Meister, Trickster, Bricoleure

Virtuos zu sein wird im kognitiven Kapitalismus zur Grundkompetenz für jedermann: Meister und Trickster sind dabei nicht voneinander zu
unterscheiden. Immaterielle Arbeit verlangt nach Virtuosität, und die Parallelen zur künstlerischen Produktion, zur Performance, sind nicht zu
übersehen: Beim Beraten und Informieren, Therapieren und Organisieren geht es um Produktionsformen, die kaum etwas anderes als sich selbst
herstellen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach der Virtuosität in der Kunst neu und mit ihr die nach den Grenzen von Kunst, Arbeit, Politik,
Ökonomie. Entlang dieser Grenzen entwickeln sich heute neue Arten von Virtuosität. Sie sind zwischen alltäglicher Trickserei und meisterhaftem
Können nicht leicht zu fassen, bringen trickreiches Denken und kunstvolles Handeln in neue Konstellationen. Sie verwandeln Denken in Tanz, Nicht-Kunst in Kunst und umkehrt, und sie widersetzen sich der Aufteilung in jene, die etwas zu zeigen haben, und jene, die bloß zusehen. Zugleich stellen sie aber auch die Frage nach dem Können neu: Worin besteht eine Virtuosität des Betrachtens, des Zuschauens, des Zuhörens? Wann ist künstlerischer Aktivismus virtuos? Gibt es eine Virtuosität der Öffentlichkeit, der Adressierung? Jede Zeit, jede Gesellschaft bringt andere Virtuosen, andere Trickster hervor. Hat sich das subversive Potenzial des Tricksen¬s im deregulierten Kapitalismus erledigt oder kann man auch darin virtuos sein, sich der Verwertungslogik zu entziehen? Was ist virtuos im Umgang mit Ökonomie und welche Ökonomien verknüpfen sich mit dem Virtuosen?
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