operativer Konstruktivismus

von Kusanowsky

In der Systemtheorie Luhmanns werden Massenmedien als beobachtende Systeme konzipiert, die – wie alle andere Systeme auch – keinen erkennenden Zugang zu Realobjekten der Umwelt haben, der unabhängig von den Bedingungen der Erkenntnis selbst wäre. Während des momentanen Vollzugs eines Erkenntnisvorgangs kann das System nicht gleichzeitig seine eigenen kognitiven Strukturen, die „Frames“, reflektieren, mit denen es die Inputs der Umwelt verarbeitet. Wenn aber Systeme den Zugang zur Umwelt nur auf Grundlage der eigenen Frames erlangen können, folgt daraus zwangsläufig, dass deren Kommunikation über Umwelt nur auf eine in spezifischer Weise konstruierte Umwelt bezogen sein kann, die andere Systeme möglicherweise nicht teilen. Es sind daher die durch das System selbst getroffenen Unterscheidungen, anhand derer es die Umwelt abtastet und für welche die Umwelt keine unmittelbare Entsprechung bereithält. In der Systemtheorie wird dieser Erkenntnisvorgang als operativer Konstruktivismus bezeichnet

Luhmann, Niklas: Die Realität der Massenmedien. 3. Aufl., Wiesbaden 1996, S. 172.

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