Wut – nicht adressierbar

von Kusanowsky

Der Wutbürger ist die Beobachtung eines ganz normalen Phänomens, das für die moderne Gesellschaft typisch ist. Natürlich gab es auch im alten Rom wütende Bürger, aber die Verhältnisse waren da ganz anders, ist also nicht gut vergleichbar. Der Wutbürger ist ein Bürger, der notwendig in der Klemme sitzt. Weil keiner alles Lebensnotwendige allein produzieren kann, sind alle aufeinander und auf alles andere angewiesen. Mag merkwürdig wirken, ist aber so. Was nicht viele wissen ist, dass z.B. auch Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger unverzichtbar sind, da sie beispielsweise als Druckmittel der Kapitalbesitzer verwendet werden können, um Einkommenserwartungen zu dämpfen. Auch Kapitalbesitzer sind unverzichtbar, da die Welt und ihr Reichtum keine Adresse hat. Wer sich also etwas nimmt, kann nirgendwo um Erlaubnis bitten, aber dadurch entsteht dann eine Adresse für Reichtum, an die man sich wenden kann, wenn man diesen Reichtum erwerben will. Das ist zwar merkwürdig, aber kompliziert wie alles andere auch, also schlicht: normal.

https://differentia.wordpress.com/2011/03/08/der-wutburger-eine-kleine-soziologie-fur-einsteiger-und-unterhaltungsbedurftige/

Inszenierung der Wut

Inszenierung der Wut

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Nicht nur die Wut ist nicht adressierbar, auch die Inszenierung der Wut kann sich allenfalls an ein Publikum richten, das nicht auf gleiche Weise erregt ist, welches also gelassen bleiben muss, sonst kann man diese Inszenierung nicht genießen. Genießt man sie aber in aller Ruhe, verfehlt die Inszenierung ihre Botschaft, denn sie will ja aufrütteln. Doch wollte das Publikum (und man müsste mit tausenden rechnen) anschließend wütend aufspringen und genauso umher schreien, so würde das wieder nichts bewirken, weil keiner dem anderen zuhören kann. Was wird erreicht, wenn diese inszenierte Wut ihre Adressaten erreicht? Irgendetwas wird sicher immer erreicht, aber wenn, dann nicht das, was erreicht werden soll. Und nur darum kann man diese Wut inszenieren. Und die alles entscheidende Frage: wen könnte das interessieren?