Klickfalle bei Facebook – Beobachter beobachten Beobachtung #systemtheorie
von Kusanowsky
Bei Facebook macht gerade eine Klickfalle die Runde. Auf der eigenen Pinnwand erscheint eine blaue Uhr und die Mitteilung, dass man über die Aufrufe des eigenen Profils durch andere Facebook-Nutzer infomiert werden kann. Wer drauf klickt gerät in eine Klick-Falle, was gewiss sehr ärgerlich ist. In diesem Blogartikel wird auf die Falle hingewiesen und erklärt wie sie funktioniert:
Es ist mal wieder an der Zeit für einen “Kampf gegen Facebook-Spam”-Artikel. Denn derzeit schwappt eine neue Welle Müll durch das Lieblings-Social-Network. Die “blaue Uhr” ist innerhalb kürzester Zeit zu einem Hassobjekt geworden, denn sie flutet geradezu die Neuigkeiten und Pinnwände. Mal wieder geht es um eine Anwendung die angeblich Profilbesuche anzeigen kann, und mal wieder siegt die Neugier der Leute über den Verstand. Man sollte ja meinen, dass inzwischen jeder begriffen hat, dass man bei Facebook Profilbesucher nicht anzeigen kann. Weder wer das Profil besucht hat, noch die Anzahl der Profilbesucher. Die Neugier dieses Thema betreffend, scheint jedoch unglaublich groß zu sein. Denn anders lassen sich die Erfolge der Betrüger und Spammer nicht erklären, die mit angeblichen “Profilbesucher sehen”-Anwendungen Facebook zumüllen.
Höchst bemerkenswert ist der letzte Satz: „Denn anders lassen sich die Erfolge der Betrüger und Spammer nicht erklären…“ Die Erklärung, dass nicht jeder über alles informiert sein kann, dass man es also immer mit unvollständig informierten Systemen zu tun hat, kann nicht in Erwägung gezogen werden, da ja die Evidenz einer Erklärung sich schon aufgedrängt hat: es kann angeblich nur an der Neugier der Leute liegen; nur daran, und an nichts anderem.
Wie wenig haltbar diese Erklärung ist, kann man bemerken, wenn man sie auf ihre Selbstreferenz hin untersucht. Denn ist man in die Falle getreten, so ist weitergehende Neugier unverzichtbar, um herauszufinden, wie man diese lästige Anwendung wieder ausschaltet. Das Aufrufen dieses Blogartikels, der darüber aufklärt, wäre darum ohne Neugier nicht zu machen. Und man stelle sich vor, dass diese Betrugsmasche eben diese Neugier anschließend ausnutzen würde, indem sie eine Klickfalle programmiert, die vor dieser Klickfalle warnt. Jedenfalls wäre es nicht unwahrscheinlich, dass eine Betrugsmethode auch dialektisch funktionieren kann.
Ein Künstler hat diese Möglichkeit sehr interessant mit einem kleinen, recht einfachem, aber sehr wirkungsvollem Experiment anschaulich gemacht.
Mit mangelndem Verstand kann man es also unmöglich zu tun haben, weil die Verstandesfähigkeit auf Neugier gar nicht verzichten kann. Die interessante Frage ist aber, warum eine Selbstreferenz zur Informationsgewinnung (Wer ruft mein Profil auf?) ideal geeignet ist, um diese Betrugsmasche verbreiten zu können.
Der Grund dafür liegt in der selbstreferenziellen Operationsweise aller sinnverstehender Systeme. Selbstreferenzialität lässt sich zwar auf der operativen Basis der Systeme durch diese selbst reproduzieren, aber sie lässt sich dadurch nicht beobachten. Selbstreferenz ist nicht beobachtbar, weil alle Selbstreferenzialität ihre Operationen nur auf sich selbst reduzieren kann. Da dies nun aber im Gegensatz zu der beobachtbaren Aussage steht, dass Sinnsysteme selbstreferenziell operieren, weil eine Unterscheidung von Operation und Beobachtung genauso in die Paradoxie hinein wie aus ihr hinaus führt, so heißt das, dass jede Selbstreferenz darüber informiert, dass notwendig immer ein Informationsdefizit vorhanden ist, das nur selbstreferenziell behoben werden. kann Aber warum führt dies nicht zu einem endlosen Kreislauf der beständigen Autopropellierung von Referenzen? Das liegt an der strukturellen Verkoppelung von mindestens zwei sinnprozessierender Systeme, etwa einem kommunizierendem und einem psychischem System, die immer eine Synchronizität ihrer Operativität erzeugen und auf diese Weise rechtzeitige Ablenkungsmöglichkeiten bereit stellen. Das Ausnutzen solcher Ablenkungsmöglichkeiten führt dann zu weiteren Irritationen, die vorteilhafte und nachteilhafte Konsequenzen nach sich ziehen können. Für ein Kunstsystem sind solche Ablenkungsmöglichkeiten genauso weiterführend wie für ein Betrugssystem. Man kann weder etwas gegen Kreativität machen, noch gegen die Möglichkeit des Betrugs, weil beides durch die selbstreferenzielle Operationsweise der Systeme möglich wird. Neugier wäre dementsprechend ein Ereignis, das nicht eindeutig einem psychischen oder einem sozialen System zugeordnet werden kann. Auch Kommunikationssysteme könnten dann Neugier zeigen. Nur aber könnte man nicht beobachten, ob Neugier nur durch diese zustande kommt. Was für psychische Systeme ebenfalls gilt.
Es ist mal wieder an der Zeit für einen “Kampf gegen Facebook-Spam”-Artikel. Denn derzeit schwappt eine neue Welle Müll durch das Lieblings-Social-Network. Die “blaue Uhr” ist innerhalb kürzester Zeit zu einem Hassobjekt geworden, denn sie flutet geradezu die Neuigkeiten und Pinnwände. Mal wieder geht es um eine Anwendung die angeblich Profilbesuche anzeigen kann, und mal wieder siegt die Neugier der Leute über den Verstand. Man sollte ja meinen, dass inzwischen jeder begriffen hat, dass man bei Facebook Profilbesucher nicht anzeigen kann. Weder wer das Profil besucht hat, noch die Anzahl der Profilbesucher. Die Neugier dieses Thema betreffend, scheint jedoch unglaublich groß zu sein. Denn anders lassen sich die Erfolge der Betrüger und Spammer nicht erklären, die mit angeblichen “Profilbesucher sehen”-Anwendungen Facebook zumüllen.
Mehrfach wird der Begriff ‚Neugier‘ verwendet. Was ist eigentlich ‚Neugier‘? Die obige Erklärung, ‚ein Ereignis‘, kann ich nicht wirklich nachvollziehen, da Ereignisse für mich immer zeitlich reduzierte Manifestationen von Handlungen oder Abläufen sind, die erstmal keine Begründungszusammenhänge liefern. Eher ist für mich Neugier ein Motiv gebendes Konstrukt, welches vor einer Handlung vorhanden sein muss, oder eher ein erklärendes Konstrukt, um einen Begründungszusammenhang für eine Handlung zu liefern? Als Erweiterung könnte noch die Frage interessant sein, ob Systeme überhaupt ’neugierig‘ sein können, z.B. weil sie von Menschen ‚gedacht‘ werden oder ob man das grundweg ausschießen müsste, wenn Menschen keine Rolle spielen.
@itari – „Die obige Erklärung, ‘ein Ereignis’, kann ich nicht wirklich nachvollziehen“ – ja, es ist tatsächlich sehr kurz ausgeführt. An irgendeiner Stelle muss man immer knapp bleiben. Neugier ist kein Ereignis, sondern entsteht durch ein Ereignis, das über Nichtinformiertsein informiert, sofern dieses Ereignis innerhalb von Strukturen vorkommt, die Relevanzunterschiede erwartbar machen. Neugier wäre dann gleichsam ein Struktureffekt, der dieses Ereignis in weitergehende Informationsstrukturen ausfächert. Dass der Versuch, Selbstreferenz zu beobachten, die Neugier sehr gut anstacheln kann, liegt bestimmt daran, dass kaum etwas anderes als Selbstreferenz die Nichtinformation, also Information über Nichtinformation, erzeugen könnte, weil ja auch Nichtinformation als Ereignis streng genommen gar nicht möglich; aber der Unterschied, und damit ein Ereignis, zwischen Information und Nichtinformation ist dennoch möglich. Alles, was man beobachten kann, hat foglich eine Gegenseite der Nichtbeobachtbarkeit. Allerdings kann dieses Problem kommunikativ gar nicht auffallen, da alle Kommunikation ja schon immer als entfaltete Selbstreferenz erscheint. Nichtsdestotrotz bleibt mindestens stets ein Unterschied übrig, über den zu irritieren sich für die Kommunikation immer lohnt, weil sie gerade dadurch weiter gehen kann. Und übrigens: Menschen spielen als Umwelt immer eine Rolle; und nur Kommunikation kann aufklären welche. Oder auch nicht.
[…] Artikel zu diesem Thema: Klickfalle bei Facebook – Beobachter beobachten Beobachtung Post-privacy und was man davon halten kann Das Problem der „echten“ Kommunikation? […]