Scheiße, wenn Beobachter Beobachter beobachten

Leider findet man immer noch jeden Tag genügend Anlässe, um einen Mangel an Vernunft als Ursache für die Missstände in der Welt zu erkennen. Nicht, dass ich das glaube, aber denjenigen, die das glauben möchten, kann man nicht wirklich mangelnde Vernunft vorwerfen. Ein höchst bemerkenswertes Beispiel für transzendentale Stupidität finden wir in dem Interview, das der Isländer Herbert Snorrason – ehemaliger Kollege von Julian Assange – der Süddeutschen Zeitung gab. In dem Interview kommen die Pläne Snorrasons zur Sprache, eine Alternative zu Wikileaks zu gründen. Das Konzept von „Openleaks“ (nomen est omen) soll nach Aussage von Snorrason darin bestehen, ein Computer-Netzwerk zu errichten, das als eine Art elektronischer Briefkasten funktioniert und in den jeder brisante Dokumente hineinwerfen und selbst bestimmen kann, wer die Papiere bekommen soll. Geantwortert auf die Frage, ob dieses Computer-Netzwerk auch sicher sei, antwortete Snorrason genauso selbstsicher wie weltfremd: „Ja.“
(Alte Weisheit: wer dumme Fragen stellt, bekommt dumme Antworten.)

Siehe auch:
Die Illusion von Datenschutz und Datenklau
Wikileaks – Schock und Scham der Systeme
Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Wikileaks und die Obszönität einer neuen Form der Empirie
Wikileaks – Metapher und Methode