Die diabolische Falle und der transzendentale Vermeidungsirrtum 2

von Kusanowsky

zurück

Nun, ich beteilige mich an Internetkommunikation. Ich tue dies nicht unvorbereitet, aber relativ ahnungslos, weil ich nicht weiß, wie die Kommunikation sich entwickelt. Ich weiß aus Erfahrung, dass durch das Internet ziemlich viele Schäbigkeiten zustande kommen, aber auch sehr viele hübsche und nette Sachen. Und ich denke über die diabolische Falle nach, in welcher ich, selbstbeobachtend verwickelt bin; und bin mir sicher der Blindenhund ist es auch, ob er das zugibt oder nicht, spielt keine Rolle. Denn ob ich mich darin irre oder nicht kann ich nur durch Kommunikation mit dem Blindenhund ermitteln. Aber wie soll ihm das erklären? Und andersherum: wie käme er dazu, mir meinen Irrtum zu erklären? Es geht nur mit Kommunikation, aber wie anfangen? Theoretisch führt das auf die Einsicht, dass die Kommunikation mit dem Blindenhund schon funktionieren müsste, damit sie weiter geht, aber er hört ja nicht auf mich, wenn ich rufe: komm her, mach Sitz, mach Platz, sei brav! Wie bring ich ihm das bei? Und: wo ist er denn überhaupt? Wer ist er denn? Versteht er meine Sprache? Ist er auch so vernünftig wie ich? Was mag er, was schätzt er, was scheut er, was kann er und was kann er nicht? Ich weiß das alles nicht; und das, obwohl die Kommunikation schon angelaufen sein müsste, denn auch mein Nichtwissen über ihn kann ja nur durch Kommunikation zustande kommen, wenn auch noch nicht durch Kommunikation mit ihm, aber irgendwie schon doch. Tja.
Aber hoppla! Plötzlich schlägt als Kommentator ungerufen in diesem Blog bei mir auf. Nennt sich Blindenhund – ich bin rational informiert: so heißt kein vernünftiger Mensch, denke ich; er hinterlässt keinen wiederauffindbaren Namen, keine wieder ansteuerbare Adresse, gibt eine Mailadresse an, die auch nicht stimmt, betreibt also Manipulation. Und er schreibt irgend etwas. Ich finds einigermaßen interessant, schalte den Kommentar frei, es entsteht eine kurze Diskussion, es kommt zu Reibereien, zu Spott. Und er verschwindet wieder, genauso spurlos wie er angekommen war.

Nun denke ich über das Ergebnis nach. Was sollte das denn? Sicher: durch Freischaltung seines Kommentars habe ich die manipulativ geprägte Kommunikation ermöglicht, wobei es nicht auf die Frage ankommt, wer mit Manipulation angefangen hat. Denn auch ich schreibe eigene Texte, über die man verschiedenes denken kann, z.B. auch, dass ich vielleicht willkürlich einige Ungereimtheiten eingebaut habe, die dem Blindenhund aufgefallen sein könnten. Aber worin bestehen diese Ungereimtheiten denn? Dies zu klären wäre wieder eine Sache der Kommunikation, aber sie ist ja zuende. Er ist weg! Und es kommt etwas wichtiges hinzu. Zwischen ihm und mir gibt es ein asymmetrisches Verhältnis der Wiederauffindbarkeit: ich hinterlasse eine wiederansteuerbare Adresse, das Blog, er aber nicht. Der Einwand, ich könnte seine IP-Adresse ermitteln ist gegenstandslos, weil er seine Kommentare genau so gut in einem Internetcafé abgesetzt haben könnte und zwar irgendwo auf der Welt! Kurz: der Köter kommt zu mir in die Stube, gewiss, ich lass ihn rein; er pinkelt mir auf den Teppich; als ich ihm etwas Futter gebe, beißt er mir in die Hand und verschwindet wieder.
Nun finde ich folgende Überlegung interessant. Was auch immer er von mir wollte: wie hat er mich denn gefunden? Woher weiß er denn, dass ich so nett bin und seine Kommentare freischalte? Vielleicht hat er mal Lust mir das zu erklären, denn eigentlich hat er die gleichen Anfangsfindungsprobleme wie ich. Er weiß doch über mich gar nichts, und wenn doch: dann ist er ein ganz genialer Trickser und Täuscher, der mich im Unklaren darüber lässt, dass wir uns bereits kennen. Das soll er mir mal alles klar und deutlich erklären; und zwar so, dass ich das auch verstehen kann. Leider: weg isser.

Aber, seltsam, nach einiger Zeit taucht er wieder auf. Und für diese Gelegenheit habe ich mir etwas ausgedacht.

Fortsetzung

Advertisements