Zur Metanoia moderner Systeme – Notizen zur Revolution der Medienevolution II

von Kusanowsky

Für die Zukunft der Neuformierung einer Medientheorie unter entsprechenden veränderten Bedingungen dürfte es zu einer enormen Ausweitung von Forschungshorizonten kommen, wenn man beginnt, das Konzept einer Evolution der „Wissensmedien“ unter anderen Differenzen zu studieren, um so etwas wie eine integrale Mediengeschichte herstellen zu können. Dazu wäre ein enormer Berg an Beständen abzuarbeiten. Darunter fiele zum Beispiel eine Buch- und Bibliotheksgeschichte, eine Zeitungsgeschichte, eine Enzyklopädie- und Lexika-Forschung sowie eine Geschichte der konventionellen Unterhaltungsmedien. Aber auch ein ganzer universitärer Fächerkanon käme in den Blick, sind doch all diese Formate Resulate einer Gesellschaft, die gelernt hatte, sich selbst durch Dokumente aller Art zu beschreiben und sich rückkopplend auf daraus resultierende Differenzen zu verhalten. Das Interessante an einer solchen Aufgabe wäre, das historische Beobachtungsschema von „dokumentiert/nicht-dokumentiert“ auf eine solche integrationistische Betrachtungsweise anzuwenden, was durch die Neuformierung einer Kultur Digitalisierung aller uns bekannten Dokumentenformen möglich wird. Dabei handelt es sich um die Herausbildung neuartiger Performate, die sich auf die Gestaltung von Nachrichtenformen, auf die Simulation traditioneller Medien im Computer sowie die Vernetzung bisher getrennter Spezialnetze im Internet erstrecken wird. Der Tendenzen zu einer Zusammenführung bisher isolierter Technikbereiche wie Fernsehen, Radio, Telefon, Steuerungsanlagen der Verkehrsinfrastruktur und Zusammenschau gleichzeitiger Systemprozesse liegt dann eine grundlegend veränderte Sicht auf Theoriemodelle der Medienentwicklung zugrunde, die Konvergenz erstens erzwingt, aber  – und andersherum – durch eine solche Konvergenz zweitens erst möglich werden kann. So erscheint der Computer als das finale Metamedium und das multimediale Internet wird zum logischen Endpunkt, zur universalen Infrastruktur der Wissensproduktion und Informationsverbreitung, in die alle früheren Medienformen, wie sie sich durch ihren Dokumentencharakter ergeben hatten, einmünden. Könnte man daraus den Schluss ziehen, dass ein bereits vorhandenes Theorienangebot sich einem solchen historischen Prozess schon vorab unter Berücksichtigung einer neo-teleologischen Modellbildung der Medienevolution unterwirft? Wenn also eingesehen wird, dass ein Ablöseprozess von traditionellen Wissensmedien, wie sie etwa als Buch, Enzyklopädie, Lexika, Zeitschrift oder Zeitung entstanden waren nur möglich wird, wenn man eine zielgerichtete Entwicklung unterstellt, die durch Erprobung sämtlicher – vor allem unter intensiver Nutzung von Technik – Möglichkeiten einen Endzweck in Aussicht stellen könnte. Nicht, dass ich das glaube, allein der Gedanke ließe interessante Spekulationen zu.

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