😉
So mündet die momentane Weltlage in die (für einen selbst) paradoxe Situation, dass man den „Zusammenbruch“ des Weltsystems zwar als Bedrohung fürchtet, doch dieser „Zusammenbruch“ (der ja eigtl. „nur“ eine evolutionäre Neujustierung wäre) zugleich die Bedrohung stoppen würde.
(ich setze diesen Beitrag auch mal unter den Blog-Beitrag, damit „Big Brother“ auch dort mitbekommt, dass ich ein harmloser Tree Hugger bin ;)) und um den Facebook-Bot noch ein bisschen anzuheizen: Bombe Bombe Bombe Bombe Bombe ;D
„Niemand weiß, was die Zukunft bringt“ 😉
LG, Ndee Hawkman
@binbei Kusanowsky … 30. November 2011 20:44
„Ich glaube dass die Luhmannsche Systemtheorie ihren normativen Nutzen darin hat, dass man mit ihr erkennen kann, wie die Bombe funktioniert, die es zu entschärfen gilt. Die Systemtheorie ist wertfrei wie die Bau-Anleitung der Bombe.“
No, das glaube ich – und erst recht nach dieser (vorsichtig ausgedrückt) schwierigen Wörterwolke von binbei (bei) Kusanowsky – nicht:
Keine Theorie ist wertfrei.
Die Luhmannsche Systemtheorie, eine von etlichen, sie muß erst noch beweisen, daß sie „System“ (verwendbar) beschreiben kann, theoretisch, das reicht.
Praktisch nicht mehr erforderlich, da er das nicht mehr tun kann, und er war wohl der Einzige, der es verstand, mit dem von ihm dazu geschaffenen Begriffskatalog umzugehen.
Um das eigentliche Anliegen der „Bombe im Weltsystem“ sprachlich zu fassen, könnte binbei seinen Text eventuell in den Urwald legen, in der stillen Hoffnung, daß er dort mit gerodet wird, am besten anstelle der brasilianischen Bäume – jeder hat einmal einen schlechten Tag, auch ich, z.B. wenn ich zu solchen brennenden Themen solche Irrlichter lesen muß, wie dieses hier:
„Die Technokraten „glauben“ an die Lösung durch Fortschritt und Technik – sie sind die Ritter des Runden Tisches auf der Suche nach dem heiligen Gral.“
Denke mal, wenn ich einen echten TECHNOKRATEN lesen will, dann hier den binbei.
Ist eventuell geläufig, was ein TECHNOKRAT sein könnte?
(Gleiches wie nun folgt ginge auch mit dem Runden Tisch und dem heiligen Gral und und und).
Dazu müßte man sich zunächst in der TECHNIK auskennen, wissen, WAS das ist: Es sind Fertigkeiten und Fähigkeiten, erworbene, durch eigenen Fleiß und Übung.
DAS ist Technik.
Zum Beispiel die Maltechnik, die Technik des Eiskunstlaufens oder der Bearbeitung von Holz, Metall, …, einen Text zu schreiben, zu Denken …
Noch etwas ist Technik: Wenn die Fertigkeiten und Fähigkeiten nicht durch eigenen Fleiß und Übung sondern zum Beispiel durch die meiner Großmutter oder anderer Ahnen entstanden und in irgendeiner Form „gespeichert“, also „materiell geronnen“ sind, wie z.B. der Stuhl, auf dem ich sitze, das Buch, das ich lese, der PC, an dem ich gerade schreibe – alles „vergegenständlichte“ frühere Fertigkeiten und Fähigkeiten, vergegenständlichte Technik.
Und nun können wir zum Technokraten kommen, dem „Technisierer“, dem, der unverzichtbar dafür zu sorgen hat, daß o.g. vergangene Fähigkeiten und Fertigkeiten der Altvorderen und meiner anderen Zeitgenossen nicht verloren gehen und „technisiert“ werden, gespeichert werden zur Nachnutzbarkeit, und das in breiten Umfang.
Und mit solch einem Technokraten verhält es sich wie mit dem Rabbi in der Mosche,wie mit dem Professor in der Kinderkrippe oder dem Pianisten in der Bäckerei: Nicht überall paßt er hin oder ist er nützlich, aber an SEINEM gedachten Platz sehr wohl, da er nur dort seine Kreativität nutzbringend entfalten kann.
Was ist die Kreativität des Technokraten? Es liegt auf der Hand: Vielfalt und Effizienz bei der Technisierung zu entfalten.
Und wie soll das nun gehen, wenn der „nicht an Lösungen durch Fortschritt mit Technik glaubt“??
Der Satz: „Die Technokraten „glauben“ an die Lösung durch Fortschritt und Technik – sie sind die Ritter des Runden Tisches auf der Suche nach dem heiligen Gral.“ steht nun völlig nackt im Raum, nutzlos und etwas heftig gymnasial unsinnig, ist nun Nonsens.
Und so leichtfertig und pauschalierend, lieber binbei, geht es deinen gesamten Text hindurch zu, im gleichen lamentierenden (nicht mal argumentierendem) Stil, das wird den beiden Anliegen nicht gerecht,.
Und deshalb: mach ihn neu, diesen Text hier, es gibt nichts zu korrigieren. Laß den nicht hierhin gehörenden Luhmann einfach weg und besinne dich nur auf das, was hier zu sagen ist, oder bleib beim Luhmann und seinem Systemchen und laß den brasilianischen Urwald und die Weltbombe weg, das würde nicht nur mich freuen.
Und: Bei so vielen Worten so wenig mitgeteilt – liest sich meine Meinung eigentlich auch so?
Liebe Berta Bramer,
schade dass Sie meinen Textbeitrag in einer Weise verstanden haben, die bei Ihnen negative Empfindungen ausgelöst hat.
Mein Text verfolgt keinen wissenschaftlichen Anspruch sondern versteht sich als vollkommen vogelfrei – irgendwo oszillierend zwischen sozialwissenschaftlicher Färbung, Lyrik, Meinungskundgebung, Polemik, Nonsense, Sense, Gefasel, Marketingsprech und vielen weiteren Möglichkeiten mehr.
Von daher muss ich ihn nicht vor Ihnen verteidigen. Sie verstehen ihn, wie Sie ihn verstehen – ändern kann ich daran nichts. Ob Sie in dem Text keine Argumentation entdecken ist irrelevant, da er nicht als Parade-Beispiel für formale Argumentationsstrukturen angetreten ist, sondern ein freiheitlich abgefasster Gedankenerguss ist, nicht mehr und nicht weniger.
Dass Sie meinen Text als Lamento empfinden, gefällt mir sogar, denn dann haben Sie wahrgenommen, dass auch meine Gefühlswelt sich in meinem Text widerspiegelt und es keine „nüchterne“ Wissenschaft ist, die ich damit betreiben möchte.
Um nicht unhöflich zu sein, möchte ich mich dennoch zu einigen Ihrer Anmerkungen äußern:
quote: „Die Luhmannsche Systemtheorie, eine von etlichen, sie muß erst noch beweisen, daß sie „System“ (verwendbar) beschreiben kann“
Warum muss sie das? Warum muss sie etwas „beweisen“? Was ist ein Beweis?
Als eine von vielen möglichen Wahrheiten stelle ich mal diejenige zur Auswahl, die ich selbst präferiere: Ein Beweis ist ein bestimmter Grad an Plausibilität. Ergo: Je mehr etwas positive kommunikative Anschlussfähigkeit erlangt, desto plausibler erscheint es für umso mehr Beobachter und desto tragfähiger ist der Beweis.
Aus dieser (wie gesagt, einer von vielen möglichen, doch – wie ich persönlich finde – recht plausiblen) Vorstellung von „Beweis“ kann attestiert werden, dass wohl kaum eine sozialwissenschaftliche Theorie derzeit besser „bewiesen“ ist, als die Luhmannsche Systemtheorie, denn sie hat sich ausgebreitet wie ein Flächenbrand und generiert Resonanz noch und nöcher. Umgangssprachlich könnte man formulieren: Soviele Menschen reden über und mit dieser Theorie – „irgendwas muss da wohl dran sein“.
Dieses Verständnis von „Beweis“ ist vornehmlich sinnvoll hinsichtlich der Gegenstände und Methoden der Geistes- und Sozialwissenschaften.
Andere Verständnisse von „Beweisen“ gibt es im Bereich der Mathematik und der formalen Logik. Insbesondere im Feld der Naturwissenschaften und der Beschreibungen unbelebter Materie machen mathematische und/oder logische Vorstellungsformen von „exakten“ Beweisen Sinn.
Wenn Sie derart mathematisch-exakte bzw. formal-logische Beweise für die konstruktivistische Systemtheorie einfordern, möchte ich Sie dezent ermutigen, das noch einmal zu überdenken – vielleicht ist es wenig sinnvoll bzw. würde auf Paradoxien auflaufen.
Nach Vorstellung der Systemtheorie (und nicht nur derer) kann in den Sozialwissenschaften nichts „bewiesen“ oder „gemessen“ werden. Die Systemtheorie ist gerade mit der Behauptung (mehr als behaupten kann man nicht – und hoffen dass sich irgendjemand kommunikativ anschließt) angetreten, dass die formale Logik und empirische Methoden im Bereich des Sozialen auf den Prüfstand gehören.
Zudem: Wenn Sie anmahnen, die Systemtheorie müsse „verwendbar“ sein, dann werfen Sie damit doch exakt die Frage auf, die mein Posting behandelte, nämlich die Frage, ob die Systemtheorie einen „Nutzen“ haben kann.
Die Antwort darauf ist einfach: Sobald man die Systemtheorie „benutzt“ oder für irgendetwas praktisch „verwendet“, ist man nicht mehr innerhalb der Theorie, sondern irgendwo anders innerhalb der Gesellschaft, vielleicht in der Politik, vielleicht in der Wirtschaft, vielleicht in der persönlichen Streit-Arena im Internet oder der Blogosphäre.
Versteht man die Gesellschaft als Bombe, dann ist man demnach immer Teil dieser Bombe – vielleicht ist man die (brennende oder noch nicht entzündete) Zündschnur, vielleicht ist man ein defektes Rädchen, dass die Detonation blockiert – in jedem Fall kann man nicht außerhalb der Bombe sein. Denkbar wäre auch, dass die Selbstbeschreibung der Gesellschaft als „Bombe“ ihre Detonation herbeiführt oder eben verhindert. Zur Weltgesellschaft zu sagen „Du bist eine Bombe!“ ist ja bereits Vollzug von Kommunikation, also Vollzug von Gesellschaft, also einfach „Bombe!“.
Ich sehe den normativen Nutzen des Systemtheorie dann vielleicht darin, dass sie uns überhaupt die Erkenntnis gibt, dass man annehmen kann, es gäbe Systeme (Luhmann hat immer betont, dass er nicht sagt, dass es Systeme gibt, sondern dass er lediglich annimmt, es gäbe sie). Nur dank der Systemtheorie können wir uns die „Weltgesellschaft“ begrifflich und gedanklich „vorstellen“ und sie als „Bombe“ imaginieren. Natürlich könnte man auch Hegel dafür verwenden, aber Luhmann scheint zur momentanen Weltgesellschaft doch besser zu passen (oder doch nicht? das bleibt erstmal offen).
Sie können sich also die Systemtheorie und ihren etwaigen „Nutzen“ ganz einfach selbst „beweisen“, denn der Beweis für die Plausiblität der Systemtheorie liegt in ihrem eigenen Universum, in dem sich herausstellt, ob Sie kommunikativ zustimmend oder ablehnend an die Systemtheorie anschließen oder (dritte Möglichkeit) sie schlicht ignorieren. Möchten sie an die Systemtheorie „glauben“ (aka positiv kommunikativ an sie anschließen), dann tun Sie es. Präferieren sie eine andere universale Weltsicht (Hegel wäre auch empfehlenswert für Universalisten), dann steht Ihnen auch dies frei. Sie sind der Herrscher in ihrem Universum! Treffen Sie Ihre Unterscheidung und Ihr Universum erscheint.
Sie erläutern schnell, was Ihre Vorstellung von „Technik“ und von „Technokratie“ ist. In meinem Gedankenuniversum hätte es plausibler gewirkt, wenn Sie einfach die Wikipedia-Einträge zum Themenkomplex „Technokratie“ angeführt hätten –
z.B. http://de.wikipedia.org/wiki/Technokratie
denn ein solches Vorgehen würde (bei allem möglichen Zweifel an Wikipedia-Artikeln) wenigstens auf die Sichtweisen unabhängiger Dritter und deren Bezug auf Erfahrung der Welt verweisen, so dass wir dann nicht unsere beiden Denk-Universen gegeneinander antreten lassen müssten wie bei einem Cowboy-Duell in the wild wild west. Denn so etwas hat man doch schon genug in web.de/gmx.de-Foren, das wollen wir dem Herrn Kusanowsky dann doch nicht zumuten, auf seiner Webseite einen „Battle“ auszuführen wie in einem Hiphop-Jugendzentrum – ein Clash-of-Meine’Meinung‘-vs-Deine’Meinung‘ ist eine vortreffliche Zeitvergeudung für Menschen, die Spaß an Nervenaufreibung haben – mein Ding ist das nicht so).
An keiner Stelle habe ich „Technik“ verteufelt.
Mein Anprangern bezog sich auf die Herrschaft (Kratos) der Technik, also ihre unwidersprochene, radikale und durchgreifend-grundprinzipielle Dominanz über die Natur (Natur heißt auch: die Menschen – inkl. Ihnen und mir, denn „Natur“ ist u.a. die „Umwelt“ in der Differenz System/Umwelt – Ihres und mein Bewusstseinssystem (und auch unsere biologischen Körper) sind Umwelt der Systeme, zumindest wenn wir Luhmanns Annahmen folgen möchten (was ich jedenfalls tue – und gerne tue).
Unsere beiden Bewusstseine werden dominiert durch Technokraten.
Diese „Technokraten“ sind wiederum keine Bewusstseinssysteme, sondern es sind Stellen in Organisationssystemen, die verschiedene Bewusstseinsysteme temporär okkupieren.
Ganz allgemein symbolisiert der Begriff „Technokratie“ zudem ein vorherrschendes Kommunikations-Paradigma.
Um mal eine kleine These einzustreuen: Der moderne Staat und jegliche Form bisher jemals historisch realisierter „Demokratie“ war stets und immer zugleich eine „Technokratie“, denn die Epoche der Aufklärung und das Entstehen der „Moderne“ mit der letztlichen Einteilung der Welt in Nationalstaaten wurden eben gerade durch die Entzauberung der Natur und die bedingungslose Nutzbarmachung der Natur herbeigeführt.
Sie können das vielleicht mögen, von der Technik und einer Idee der absoluten Unterwerfung der Natur beherrscht zu werden, vielleicht weil diese Technik durch Atomkraft ihren Laptop am Laufen hält und ihre Lebenserwartung durch Tierversuche auf über 80Jahre steigt – das ist natürlich ihre Freiheit.
Ich persönlich mag diese Dominanz jedoch nicht und wünschte eine andere Welt, in der es natürlich noch Technik und ein recht langes Leben gibt (und auch Forschung und Entwicklung), doch in der sich diese Technik den Bedürfnissen der Natur (Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze) unterordnet bzw. eine gesunde Symbiose mit ihr eingeht.
Das ist mein persönlicher Normativismus, der keiner wissenschaftlichen oder argumentativen Begründung bedarf. Ich sehe das einfach so, ich fühle das einfach so und ich kommuniziere das einfach so – vollkommen „subjektiv“, wenn Sie so wollen.
Sie können das gut finden oder nicht, das steht Ihnen frei, genauso wie Sie alles, was mein Bewusstseinssystem schreibt, als Nonsense deklassieren können.
Vielleicht finden sich andere Bewusstseinssysteme, die es anders bzw. ähnlilch wie ich sehen, so dass das Zeitalter der Technokratie nach und nach enden mag, je mehr Menschen einen Paradigmenwechsel in dieser Hinsicht kommunikativ befördern.
quote: „Was ist die Kreativität des Technokraten?“
Das ist ganz einfach: Ein Technokrat (als Rolle) hat kaum Kreativität, da er sie nicht braucht.
Viellleicht hat die Person, die tagsüber die organisational gerahmte Rolle des Technokraten spielt, abends, wenn sie in ihrer Freizeit ein Bild malt, durchaus Kreativität. Aber für die funktionale Erfüllung der Rolle des „Technokraten“ ist kaum Kreativität erforderlich – ein Herrscher benötigt meist andere Primärqualitäten als Kreativität.
Ein Techniker oder ein Ingenieur hingegen kann mit Kreativität schon mehr anfangen.
Und meine eigene Kreativität und ideelle Schaffenskraft bringt Ihnen nun eine Kombination von Luhmanns Systemtheorie mit der Metapher der „Bombe“ und der Abholzung des brasilianischen Regenwalds zu Gehör.
Dass diese neue (eigentlich ist sie gar nicht so neu) Kombination von Gedankenkonzepten Ihr Bewusstsein so stark in Resonanz versetzte, dass Sie sich die Zeit nahmen, Ihre Antwort auf meinen Beitrag zu formulieren, zeigt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin und genau in dieser Art und Weise fortprozessieren sollte.
Nehmen Sie das Gesagte bitte nicht persönlich. Ich bin mir bewusst, dass Sie jetzt vielleicht emotional etwas aufgebracht sind (das war ich auch, als ich Ihren Beitrag las) – nutzen Sie diese Energie, um eine Antwort zu schreiben.
Irritieren Sie mich! Mein Bewusstseinssystem mag das!
😉
@Berta Bramer – mir geht es nicht um die Auseinandersetzung zwischen Dir und binbei’s Luhmann-Bombe, sondern um Deine mir sehr passenden Formulierungen zur Technik und zur Technokratie, die ich gerne noch ausführlicher lesen würde.
Mir scheint klar, dass dieses Technikverständnis nicht zu Luhmanns Theorien passt (der hat sich ja lustigerweise nie mit Technik befasst, obwohl (oder bei ihm eher weil) Systemtheorie in allen andern Auspägungen eine „technische“ Angelegenheit ist (etwa hohe Relevanz beim Konstruieren von Bomben und anderem Kriegsgerät hat).
Vielleicht hast Du etwas mehr zur Technik geschrieben? Vielleicht wäre das, was Du als geronnene Technik beschreibst als Artefakt zu bezeichnen?
Hier passt das jedenfalls gut, weil sich @Klaus ja auch noch zur Sache äussern will 😉
@Berta Brahmer besten Dank für Deine Ueberlegungen, die mir sehr gefallen. Die WikiFussgänger verzichten eben auf Technik und gehen zu Fuss 😉
Ich verwende gerne die von Dir vorgeschlagene restriktivere Begriffsbestimmung zu Artefakt und will Dich fragen, ob Du auf diesem Weg noch ein Stück weiter gehen möchtest/könntest, nämlich so:
Nachdem das Artefakt nun geronnene Technik ist, könnte man (ich tue es 😉 sagen, dass die Herstellung von Artefakten immer auch ein Formen ist. Und dann könnte man sagen, dass „etwas“ geformt wird und dieses Etwas als Material bezeichnen. Man hätte dann einen Materialbegriff, der nichts mit Materie (a la WikiFussgängerei) zu tun hat, sondern operativ auf das Formen von Artefakten bezogen ist. Was meinst Du?
@Rolf Todesco / 12. Dezember 2011 13:43 und 3. Dezember 2011 13:20
>12. Dezember: „will Dich fragen, ob Du auf diesem Weg noch ein Stück weiter gehen möchtest…“ – nun ja.
Wenn es was bringt. Es ist doch recht einfach:
„Schaffen“, „Gestalten“ durch Menschen ist stets auch FORMEN – was sollte es sonst sein?
Was wird „geformt“? – Ganz allgemein natürlich MATERIAL, als Gegenstand des „Schaffens“.
Dieser Gegenstand, dieses Material, kann „geistiger“ Beschaffenheit oder „körperlicher“, sprich GEGENSTÄNDLICHER Beschaffenheit sein.
Werden dabei Fähigkeiten und Fertigkeiten (primäre TECHNIK) als ursprünglich geistige „Leistung“ in gegenständliche Formung und Speicherung (sekundäre TECHNIK) überführt, wird somit „Gedachtes“ zu „Gemachtem“ am konkreten Gegenstand, spreche ich vom „Gerinnen“ zur sekundären vergegenständlichten Technik, die es ohne dem jeweilig vorausgegangenem Prozess des Einsatzes von primärer Technik in Form von Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen nirgendwo gibt.
Insofern ist das „mit dem Material“ klar und eindeutig.
Ebenso klar und eindeutig ist die Möglichkeit, daß dabei „geformtes“ Material“ als geistige Beschaffenheit oder als gegenständliche Beschaffenheit (oder beides zugleich – was oft die Regel ist) in Erscheinung tritt.
Nun ist es weiterhin völlig klar, daß vergegenständlichtes Material aus Stoffen (physikalischer, chemischer usw.) besteht. Für diesen Begriff „Stoff“ wurde wissenschaftlich der Begriff der MATERIE eingeführt, von der bekannt ist, daß sie aus verschiedenen Komponenten besteht, so z.B. aus Masse, Energie und Information (z.B. die jew. spezifische Struktur usw.) als untrennbares Dreiergespann- als SYSTEM.
Hierin ist der SYSTEMCHARAKTER DES UNIVERSUMS begründet, damit der Systemcharakter ALLER Natur …
Nun frage ich mich, wie man angesichts dieser Sachlage zu der deinig angefragten Auffassung kommen kann, daß das beschriebene „Material“ nichts mit „Materie“ zu tun haben könnte? Wo doch zumindest das gegenständliche Material nichts anderes als Materie ist und das Geistige Material ohne materiellem Träger (nicht: Materialträger!) nicht existent ist?
MATERIAL ist immer entweder MATERIE oder an diese als Träger gebunden.
Mehr erklärt sich das auch aus der FUNKTION von System Materie.
Hm, denke mal, das war wohl nicht so ganz, was du gern gehört hättest, oder?
Übrigens: „…die Herstellung von Artefakten immer auch ein Formen ist.“ – JEDE HERSTELLUNG IST NUR FORMEN, nicht nur die von „Artefakten“ und nicht nur „auch“ – was sollte Herstellung sonst noch meinen? ORDNEN? – ist auch wieder nur ein FORMEN.
> 3. Dezember 2011 13:20:
„Man wird mit der Zeit merken, dass JEDER Akteur ein Troll ist und dann hilft die Bezeichnung Troll auch nix mehr …“
Das ist arg zu kurz gegriffen:
Seitdem z.B. in Deutschland ALLE dunkles Brot essen, hat meines Wissens nach noch niemand damit aufgehört, erst recht nicht nur, weil DAS ALLE TUN.
Warum sollte das beim „Trollen“ anders sein?
Allerdings interessant wäre deine Überlegung, wenn wir das auf facebook beziehen:
Wenn alle „drin“ sind, hören die (oder facebook) dann auf, weil das Drinseien „auch nicht mehr hilft“?
Wenn Troll eine Aufgabe, eine Funktion ist, spielt die Menge keine Rolle für deren Fortbestand, verliert jedoch einer diese Funktion, dann hilft (nur !) dem „die Bezeichnung Troll tatsächlich auch nix mehr …“
Merke:
Alles was „vernichtet“ wurde, z.B. „Trolle durch Nachdenken“ – schafft ein neues Problem, besser Phänomen – auch für das NACHdenken, weniger für das VORdenken – oder sollte ich besser sagen neue TROLLe?
Oder mal ganz anders:
Warum eigentlich nicht: „dann hilft die Bezeichnung Troll auch nix mehr …“ – wenn mit MEHR NachDENKEN ?
Doch das schreit nach Denkkollektivismus auf höchster Stufe und ist wohl eher als „trollig“ zu verbuchen.
Zur ersten Häfte, also zum Material (oder Technik/Artefakt).
> Hm, denke mal, das war wohl nicht so ganz, was du gern gehört hättest, oder?
ja, da denkst Du richtig. Ich finde, das ist die standarddenkweise, in welcher Material mit Materie gleichgesetzt wird (obwohl es zwei verschiedene Wörter sind).
Ich habe dagegen eine andere Denkweise vorgeschlagen, in welcher nur das Formen gedacht (beobachtet) wird, und das dabei Geformte gerade nicht als Materie, sondern eben als Material bezeichntet wird, wobei „Material“ dann durch seine Verformbarkeit definiert wird und nicht physikalisch durch irgendwelches Atomzeugs und ähnlichen Quark.
Wir sind hier ja im Blog namens Differentia, was auf Differenzendenken anspielt. Material wäre in diesem Sinne die nicht-markierte Seite von Form.
Zu meiner Auffassung passt dann logischerweise auch nicht, dass
> dieses Material .. „geistiger“ Beschaffenheit sein kann.
Eben gerade NICHT. Ich kann keinen „geistiges“ Ding/Gegenstand erkennen. Artefakte sind nicht geistig
>Übrigens:
>> „…die Herstellung von Artefakten immer auch ein Formen ist.“
>– JEDE HERSTELLUNG IST NUR FORMEN, nicht nur die von „Artefakten“
>und nicht nur „auch“ – was sollte Herstellung sonst noch meinen? ORDNEN?
>– ist auch wieder nur ein FORMEN.
ich unterscheide hier eine Art von „eigentlichem Herstellen“, was Herstellen
von Artefakten heisst (also Formen von Material). Das geistige „Herstellen“
etwa von geistigen, gedanklichen Beziehungen oder ORDNUNGEN dagegen
ist für mich kein, resp. ein metaphorisches Herstellen, weil dabei kein
Artefakt entsteht.
zur zweiten Hälfte, zur Trolligkeit:
Diese Artefaktegeschichte ist mir wichtig, die Troll-Geschichte dagegen
finde ich auch trollig. Da bin ich ohne weiteres auch Deiner Meinung, denn
das hat ja mit Technik – um die es mir geht – kaum was zu tun.
Ich danke Dir für Deine Antwort.
https://twitter.com/frachtschaden/status/402785960372338688
Diskussionen dieser Art sind ganz typisch für eine an Bürokratie (und damit an exekutiver Staatsgewalt) gekoppelte Wissenschaft. Alle wichtigen Angelegenheiten, die da verhandelt werden, finden unter der Voraussetzung statt, dass alles, worüber geredet wird, immer schon unter Bedingungen geschieht, unter denen alles bereits entschieden ist. Entschieden ist schon über das Thema, über die Veranstalter und den Veranstaltungsort, über Auswahl der Beteiligen, über deren zugelassene Themen, Theorien, Methoden, Sprechweisen, über Habitualisierungen, damit auch über deren Meinungen und Folgemeinungen. Entschieden ist schon über die Herstellung von gegenseitigen Erwartungen, insbesondere in Hinsicht auf Gefälligkeiten aller Art, entschieden ist, wer publizieren darf (und wer nicht), entschieden ist über ein adressierbares Publikum, über die Verdienstmöglichkeiten eines Verlages usw.
Und unter diesen Bedingungen wird nun über die Möglichkeit einer normativen Ordnung diskutiert, also unter der Bedingung, dass das, was erwünscht, was nicht erwünscht, was zulässig und was nicht zulässig, was wahr und was nicht wahr ist, was glaubwürdig, akzeptabel oder auch noch irritativ sein kann, schon geregelt ist. Natürlich darf bei solchen Diskussionen als dies auch thematisiert und kann durch Thematisierung bezweifelt werden. Selbstverständlich darf auch die Diskussion über normative Ordnung als unzulässig erklärt werden, aber auch in dem Fall gilt, dass alles schon entschieden ist.
Woran kann man erkennen, dass dies so ist? Nämlich daran, dass diese Diskussionen weniger vorschriftsmäßig ablaufen, sondern erwartbare Ergebnisse zeitigen. Nachdem alles gesagt und verhandelt wurde, nachdem Meinung und Gegenmeinung ausgetauscht wurden, wird anschließend der nächste Durchlauf durch diese Routine schon wieder vorbereitet. Es handelt sich um ein autopoietisches System, das zu seiner Selbstreproduktion ohne die Exkludierungsfunktion staatlicher Exekutivgewalt gar nicht funktionieren könnte.
Insofern müsste man fragen, warum solche Diskussionen überhaupt stattfinden.
In diesem Zusammenhang ist übrigens auch die Antwort von „Beoachter der Moderne“ auf diesen Artikel von mir
interessant.
Für ihn ist alles ganz einfach. Man muss nur eine Theorie haben. Und wenn man keine hat führt man Gespräche über eine normative Ordnung oder besteht auf Theorievermeidung. Es ist alles ganz einfach. So siehts aus.
Der interessanteste Fall ist aber über noch zu findende Themen, Gegenstände, Theorien, Methoden, Darstellungsweisen und dergleichen zu sprechen unter der Voraussetzung, dass alles Entscheidene eher unbekannt als bekannt ist und dass die Ergebnisse eher verwirren als klären könnten.
Man könnte die Hindernisse einer Wissenschaftsbürokratie als geeignetes Kriterium für Notwendigkeiten nehmen, an deren Überwindung sich eine Wissenschaft zu bewähren hätte.
Wir haben aber gegnewärtig die höchst bemerkenswerte Situation, dass wir diese kommunikative Wildnis der Chaoskommunikation als Kriterium wählen könnten. Man muss das nicht tun. Man damit keine Karriere machen. Aber man gewinnt etwas. Nämlich die Freiheit, es zu tun, um Forschung zu betreiben, um lernen zu können.