Herkunft und Zukunft der Demokratie 3 #piratenpartei
von Kusanowsky
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Beobachtet man wie die ersten Erfolge der Piratenpartei nach der Wahl in der Berlin inszeniert werden, fühlt man sich leicht an ähnliche Ereignisse in den 80er Jahren erinnert als die Grünen damit anfangen wollten, eine alternative Politik einzuführen. Für die Piratenpartei dürfte etwas etwas Ähnliches zu erwarten sein: entweder sie beharrt auf ihre sogenannten „Alternativen“, dann wird sie als kleine Randpartei weiter machen, oder sie professionalisert sich. Aber dann muss sie sich den Routinen anpassen, die sowohl durch das Dispositiv der Massenmedien als auch durch die Arbeitsbedingungen parlamentarischer Gremien entstehen. Sie muss sich in das Gefüge einpassen; und nicht, wie in der Piratenpartei geglaubt werden will, das Gefüge an die Partei. Oder aber es entstehen gänzlich andere Bedingungen. Aber auf diese scheint die Piratenpartei genauso wenig vorbereitet zu sein wie alle anderen Parteien auch, was man daran erkennt, dass im Grunde alle gescheiterten Ideale der Demokratie im Programm der Piraten unverdrossen wiederholt werden.
Interessant dürfte in diesem Zusammenhang die Frage sein, ob der performative Selbstwiderspruch der Demokratie jemals operativ behandelt werden kann. Dieser Selbstwiderspruch entsteht dadurch, dass die Forderung nach der Freiheit, wählen zu dürfen, keine Wahlalternative entgegen steht. Demokratie ist praktisch – gemäß eines berühmt gewordenen Wortes – alternativlos, was heißen soll: Es gibt keine Wahl mehr außer der, wählen zu müssen, was in der Geschichte der Entwicklungen eines demokratischen Gemeinwesens nicht immer so war. Diese „Alternativ-Paradoxie“ ist gleichsam ein Indikator für ein Beobachtungsdefizit, das durch den sozialen Selbsterfahrungsprozess eine Problemsituation erzeugt, deren Aussichtslosigkeit nach dem Ende der Feudalherrschaft nicht voraus zu sehen war, und – wie es scheint – bislang keine andere anschlussfähige Möglichkeit des Ausweichens erbringt als die, das demokratische Verfahren immer noch als Lösung für ein Problem zu sehen, das sich allerdings durch den Erfolg der Demokatie längst erledigt hat. Denn auch demokratiefeindliche Gesinnungen sind, wenn auch keine sehr schönen, nur weitere Tupfer auf einer ansonsten recht bunten Blumenwiese. Die demokratische Erfahrungsbildungsprozess hat zwar eine Umgangsweise damit gefunden, aber dieser Prozess steht seiner eigenen Zukunft notwendig indifferent gegenüber, solange auf Problemerzeugungsroutinen bestanden wird, deren Ergebnisse rückkoppelnd nichts anderes bewirken als die Verstärkung dieser Routinen. Gemeint sind damit in erster Linie Unterscheidungsprogramme, deren Inkommensurabilität mehr und mehr ins Auge sticht, wie etwa die Unterscheidung von Kapital und Arbeit oder die von Rechten und Pflichten. Man denke hier etwa an die Hartz IV-Gesetzgebung, die hilflos versucht, ein Recht auf Arbeit in eine Arbeitspflicht umzumünzen. Auch kann man bemerken, wie die Unterscheidung von Innen- und Außenpolitik zusehends brüchig wird, ja, sogar rechtsstaatliche Garantieen, die auf einer Unterscheidung von Sicherheit und Freiheit beruhen, können nicht länger durchgehalten werden. Dies nicht etwa deshalb, da es an demokratischer Zuverlässigkeit mangelte, sondern weil in institutionalisierte Zuverlässigkeit demokratischer Entscheidungsfindungsprozesse ihr Problem verloren haben, durch welches sie als Lösung in Erscheinung traten.
Als Scheinlösung bleibt entsprechend nur verstärkte Beharrlichkeit zu demonstrieren, also strukturkonservativ die Einhaltung von Versprechungen zu ventilieren, deren Nichteinhaltbarkeit praktisch schon unmöglich geworden ist. Die daraus resultierenden Selbstwidersprüche haben für einen besonnen Beobachter gleichsam schon parodistischen Charakter.
Unverdrossen wird Demokratie als die Lösung für ein Problem verkauft, welches keine konsensfähige Meinungsbildung darüber möglich macht, worin es eigentlich besteht. Demokratie ist entsprechend nur das Opium des Volkes, nichts anderes als ein Seufzer der bedrängten Kreatur, die ihre Hilflosigkeit durch den unverbrüchlichen Glauben an die himmlische Erscheinung demokratischer Versprechungen kompensiert.
Fortsetzung folgt
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Soviel gut formulierte,aber inhaltlich ziemlich leere Geringschätzung des demokratischen Prozedere kann nicht unwidersprochen bleiben.Natürlich sind die gesellschaftlichen Arenen korporatistisch plural vergeben und in den Verfahren des Arkanparlamentarismus bleibt vom Willen der Wählenden oft recht wenig übrig.
Aber in demokratischen Verfahren eine “ himmlische“ Verheißung -analog zur Religion ? –
zu sehen,ist mir etwas arg nihilistisch und historisch und juridisch uninformiert.
Immerhin hielt es die bürgerliche Mehrheit im parlamentarischen Rates in weiser Voraussicht und Angst vor den Möglichkeiten des demokratischen Souveräns für angebracht,im BVerfG das monarchische Prinzip zur Kontrolle des eventuell – bei entsprechenden parlamentarischen Mehrheiten – den Status Quo der Besitzstände und der Machtverhältnisse antastenden Gesetzgebers mit zu installieren.Dieses Gericht,selbst von den Kritikern oft gelobt,hat dann ja auch jahrzehntelang den 3 Parteienkonsens der „wehrhaften Demokratie“ mitermöglicht und wurde erst kürzlich wieder für die Pflichterfüllung gefeiert.Und alle gehen hin !
Doch dieses ach so stabile Konzept scheint sich in der postmodernen Gesellschaft der Organisationen(Ladeur) seinerselbst nicht mehr so ganz sicher zu sein.Und Deutschland -endlich möchte man sagen – auf dem Weg zu einer normalen Mehrparteiendemokratie,allerdings etwas spät.Denn auch dieses Konzept ist angesichts der enormen Komplexitätszunahme der Gesellschaften seinerseits problematisch geworden.
Formale Regelungen,die zugleich Anschlussfähigkeit generieren und offen bleiben für Entwicklung,sind erst in Ansätzen zu erkennen.
Aber ganz so schwarz wie Sie sehe ich nicht.
„A farewell to truth“(Vattimo) gilt nur für die Metanarratives, nicht aber für die vielen kleinen fragmentierten,pluralen,rekursiven,lateral vernünftigen,prozessualen und hoffentlich ergebnisoffenen Versuche der nächsten Jahre.
Sie machen in Permanenz und gleich zu welchem Thema immer wieder stur den gleichen penetranten Intelligenzlapsus:
Sie gehen davon aus, daß es eine Wirklichkeit nur mit / für einen Beobachter gibt und haben auch nicht die geringste Vorstellung oder Lösung, WAS bleibt, wenn der Beobachter weggenommen wird …
… z.B. ich werde dann noch nachschauen, was Sie machen, und Sie?
Dieses mal dahingestellt (obwohl der Beobachter offensichtlich Ihr einziges produktives Thema zu sein scheint), ist der große Rest Ihrer Darstellung recht bemerkenswert und scharf gezeichnet (wohl wegen der inzwischen erworbenen Beobacheterei-Routine) und findet meine Zustimmung.
Bitte lassen Sie mich doch wissen, wenn Sie den Artikel fertig haben, hätte gern noch gewußt, wozu das Ganze dann gut ist oder ob sich Ihr Talent auf das Beobachten und Beschreiben beschränkt – das wäre sehr schade, bei so viel – etwas gespreiztem – geistvollem Talent.
Bin mir allerdings sicher:
Irgendwann macht das ewig HALBE auch Ihnen keinen Spaß mehr und Sie versuchen sich im Gestalten, als Architekt, als KONSTRUKTEUR von Wirklichkeit – Pardon: von Realität – für Viele.
Jedenfalls wünsche ich Ihnen das von Herzen, damit Ihnen lebendiger Erfolg begegnet und auch Sie mal benebelt, zu Ihrer Freude.
Demokratie hat noch nie und nirgendwo und zu keiner Zeit ohne Sklaven in Massen funktioniert, das wissen Sie sehr gut (das meinen Sie ja wohl auch mit diesem Artikel), sie wurde sogar als Idee unter Sklaven geboren.
Allerdings soll es Demokratien gegeben haben, in denen die Rechte von Sklaven weit trächtiger erstellt und gehandhabt wurden, vor allem geachtet, als z.B. heute irgendwo …
Und ob wir das Ding nun Demokratie nennen oder einen anderen Namen für unser gesellschaftliches Mit-, Gegen-, Für- odedr Nebeneinander nutzen, es ändert sich durch nichts, da jeder seine eigene Demokratie erlebt, sich ja seine eigene Wirklichkeit konstruiert – was sollte da dann noch Demokratie bewirken können?
So betrachtet, ist der RK zwar nicht direkt demokratiefeindlich, jedoch für diese recht nutzlos und als gewaltige Bremse in der Bewegung von Menschen (z.B. aufeinander zu) zu sehen: Er beinhaltet kein AKTIVUM, keine Aktivität, ist daher nur eine mögliche aber lebensferne und „blutarme“ Sicht einiger weniger, die es sich leisten können anstelle Leistungsträger zu sein. Schade.
@Walter Mengel „Aber ganz so schwarz wie Sie sehe ich nicht.“ Damit wäre die Unterscheidung erkennbar um die es geht: Angst und Hoffnung, und Demokratie braucht Hoffnung. Aber was wäre, wenn sie alle Hoffnungen erfüllt hätte? Also nicht nur die Hoffnung auf ein besseres Leben, sondern auch darauf, dass sie sich alternativlos gemacht hat? Wenn man Demokratie nicht mehr wählen und dann auch nicht mehr abwählen kann? Mit welchen Mitteln müsste man wieder Hoffnung stimulieren, damit die Demkratie nicht einschläft? Das geeignete Mittel könnte sein, die Angst vor dem Niedergang zu schüren. Und was liegt uns an der Angst? Wie auch immer. Demokratie scheint mir wie alles andere auch, alt geworden zu sein; alt, gebrechlich, aber nicht überflüssig, sondern nicht mehr ausreichend, nicht mehr gut genug, um der Bewältigung der von ihr geschaffenen Komplexität noch gewachsen zu sein. Man kann das ignorieren und stattdessen mit Angst und Hoffnung einfach weiter machen. Man kann, aber man muss nicht.
„Man kann das ignorieren und stattdessen mit Angst und Hoffnung einfach weiter machen. Man kann, aber man muss nicht.“
Mir würde sich dann die Frage stellen, ob es für Kommunikation, die nichts weiter im Sinn hat, als sich – blindlings und über Stock und Stein, in bestimmter Hinsicht also: ignorant – fortzusetzen, überhaupt von Relevanz ist, dass „man“ ignoriert oder nicht-ignoriert…
Ist nicht der Befund der Obsoletheit und Anachronistik zu verschärfen und auszudehen derart, dass, obwohl sämtliche klassische Beobachtungsschemata und Codierung der gesellschaftlichen Teilsysteme, so wie Luhmann sie inventarisiert hat, heutzutage (oder vielleicht sogar seit sehr langer Zeit?) inadäquat erscheinen, diese dennoch oder gerade in offenem Trotz sich fortschreiben?
Obwohl „man“ ihre Überholtheit nicht oder nicht nur ignoriert?
#Verstehen/Missverstehen – „ich weiss, dass du weisst, dass ich weiss, …“, die paradoxe Situation der doppelten Kontingenz erlaubt „Verstehen“ als Intersubjektivität nun einmal nicht: da alle Bewusstseine geschlossene UND irritationsoffene Systeme sind, bleibt ihnen als selbstreferenziell verhakte und schwach fremdreferenziell verankerte Selbstgestaltungsmaschinen zur Erarbeitung einer – für sie selbst – brauchbaren „Realität“ eben nichts weiter übrig als die auf „Beobachterei“ gestützte Konstruktion dessen, wonach sich solch ein Bewusstsein dann – in Konsequenz – zu richten bereit ist, auf die Gefahr hin des eigenen Untergangs. Das wäre das Eine.
Das Andere wäre die Machtpragmatik der sich offen gebenden und dennoch klandestin handelnden Mächtigen: Hätten wir noch das erwähnte, von den erwähnten beamteten professoralen Verfassungsrichtern so lange wie seinerzeit möglich geheiligte 3-Parteien-System, dann wäre die rote Seite seit langem unschlagbar in der Überzahl. Hiergegen haben die klugen und einflußstarken grauen Eminenzen der Strippenziehrei hinter den Kulissen demokratischer Freundlichkeiten historisch – nach dem Zweiten Weltkrieg – zweimal ihren geldgestützten Einfluss geltend gemacht: (1) Es wurde im Medium des wachsenden Überdrusses gegen Schwarz die angeblich ganz andere Partei der Grünen gegründet, (man hat sie sich gründen lassen), wohl wissend, dies wäre das einzige Mittel, das Mittel der Zersplitterung, um die wachsende rote Welle aufzuhalten. Dazu wurden die Gewerkschaften ohnmächtig geredet, und das Ganze hat die immer stärker werdenden Roten zu den immer schwächer werdenden Roten gemacht: Es hat sie für 16 lange zähe Jahre die Macht gekostet und in die schlecht gelohnte Rolle der ohnmächtigen Opposition getrieben.
Und nun (2) macht man mit den der wiederum (von wem?) forcierten Gründung der Piraten auf bewährte Weise noch einmal dasselbe: die wachsenden Piraten schwächen wieder und noch einmal die Roten und treiben sie noch einmal für (wie?) lange Zeit in die Ohnmacht der Opposition. Die schwarzen Bankster reiben sich die schmutzigen Hände und schüren zusätzlich durch ihr bewusst unsoziales Verhalten die sich einander jagenden Finanzkrisen, weil Angst das beste Mittel ist, das wachsende Prekariat und die absterbende Mittelschicht klein zu halten und weiterhin klein zu machen. Dieses herrische Verhalten wird zwar auch nicht ewig funktionieren, aber weitere 16 Jahre schwarzer Herrschaft würden ja reichen, um die aus der dann erneut wachsenden Unzufriedenheit der ungeformten Massen im Medium der Politik zu einer dann erneut werdenden Spaltungsstufe (3) zu treiben, die aber – beim besten Willen – aus heutiger Sicht (noch) nicht beschrieben werden kann, (im verlachten Medium der „Beobachterei“).
„dass im Grunde alle gescheiterten Ideale der Demokratie im Programm der Piraten unverdrossen wiederholt werden“ ist vielleicht gar nicht das grundsätzliche Problem. Ideals zeichnen sich dadurch aus, dass sie selten oder nie erreicht werden. Aber sie geben sie als eine unverbrüchliche Orientierung an bestimmten Zielen, Ideen oder Werten. Ob man diese teilt ist eine Sache, ob oder vielmehr wie man sie erreichen könnte, eine andere. Die interessantere Frage scheint mir dann zu sein, inwiefern die Mittel einer Partei, in dem Fall der Piraten, politisch praktikabel und der Realisierung des Ideals tatsächlich dienlich sind.
Die grundsätzliche Paradoxie der Demokratie, „dass die Forderung nach der Freiheit, wählen zu dürfen, keine Wahlalternative entgegen steht“, sie selbst also „alternativlos“ sei, sehe ich in dem Zusammenhang eher als theoretisches, denn als praktisches Problem. Dass es „keine Wahl mehr“ gebe, „außer der, wählen zu müssen“, wird doch vielmehr durch die Situation konterkarriert, nicht mehr oder noch nicht wählen zu können, was man wählen wollte.
Zugleich sehe ich nicht, dass „Demokratie als die Lösung für ein Problem verkauft, welches keine konsensfähige Meinungsbildung darüber möglich macht, worin es eigentlich besteht.“ Besteht das Problem, für das die Demokratie als eine bisher „alternativlose“ Lösung auftritt, nicht einfach in der Tyrannei eines sich als „absolut“ gebenden Willens? Besteht ihre politische Legitimität nicht in der Vehinderung jedweder Art von Diktatur durch die Herstellung eines Gleichgewichtes verschiedener Interessen? Dass sie dabei – als ein letztlich vermeidungsstrategischer Kompromiss – zugleich den „Willen des Volkes“ durchsetze, ist sicherlich eine Illusion. Aber wer glaubt denn noch daran? Besteht die einzige Hoffung, die sich mit ihr noch verbinden mag, nicht darin, dass es irgendwie doch möglich sein könnte, ein einigermaßen gerechtes Gleichgewicht von Interessen herzustellen?
Dass die derzeit faktisch immer weniger der Fall zu sein scheint, hat nicht zuletzt fundamentale ökonomische Gründe. Dass die „Unterscheidung von Innen- und Außenpolitik zusehends brüchig wird“ ist u.a. auch eine Konsequenz dessen. Systemtheoretisch ausgedrückt könnte man vielleicht auch sagen, dass das »System Wirtschaft« nicht einfach mehr nur ein Subsystem unter anderem ist, wenn alle anderen Subsysteme zunehmend davon abhängig werden.
Die Probleme und Möglichkeiten der digitalen Medien stellen nun eine neue Herausforderung in dem Gefüge dar, indem sie diesen Prozess zum einen affirmieren und beschleunigen, zum anderen aber auch unterlaufen und stören. Dabei lässt sich durchaus sagen, dass die Strukturen der »Netzwerkgesellschaft«, der »anderen Gesellschaft« oder wie auch immer man sie nennen will, Emergenzen produzieren, die etablierte demokratische Strukturen tatsächlich in eine Krise führen. Der Anspruch der Demokratie, ein Gleichgewicht der Interessen herzustellen, muss nun nicht mehr nur allein gegen die Drohung der Tyrannei von Diktaturen, sondern auch gegen die Tyrannei der Computer, der globalisierten Ökonomie und ihrer weltweiten Vernetzung durchgesetzt werden. Ob und wie ihr das Gelingen wird, ist sehr fraglich. Aber eine Antwort auf diese Frage zu suchen, halte ich durchaus für sinnvoll. Was wäre denn die Alternative? Eine Herrschaft der Maschinen, eine Kybernetik des Geldes oder eine Restitution kommunaler Utopien (wie etwa durch „Das unsichtbare Kommitee“)?
@stromgeist – „Was wäre denn die Alternative?“ – Ja eben, genau darum geht es ja. Es gibt keine. Besser gesagt: noch keine oder noch keine gut erkennbare. Neben einer zunehmenden Vernetzungsdichte erwarte ich von einer sehr bald anstehenden demographischen Revolution, dass damit etwas anderes zustande kommen könnte. Mit dieser demographischen Revolution meine ich die Heerscharen von Einwanderern, besonders aus Afrika, welche zurückzudrängen hier noch mit dem Schlachtruf „Hannibal ante Portas“ beabsichtigt wird. Man zeigt Angst und Furcht, ohne erkennen zu können, dass damit vielleicht ein Ausgangspunkt gefunden werden könnte, um die überlieferten und eingefrorenen Parteilichkeiten und Blockierungsroutinen zu unterlaufen, indem eine neue Bevölkerung seßhaft wird, die sich gegen diese Muster indifferent verhält, sie also nicht weiß, nicht versteht, was dieser Hokuspokus eigentlich soll und ihn entsprechend ignoriert und alternativ dazu andere Verfahrensweisen entwickelt, ohne die alten gleichwohl zu bekämpfen oder gar abzuschaffen. Was für die einen eher ein Angstszenario ist („Überfremdung“) wäre für mich eher ein Grund zur Hoffnung. Dass damit nicht alles besser wird, kann man natürlich nicht glauben, aber auch nicht, dass alles schlechter wird. In diesem Sinne ist die Piratenpartei vielleicht die erste Partei, die mit der neuen Bevölkerung sehr viel besser zurecht kommen könnte als alle anderen Parteien und zwar deshalb, da ja auch die neue Bevölkerung maßgeblich Computer benutzen würde.
Danke für die Erläuterungen. Damit scheint mir etwas klarer geworden zu sein, worum es dem Artikel geht. Man kann ihn ja durchaus leicht missverstehen, weil nicht sogleich deutlich wird, ob er eine generelle Kritik der Demokratie als (obsoleter) politischer Form oder eine spezifische Kritik des demokratischen Systems in seiner aktuellen (krisenhaften) Form formulieren möchte.
http://twitter.com/#!/kusanowsky/status/124503187628634113
Geschenkt! Dafür gibt es schließlich die Möglichkeit, zu diskutieren, nachzufragen, neuzubeschreiben und weiterzudenken. Hier übrigens noch ein sehenswertes „was wäre wenn“ Filchen vomübermorgen.tv zum Thema „Zukunft der Demokratie“: http://youtu.be/jllrhX62lkk. Ich finde, dieser kurze Beitrag wirft auch viele der hier diskutieren Fragen auf – auf die man vermutlich noch lange eine Antwort suchen müssen wird.
[…] gehe zurück zu Herkunft und Zukunft der Demokratie […]
@Wigbert Traxler 12. Oktober 2011 14:01
„Mir würde sich dann die Frage stellen, ob es für Kommunikation, die nichts weiter im Sinn hat, als sich – blindlings und über Stock und Stein, in bestimmter Hinsicht also: ignorant – fortzusetzen, überhaupt von Relevanz ist, dass „man“ ignoriert oder nicht-ignoriert…“
Also, lieber Wigbert Traxler, woher nimmst du denn diese Sicht als Fakt? Da muß ich dir mal schnell ein Musterbeispiel für einen mißratenen Kommunikationsversuch geben, auf den genau das zutrifft, was du oben gesagt hast:
„Ist nicht der Befund der Obsoletheit und Anachronistik zu verschärfen und auszudehen derart, dass, obwohl sämtliche klassische Beobachtungsschemata und Codierung der gesellschaftlichen Teilsysteme, so wie Luhmann sie inventarisiert hat, heutzutage (oder vielleicht sogar seit sehr langer Zeit?) inadäquat erscheinen, diese dennoch oder gerade in offenem Trotz sich fortschreiben?“ … (woher das wohl ist?)
Lies doch diesen Satz mal l a n g s a m und l a u t vor und sage mir dann, was du herausgefunden hast, was der wohl meint.
Solltest du am Ende der Lesung vergessen haben, worum es am Anfang ging, ist das nicht weiter schlimm, dazu ja das Beispiel, für „… Kommunikation, die nichts weiter im Sinn hat, als sich – blindlings und über Stock und Stein, in bestimmter Hinsicht also: ignorant – fortzusetzen …“, dann lies halt lieber bei Kusanowsky über Kommunikation, da findet welche statt.
@stromgeist 13. Oktober 2011 17:54
„weil nicht sogleich deutlich wird, ob er eine generelle Kritik der Demokratie als (obsoleter) politischer Form oder eine spezifische Kritik des demokratischen Systems in seiner aktuellen (krisenhaften) Form formulieren möchte.“
Was ist die spezielle Kritik „der“ Demokratie? Gibt es das überhaupt, oder meinst du eventuell „an der“ Demokratie?
(Pardon, aber das sind zwei derart gegensätzliche Erscheinungen, die gehören nicht im Alltagsjargon verrührt)
Wenn du nun die Kritik „an der“ Demokratie meinen solltest, wäre das identisch mit „einer spezifischen Kritik des demokratischen Systems“? Oder meints du auch hier wieder die Kritik „an dem“ System statt „des Systems“?
Irgendwie verstehe ich dich dabei nicht, zumal das ausführlich hier bereits erörtert wurde und derart als ausgereizt angesehen werden kann, oder bist du gegen eine „Kritik an Demokratie“ oder an „demokratischen Systemen“?
Das wäre dann der absolute Stillstand, den du dir (und anderen?) damit verordnen würdest.
Alles ist einer Kritik würdig!
Was halten wir uns bei / mit Demokratie auf, „Volksherrschaft“ ist ein dem „realen Sozialismus“ vergleichbare theoretische Qualität, denn wörtlich genommen bleibt sie eine ewige Utopie. So wie „Arbeiter und Bauern“ nie (allein oder dominierend) eine Gesellschaft „führen“ können, kann das „das Volk“ das ebenfalls nicht.
Damit ist Demokratie nur das erträglichere und zählebigere von beiden nicht erfüllbaren Systemen. Darüber hinaus erhebt sich die Frage, was bitte Demokratie mit Regierung zu tun hat, keine Regierung hat bei Strafe ihres Unterganges etwas mit Demokratie im Sinne von „Herrschaft des Volkes“, sehr wohl aber mit das „Volk regieren“ zu tun, das taten zuvor auch schon andere.
Andererseits bleibt die Frage, wenn Demokratie nie möglich (nicht im Sinne von nicht denkbar sondern im Sinne von nicht praktizierbar) ist, was dann? Was ist die Alternative?
Ich denke, das ist die kommunizierende Gegenwart.
Wenn die „flutscht“, funktioniert jedes System – sofern sie eben „demokratisch“ flutscht. Offenbar ist Kusanowsky daran praktisch tätig, und das von dir unter http://youtu.be/jllrhX62lkk empfohlene Filmchen nur die Misere und nicht die Trophäen demokratischen Verhaltens darstellt.
Es ist nicht DEMOKRATIE, die wir brauchen und subventionieren müssen, es ist (wo auch immer) DEMOKRATISCH HANDELNDER MENSCH die Alternative zum System Demokratie.
Oder anders gesagt:
Demokratie kann nur als Emergenz der Komponenten des Systems der SozialGesellschaft, der Menschen und ihrem Handeln, entstehen und läßt sich nie selbst als System konstruieren.
und in diesem Sinne zu
@Wigbert Traxler 12. Oktober 2011 14:01 „Mir würde sich dann die Frage stellen, ob es für Kommunikation, die nichts weiter im Sinn hat, als sich – blindlings und über Stock und Stein, in bestimmter Hinsicht also: ignorant – fortzusetzen, überhaupt von Relevanz ist, dass „man“ ignoriert oder nicht-ignoriert…“
Also, lieber Wigbert Traxler, woher nimmst du denn diese Sicht als Fakt? Da muß ich dir mal schnell ein Musterbeispiel für einen mißratenen Kommunikationsversuch geben, auf den genau das zutrifft, was du oben gesagt hast:
„Ist nicht der Befund der Obsoletheit und Anachronistik zu verschärfen und auszudehen derart, dass, obwohl sämtliche klassische Beobachtungsschemata und Codierung der gesellschaftlichen Teilsysteme, so wie Luhmann sie inventarisiert hat, heutzutage (oder vielleicht sogar seit sehr langer Zeit?) inadäquat erscheinen, diese dennoch oder gerade in offenem Trotz sich fortschreiben?“ … (woher das wohl ist?)
Lies doch diesen Satz mal l a n g s a m und l a u t vor und sage mir dann, was du herausgefunden hast, was der wohl meint.
Solltest du am Ende der Lesung vergessen haben, worum es am Anfang ging, ist das nicht weiter schlimm, dazu ja das Beispiel, für „… Kommunikation, die nichts weiter im Sinn hat, als sich – blindlings und über Stock und Stein, in bestimmter Hinsicht also: ignorant – fortzusetzen …“, da lese ich halt lieber Kusanowsky über Kommunikation, da findet welche statt.
@ohne Name: „Was ist die spezielle Kritik „der“ Demokratie? Gibt es das überhaupt, oder meinst du eventuell „an der“ Demokratie? (Pardon, aber das sind zwei derart gegensätzliche Erscheinungen, die gehören nicht im Alltagsjargon verrührt)
… bist du gegen eine „Kritik an Demokratie“ oder an „demokratischen Systemen“? Das wäre dann der absolute Stillstand, den du dir (und anderen?) damit verordnen würdest.
Alles ist einer Kritik würdig!“
Ja, Worte sind schnell gesagt und ebenso schnell (miss)verstanden – handele es sich nun um Geni- oder Adjektive…
1) Zunächst zum Genitiv. Kritik der Demokratie lässt ja durchauch auch nicht nur im „Alltagsjargon“ verstehen, ganz im Stile von der „Kritik der reinen Vernunft“ oder der „Kritik der politischen Ökonomie“. (Warum haben Kant und Marx wohl keine Kritik an etwas, sondern eine Kritik im Genitiv geschrieben?) – Meine Rückfrage an den Artikel war einfach eine Verständnisfrage, die Deiner Rückfrage an die Rückfrage gar nicht so fern liegt: Soll(te) es um eine Kritik der Demokratie als einer (idealen) politischen Form oder um eine Kritik an den politischen Formen der Demokratie gehen, wie wir sie gerade (konkret) vorfinden? – Um Deine Frage einfach zu beantworten: Nein, ich bin nicht gegen eine „Kritik der Demokratie“ und habe es auch nicht implizieren wollen. Ich wollte einfach nur wissen, was der Gegenstand der Kritik überhaupt sein soll.
2) Nun zum Adjektiv. Was soll heißen: „Alles ist einer Kritik würdig“? Genauer gefragt: Ist alles einer Kritik „würdig“, weil alles schlecht ist? Oder meinst Du nur (im Alltagsjargon), dass man alles kritisieren dürfen soll? In letzterem Fall wäre meine Antwort auch einfach: Ja, soll man. Und darüber hinaus gibt es ja ohnehin nichts, was über eine mögliche Kritik erhaben wäre. Auch das Wort „würdig“ nicht, was ich hiermit kritisiere.
Worauf Du allerdings mit diesem Satz hinaus willst, ist mir nicht klar:
„Es ist nicht DEMOKRATIE, die wir brauchen und subventionieren müssen, es ist (wo auch immer) DEMOKRATISCH HANDELNDER MENSCH die Alternative zum System Demokratie.“
Meinst du nun also im ersten Halbsatz das System, wie wir es vorfinden oder die Idee, auf die sich selbiges beruft? Und läge diese als unkomprimierte dann auch dem zweiten zugrunde? Was wäre denn ein demokratisch handelnder Mensch ohne eine Idee von Demokratie? Wenn diese keine Ideologie wäre, braucht man dann ihren Begriff überhaupt noch, wenn er sich einfach durch „flutschen“ übersetzen lässt? Was wäre dann die Gestalt einer daraus resultierenden solchen Sozialform? Eine Flutschokratie?
@stromgeist 1. Dezember 2011 22:19
Bin auch nicht so weit weg von dir,
Jedoch: „Warum haben Kant und Marx wohl keine Kritik an etwas, sondern eine Kritik im Genitiv geschrieben?“ – wann bitte war doch das gleich mal? Wie sprach man da, wenn Headlines entstehen sollten?
Und wie !ticken“ wir heute, wo an diesen „kleinen“ sprachlichen Feinheiten bis zum Unterschied Krieg / Frieden gedeutelt wird?
Die Altvorderen dürf(t)en das, wir nicht, außerdem erkennen wir daran nicht nur ein Plagiat sondern auch das Alter einer „Kritik“. –
Dann gleich noch zu der: Könntest du dich davon lösen, daß KRITIK nichts mit „negativ“ oder „ablehnen zu tun hat? Auch nichts mit „verreißen“?
Kritik ist das UNTERSCHEIDEN! nichts weiter.
Auch als „Kunst der Beurteilung, des Auseinanderhaltens von Fakten, der Infragestellung“ bezeichnet (wikipe).
Z.B. der Regisseur nach der Probe macht eine – Kritik! Dazu gehört das Unterscheiden, das Herausarbeiten der negativen UND positiven Teile, da nur so an einem Gegenstand gewerkelt werden kann, er nur so vervollkomnet werden kann.
Ganz besonders gilt das beim Gegenstand Demokratie !!
Sie ist in höchstem Maße kritikbedürftig und kritikfähig!
Damit bin ich weder für noch gegen ein demokratisches System! Ich begreife ein „Demokratisches System“ als nicht konstruierbar sondern als Emergenz des demokratischen Handelns der Komponenten eines Systems, also hier: der Menschen.
(Das Ganze ist mehr als die -reine – Summe seiner Teile, es ist das, WAS SYSTEM AUSMACHT! Die Summe plus Emergenz als Effekt alleinig des Systemwirkens der Komponenten).
Fehlt dieses Handeln, ist keine Emergenz zum „Demokratischen System“ möglich, damit auch nicht „von außen“ oder „von oben“ erzwingbar im Sinne einer Plazierung oder eines Konstruktes, einer Installation.
Demokratisches System (!) kann NIE ALS INSTALLATION entstehen, sondern nur durch .Emergenz aus dem Systemwirken der Teile
Nun fragst du nach den Handlungsprämissen für demokratisches Handeln – das ist etwas völlig anderes als ein „Demokratisches System“ mit seinen Instituten, Gewalten und Gesetzen, das alles muß wachsen durch das Handeln der Menschen.
Im Umkehrschluß heißt dies, hört Mensch auf, demokratisch zu handeln (auch: entscheiden), hört Demokratie auf,.
Die Institute des Systems können das nicht ersetzen, verkümmern, das ehemals demoratische System als Ergebnis des Handelns der Systemkomponenten verändert sich, wird ademokratisch, frei, frei von Demokratie…, später auch von der Idee der Demokratie-.
Volksherrschaft ist eine Art Werbebegriff, die Bezeichnung einer – bekannten – Idee, sie ist jedoch weder Bauplan für das dazu erforderliche Staatsgebilde noch ein Grundriß dafür,
Will man diese Idee, bleibt nur die mehrheitliche praktische demokratische Kommunikation, die Entscheidungsfindung und deren Erfüllung nach dieser Idee, mit der Emergenz „demokratisches System“,
Auch ein solches System muß VOR ALLEM ANDEREN DEN ANFORDERUNGEN EINES SYSTEMS ENTSPRECHEN, und genau diese Kriterien (allgemeine wie spezielle soziale) für ein System gibt die Luhmannsche Theorie an keiner Stelle her.
Das wäre erst noch zu leisten. Z.B. über Kritik der / an der Demokratie, es wird wohl dringend benötigt.