Wikipedia wird abgeschafft …

von Kusanowsky

Wikipedia wird abgeschafft und durch Omnipedia ersetzt.
Hier habe ich den Link eines klugen Tüftlers gefunden, der verstanden hat, dass Wikipedia kein Dokument sein kann, das den selbstgestellten, auf Selbstreflexivität abzielenden Anforderungen der Wikiautoren gerecht werden könnte. Relevanz? Neutralität? Alles Quatsch.
Die bei Wikipedia virluenten Diskussionen um Löschung von Artikeln erinnern von Ferne an die ersten modernen Diskurse zur Zeit der Reformation. Die Streitigkeiten eskalierten seinerzeit enorm, weil keiner der Beteiligten verstehen konnte, was mit der Druckerpresse entstanden war. Es entstanden Dokumente, statt Monumente. Die Dokumente, welche die Druckerpresse erzeugten, zeichneten sich dadurch aus, dass durch sie beobachtbar wurde, wie viele verschiedene Leute auf massenhaft verteilte Exemplare des selben Originals reagieren. Martin Luther konnte zwar schon von einem dokumentarischen Beobachtungsschema Gebrauch machen, indem er ständig darauf bestanden hatte, durch die Schrift über seine Irrtümer aufgeklärt zu werden. Dass die Schrift aber kein Monument mehr war, also kein Einzelstück mehr, das noch von Wahrheit sprechen konnte, war ihm noch nicht bewusst. Erst in der nachfolgenden Zeit wurde gerlernt, dass Dokumente herbeigebracht werden mussten, um dieses oder jenes zu begründen oder zu widerlegen.
Interessant ist nun zu sehen, dass der Erfolg des dokumentarischen Beobachtungsschema bis heute derart hartnäckig verfolgt wird, dass nicht bemerkbar wird, wie die Dokumentstruktur durch das Internet praktisch zerstört wird. Schon bei Wikipedia selbst ist dieser Zerstörungsprozess durch Herstellung eines Hypertextes und Zurückverfolgbarkeit von Dokumentversionen bereits angelegt.
Der oben zitierte Tüftler beoachtet dieses Geschehen und erklärt sich indifferent gegen dieses dokumentarische Beobachtungsschema. Er kommt auf die Idee, die Textproduktion von Wikipedia mit den Verfahrensweisen von social networks zu verbinden.
Wenn aus diesem Projket nichts werden sollte, dann aus dem nächsten. Weil Probleme prinzipiell lösbar sind, sofern man anfängt, dass Beobachtungsschema zu beobachten, durch das die Probleme in Erscheinung treten.

Siehe dazu auch diese Artikel:
Macht uns das Internet klüger? Wikipedia als reinkarnierte Gutenberg-Bibel
Monumente – Dokumente – Performate. Zur Frage von Überlebenschancen kultureller Artefakte

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